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Die zemaitischen Mundarten 


Teil I 


Oeschichte des zemaitischen Sprachgebiets 


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I naugural- Dissertation 


zur Erlangung der Doktorwürde 
der philosophischen Fakultät der Universität Leipzig 


vorgelegt von 


Anton Salys 
aus Rekete in Litauen 


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Kaunas 
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/Pomorze_016_11_002_0001.djvu

			Angenommen von der I. Sektion der philologisch-historischen Abteilung 
der Philosophischen Fakultät auf Grund der Gutachten 
der Herren Gerullis und Trautmann 


Leipzig, den 26. Juli 1929 


Hoffmann, 
d. Z. Dekan j 
der philologisch-historischen Abteilung 
der Philosophischen Fakultät. 





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Die Dissertation ist ausserdem in . Tauta ir locHs. Bd. VI, Kaunas. 
1930, abgedruckt. 


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			Inhaltsverzeichnis. 


Vorbemerlmngen . . 
I. Der Name .lemaiten° 
11. Das kurische lemaiten: 
1. Allgemeines 
2. Cec1is . 
3. Pilsaten . 
4. Megowe . 
5. Duwsaren 
6. Lamotina 
7. Besiedlung 
8. Nationalität der Kuren 
111. Das semgallische lemaiten 
IV. Das litauische lemalten: 
1 Karschauen . , . . 
2. Landschaft Siauliai 
3, Kernfemalten, 
V. Die Wildnis: 
1. Allgemeines . 
2. Alter und Entstehung 
3, Ausdehnung . . 
4. Landschaftsbild . 
VI. Die Grenzen lemaitens: 
I. Die äusseren Grenzen: 
A. Vor 1400. . 
B. Nach 1400 . . 
Die Nordgrenze 
Die Ostgrenze 
Die Südgrenze 
Die Westgrenze 
2. Die Inneren Grenzen 
VII. Wiederbesiedlung der Wildnis: 
1, Allgemeine Vorbemerkungen 
2. Stand der Besiedlung um 1450 . 
3. Fortschritt der Besiedlung bis Anfang des XVI. Jahrhunderts 
4, Zusammenhang zwischen KIrchengründungen und Wiederbesiedlung 
5, Siedlungsbild nach 1550 . .' .",. 
6. Pest als Hemmnis der Bevölkerungszunahme 
7. Ilerd und Richtung der Expansion . 
8, Besiedlung der Grenzzonen 
9. Fremde Volkselemente unter den Siedlern . 
10. Ursachen der Expansion , . . . , . . . 


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			4- 


VIII. Zar B
5i
dlung des Memelgebiets: 
A. Die Zeit vor der Kolonisation 
1. Schalauen : 
a. Ausdehnung . , . . 
b. Besiedlung 
c. Nationalitat der Schalauer 
B. Kurische und litauische Einwanderung: 
1. Vorbemerkungen. . . . . . . . . 
2. Einwanderung der Kuren . . . . . 
3. titauische Kolonisation in Preussen: 
a. Allgemeines _ . . 
b, Hauptamt Memel 
c. Hauptamt Ragnit , 
d, Hauptamt Tilsit . 
e. lIauptamt Insterburg . . . . - 
f. Ursachen der Einwanderung und Heimat der Kolonisten 
g, Siedlungspolitik der ersten tierzöge 
Abkürzungen . 
Lebenslauf 


120 
120 
122 
123 r 
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126 
131 
134 
135 
135 
136 
137 
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142 
147
		

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			I 
I 


Vorbemerkungen. 


Wer den heutigen zemaitischen Dialekt und seine Mundarten nicht 
nur beschreiben, sondern auch historisch verstehen will, muss sich zuvor 
über die Siedlungsgeschichte und die alten völkischen Verhältnisse Zemai- 
tens klar werden. 
Da die Geschichte und die historische Geographie Litauens bisher 
nur in groben Umrissen vorliegt, ergab sich für uns die Notwendigkeit, die 
erforderlichen Vor.ubeiten selbst zu leisten. 
Dabei durften wir uns nicht auf das heutige zemaitische Sprachgebiet 
beschränken, sondern mussten das ganze Westlitauen, westlich des Nev
zis, 
also das historische Zemaiten behandeln. 


-A-
		

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IDN Z " t U 
. er ame" emal en . 


Der Name "Zemaiten", H. Zemailiai, taucht erst Anfang des XIII. 
Jahrhunderts in den russischen Quellen auf. 
Die Wolhynische Chronik nennt unter dem Jahr 1215 ,,)I(eMoTbcKbUi 
KHH3H EpbJU1BHßö, BblKblHTö", PSRL I 735. Latkowski, Mendog 13 ff, korri- 
giert das Datum in 1219. 
Nach Boguphalus (Bischof von Posen 1255-1265) führt Konrad, Fürst 
VOll Masowien, noch v
r 1228 "Scoweas (= Schalauer), Pruthenos, Lithua- 
nos, S z an mit a s (= Zemaiten) precio conventos ad devastandum terras 
Sandomirienses", SRP I 757. 
Auch die Wolhynische Chronik loc. eit. 860 unterscheidet die Zemai- 
ten von den Litauern: ,,(1263) TpeHHTa H&'1a KHSDKHTH BO BceH 3eMß-t 
JIHToBeKoH H B )l(eMoHTH". Vgl. noch loc. cit. 11 896: "XoJ],Hwa JIHTBa 
Best H )l(eMoHTb BCst Ha H1>MLl1> K PJ.13H 1286 r." 
Dieser Scheidung der Chronisten ist jedoch nur formale Bedeutung 
beizumessen. Die Landschaftsnamen erscheinen bei ihnen zugleich auch 
als Volksnamen. 
Heinrich der L
tte kennt in seinem "Chronicon Livoniae" (reicht bis 
1227) den Namen "Zemaiten" überhaupt noch nicht. 
Die Livländische Reimchronik (abgefasst um 1290) spricht schon ne- 
ben den Litauern auch von Sam ei te n, erklärt sie aber ausdrücklich für 
Litauer: 


"Dle lettowen 81 zQ hant, 
die Samelten slnt genant", V. 5445 f. 


Vgl. noch loc. cit. VV. 4466 f, 9965 f, 11097 f. Falsch Heinrich 1). 
Beiträge 12. 
Peter von Dusburg nennt in seinem 1326 vollendeten "Chronicon 
terre Prussie" neben dem Landschaftsnamen Sam e t h i a zweimal "Le- 
thowini de Samethia" und einmal nur "Samethi", Dusb. 159, 181, 187. 
Die von Nikolaus Jeroschin 1331 - 1341 angefertigte deutsche Über- 
setzung dieser Chronik hat aber dafür schon einfach "Samaiten", Jer. 586, 601. 
In der hCanoniei Sambiensis Epitome Oestorum Prussie" (verfasst um 
1338) lesen wir: "magister Lyvonie... terram Littowie, que Sam e it e n 
vocatur, intravit", Sambo 285. . 
Noch bei Hermann von Wartberge, Chronicon Livoniae, verfasst um 
1378, begegnen wir dem Ausdruck "contra Letwinos in Sameythen", 
H. v. Wartberge 75. Vgl. noch loc. eiL 67, 114. 


1) Um Verwechslungen zu vermeiden, wird G. Mortensen im folgenden stets bei 
ihrem Madchennamen genannt.
		

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			(175) 
Auch in den älteren Urkunden kommt die
er Sprachgebrauch gele- 
gentlich vor, so z. B. in einem Briefe des livländischen Landmeisters von 
1290: "contra hostes Lettowinos, videlicet de Sameyten". BUI I 670. 
Mit Recht schrieb also Vytautas 1420 an den römischen Kaiser: "Sa- 
magitte... se Lythwanos ab antiquis temporibus... appelant". Begründung: 
"unum ydeoma et uni homines", CEW 467. 
Die geographische und nicht nationale Bedeutung des Namens "Ze- 
maiten" erkennen wir deutlich aus dem Friedensvertrag des Grossfürsten 
Gediminas mit dem liv]ändischen Orden vom 2. Oktober 1322. In der 
Gegenurkunde des Ordens heisst es: "Istae vero sunt terrae, cum quibus 
et pro quibus pacem inire decrevimus supradictam: primo enim ex parte 
regis praedicti (d. h. Oediminas') Lethoviae. Eustoythen, Samaythen, BUl H 154. 
Die Erklärung dieser auf landschaftlichen Unterschieden beruhenden 
Namen der beiden Teile Litauens hat Vytautas selbst (1420) gegeben: "terra 
Samaytarum est terra inferior ad terram Lythwanie, ideo S zorn 0 y t h vocatur 
(= ru. )l(OMOHTb, li. Zemaiciai : iemas ,niedrig' + Suffix . aitis), quod in 
lythwanico terra inferior interpretatur. Samoyte vero Lythwaniam appelant 
Au x s tot e (= AukStaiCiai : aukstas ,hoch' + -aitis), quod est terra superior 
respectu terre Samaytarum", CEW 467. 
Der Grossfürst hat hier lediglich die damalige opinio communis wie- 
dergegeben. In einem Brief des Ordensmarschalls von 1408 lesen wir: "di 
niderJand (= Lemaiten) quomen und ir geise] herczog Wytowt anboten uns 
(d. h. dem Orden) czusetczen", ]oc. eil. 164. H. v. Wartberge 88 berichtet 
unter dem Jahre 1367, dass Henning Schindekop "ordinis marsca1cus castra 
metatus est in s u per i 0 r i bus partibus Letwinorum (= Aukstaiciai ,Ober
 
litauen'). 
Bis zum Ausgang des XIV. Jahrhunderts ist die in deutschen und la- 
teinischen Quellen gebräuchlichste Namenform Samaiten bzw. Sameiten 
(geschrieben auch: Samayten, Samaythen, Samoythen, Sameithen, Sameyten, 
Sameythen, Sameytin, Sameithin. Zamaythen, Samayte, Samaythe, Samoyte, 
Samayti, Samaythi.. .). 
Nach der Ana]ogie der heutigen deutschen Wiedergabe der litauischen 
Namen würde man etwa *Schamaiten bzw. *Schameiien erwarten. VgJ. heute 
ostpr. Zameite (geschrieben: Scharneite) ,Litauer aus GrossJitauen'. Das 
anlautende s ist wohl auf Rechnung der preussischen und lettischen Ver- 
mittlung des Namens zu setzen, denn dem Deutschen jener Zeit war der 
Laut s nicht fremd. 
Man braucht hier nur die Wegeberichte zu vergleichen, wo alle li- 
tauischen ON prussifiziert erscheinen. VgJ. A s ar une: H. Eierüne, Bi r sen 
- velde : H. Biriq laukas, 0 e y s 0 w : li. Oaiiuva, Ass w e : H. Asva usw. 
(vgJ. Kapitel IV, 3). Zuweilen wird in der Umbildung der litauischen ON 
sehr weit gegangen. Vgl. 0 r a w m a n-a p p e (: pr. appe ,Fluss'): H. Orau- 
mena, T wer t e-k a y me n (: pr. caymis ,Dorf'): H. Tverai (vgJ. loc. eit.). 
Das a in Samaiten beruht wohl auf der offenen Aussprache des Ii. e. 
ei für ai ist wohl rein orthographisch zu erklären. 
Die russischen Namenformen )l(eMolHb, )l(OMOHTb können nur auf 
H. ienzaitis ,Zemaite' zurückgeführt werden. Zemaiciai ,Zemaiten' hätte 
*)I(eMoHTH, *)I(OMOHTH ergeben. Vgl. K'bpCb, PSRL I 2 : le. kursis ,Kure' 
und zur Analogie PYCb ,Russ]and'. 


-7-
		

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			(176) 


-8- 


Zum erstenmal 1409 (CEW 976 f) und später wiederholt kommen irl 
den lateinischen Quellen die Formen Semogite, Samagyte, Samagitte, Sa- 
mogittae, Samogite als Volks-und Samagicia, Samagitia, Samagittla, Samo- 
githia, Samogitia als Landesname auf. Durchgesetzt haben sich im Latei- 
nischen: Samo.!!ita und Samogitia. 
Entstanden ist diese Namenform rein orthographisch aus der vorigen, 
denn im Mittelalter wurde g bisweilen auch für j gebrJucht. Vgl. CE XV, 
140: "terra Samaijtarum" (a.d.J. 1413). NIcht selten findet man in ein 
und derselben Urkunde beide Schreibungen nebeneinander vor, so z. B.: 
Samagittarum neben Samaytharum, Samoyte neben Samagitte, CEW 1036,467. 
y Eine Parallele dazu haben wir in fetwes : Oetwes ,Sudauen', Büga 
LKZ 11, LXXXVIII, wo der richtige Anlautskonsonant i durch die russischen 
Namenformen angegeben wird. 
Die Bezeichnung iemaitis ,Niederländer' und Zemaiiiai ,Niederland' 
passen für das heutige zemaitische Sprachgebiet garnicht, denn es liegt im 
Verhältnis zu den Nachbargebieten Nevezis-Niederung, Memeltal und Me- 
melland bedeutend höher, besonders in seinem Kerngebiet um Telsiai, Var- 
niai und Kraziai. Es ist undenkbar, dass das jetzige L...emaiten Veranlassung 
zu dem Namen Nie der la n d gegeben haben kann. 
Worin mag die Ursache dieses Widerspruchs lieg
n? Welches Gebiet 
führt zu Beginn der geschichtlichen Zeit den Namen Zemaiten? 
Die 4 Landschaften Ceclis, Pilsaten'yMegowe und Duwsaren (s. Kap. 11), 
V ungefähr das heutige dpuna-Gebiet des Zemaitischen, gehörten Mitte des 
XIII. Jahrhunderts zu Kurland und waren von Kuren bewohnt. 
1328 kommt man den Minija-Fluss aufwärts "usque in terra m Litho- 
viae ad, locum ubi et unde primo effluit ipsa Menia de lacu Ha sen p I u t e 
(= Pluotinis-See bei Zarenai) dicto", .BUl 11 228. 
Karschauens Zugehörigkeit zu Zemaiten kann nicht erwiesen werden, 
obwohl die Bevölkerung der Landschaft um 1300 litauisch gewesel! ist (vgl. 
Kapitel IV, 1). Allenfalls ist Karschauen nur als Grenzmark von Zemaiten 
zu bezeichnen. 
Dagegen wird ßas Gebiet von Papile 1339 und die Landschaft 
iau- 
liai 1348 schon zu Zemaiten gerechnet (vgl. Kap. IV, 2 u. 3: Pup i II e n). 
Also im XIII. und XIV. Jahrhundert liegt Zemaiten 
zwischen folgenden äussersten Grenzen: die Müsaquelle 
und der 0 b e r lau f der V e n t a i m N 0 r den, das S tau see g e b i e t 
von Zar e na i im NW und die u n te reM i t u v a im S W, die M e- 
rn e I i m S und der Ne v e z i s im O. 
Mit anderen Worten, nur in den westlichen und südwestlichen Teilen 
des ursprünglichen Zemaiten ist Höhenland zu finden. Dieses kann also 
nicht den Namen "Niederland" gegeben haben, wohl aber die östlich ge- 
legene mittellitauische Tiefebene. Es ist aber nicht nötig, deswegen das 
Bergland von Urzemaiten auszuschliessen, weil wir doch höchstwahrschein- 
lich damit rechnen müssen, dass der Name "Niederland" von den Aukstai- 
Ciai gegeben wurde und ihre westlichen Nachbaren waren wirklich auf 
weite Strecken hin Niederländer. 
Um den Namen "Niederland" zu erhalten, brauchen die Zemaiten 
nicht beiderseits des Nevezis gesessen zu haben. Diese Hypothese von 
Büga, LKL I, LIII (vgl. die Karte in Streitberg- Festgabe) mag zwar für die
		

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			-9- 


(177) 


litauische Vorzeit richtig sein, aber schon kurz vor 1300 gehört das Ostufer 
des Neveiis zu "Austechia, terra regis Lethowie", Dusb. 159. 
. Die litauische Expansion führte später zur Übertragung des Namens 
Zemaiten auch auf viele ursprünglich ni c q t iemaitische und sogar nicht 
litauische Gebtete. Heutzutage, wo unter Zemaiten allgtmein nur das ie- 
maitische Sprachgebiet mit der Hochebene als Kernland verstanden wird, 
hat der Beg r i f f Z e mai C i a i = Nie der I an d sei n e ge 0 g rap his c h e 
Be r e c h t i gun g ve rJ 0 ren. . 
Einige Reminiszenzen an das historische Zemaiten des XVI. Jahrhun- 
derts, haben sich jedoch noch im heutigen Sprachgebraul:h erhalten. 
Die Mittellitauer von Radviiiskis, Gruzdiiai und Kruopiai nennen sich 
(so war es wenigstens bis zum Weltkriege) Zemaiten und ihre Sprache ie- 
maitisch. 
Auch die Dzüken um Krosna, Kreis Marijampote, bezeichnen die 
nördlich sitzenden Kapsai und Zanavykai einfach als Zemaiten. Und wir 
wissen ja, d!lss der Nordwesten von der heutigen Uznemune tatsächlich 
ehemals zu Zemaiten g
hörte. Vgl. unten Kap. VI: Südgrenze. 
Das ist also der Uberrest der alten politischen Bedeutung des Namens, 
welche mit dEm entgültigen Unte
ange des polnisch-litauischen Staates 
(1795) allmählich in Vergessenheit geraten ist. 
Es leuchtet auch ohne weiteres ein, warum der Anonymus v0I! ] 605 
behaupten konnte, Dauksa habe den Kat
chismus von Ledezma ins Zemai- 
tische übersetzt (csus anas perguldis ii Zemdytiszkay), Gerullis Skaitymai 
188. Dauksas Sprache ist ja nicht iemaitisch, sondern mittelJitauisch. 


v 
11. Das kurische Zemaiten. 


1. Allgemeines. 
Um die Mitte des XIII. Jahrhunderts begegnen uns die urkundlich zu 
Kurland gehörenden Landschaften (lat. terra, mhd. land) Ce c li s, Pi Isa t e n, 
Du ws are n, Me g 0 w e zumeist noch in Verbindung mit der "terra inter 
Schrunden et Semigalliam". 
Zum erstenmal sind diese Landschaftsnamen in zwei Urkunden aus 
dem Jahre 1252 belegt, BUI I 295-300. In der Einigungsurkunde des 
Hochmeisters mit dem Bischof von Kurland über den Bau der Burg und 
der Stadt Memel vom 29. JulI 1252 la utet diese Stelle: " Venerabilis frater 
H. (= Heinrich), ordinis fratrum minorum Curoniensis episcopus, ad aedifica- 
tionem caslri in loco, ubi fluvii seiHcet Memela et Danga confluunt, nobis 
(d. h. dem livländischen Orden) in subsidium dedit censum de quingentis 
uncis... ad V. annos... et quicquid profitui poterit nobis iu
to modo prove- 
nire de tenis i ami n cu I t i s, videlicet Cec1is, Negouwe, Pilsaten, et Do.- 
zare", BUI I 295. 
In der deutschen Übersetzung der Gegenurkunde des Bischofs Heinrich 
vom 12. August 1252 hat der Schluss dieser Stelle folgenden Wortlaut: 
"von den landen, die no c h u n g e b u w e t sin, als Cecklis und Megowe, 
Pilsaten und Dovzare", loc. eil. 298. 
Also der Bischof überlässt dem Orden den Niessbrauch auch der vier 
genannten Landschaften auf 5 Jahre.
		

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			( 178) 


-10- 


Weiter heisst es in der ersten Urkunde: "Transactis vero quinque 
annis antedictis. de omnibus praedietis terris tertia pars cedet eidern domino 
episcopo. et aliae duae partes nobis cedent. sieut in litteris apostolieis est 
distinctum". loc. eit. 29ö. 
Diesen erwähnten 4 Landschaften werden andere Länder als nicht 
unterworfen gegenübergestellt. Der Passus lautet: "Praeterea quicquid 
profitui nobis (d. h. dem Orden) potest provenire iusto modo de Lammethin 
et aliis terris non d ums u bi u g a t i s. ad episcopatum Curoniae spectan- 
tibus. ad praedictos V. annos in nostram cedet utilitatem". loc. ciL Die 
deutsche Übersetzung hat: "die noch nicht betwungen sin". loc. cit. 298' 
Hieraus sehen wir. dass die Landschaften Ceclis. Megowe. Pilsaten und 
Duwsaren von den Kontrahenten i. J. 1252 als unterworfen angesehen werden. 
Die Teilung der Gebiete. wobei 2fa an den Orden und 1/3 an den 
Bischof fallen sollen, steht in Aussicht. Und tatsächlich ist sie im nächsten 
Jahre (1253) schon vollzogen. Darüber sind Uns drei Urkunden erhalten. 
Am 4. 1 ) April 1253 urkundet der Bischof von Kurland: "Noverit uni- 
versitas vestra. quod nos terras in c u I t asn 0 n d u m d i vi s a s in Curonia 
dividendas cum dilectis in Christo, magistro et fratribus domus Theutoni- 
corum. videlicet Ceclis. Dovzare. Megowe. Pilsaten. et terram. quae est inter 
Scrunden et Semigalliatn. in tres partes divisimus". loc. eit. 327. Weiter 
verspricht der Bischof bis zum Michaelisfeste einen jener drei Teile für 
sich zu wählen. 10c. cil. 328. 
Die in dieser Urkunde festgelegte Teilung wird 3m 20. Juli 1253 vom 
Bischof wiederholt und endgültig bestätigt. mit der näheren Bestimmung. 
dass er seinen Anteil gewählt habe. loc. cit. 334 H. Vgl. die Gegenurkunde 
des Statthalters des Hochmeisters, loc. cit. Regesten 287. S. 73. 
Die erste Schenkungsurkunde Mindaugas' stammt bekanntlich auch 
aus jener Zeit. Sie hat das Datum: "anno Domini MCCLIlI. mense Iulio", 
loc eil. 334. 
So sehen wir die Besitzverhältnisse des Ordens in Kurland und Ze- 
maiten um die Mitte des Jahres 1253. am Vorabende schwerer Kämpfe, 
durch Verträge geregelt. Jetzt galt es nur noch festen Fuss im Lande zu 
fassen. wozu es allerdings nicht gekommen ist. 


2. CeeHs. 


Ceclis ist die grösste von den 5 genannten kurischen Landschaften. 
Die urkundlich überlieferten ON, die alle mit wenig Ausnahmen zu identi- 
fizieren sind. erlauben uns die Ausdehnung von Cec1is ziemlich genau zu 
bestimmen. 
Nach den oben erwähnten Teilungsurkunden gehören zu dieser Land- 
schaft folgende Örtlichkeiten 2): 
1. Aliseiden 3 )=Alsediiai, Flecken. 14 km Il\V. von TelSiai. -1421 
wird der See Olsedy von Vytautas dem ersten zemaiti
chen Bischof Mathäus I. 


I) Bunge, HUI I 328 hat das Datum: 5, April. Nach Engelmann, Mitlh. IX 429, Note 
227, Ist dies ein Druckfehler. 
2) Fast alle ON weisen in den Urkunden Varianten auf. Hier sind diejenigen Namenfor- 
men gewählt, die den heutigen ON am nächsten stehen. 
3) Der grösste Teil der OX dieser und and
rer Landschaften ist schon von ßielenstein 
und Büga identiliziert worden. Vgl. fiir Ceclis Grenzen 235 - 244 und LKl 11, CXXIlI f.
		

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			-11- 


( 17!) 


verschrieben, ZV I 59. Spr: OJlbCSlJtbl, Gut und St
dtchen im Kreise Tel- 
siai. Die Kirche ist in Alsedziai 1467 gegründet, ZV I 274. Der an der 
Westseite des Städtchens befindliche Berg ist wohl der durch den Bau des 
Bischofsschlosses verstümmelte alte Burgberg. 
2. Am el i n g e =? - Bielenstein, Grenzen 244, hat Amelinge in Ama- 
Liai, Dorf, 11 km nw. von Siauliai vermutet. Allerdings stimmt das Suffix 
nicht, was aber Parallelen hat. Vgl. unten Birsine, Nedinge, Sare usw. 
3, A P pul e = Apuote, Dorf und Gut im Amtsbezirk Skuodas. - Bei 
Rimbert, Vita Anscarii cap. 30, in der Beschreibung des schwedischen Ein- 
falls von 853 lesen wir: "ad aliam urbem ipsorum (d. h. der Kuren) quae 
Apulia dicebatur... properabant". Spr.: OnoJle, Dorf im Kreise Grüst
. Der 
Burgberg liegt 0,5 km nördlich vom Dorfe Apuol
 am linken Ufer der Luoba. 
4. A P u s se = OnycSlttbl, Dorf im Kreise Viesvenai, Spr. - Das heutige 
Dorf Prelgava, 4 km sw. von Sates, bei Spr. npioJlroßO. gehörte zum Gut 
OnycSlHbl. 
5. Beb run gis = Babrung-enai, Dorf im Amtsbezirk Plateliai, unweit 
vom Babrungas. -Im Jahre 1586 zählt das Schulzenamt Babrungenai (BOH- 
TOBCTBO 506pYHKrSlHcKoe, a60 KenypaHcKoe) 6 Dörfer: )l(mlp6J1aHTe, 50- 
6pYHKrSllibl, YpHHIKeHSlHbl und 5Hp>KHHSlHbl, Gut an der Virvycia im Kreise Bir- 
zin
nai. Für die Ausdehnung des Kreises vgl. Jakubowski, Karte. 
7. D 0 ben = Duobenai, Gut, Vorwerk und Dorf im Amtsbezirk Rau- 
denai, 10 km nö. von Luok
. - Die beiden Güter Duobenai im Amtsbezirk 
Vaiguva sind hier wohl nicht gemeint, sie liegen zu weit nach Süden. 
8. Duz e ne = Dusai, Dorf, 2 km n. von Papil
. - Die Namenform 
Dusai verhält sich zu Duz e n e, wie Papile : *P a p i I 
 n a i, im XVI. Jahr- 
hundert nOnHJlSlHbl, Spr., und heute papileniskis ,Bewohner von Papile 
lind Umgegend'. 
9. E Y c a Y s w e, Eykaswe, Ekaswe, Sikaswe = ? - Offenbar ein ver- 
dorbener Name. 
10. Ern bar e = Imbare, Dorf im Amtsbezirk Salantai, 2 km Ö. vom 
Fluss Salantas.-1585 umfasst das Schulzenamt 1mbar
 6 Dörfer: J;I,\\60pbl, 
50P3JtH, KJlaBJli:raJlbl, HaCTpaHbl, KOJlynSlHbI, BOHHIüTaHTe, WA XIV 305 f. 
Der Burgberg liegt 1,5 km westlich vom Dorfe am Salantas. 
11. Ga nd in gen = OandinRa, Dorf am Babrungas sw. von Plunge. 
- Spr.: rOHJtblHra, Gut am Babrungas im Kreise Gandinga. Der Kreis 
erstreckte sich vom Mittellauf des Babrungas gegen Westen und erreichte
		

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die Grenze des Memelgebiets nördlich von Jakübavas. Die heutige Stadt 
Plunge und das Kirchdorf Kartena gehören ins Gebiet des ehemaligen Kreises. 
Vgl. Jakubowski, Karte. Der Burgberg liegt unmittelbar bei Gandinga, am 
rechten Ufer des Babrungas. 
12. Gar d e = Kalvariia, Städtchen im Kreise Telsiai an der Vardu- 
va. - Bis zur Mitte des XVII. Jahrhunderts hiess der Ort *Oardai> rOPAbl, 
Gut im Kreise Grüst
, Spr. Um das Jahr 1639 e!richtete hier Georg Tysz- 
kiewicz, Bischof von Zemaiten die "Via cmcis", ZV I 156, deren polnischer 
Name kalwarja ,Leidensstationen Christi' allmählich den alten Namen des 
Ortes verdrängte. Heute heisst ein Gut, 3 km nö. von Kalvarija, Oarde, 
1 km vom Gute entfernt fliesst auch ein Bach Oarde, 1523: "Gardesehe 
Beke". RLU 182, an dem das Dorf Pagarde liegt. 1593 war schon eine 
Kirche in Kalvarija vorhanden, Spr. 82. 
13. Gar i s d a = Oargzdai, Städtchen mit Gut an der Minija im Kreise 
Kretinga.-1563 gab es einen Kreis GargZdai (Wlosc Gorzdowska), W A XXV 
429, 432. Der Kreis erstreckte sich, nach den ON bei Spr. zu urkilen, in 
einem schmalen Streifen an der memelländischen Grenze entlang zwischen 
Jokübavas und Veivirzenai. Der gegenüber Gargzdai am linken Ufer der 
Minija liegende Berg ist wohl der alte Burgberg. 
14. G res e = Orieze, Dorf und Gut im Amtsbezirk Zidikai am Zusam- 
menfluss der Venta und der Varduva, - In der Reimchronik ist eine Hei. 
denburg G res e n erwähnt. welche 1264 vom Ordensheer verbrannt wurde, 
V. 7226 H. Spr.: rpH>KH oder rpH>KJlOBKH, Gut mit Städtchen an der Venta 
und Varduva. Ein Burgberg liegt oberhalb des Gutes Grieze. 
15. G run s t e = Orilste l ), Dorf an der Varduva, 6 km nw. von Se- 
da. - I. J. 1426 wird bei der Grenzfestsetzung zwischen Livland und Litauen 
ein "feldt Grunsten" erwähnt, BUl VII 326. 1540:" Grumste veldt", RLU 
199. Vgl. noch Kap. VII, 5. 
16. 1I z e 2 ) = Oril!aiciai, Dorf 6 km s. von PlateIiai. - 1585 heisst 
das Dorf J;!JlKnl a60 KrpHraHTe, W A XIV 301. Den alten Namen trägt 
noch der 1,5 km n. vom Dorfe liegende See /lgis. 
17. Kai v e sem e. Kalnesemme =? - ON mit KaZ,z-, und Kalv- gibt 
es viele, was die Identifizierung unmöglich macht. 
18. K a rti n e = Kartena, Kirchdorf an der Minija, Kreis Kretinga. - 
Spr.: KOPTSlHbl, Gut an der Minija im Kreise Gandinga. Kartena bildete 
auch ein Schulzenamt, Spr, 145. Dicht am Kirchdorf liegen zwei Burgberge. 
19. Let z im e = Lekeme, Dorf 7 km s. von Plunge an der Minija. - 
Spr.: JleKeMSlHbl, Dorf im Kreise Gandinga. 
20. L e y p i ase m e = Lieplaukis, Kirchdorf an der Strasse von TelSiai 
nach Plunge. - Spr.: JlenJlaYKH, Gut im Kreise Telsiai; JlenOJlOBKI1, Dorf 
des Gutes Alsedziai. Im zweiten Teil ist der Name umgebildet. 
21. Lob e = Laoha, Dorf an der Strasse von Seda nach Ylakiai.- 
1392: "feldt zu Lobe", BUl III 675. In der Grenzbeschreibung von 1523 
wird "de Beke tho Lebee" genannt, RLU 182. Spr.: Jly6bl, Jly6S1Hbl, Gut 
im Kreise Grüste. 


1) So he isst heute der Ort allgemein, nur um Seda wird scherzhaft noch GrlJnst
 
gesprochen. 
2) über das Verhältnis der kurischen Laute zn den litauischen in diesem nnd in den 
folgenden ON vgl. Büga, LKl 11, XCIII ff. 


I
		

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(181) 


22. M a y s e dis = Mosedis, Flecken an der Strasse von Skuodas nach 
Salantai. -In der Grenzbeschreibung von 1523 steht: "an den hillig
n Busch 
Maysede", RLU 182. Die Kirche zu Mos
djs ist 1551 gegründet, ZV I 300. 
23. N a t e y e = Notenai, Kirchdorf, 10 km nö. von Salantai. - Spr.:- 
HaTeHbI, Dorf im Kreise Gintalisk
. Ein Bach Namens Note fliesst durch 
das Kirchdorf. 
24. ,N e d in ge = Medingenai, Kirchdorf und Gut an der Minija, 9 km 
sw. von Zar
nai. - Spr.: MC.D.blrSlHbI, Gut und Dorf im Kreise Medingenai. 
Für die Ausdehnung des Kreises vgl. Jakubowski, Karte. 
25. Ne war i e = Nevarenai, Flecken, 14 km n. von TelSiai. - Spr.: 
HeBopSlHbl, Dorf und Gut im Kreise TelSiai. 
26. Pi I e n e =?- Vielleicht Papile, das im XVI. Jahrhundert nonH- 
JlSlHbl heisst. Diese Form setzt ein '
nHJlSlHbl voraus. nHJlSlHbl bei Spr., 
sowie die heutigen Pilioniai und Piliünai liegen zu weit nach Süden. 
27. P Y t w e (Pyitwe) = nHTBetiHaH, Dorf im Kreise Gandinga zum 
Gute 51BoHwHwKH ge,hörig, Spr. - Dieses Gut lag, nach Spr. 34
, am Bach 
Kepl, Dorf im Schulzenamt Stirbaiciai, Kreis 
Plateliai, Spr. - 1585 gehören zu diesem Schulzenamt die Dörfer: MJlKrH 
aJlb60 KrpHrai1Te, PHMaHTe, CTHp6aHTe, WA XIV 301 f. 2,5 km s. vom 
heutigen Grigaiciai liegt ein See Remte. Remtene ist offenbar davon abge- 
leitet und muss in der Nähe des Sees gelegen haben. 
32. Re t 0 w e = Rietavas, Ort im Krei!'e TelSiai. - Anfang des XV. 
Jahrhunderts: "Iand czu Rittawen", SRP 11 709. Spr.: PeToBo, Stadt und 
Gut im Kreise Rietavas. Für die Ausdehnung des Kreises vgl. Jakubows- 
ki, Karte. 
33. S are = Zarenai, Flecken im Kreise TelSi:Ji. - 1367 verheert der 
Komtur von Goldingen mit den Kuren "regionem S are... quosdam cap- 
tivos educendo", Herrn. v. Wartberge 89. y Spr.: )Kopallbl, Gut und Flecken 
an der )Kopa, heute Zama, im Kreise Zarenai. Der Kreis erstr
ckte sich 
in einem 4 - 7 km breiten Streifen von der Seegruppe sö. von Zar
nai in 


-
		

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-14- 


TIw. Richtung bis n. von Kantauciai. Die Kreisgrenze bei Jakubowski, Karte, 
ist ungenau. 
34. San s u g a I e=ZqSi1.!!alas, Dorf im Amtsbezirk Varniai, 8 km sw. 
von Luoke. - An der Westseite des Dorfes liegt ein 209 m hoher Burgberg. 
35. Sc 0 den (Schoden) = Skuf}das, Stadt im Kreise Kr
tinga an der 
Bartuva. -Mitte 1259 schlagen die Zemaiten den Orden "uf des veldes ort, 
daz dä Schoten ist genant", RCh. V. 4830 f. Der Zusammenstoss hat 
wohl nach den Ausgrabungen beim Dorf Luknes, 6 km sw. von Skuodas, 
stattgefunden. 1291: "terra Scoden", BUI I 677. Spr.: CKY.D.bl, Gut im 
Kreise Skuodas und Stadt im Kreise Gintaliske; WKY.D.bl, Stadt im Kreise 
Gintaliske. Jedenfalls ist ein und derselbe Ort gemeint. Im XVI. Jahrhun- 
.dert ist Skuodas der nördlichste Punkt des Kreises Gintaliske und liegt in 
einem Winkel, der von der kurländischen und der grüsteschen Grenze ge- 
bildet wird. Deshalb ist es verständlich, dass der Ort bald zu dem einen, 
bald zum and
!en Kreis gerechnet wird, oder sogar einen selbständigen 
Kreis bildet. Ahnlich wird das Vorwerk .D.yoynl1c"b, welches zwischen der 
Bartuva, Skuodas und dem Dorf Kulai lag, einmal auch zum Kreise Grüste 
gerechnet, Spr. 105. 
36. S per m e s, Sperime
, Spernes = ? 
37. Ve set e = BI1WenUlbl, Gut im Kreise TelSiai unweit der Venta 
zu beiden Seiten der BewcTa, Spr. - Der Ort heisst, Spr. 97, auch Bl1wa- 
TUHbl - .D.oßoopai1TI1 oder BI1WeTSJHbl 81> .D.()BOOpaX1>, Spr. 46, was dem 
heutigen Da u bar a i, Dorf mit Gut am selben Flüsschen, li. Viesete, ent- 
spricht. Falsch Bielenstein, Grenzen 237. 
38. Wie s w e = VidvClWi, Kirchdorf mit Gut, 7 km sö. von TelSiai. 
- Spr.: BewBSlHbl, Gut im Kreise Viesvenai. Der Kreis erstreckte sich von 
Biriinenai in mv. Richtung bis zur lettischen Grenze östlich von Skuodas. 
Vgl. Jakubowski, Karte. 
39. W i t w i zen (Witwiten, Wicwiten) = W i t w i t e n... bi Elkener 
landt, 1503, BU 2 II 429. ]5U8: Wickwiter landt, BU2 1II 316. - 1,5 1<111 mv. 
vom Gute Äzvil	
			

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( 183) 


Die Gegend von Äzvil'd, heute lettisch, rechnete man noch zu Ceclis. 
Ob das Dreieck zwischen der Vadal{stis und der Venta auch zu dieser 
Landschaft gehört hat, lässt sich nicht entscheiden. Es ist auch möglich, 
dass dieses Gebiet der "terra inter Scrunden et SemigaIliam" angehörte. 
Leider lassen sich aber von den überlieferten ON dieser namenlosen 
Landschaft nur wenige mit den heutigen identifizieren. Aus diesem Grunde 
ist die Ausdehnung der "terra" nicht einmal annähernd zu bestimmen. 
Zu bemerken ist noch, dass das Gebiet zwischen der Vadakstis und 
der Venta, welches auch heute sehr sumpfig und waldreich ist, im XIII. 
Jahrhundert nur äussert dünn bevölkert gewesen sein kann. 
Sicherlich gehörte das Westufer der Venta zu Ceclis. Vom Oberlauf 
dieses Flusses verläuft die Grenze in 
 üdwestlicher Richtung gegen das 
Kurische HaH bis zur Südgrenze von Pilsaten. 
Im Westen grenzte Ceclis an Pilsaten, Megowe und den südlichen 
Teil von Duwsaren. 
Gargzdai, Silkoten und Kartena gehörten zu Ceclis, Kretinga dagegen 
schon zu Megowe. 
Der Name von Cedis ist ausgesprochen kUfisch, wofür das anlautende 
c zeugt. Die Etymologie ist dunkel. Litauisch wäre :':Keklys anzusetzen, 
das aber auch keine etymologische Anknüpfung biekt. 


3. Pilsaten. 
Zu der Landschaft Pilsaten gehören nach den Teilungsurkunden fol- 
gende Örtlichkeiten 1): 
1. Ac k e t e (Akitle, Akutte) = Ekeäai, deutsch Ekitten, Gut, 9 km 
nö. von Memel, an der Dange. - 1285 sind die "castellaturae": Ackete, 
Mutina, Poys, ereten, Duwirstene, Palangen und Kalaten zu Memel einge- 
pfarrt, BUl I 417. In den Landverleihungen des XVI. und XVII. Jahr- 
hunderts gehört zum "Dorf Eckitten" auch Plutzen - Claus, heute Oberhof, 
Sembritzki, Memel 6. 1785 umfasst das Schulzenamt Eckitlen die Dörfer: 
Gündeln, Appel- Hans, Megalln, Purmallen, loc. cit. Der Burgberg liegt 
an der nö. Seite des Gutes am Bache Eketis. 
2. D r i v e ne = Dreverna, deutsch Drawöhnen, Dorf am Kurischen 
Haff, 6,5 km sw. von Prökuls. 
3. Ga I m elle, mons et castrum, BU 1 I 673 f =? - Der Ort muss 
südlich von Szarde gelegen haben, Bezzenberger, Bem. 488. 
4. Ca I a te n = Kalotl!, deutsch Collaten, Gut und Dorf, 8,5 km 11. 
VOll Memel. - Vgl. auch oben unter Ackete. Ib12: kölmisch Collaten, 
Sembritzki loc. eil. 47. 
5. Las s i te n = Lazitell. heute Tarwieden, 2,5 km nö. von Kretingale. 
Vgl. Bezzenberger loc. cit. 490. - Bielenstein, Grenzen 253, hält Lassiten 
für Leisten, dicht bei Szarde, aber mit Unrecht, Bezzenberger loc. eil. 483. 
6. Mut e n e =? - Bielenstein loc. eil. 252 hat es mit Mantennen, 
14,5 km n. von Memel, identifiziert. Aber diese Annahme ist, wie Bezzen- 
berger loc. eil. 482 bewiesen hat, unmöglich. Mutene muss in der Nähe 
des heutigen Tauerlauken, 5 km n. von Memel, am rechten Ufer der Dange 
gelegen haben. Darauf weist folgende Stelle aus der Bestimmung der me- 


1) Vgl. dazu auch ßielenstein, Gtenzen 252-55, und Büga, LKZ 11, CXXItt. 


.. 


-
		

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16 - 


meIer Stadtgrenze von 1253 hin: "ascendunt sub scopulum (so ist die 
richtige Lesart nach Bezzenberger loc. eil. 483) collium (= Teufelsstein 
südlich von Tauerlauken) prope Dangam usque 3d pirum et irriguum piro 
contiguum, et ibidem transeunt Dangam usque ad siccam arborem prope 
Mutinam et ab eadem sicca arbore per arbores signatas usque ad parvulum 
stagnum (= Teiche bei Charlottenhof), BUl I 317. Vgl. Bezzenberger loc. 
eit. 483. Der Burgberg bei Kl. Tauerlauken steht, nach Sembritzki loc. 
cit. 4, jetzt unter Acker. 
7. Ne gel i t e = ? - Lag in der Kastellatur Poys, muss also n. von 
Memel gelegen haben. Vgl. unten Poys. 
8. Pe I I i te n = Piltynas, alte Schanze bei Sudmanten - Trusch ö. von 
Memel, jetzt schon unter Acker. 
9. Po Y S, casteJlatura, castrum =? - Vgl. auch oben unter Ackete. 
Dass der Name mit Pöszen nicht zu identifizieren ist, hat Bezzenberger loc. 
cit. 481 nachgewiesen
 Nach ihm ist Poys n. von Memel zu suchen,loc, cit. 488. 
10. S a r d e = Zllrde, deutsch Szarde, Dorf 7,5 km sö. von Memel. 
- 1566: Dorf (d. h. Gebiet) Sarden, Sembritzki loc. cil. 90. 
11. S u 11 tel i t e (Suttelite) = ? - Lag im Gebiet der Burg Poys, Bez- 
zenberger loc. cit. 
12. T wart i Id n i (Twertikene) terra =? Wie aus der Verleihung 
des Burggebiets Cretyn von 1253 hervorgeht, ist Twertikine ein Personen- 
name, BUl I 319. Die "terra" gehörte auch zu Poys, Bezzenberger loc. cit. 
Von den durch die Landschaft Pilsaten fliessenden Flüssen sind in den 
Urkunden genannt: 
1. Dan g a = Danija, deutsch Dange, die in ihrem Oberlauf Akmena 
heisst. - Die Schreibungen: Danga, Dangha, Dangen, Danghcll können 
nur auf das kurische *Danga : le. danga, MEW 437, zurückgeführt werden. 
Danga als *Danja zu lesen haben wir kein Recht, denn die Minija wird in 
den gleichen Urkunden: Minia, Minie und nie *Minga ge
chrieben. Danga 
ist wohl später, nach Minija, zu Danija umgestaltet, was jetzt auch in 
der Form Dam! vorkommt. Vgl. Mine, Fischerdorf an der Mingemündung. 
2. Mi n i a = Minija, deutsch Minge, nach Dange. 
3. S ar d e, rivus de, = Smeltalt!, mündet südlich von Schmelz ins Haff. 
4. er e t e n e = Krateine, ein Bach, der aus Schweppeln kommt und in 
die Smeltale mündet. Dass darunter die Bahne bei Kretmgale zu verstehen 
wäre, ist unwahrscheinlich, Bezzenberger loc. eit. 490. 
Das "Iignum sanctum Ouse Warpe", BUl I 673, muss, wie aus der 
Urkunde zu schliessen ist, südlich von Szarde gelegen haben. 
Die Landschaft Pilsaten grenzte im Norden an Megowe. Die Grenze 
ist scheinbar zwischen Vir(k)stminkai und Kretingale verlaufen. Im Osten 
und Südosten berührte Pilsaten Ceclis und wahrscheinlich auch die litauische 
Landschaft Karschauen. Die nördliche Hälfte dieser Ostgrenze fällt offenbar 
mit der heutigen Grenze zwischen dem Memelgebiet und Grosslitauen zu- 
sammen. Aber weiter nach Süden verläuft sie innerhalb des Memelgebietes, 
denn Silkoten gehört noch zu Ceclis. 
1m Süden erstreckte sich Pilsaten bis zur Mündung 
der Mi n i ja. In der Teilungsurkunde, BUl I 328, heisst es von Pilsaten 
ausdrücklich: "usque ad locum, ubi Minia 1) et Memela confluunt". 0 ass 


1) So ist die richtige Lesart nach Bezzenberger loc ciL 477. 


4 
. 


..........
		

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(185) 


Pi Isa t e n i m Süd end ire k t anS c hai aue n s t i 
 s s. ist nirgends 
mit Bestimmtheit gesagt. aber trotzdem u n z w e i f e I h a f t. In der päpstlichen 
Bestätigung der Teilung Kurlands von 1260 lesen wir: "Exhibita siquidem 
nobis vestra petitio continebat, quod. cum fratres vestri ordinis ad partes 
Prusciae ac Livoniae accedentes terram Curoniae seu Curlandiae... eripuissent 
de manibus paganorum". BUl I 446. In einer anderen Bestätigung dessel- 
ben Papstes vom 25. Januar 1260, BUI I 443. bleibt die Bitte des Ordens 
unerwähnt und von Kurland heisst es: "terram Curoniae seu Curlandiae. 
conterminam ipsi Livoniae ac Prusciae..." 
Auf die geographischen Kenntnisse der damaligen päpstlichen Kurie 
wäre nicht viel Wert zu legen. aber in diesem Falle beruhen die Angaben 
auf der Information des Ordens und deshalb sind sie glaubhaft. Um das 
Jahr 1260 waren die oben erwähnten Gegenden dem Orden schon genug 
bekannt. Man braucht nur an die Teilung von Kurland und den BJU der 
Burgen Memel und Karschauen zu denken. Ab er wen n Kur I a n dan 
Pr e u s sen g ren z t e. so k a n n h i ern u r das p re u s s i s c h e Sc h a- 
lau eng em ein t sei n. 
AlIerdings heisst es noch in einer Urkunde des päpstlichen Legaten 
Wilhelm. Kardinalbischofs von Sabina. aus dem J. 1245: "certurn sit 
1I0bis et omni homini. terrarum illarum habenti notitiam. quod Curonia seu 
Curlandia inter regiones Pruciae totaliter computatur". BUI I 238. Darauf 
ist aber kein Gewicht zu legen. denn Wilhelm hat bei seinen Legationsreisen 
Kurland nicht besucht und in Livland ist er seit d. J. 1238 nicht mehr 
gewesen. SRP 11 116 H. 
Der Name der Landschaft ist wohl aus dem kurischen "'P i Iss a ta zu 
erklären. was seinerseits aus le. pils ,Burg' und slita .Zaun, Hof' zusam- 
mengesetzt ist. Vgl. H. pilsota ,Stadt (in Kurland)'. 


4. Megowe. 
Zu Megowe gehören urkundlich folgende Örtlichkeiten 1): 
1. Ag gern rn e = vielIeicht Akmenales. Dorf 8 km Ö. von Darbenai 
an der Akmena. - Wenn auch das alte Aggemine mit dem heutigen Akme- 
nales nicht identisch wäre. so muss es doch an der Akmena oberhalb Kre- 
tinga gelegen haben. Spr.: OKMSlHa. Fluss im Forst von Plateliai. 
2. D u pie = Dupultiai(?). Dorf 4 km ö. von Kretinga. - Spr.: D.o- 
nYJlbue, Dorf (36 Wohnhäuser) im Kreise Kretinga. 
3. D wir ist e n e = Vir(k)stininkai. Dorf und Gut 4,5 km sö. von 
Palanga. - Vgl. auch oben S. 183 unter Ackete. 1566: Wyrksztynniki. Dorf 
im Kreise Pa langa. W A XIV 112 f. Zum anlautenden D vgl. "Dwisticz alias 
Wysiten". CEW 495. 552. = ViStytis - See. südlich von Virbalis an der deutsch 
-litauischen Grenze. 
4. Go v ren e = 0' auris, Gesinde 4,5 km südlich von Rutzau in Kurland. 
5. Kau k i s (Caukas) = ? 
6. Las d i n e = Lazdininkai. Dorf 4 km sw. von Darb
nai. 
7. M a y te n i t e. Maycinele = ? 
8. Matwa. Matuwa=? 
9. Ne berge. Nebarge =? 


I) Vgl. dazu auch Bielenstein, Grenzen 2-t6-2-t8, und BÜga, LKZ 11 CXXIV. 


, (
:,, ;- 

 ...
 


-
		

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(18C) 
10. Pa I a n gen, caslellatura, BUl I 417 = Pa/anga, Städtchen an der 
Ostsee im Kreise Kretinga. - Am 27. Juni 1425 schreibt der Ordensmeister 
von Livland an den Hochmeister: "euwir gnaden thun wir wissen(t)leich, 
das wir seyn geweszen uff dem burgwall zcu Palangen und haben den gar 
eigentleich besehen also, das der gar feste ist und man mochte daruff gar 
eyn fest hawsz buwen", BUl VII 219 f. Unter diesem Jahr findet sich auch 
bei Dlugosz, Hist. Pol. lib. XI 489 "districtum Polangen, supra sinum maris 
Sagithici (I) situm" erwähnt. Aus dem J. 1529 ist uns zum erstenmal der 
Kreis Palanga bekannt, LOb 205. Die heutigen Flecken Palanga und Dar- 
benai liegen im Gebiete des alten Kreises. 1595 ist in Palanga schon eine 
Kirche vorhanden, Spr. 250. Der oben erwähnte Burgwall ist der heutige 
Birutt!-Berg an der Südseite der Stadt. 
I.J.l:l53, BUl 1 319, wird "die heUte von der borchsukunge (=Burg- 
gebiet) C r e ty n, also, dat die Borg to Cretyn in ir deil vile" an 4 Ordens- 
untertanen verliehen. Vgl. auch oben S. 183 unter Ackete. 1263 ist die 
Burg Kretenen durch die Ordensritter von Memel zweimal bestürmt und 
endlich eingenommen und verbrannt worden, RCh. V. 6971- 7058. 
Der alten Lage der Burg entspricht das heutige Städtchen Kretinga 
an der memelländischen Grenze. Bielenstein, Grenzen 247, und Bezzenber- 
ger, Bem. 491, haben sich, wenn auch mit Vorbehalt für Kretingal
 (Preus- 
sisch Krottingen) im Memelgebiet entschieden. Aber dem widerspricht die 
Entfernung der Burg von Meme!, welche in der RCh. V. 6978 auf "uber 
guter mHen drie" bemessen wird. Die Entfernung von der Mündung der 
Dange ins Haff bis Kretinga beträgt heute 21,5 km Luftlinie und bis Kre- 
tingale nur knapp 15 km. Die "guten drei Meilen" passen also nur zu 
Kretinga. Ausserdem ist Kretingalt! ein Deminutivum von Kretinga, was 
auch auf spätere Gründung hinweist. Aber dass auch Kretingal
 im 
Gebiet der alten Burg liegt, ist sehr wahrscheinlich. Nach der oben erwähnten 
Verleihungsurkunde scheint das Burggebiet Kretinga nicht ganz klein gewe- 
sen zu sem. 
Nach den Bestandbilchern von 1566 und 1512 erstreckte sich der Kreis 
Kretinga zwischen Palanga und Kartena, WA XIV 101 ff, 161 ff. Vgl. noch 
Kap. VII. 5. 
Mit Bielenstein, Grenzen 247, ist Kretinga wohl zu Megowe zu rechnen. 
Bezzenbergers Gegengründe, Bem. 491, sind nicht stichhaltig. Am Schluss 
der Urkunde von 1291, BUl I 672 ff, wird nur alles aufgezählt, was zwischen 
dem Bischof und seinem Kapitel ungeteilt bleibt. Dabei ist augenscheinlich 
keine Rücksicht auf die Landschaftszugehörigkeit genommen, denn das hier 
genannte La m e n a n (s. weiter unten) hat nie zu Pilsaten gehört. Also ist 
diese Urkunde zur Feststellung der Landschaftszugehörigkeit von Creten 
für uns wertlos. Die Lage der Burg spricht eher für Megowe als für 
Pilsaten. 
Die tatsächliche Ausdehnung der Landschaft Megowe ist recht schwer 
zu bestimmen weil nur die Hälfte der urkundlich überlieferten Namen iden- 
tifizierbar ist.' Aber glücklicherweise liegt Megowe inmitten von Land- 
schaften, deren Grenzen ziemlich bekannt sind. 
Im Norden grenzte Megowe an Duwsaren. - Pa pensee und das heutige 
litauische Dorf Ipiltis (vgl. weiter unten) liegen schon im alten Duwsaren, 
dagegen gehört G'auris, n. von Rutzau gelegen, noch zu Megowe. 


,
		

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(187) 


Im Osten ist wohl der ganze Lauf der Akmena zu Megowe zu rechnen. 
Im Süden gegen Pilsaten muss die Grenze südlich von Palanga p 
Virkstininkai, Kretinga und nördlich von Collatell, Eckitten verlaufen Eein. 
Der Name selbst wird in den Urkunden: Megouwe (vgl. Bezzenberger, 
Bem. 478, Anm. 18), Megowe, Megowen geschrieben und weist das zur 
Ableitung der LandschaftsrJamen im Litauischen häufig gebrauchte Suffix-uva 
auf. Zur Qualität des Wurzelvokals vgl. Megalis PN um Memel. Dass 
Megowe mit Mt!galiai, n. von Memel (1896 vereinigt mit Purmallen, Sem- 
britzki, Memel 201) nichts zu tun hat, ist von Bezzenberger loc. cit. 481 l 
erwiesen. 


5. Duwsaren. 
Von der Landschaft Duwsaren gehört wohl nur yein kleiner Grenzstrei- 
fen an der 
ventoji zum heutigen ethnographischen Zemaiten. 
Das jetzige Dorf und Vorwerk Sen 0 j i I p i1 t i s am linken Ufer der 
ven- 
toji n. von Darb
nai entspricht dem alten E m p i 1 t e n. Die Reimchronik 
berichtet, V. 7059-65, dass die Kuren 1263 nach der Einnahme von Kre 
tinga aus Ampille nach Litauen entflohen seien. Herrn. v. Wartberge 43 
nennt die Burg richtiger Ampilten und erzählt, abweichend von der Reim- . 
chronik, von ihrer Zerstörung und der Wegführung der Burginsassen. 
Am 9. Mai 1290 tritt der Bischof von Kurland dem Orden die Mühle 
zu Memel gegen "octo uncos terrae, sitos in castellatura Ampilten, cum 
omni iure et iurisdictione" ab, BUl I 663. 
In Kurland umfasste diese Landschaft nach Bielenstein, Grenzen 231. 
den südlichen Teil des Kirchspiels Grobin und das ganze Kirchspiel Grams- 
den, es gehört also nicht zu dem von uns behandelten Gebiet. 
Zur Etymologie y des Namens vgl. Bielenstein, Grenzen 229. Unwahr- 
scheinlich Büga, LKZ 11, XCIII. 


6. Lamotlna. 
Über dies Ländchen wissen wir so gut wie nichts. Es ist nicht ein- 
mal sicher zu bestimmen, wo es wirklich gelegen hat. 
Zum erstenmal finden wir es in dem "Liber censuum Daniae (abge- 
fasst zwischen 1249 - 1269) erwähnt. Nördlich des Flusses Lipz (= Pregel) 
werden 5 "terrae" in folgender Reihenfolge genannt: Zambia, Scalewo, 
La m m at 0, Curlandia, Semigallia, SRP I 737. 
Daraus könnte man schliessen, dass Lammato zwischen Schalauen und 
Kurland, also an der Westgrenze Zemaitens gelegen habe. Diese Annahme 
wird auch durch eine Stelle bei Dusb. 159 unterstützt: "infra sex annos 
(1294-1300)... coegit (d. h. Ludwig von Libenzelle, Komtur von Ragnit) 
omnes Lethowinos, qui supra litus Memele habitabant, a fluvio Nare (= Ne- 
ris) usque ad terram La m 0 tin a m, ut pacem cum Cristianis haberent 
sub hiis pactis, ut certurn censum annis singulis darent". 
Nach der Einigungsurkunde über den Bau der Burg Memel von 1252 
gehörte Lammethin oder Lammentin zu keiner der obigen 4 Land- 

chaften und doch lag sie innerhalb der Grenzen des Bistums Kurland. 
Vgl. oben S. 178. 


\
		

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			(188) 


- 20- 


Bielenstein, Grenzen 248, hat, auf dieselbe Urkunde gestützt, irrigerweise 
.die Zugehörigkeit der Landschaft zu jenen Gebieten behauptet und sie mit 
dem Dorfe Lampsaten, Kirchspiel Kretingale, identifiziert. 
Was die Ausdehnung anbetrifft, so können wir Bielenstein loc. cit. 
beistimmen, dass es nur ein kleineres Gebiet gewesen ist. Als Beweis dafür 
ist anzuführen, dass bei der Teilung der Stiftsländer i. J. 1291 nur kleinere 
Gebiete ungeteilt geblieben sind, unter welchen auch Samentie (al. Lame- 
nan) genannt ist, BUI I 672 H. Dafür spricht auch das seltene Vorkommen 
des Namens. Seit 1291 verschwindet er überhaupt. 
Berghol,?: soll, nach Bielenstein 10c. cit., in Lammato einen verdrehten 
Namen von Zemaiten gesehen haben, so dass L fer S stehe. Aber diese 
Annahme ist unmöglich. Bei Dusb. 159 finden wir La m 0 tin a und S a- 
met h i a scharf voneinander geschieden. 
Auch das Gebiet Lamyschki, welches 1411 zwischen der Jüra und dem 
Kurischen Haff sich erstreckt haben soll, CEW 220, ist schwerlich mit unserer 
Landschaft in Zusammenhang zu bringen, denn Lamotina muss man wohl 
zu dem PN Lammet setzen, Bezzenberger, Nehrung 259. Frei!ich könnte 
Lamyschki von der Namenform Lam- abgeleitet sein, wozu Lammet eine 
.erweiterte Nebenform wäre. 
Über die Einwohner dieser Landschaft ist uns nichts bekannt. Dusb. 
loc. cit. aber rechnet Lamotina nicht zum litauischen Wohnraum. 


7. Besiedlung. 
Die Frage der Besiedlung der vier südkurländischen Landschaften 
ist zwar vielfach behandelt worden, aber die Meinungen gehen sehr 
.auseinander. 
Bei der Teilung zwischen dem Bischof und dem Orden im Jahre 1253 
wird Ceclis, Megowe, Duwsaren, Pilsaten und die uns hier nicht angehende 
"terra inter Scrunden et Semigalliam" den nordkurländischen "terrae inha- 
bitatae" als "terrae incultae" gegenübergestellt. Vgl. oben S. 178 und 
BUI I 321. 
Die Urkunden heben diesen Unterschied von Nord - und Südkurland 
ausdrücklich hervor. Also müssen die Verhältnisse im Norden tatsächlich 
.andere als im Süden gewesen sein. 
Diese Gegenüberstellung von be w 0 h nt und u n beb au t ist umso bemer- 
kenswerter, als die Teilung zur gleichen Zeit (4. April 1253) erfolgte. Darauf 
.gestützt hat Zurlakowski, AM XLIlI. 183 f, behauptet, dass die vier Land- 
schaften bereits um die Mitte des XI11. Jahrhunderts Wildnis gewesen seien. 
Ihm schliesst sich auch Heinrich an. Beiträge 59 sagt sie: "Der Einklang 
der historischen Zeugnisse zeigt, dass die südkurländischen Landschaften... 
schon um die Mitte des 13. Jahrhunderts im Zustande der Wildnis waren" 
und weiter S. 57: "Es lassen sich Bewohner im nördlichen Kurland fest- 
stellen, ihre Erwähnung für das Gebiet südlich der Bartau aber fehlt, auch 
wo sie zu erwarten stünde". 
Kurz, das Gebiet soll um jene Zeit eine menschenleere Wildnis gewe- 
,sen sein. 
Dass das nicht der Fall ist, werden wir im folgenden sehen.
		

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			- 21 - 


(189 ) 


Kallmeyers und Engelmanns Versuche, Sitzungs-Berichte 1890 S. 120 ff, 
"terrae incultae" oder vielmehr "terrae iam incultae" als "schon bebaut" zu 
erklären, ist mit Zurlakowski, AM XLIII 183 f, und Heinrich loc. cit. 55 f 
abzulehnen. 
Aber zugleich müssen wir bemerken, dass jene Gebiete in der Urkunde 
nur unbebaut(incultae),aber nicht unbewohnt genannt werden. Dass 
"unbebaut" noch nicht unbedingt mit "unbewohnt" gleichzusetzen ist, wird 
ja jeder einsehen. 
Also spricht der Anfang der Teilungsurkunde weder für noch gegen 
die Bewohntheit des Landps: er hebt nur dessen Unbebautheit ausdrücklich 
hervor. Kallmeyers und Engelmanns Ansicht loc. cit., dass die Urkunde 
selbst für die Bewohntheit spräche, bleibt bestehen. 
Die hier in Frage kommende Stelle lautet: "Si vero in distinctionibus 
terminorum inter terras et terras, castellaturas et castellaturas, orta fuerit 
dissentio, per seniores et discretiores terrarum earundem, ubi sitae fuerint, 
terminentur, et si praedicti seniores de praedictis tenis dubitaverint vel 
concordare non potuerint, terram, de qua lis est, fratres dividant in tres par- 
tes... Infeodati vero in terra CecIis, in cuius partem ceciderint, sub illius 
dominio remanebunt", BU] I 328 f. In der deutschen Gegenurkunde wer- 
den die "seniores et aiscretiores terrarum earundem" die "elsten und besche- 
denste derselver lande" genannt, loc. cit. 335 f. 
Dass unter den "infeodati in terra CecIis" wohl nicht die Ortsansässi- 
gen, sondern die ausserhalb des Landes wohnenden Deutschen zu verstehen 
sind, darin hat Heinrich vollständig recht, Beiträge 57, aber die Verfas- 
serin geht noch viel weiter. Sie erklärt seltsamerweise die "seniores" und 
"infeodati" für identisch und glaubt damit alle Schwierigkeiten aus dem 
Wege geräumt zu haben, loc, cit. Das ist falsch. 
Sen i 0 r (mhd. eideste, elster; le. vecais, vecakais) ist eine beson- 
dere rechtliche Institution der alten kurländisch -livländischen Eingeborenen 
und hat mit dem Lehnsmann des von den Deutschen mitgebrachten Lehn- 
systems 

chts zu tun. Die Urkunden unterscheiden verschiedene Katego- 
rien der Altesten, unter denen die DQrfältesten die niedrigste Stellung ein- 
nahmen. Dann kamen die Pagast-Altesten usw. Diese Einrichtung war 
den Letten, Kuren und Liven gemeinsam. Weiter bedeuten bei den Chro- 
nisten die "seniores" auch einfach Anführer, Häuptlinge der Eingeborenen, 
A. Svabe, Latvju kulturas vesture, I 175 ff. 
Auch bei den Litauern werden Älteste erwähnt. Heinrich der Lette 
berichtet von den erschlagenen "principes et seniores" der Litauer, loc. 
<2 i t. 177. Weiter werden in einem Vertrag zwischen dem Orden und den 
Zemaiten mit Vytautas vom Jahre 1390 die "eldisten us dem lande czu 
Sameithin" genannt, weIche zur Erledigung verschiedener Streitfragen hersn- 
gezogen werden sollen, CEW 24. 
Also sind die "seniores terrarum" und wohl auch die "discretiores" 
der Urkunde ortsansässige Eingeborene der betreffenden Gegenden. 
Hat das Land einmal schon Älteste, so kann es nicht mehr menschen- 
leer sein. Wir haben also in der Teilungsurkunde selbst einen 
unzweideutigen Beweis für die Bewohntheit des Landes. 
Weiter kommt für die Klärung dieser Frage noch eine Urkunde von 
1258 in Betracht. Am 27. Juli 1258 erheben Heinrich, Bischof von Kurland,
		

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			(190) 


- 22- 


und Ordensmeister Burchard von Hornhausen die Kirche des heiligen Niko- 
laus in Memel zu einer Mutterkirche und bestimmen, dass "Ad hanc quo- 
que ecclesia m harum castellaturarum homines, cuiuscunque idiomatis fuerint, 
pertinebunt: de Mutina duarum partium, de Poys, de Ackete, de Creten, 
de Duwirstene, de Palangen et de Kalaten", BUl I 417. 
Heinrich bemerkt dazu: "die Verfügung,... dass zu dieser Kirche die 
Einwohner der umliegenden Bezirke gehören sollen, welcher Sprache (d. h. 
Nationalität) sie auch sein werden, (nicht ,sind', wie es sonst wohl heissen 
würde) muss nicht unbedingt, kann aber sehr wohl für die damalige Unbe- 
wohntheit der Gegend sprechen", Beiträge 58. 
Eine missverstandene Verbalform verleitete die Verhlsserin zum fal- 
schen Schluss. 
Die Einpfarrung wird sinnlos, wenn man das eingepfarrte Gebiet 
wie es Heinrich getan hat - für menschenleer erklärt. 
Wir können auf Grund der oben angeführten Stelle nUr das Gegenteil 
von dem, was Heinrich ausführt, behaupten, nämlich. dass die nach Memel 
eingepfarrten Burggebiete zur Zeit der Einpfarrung bewohnt 
ge wes e n si n d. 
A]so hier haben wir einen unmittelbaren Beweis für die Bewohntheit 
der Landschaften Pilsaten und Megowe um 1253 und damit den zweiten 
Beweis für die südkurländischen Landschaften überhaupt. 
Die beiden Urkunden über die Einigung des Ordens mit dem Bischof 
von Kurland wegen des Baues der Burg und der Stadt Memel, BUl I 295 H. 
sind für unsere Frage nicht ohne Bedeutung. Die oben S. 177 f angeführ- 
ten Stellen dieser Urkunden sprechen, wenn auch indirekt, doch unzwei- 
deutig für die Bewohntheit der genannten Gebiete. Sonst wäre die Über- 
]assung des Landes an den Orden zum Niessbrauch unverständlich. Wozu 
die Emschränkung auf 5 Jahre, wenn das Land Wildnis ist? 
Ausserdem ist hieraus noch zu ersehen, dass die vier Landschaften 
den noch nicht unteworfenen "terris" als unterworfen entgegengestellt sind. 
Und nur das Land, das bewohnt ist und den Feinden Gegenwehr leistet, 
muss unterworfen werden, aber keineswegs die Wildnis, die als niemandes 
Land nur besetzt zu werden braucht. 
Wäre das Land tatsächlich ganz siedlungslos gewesen, so hätte die 
zwischen dem Bischof von Kurland und seinem Kapitel ]291, BUl I 672 ff, 
getroffene Abmachung über das bischöfliche Dritteil keinen Sinn. Nach 
der Urkunde zu schliessen, ist aber diese Teilung bis ins kleinste durchge- 
führt worden. Wo man nur unabsehbare Wälder und Sümpfe allein hat, 
ist eine solche Genauigkeit nicht nötig. Diese Art der Teilung ist nur 
verständlich, wenn man eine, wenn auch geringe, Besiedlung annimmt. Im 
selben Jahre vergleichen sich der Landmeister und der Bischof auch über 
einige strittige Lehen, darunter über "Lyva vero per rivum, qui dicitur 
Barthowe, ad Lethoviam ascendendo, et terram, quae nunc
pata est 
Scoden (= Skuodas)... usque rivulum, qui dicitur Hilge A (= Sventoji)", 
BUl I 676 f. 
Dadurch wird die Bewohntheit auch der Gegend von 
Skuodas und des Oberlaufes der Bartuva wahrscheinlich 
gemacht.
		

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			- 23- 


(191) 


Aus dem Bericht der RCh. über die Vorbereitungen des Ordens für 
die Schlacht bei Skuodas (1259) sei folgende Stelle angeführt: 
.sie l ) santen boten drate 
mit einem snellen rate 
zür Mimeie und täten kunt 
brüdern und dutschen zu der stunt, 
daz sie rische qu
men 
und Kuren zu in n
men. 
des was vrö der jungen schar, 
die da zur MImeie waren. 
die dutschen nicht verbaren. 
sie enwolden reisen mite. 
die Küren auch nach ir slte 
wären der reise vrö.. V. 4735 ff. 


Mit anderen Worten, von Goldingen (Ie. KuldTga) aus wird gefordert, 
auch die Kur e n von Me m e I in den Feldzug mitzunehmen. Hier muss es 
sich um eine beträchtliche Schar gehandelt haben, weil sie durch die Boten 
ausdrücklich angefordert werden musste. 
Über die Einnahme der kurischen Burg Kretinga (1263) lesen wir in 
der Reimchronik: 



 


.die brOdere jageten in2) nach 
zu Kret
nen in die veste. 
die ernsthaften geste 
ir wirte slugen sie alle töt. 
wib und kinder liden nöt., V. 7044 ff. 
H. v. Wart berge, welcher sich auf eine auch der Reimchronik zugrunde 
liegende, aber verloren gegangene Quelle stützt 3 ), berichtet darüber folgen- 
des: "Magister vero cum suis destruxit in Curonia duo castra, scilicet Ker- 
tenen (= Kretinga) et Ampilten (= Ipiltis), castris et hominibus utriusque 
sexus et omnibus ibidem inventis crematis usque ad solum", Herrn. v. Wart- 
berge 42 f. 
Die kurische Burgbesatzung hatte also auch Frauen und Kinder bei 
sich, was dafür spricht, dass sie bodenständig war. 
Diese Notizen aus den Chroniken sind Heinrich unbekannt geblieben. 
Die Beweiskraft der urkundlich überlieferten ON sucht Heinrich mit 
folgenden Worten abzutun: "Die zahlreichen Ortsnamen des 13. Jahrh. im 
Gebiet südlich der Bartau, die heute als Benennungen von Siedelungen 
erscheinen, sind kein Gegenbeweis, wie die Parallele des Vorhandensein von 
Namen nach den Wegeberichten auch in anderen Gegenden der Wildnis 
zeigt. Die Wiese Drivene (pratum Drivene) in der Landschaft Pilsaten, 
das heutige Dorf Drawöhnen ist ein unzweifelhaftes Beispiel, dass es sich 
nur um benannte aber zu jener Zeit nicht bewohnte Lokalitäten handeln 
kann" , Beiträge 58. 
Die Parallele der südzemaitischen Wildnis ist hier nicht angebracht. 
Das heutige Südzemaiten war, wie wir unten sehen werden, erst infolge 
des deutsch -litauischen Krieges entvölkert. Die alten ON haben sich auch 
weiter gehalten, weil die Wildnis ja nicht absolut menschenleer wurde und 


,. 


1) Die Ordensritter von Goldingen. 
2) D. h. den Ku.ren. 
3) Wachsmuth. Über die Quellen u. Verfasser der älteren Reimchronik. MItau, 1878
		

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			(192) 


- 24- 


bei den geflüchteten Bewohnern noch die Tradition auch in den nächsten 
Generationen wach blieb. '{gI. Kap. IV, 1 (Schluss); V, 4; VII,1. 
Entsprechend ist die Uberlieferung der ON der südkurländischen Land- 
schaften ohne eine vorauszusetzende frühere oder gegenwärtige Besiedlung 
überhaupt nicht denkbar. Wie könnten diese auf weite Gebiete zerstreuten 
zahlreichen ON anders erklärt werden? 
Natürlich wird keiner behaupten, dass "pratum Drivene" von Kuren 
bewohnt war. Schliesst man aber die Besiedlung der ganzen Gegend 
vollständig aus, wer kann dann die Wiese überhaupt beim Namen kennen, 
denn nach der Auffassung von Heinrich muss sie in allen Richtungen min- 
destens 50 km vom Siedlungsland entfernt gelegen haben. 
Das Gleiche gilt auch für die übrigen urkundlichen ON. Die Behaup- 
tung Heinrichs loc. cit., dass es sich hier um infolge einer noch vor der 
Ordenszeit geschehenen Entvölkerung verlassene Orte handele, hängt völlig 
in der Luft. Eine solche Entvölkerung ist nicht nachweisbar. Vgl. noch 
Kap. V, 2 (Schluss). 
Die "terrae i a m incultae" interpretiert Heinrich loc. eit. 59 als "schon 
unbebaute, d. h. nicht mehr bebaute Landschaften" und sieht darin eine 
Bestätigung ihrer 9bigen Behauptung. Diese Interpretation wird jedoch 
durch die deutsche Ubersetzung jener Urkunde widerlegt, wo dieser Passus: 
"von den landen, die noch ungebuwet sin" lautet, BUI I 298. 
Aus der Tatsache, dass Ordens berichte über Kriegsreisen nach den 
südkurländischen Landschaften fehlen, schliesst Mortensen, Litauen 70, dass 
das Gebiet deshalb unbesiedelt gewesen sein müsse. Der Schluss ist sehr 
gewagt. Das Beispiel der tributpflichtigen Landschaft Siauliai (vgl. weiter 
unten Kap. IV, 2) zeigt uns, wie auch besiedeltes fremdes Gebiet nicht 
unbedingt immer mit Krieg überzogen werden muss. 
Von der litauischen Oberhoheit über jene Landschaften ist bis 1422 
nirgends die Rede; darüber verfügen noch 1392 die Livländer (vgI. Kap. 
VI, A 6) und hatten daher keinen Grund die Gegenden zu bekriegen. 
Selbstverständlich kann man hier nicht von einer dichten Bevölke- 
rungsschicht sprechen. Sie muss ziemlich dünn gewesen sein. Das Land 
erscheint sozusagen auf einmal als unterworfen 1). Bei einer kompakten 
Besiedlung wäre ein längerer Eroberungskrieg unvermeidlich gewesen. Eine 
Parallele hierfür haben wir in Karschauen und Südzemaiten. Vgl. Kap. 
IV, 1; V, 2. 
Nach der Schlacht bei Durben (1260) fielen bekanntlich die Kuren 
vom Orden ab. Bei dem Niederwerfen des Aufstandes musste der Orden 
auch die beiden Burgen Kretinga und Ipittis von Neuem erobern. Vgl. S. 
187 f. Wir müssen also annehmen, dass der Westen der süd kur- 
I änd isch en La ndschaften dic h ter be si ede It war. 
Auf den Charakter der Besiedlung weist der Ausdruck der Urkunde: 
"terrae incultae" = "noch ungebuwet" hin. D. h. Ackerbau muss in jenen 
Gegenden wenig getrieben worden sein. 
In der Urkunde von 1291 heisst es: "dominus episcopus fadet in suis 
duabus duabus partibus agros et canonici in sua tertia parte, quatenus 
possint", BU1 I 674. 


1) Die Unterwerfung soll nach Zajllczkowski, Studya 89 f, Ende 1252 stattgefun- 
den haben.
		

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			. 


.. 


- 25- 


(193) 


Die spärliche Bevölkerung lebte wohl hauptsächlich von Jagd, Fische- 
rei und Bienenzucht. Darauf weisen uns die Parallelen aus der südzemai- 
tischen Wi1dni
. und der Uznemune hin. Vgl. Kap. V, 3. 
Mit der Ubergabe Memels i. J. 1328 wurde auch der grössere Teil 
der südkurländischen Landschaften an Preussen abgetreten. VgI. Kap. VI, A 3. 
Seit dieser Zeit bekommen wir über jene Gebiete nichts mehr zu 
hören. Es ist wohl mit einer gewissen Verwilderung der Gegend zu rechnen. 
In der Abtretungsurkunde von 1392, (vgl. Kap. VI, A 6) wird das Land 
folgendermassen geschildert: "dieselbin lande wüste und ungebuwet lange 
cziet gelegen haben, und keinen fromen ader wenig, beide dem orden und 
auch der kirchen, inbrachten. Ouch so ist leider manch Christenmensch 
jemmerlich dirmordt und gefangen uf dem strande, das wir von beiden 
sieten der land nicht beschirmen mochten, durch der czwitracht und schelung 
willen, das die land so lange ungeschichtet und ungetheiIet gelegen haben... 
do wir (d. h. Bischof von Kurland). .. sonderlich gemerket, das die land 
derselben unsirer kirchen an dem meisten theile wüste und an gruelichen 
wiltnissen und nemlich am an sprunge der heidenschaft gelegen sien und 
mit in grenitzen, und wir ouch und unser kirche zu schwach und zu arm 
darzu sien, das wir die land beweldigen und sie von der heidenschaft 
schutzen und beschirmen mochten, haben wir... obereingetragen . . .", BUl 
III 674 f. , 
Hier wird die Verw.!lderung der Landschaft deutlich hervorgehoben. 
aber zugleich auch das Uberdauern einer, wenn auch geringen Bevölke 
rung bestätigt. _ 
Oben haben wir gesehen, dass die alten kUlisehen OrtIichkeiten im 
XVI. Jahrhundert meistens als Kreisorte und Schulzenämter erscheinen. 
Dies ist nur dadurch zu erklären, dass diese Wohnplätze ihre Bevölkerung 
teilweise während der ganzen Kriegszeit erhalten haben und daher für die 
spätere litauische Kolonisation die eIsten Hauptstützpunkte boten. 
Endzelin, FUF XII 63, nimmt an, die Kuren seien in Kurland erst im 
XVI. Jah[hundert vollständig zu Letten geworden. 
In Zemaiten sind die Kuren zuletzt 1455 bei Palanga zusammen mit 
den Zemaiten erwähnt, BUI XI 652. 
Im XVI. Jahrhundert ist von ihnen überhaupt nicht mehr die Rede. 
Wir müssen daher annehmen, dass die geringen kurischen Bevälkerungsreste 
noch im Laufe des XV. Jahrhunderts von den eingewanderten Litauern 
vollständig aufgesogen sind. 
Anders liegen die Dinge im Memelgebiet. Die frühe und zahlreiche 
kurische Einwanderung (Kap. VIII, B 2) wirkte wohl auf die alte boden- 
ständige Kurenbevölkerung erhaltend. 
Allerdings wissen wir nicht, wann im Laufe der Zeit die Bezeichnung 
Kure die Bedeutung Lette annahm. Nur soviel ist klar, es sind keine 
Litauer und. so weit sichere sprachliche Zeugnisse vorliegen, unzweifelhaft 
Letten. 


8. Nationalität der Kuren. 
Nach Watson (Darstellung der alten Eintheilung von Kurland wie die 
Deutschen solche vorfanden, in Jahresverhandlungen der kur!. Ges. für Ut. u. 
Kunst 11 281 ff), der die Kuren mit den Letten identifizierte, vertraten die 
späteren Forscher Wiedemann, (J. A. Sjögren, Livische Grammatik XIV ff)
		

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			(19-1) 


- 26- 


Bielenstein, Grenzen 175 f, und Trusmann (0 npoHcxo)l(D,eHiH KOpCH in 
)KHBaSl CTapHHa III 64 - 90) die Ansicht, dass die Kuren Liven waren. 
Diese Auffassung war bis zum Jahre 1911/12 vorherrschend. 
Endzelin hat als erster nachgewiesen, dass die Kuren "weder Litauer 
noch Letten gewesen" sind, "sondern ein baltischer Stamm, der einen Über- 
gangsdialekt zwischen dem Lettischen und Litauischen gesprochen hat und 
nachher sich den Letten und Litauern assimiliert hat", FUF XII 60 (1912) 
Zuerst hat Endzelin darüber im "Dzimtenes Vestnesis" von 1911 Nr.43 ge- 
handelt. V gl. auch IF XXXl1I 96 ff. 
Bielenstein hat mit Rücksicht auf die jetzigen etnographischen Ver- 
hältnisse die Bevölkerung von Ceclis und des grössten Teiles von Megowe 
und Pilsaten für litauisch erklärt, Grenzen 256. Die Unhaltbarkeit dieser 
Anschauung hat Endzelin, FUF XII 61 f, dargetan. Später ist es von Büga 
vornehmlich dur
h sprachliche Untersuchung der heutigen Ortsnamen bestä- 
tigt worden, LKZ 11, CXXIIl ff. Er hat sogar das heutige Siidiemaiten bis 
an die Memel für kurisch erklärt, loc. cil. CXXVI. Auf die Unwahrschein- 
lichkeit dieser Annahme kommen wir weiter unten zu sprechen. Zaj'lcz- 
kowski, Studya (erschienen 1925) 13 H, schliesst sich ohne die Arbeiten 
von Endzelin und Büga überhaupt zu kennen dem Standpunkt Bielen- 
steins an. 
An Beweisen für die kurische Bevölkerung der Landschaften Ceclis, 
Megowe, Duwsaren und Pilsaten ist folgendes anzuführen: 
In der oben S. 191 zitierten Stelle der Reimchronik werden die Einge- 
borenen, welche die Ordensritter von Memel in die Schlacht bei Skuodas 
mitnehmen sollen, Kuren genannt. 
Die oben genannten Burgen Kretinga und Ipiltis, die 1263 vom Orden 
zerstört wurden, befanden sich, wie aus der gesamten Erzählung der Ereig- 
nisse zu schliessen ist (RCh. V. 6951 -7063). in den Händen der Kuren. 
Darauf haben schon Bonnel (Russisch-Livländische Chronographie. Peters- 
burg, 1862 S. 75) und Sjögren (Die Wohnsitze und die Verhältnisse der 
Jatwägen. Petersburg, 1858 S. 91 f.) mit Recht hingewiesen. 
Diese Ansicht wird auch dadurch unterstützt, dass die Besatzung der 
Burg 'piltis unter dem DrucK des Ordens nach Litauen, also in die Fremde, 
floh, RCh. V. 7059-63. Hier haben wir die erste und die einzige Nachricht 
über eine Auswanderung von Kuren nach Litauen. 
Totoraitis, Litauer 137, hat diese Burgen nur aus dem Grund für ze- 
maitisch erklärt, weil Kretinga und 'piltis jetzt innerhalb der Grenzen des 
iemaitischen Sprachgebietes liegen. 
Im Bericht der Reimchronik über die Schlacht bei Skuodas (1259) 
heisst es von den Zemaiten: 
. Dar näch sie karten drilte 
mit einem gemeinen rate 
mit dem raube in Ir Jant". V, 4877 fi. 
Also nach der Auffassung des Chronisten ist die Gegend von Skuodas 
kein zemaitisches Land. 
Das südöstlich von diesem Orte liegende Apuole wird schon 853 als 
eine Stadt der Kuren erwähnt, Rimbert, Vita Anscarii, cap. 30. 
Um 1409 schreibt der Komtur von Memel an den Hochmeister: 
"Dorum sprechen die andern Kuvern mit einander zur Memil, das mir 
ir keiner me briffe obir den strandt wellen tragen", BUI IV 662. 



 



. 


a
		

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			. 


.. 


- 27- 


(195) 


Das ist wieder ein Beweis dafür, dass die Memeler Gegend VOn Kuren 
besiedelt war. 
Auch bei der Teilung des bischöflichen Dritteils der vier Landschaften 
und Bihavelancs zwischen dem Bischof und Eeinem Kapitel, Memel 1291, 
werden Kuren, "quibus terrarum constabat distinctio" erwähnt, BUl I 672. 
Es ist kaum zu bezweifeln, dass diese Kuren zu der Bevölkerung jener 
Landschaften gehörten. 
Für die kurische Bevölkerung des südlichen Teiles von Ceclis können 
wir aus den Geschichtsquellen keine unmittelbaren Beweise beibringen, nur 
die ON geben uns einige Fingerzeige. v 
Wie oben S. 194 erwähnt, hat Baga die ON und das heutige Zemai- 
tisch in Bezug auf ihre kurischen Bestandteile behandelt und die möglichen 
Schlüsse daraus gezogen. 
Stellt man 11 z e: J.1Jl1	
			

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			r 


(191-1) 


- 28- 


XIV 252. Ein ziemlich hohes Alter dürfte auch das heutige Städtchen 
Kursenai haben. Schon 1581 heisst der Ort "M"BCTO KypwaHbl", Stadt 
Kursenai, und hat, nach dem Ausweis des Bestandbuchs, ein
 für jene Zeit 
verhältnismässig grosse Einwohnerzahl, loc. eiL 239ft 1582 wird bereits 
eine Kirche in Kursenai erwähnt, Spr. 158. Das Stadtehen mag um 1580 
ungefähr schon 150-200 Jahre alt gewesen seil!. 
Ganz anders liegen die Dinge im Memelgebiet. Keiner der obigen 
ON ist alt. Die Orte selbst sind um die Mitte des XV1. Jahrhunderts und 
später als Einzelhöfe gegründet, welche noch die voJ]en Namen ihrer 
Gründer tragen. 
Das heutige Kur
;jai hiess früher Kursehen Mikutsch oder Mikutsch 
Kursehen, Kurseliai - Kursehen Hinehe oder Kursehe Hincke Tholeicke 
oder Inken Kursehen, Sembritzki, Memel 195. In Matzkuhren wohnt 1540 
ein Matz Kure, Sembritzki, Heydekrug 343. Die übrigen angeführten Dorf- 
bzw. Hofnamen werden überhaupt nur nach ihren Gründern genannt. 
Also müssen wir bei der Frage nach der Südgrenz e 
des Kur i s ehe n all e die s e ON weg e n ihr er.. s p ä t e n 
Entstehul}g (im Memelgebiet) oder aus Mangel an Uberlie- 
ferung (in Zemaiten) unberücksichtigt lassen. 
Nur Kursenai aJ]ein ist bis zum gewissen Grade beweiskräftig und 
besagt, dass die Gegend zur Zeit der Gründung litauisch gewesen sein muss. 
Schliesslich ist auch die Tatsache als Beweis für die RichtIgkeit der 
urkundlich und sprachlich bestimmten Südgrenze ges kurischen Sprach- 
und Siedlungsgebietes anzuführen, dass das Gebiet Siauliai (vgI. Kap. IV,2) 
und die Gegend von Papile (vgl. Kap. IV, 3: Pup i II e n), welche sicher- 
lich an Kurland grenzten, in der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts von 
Litauern bewohnt waren. 
Büga bezeichnet in der seiner 
leinen Schrift "Aisciq praeitis vietq vardq 
sviesoje" beigefQgten Karte ganz Zemaiten bis zur Dubysa um 1200 als 
kurisch. In LKZ 11, CXXVI äussert er sich darÜber nur ganz kurz: das 
ganze heutige zemaitische Gebiet bis zur Memel und der Dubysa sei we- 
gen der ON für kurisch zu erklären. 
Diese Ansicht Bügas ist unbegründet. In der zweiten Hälfte des 
XIII. Jahrhunderts ist das heutige Südiemaiten litauisch. Dafür haben wir 
unzweideutige geschichtliche Beweise. 
Zu Beginn der deutsch-litauischen Kämpfe i. J. 1283 wohnen jen- 
seits der Memel, nach Dusb. 146, die Litauer. Im selben Jahre wird die 
Burg Bisena, welche zwischen Skirsnemune und Veliuona zu suchen ist 
(vgI. Kap. IV, 3: Bis e n a m), erobert. Der Chronist erzählt darüber: 
"transierunt glaeiem Memele, et intrantes terram Lethowie castrum dictum 
Bisenam... impugnaverunt", loc. eil. 147. 
Auch bei den weiteren Kämpfen um die Burgen an der Memel wer- 
den nur Litauer und kein einziges Mal Kuren erwähnt. Vgl. Dusb. 152ft 
und Jer. 515ff. 
Der Ragniter Komtur Ludwig von LibenzeJ]e bezwingt innerhalb von 
6 Jahren (1294-1300) "omnes Lethowinos, qui supra litus Memele habi- 
tabant, a fluvio Nare (=Neris) usque ad terram Lamotinam", Dusb. 159. 
FaJ]s die in der Wolhynischen Chronik PSRL, I 818, genannte Stadt 
des zemaitischen Fürsten Vykintas' TBHpeMeTb bzw. TBHpeMeHTb mit dem 
heutigen Städtchen Tverai identisch ist (vgl. Kap. IV, 3: Me den i c kam),
		

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			r 


- 29- 


(197) 


so hätten wir einen Beweis dafür, dass die Umgegend von Tverai um 1250 
litauisch war. 
Die Landschaft Karschauen, welche unmittelbar an das preussische 
Schalauen grenzte, war auch, wie unten Kap. IV, 1 dargetan ist, vor ihrer 
Entvölkerung von Litauern bewohnt. 
Wäre Bügas oben erwähnte Ansicht richtig, so hätten wir starke Be- 
völkerungsverschiebungen in Südiemaiten in einer Zeit von ca. 80 Jahren 
anzunehmen, was höchst unwahrscheinlich ist. 
Es ist noch zu erwähnen, dass in einer bei der Übergabe der Burg 
Memel an Preussen i. J. 1328 stattgefundenen Grenzbestimmung zwischen 
Livland und Preussen das südlich der Minijaquelle gelegene Gebiet aus- 
drücklich als zu Litauen gehörig bezeichnet wird, BUl 11 227f. 
Dusburgs Behauptung. Dusb. 51, dass die Memel Preussen auch von 
Kurland trenne, darf uns nicht irreführen. Nach der damaligen Auffassung galt 
die Stelle, wo heute das Haff mit dem Meer in Verbindung steht, als die Mün- 
dung der Memel. Vgl. BUl I 295: "ubi fluvii scilicet Memela et Danga conflu- 
unt" und RCh. V. 3640 f: "dä die MimeIe und die Dange in einander slie- 
zen / und zu samne vliezen". 
Wie oben erwähnt, stützt auch hier Büga seine Behauptung auf die 
ON, die kurischen Ursprungs sein sollen. 
Für kurisch erklärt Büga alle ON Zemaitens, welche Entsprechungen 
in dem heute lettischen Tejl von Altkurland haben und auf dem ursprüng- 
lich litauischen und lettischen Boden nicht belegt sind
 Auch Altkurland 
und Selen gemeinsame ON seien ebenfalls kurisch, LKZ 11, CXXVI. 
Auf diese Weise hatte er eine ganze Reihe der heutigen ON Ze- 
maitens für kurisch erklart. 
Wir können allerdings nicht einsehen, warum dies der Fall sein muss. 
Bei den ON des ehemaligen kurischen Wohngebiets handelt es sich doch 
um baltische Namen. Sind jene ON auf dem urlitauischen und urlettischen 
Gebiet nicht zu belegen, so ist es noch kein Beweis dafür, dass sie oder 
die ihnen zu Grunde liegenden Appellativa seit jeher im Litauischen und 
Lettischen wirklich gefehlt haben müssen. 
Würde man Bügas Methode aufs Altpreussische anwenden, wo wir 
wegen des geringen Vokabelschatzes das altpreussische Namenmaterial 
recht oft durch litauische bzw. lettische Aquivalente schlagend erklären kön- 
nen, so müssten wir eine Menge ON und PN Hir litauischen bzw. letti- 
schen Ursprungs halten, blass weil uns die entsprechende preussische Vo- 
kabel nicht überliefert ist. 
Als kurisch hat Büga loc. eil. CXXVIf in Südiemaiten angesprochen: 
Alanga, AprotiTH, Gaur
, Kis
, Klabai, MilzuvÖzai, Stirbaitiai, T
veliai 
(Kirchspiel Heydekrug), Wentis, OnycHHa, Wangen, Wenewange. 
Gaure, Klabai und Kis
 haben Entsprechungen auch ausserhalb Kur- 
lands. Vgl. Gaur
nai im Kreise Vilkmerge, k..labiniai bei Alunta, Kreis 
Utena, und KisiniSkiai bei Alvitas, Kreis Vilkaviskis. LAV 503, 413, 458. 
Aprotinl. Stirbaiciai (: Stirbys PN), Milzllv
l1ai, Wentis, Wange und 
Wenewange brauchen wegen le. Ardze, Stirbji, Venia: Vente, Vall/ta 
und Vandzene durchaus nicht speziell kurisch und unhtauisch zu sein. Sie 
sind einfach baltisch. Vgl. pr. ON Argelninken, Styrbaynell, Gerullis ON, 
li. milz-inas ,Riese', vent - eris ,Fischreuse', pr. 'UJanglls ,Damerau'. Vgl. 
dazu auch Gerullis loc. cii.
		

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			( 198) 


- 30- 


Teveliai ist erst 1676 von Mit z koT e h we II als Hof gegründet, 
'Sembritzki, Heydekrug 354. 
Ob OnycHHa, heute Apusynas, etymologisch mit li. apusYllas ,Espen- 
waId' wirklich zu verknüpfen ist, wissen wir nicht. Ubrigens würde man 
kurisch *Apsynas erwarten. Vgl. le. apse, pr. apse ,Espe'. 
Alallga hat eine lettische Entsprechung in aluogs ,Quell, Wassergruft 
und ist also auch gemeinbaltisch. 
Also steht Bügas Hypothese von der kurischen Bevölkerung Südze- 
maitens im Widerspruch mit den geschichtlichen Tatsachen und entbehrt 
auch einer hinreichenden sprachlichen Begründung. 


111. Das semgallische Zemaiten. 


Die Nordostecke vom historischen Zemaiten des XVI. Jahrhunderts ge- 
hörte im XIII. Jahrhundert zum Wohnraum der baltischen Semgallen. 
Die zweite "pars" der semgalIischen Landschaft Upemolle erstreckte 
sich zu beiden Seiten der MüSa und berührte die litauischen Landschaften 
Upyt
 und ..Aauliai. Vgl. Kap. IV, 2. 
Zu Upemolle gehörte vielleicht auch die Semgallerbllrg Sidobren 
(= Sidabra - Berg, am Zusammenfluss des Vilkiausis und der Sidabra), also 
die Umgegend des heutigen JoniSkis. Vgl. Bieler.stein, Grenzen 145. 
Wie weit die andere Landschaft Sag are nach Süden reichte, ist 
aus den Urkungen nicht zu entnehmen. Sicher gehörte dazu die Gegend 
vom heutigen Zagar
 und wohl der Raktuve- Berg, die Burg Racketen der 
Reimchronik. Vgl. loc. eit. ] JOf. 
Die beiden Burgen sind vor Mai 1190 vom Orden endgültig zerstört: 
. Racken unde Dob[
n 
Sydobren mochte nicht best
n. 


die wurden in der zU verbrant'. RCh. V. 11631 ff. 


Wegen des Datums vgl. SRP 11 51 Anm. 5. 
Zu D u ben e gehörte, nach Dielenstein loc. eil. 113, aus dem heu- 
tigen Zemaiten offenbar das Flussgebiet der Egluona (linker Zufluss der 
Vadakstis s.
dlich von Klykoliai). 
Vom Uberdauern der semgallischen Bevölkerungsreste in jenen Ge- 
bieten ist uns nichts Positives bekannt. 
Wie aus deo im Grenzdukt von 1426 (vgl. Kap. VI, B: Die Nord- 
grenze) enthaltenen ON hervorgeht, ist die Gegend zu dieser Zeit bereits 
litauisch: so z. B. die Dorfnamen Buckedabbekay «li. *Bukio Dabikai: 
5YK-aHTH, oYKa -JlaBKe, Spr., und Dabik-ine, Dorf 7 km sw. von Akmen
 
an der Venta), Narssatay «Ji.*Narsatai, vgl. Nars-aniskiai, LAV 526) 
und das "k a p my II (zu lesen: kap i ny 11: ]i. kapines, Friedhof' + Suffix 
-el-) , up Dutsch genometh ein kerckhoff" sind unzweifelhaft litauisch. 
Ebenfalls litauisch ist auch der Name der Lu e ke n e = Ii. Luokine, 
Nebenfluss der Platuona. 
Dagegen erkennt man in dem urkundlichen W y I t ze .oder W i Is z e 
ohne weiteres le. Vi/ce, Ii. \li/kijo, den rechten Zufluss der Svete.
		

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			- 31 - 


(199) 


Wir m ü s sen als 0 a n n e h m e n, das s die n ö r d I ich e 
Volksgrenze der Litauer um 1400 hier ungefähr mit der 
heutigen lettisch-litauischen Sprachgrenze zusammenfiel. 
Die frühe Besiedlung dieses semgallischen Gebietes durch die Litauer 
wird sofort klar, wenn man an 9ie weit nach Norden vorgeschobene ur- 
sprünglich litauische Landschaft Siauliai denkt. 


) 


IV. 


Das litauische Zemaiten. 


1. Karschauen. 
Ober diese Landschaft sind wir besser unterrichtet. - In der Schen- 
kungsurkunde des litauischen Königs Mindaugas' von 1253 finden wir 
unter anderen dem Orden geschenkten Landschaften auch Kar s 0 w e 
zum erstenmal erwähnt, BUI I 334 I). Sechs Jahre darauf (1259) legt 
der Orden schon eine Burg im Lande an, nämlich auf dem Berge des 
heiligen Georg in der Nähe des jetzigen Jurbarkas, Dusb. 96. Vgl. auch 
Kap. IV, 3: Ge 0 r g i i castrum. 
Die neue Feste war von Livland und Preussen aus bemannt und soll- 
te als Stütze bei der Eroberung der von Mindaugas geschenkten, aber nicht 
unterworfenen Länder dienen. Vgl. Dusb. 96. Aber infolge der für die 
Deutschen unglücklichen Schlacht bei Durben (13. Juli 1260) musste die 
Besatzung zurückgezogen werden, RCh. 5813 ff. 
Die unterbrochene Eroberung wird vermutlich nach der Unterwerfung 
der preussischen Nadrauer, Schalauer und Sudauer i. J. 1283 wieder in 
Angriff genommen sein, weil es bereits 1289 zur Teilung der Landschaften 
.Schalwen, Karsowe, Twerkiten, ac aliarum provinciarum" kommt, BUI I 
655 f. Doch kann die Besitznahme keine andauernde und feste gewesen 
sein, weil es zwischen 1303-1315 wieder zu schweren Kämpfen kommen 
konnte, Dusb. 169, 173 f. 
Im Winter 1303 wird von Ragnit aus ein Beutezug nach Karschauen 
unternommen, aber die Leitsleute verirren sich auf dem Wege und die 


1) Die Echtheit dieser Urkunde wurde freilich bezweifelt. Karge, Die Litanerfrage in 
Altpreussen In geschichtlicher Beleuchtung, S. 83 Anm. 36, meint, die Urkunde sei eine 
Flllschung aus dem XIV. Jahrhundert. Als GrÜnde werden dafür angefÜhrt: das spllte Auf. 
tauchen der Urkunde: ihr gesamter Inhalt, sowie die Verschenkung der Landschalten an den 
11 viII n dis c h e nOrden, VgL auch loc. cit. 12. 
Aber man wird stutzig, wenn man folgendes Über die Verhandlungen zwischen dem 
Orden und Mindaugas (1250) in der RCh. liest: "er (= Meister) sprach zu Myndowen {dem 
kunige von Littowen:1 "wurdest du ein cristen man, Igroze 
re ich dir dane gan: Iso 
wil ich dir irwerben{ die cröne, ich entsterben.. I Der kunic was der rede vrö, jdem meister 
gtlobte er do{ sines landes genuc., V. 3491-99, über die Krönung des Königs hdsst es 
weiter: .der kunie was der rede vrö. {dem meister gab er mit briven dol rtchlich in sine 
hant Irtche und gute lant, Im stme kunicriche san', V.3563-67. 
Wir glauben, aus diesen Worten geht die Tatsache der Schenkung und damit auch 
die Echtheit der Urkunde hervor, Auch Latkowskl, Mendog 128 H, hat nur die späteren 
fünf Schenkungsurkunden Mindaugas' für Flllschungen des Ordens erklärt. K«;trzYllski 17 
Anm. 2229 behauptet, alle Urkunden seien noch zu Mindaugas Lebzeiten gef3lscht, was für 
unsere 1-wecke schliesslich gleichgültig ist. Vgl. zuletzt noch Zaj1jczkowski, Studya 68 ff. 
übrigens konnte Mindaugas das Land nur an den I i viII n dis c h e n Orden ver- 
schenken, weil er mit ihm allein In Berührung 
etreten war. Von den Kreuzrittern in 
Preussen war damals In Litauen noch nicht die Rede.
		

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			(200) 


- 32- 


"infideles" fliehen "ad tuta loca". Nachdem der Landmeister Konrad 
Sack d
s Gebiet gebrandschatzt hat, übernachtet er im Lande und kehrt 
über das zugefrorene Kurische Haff heim, Dusb. 169. 
Aus der Tatsache, dass der Rückzug über das Haff geht, können wir 
schliessen, dass das Land Kar
chauen vum Memelstrom aus weiter nach 
Norden bis an die Südgrenze von Ceclis reichte. 
Als i. J. 1307 die Karschauer gegen die Burg Memel gezogen waren, 
liess der Komtur von Ragnit ihr Land durch seine Leute verwüsten, wobei 
70 Gefangene gemacht wurden, loc. cit. 173. 
Eine deutliche Sprache spricht eine Urkunde von 1328, in der der liv- 
ländische Orden die Burg Memel Preussen überlässt. Hier lesen wir wört- 
lieh: "quod tota terra Karsovitarum, cum casho et territori0 Memelensi... 
ad terram Prussiae de cetero integraliter in perpetuum pertinebit", BU11I 228. 
Als Grund fÜr die Abtretung wird angefÜhrt: "quod iidem fratres de Livo- 
nia propter nimiam elongationem castri et territorii Memle pluresque defectus 
alios... bona illa et possessiones amplius fovere... non possent" , loc. cit. 227. 
Daraus können wir ersehen, dass Karschauen unmittelbar 
n das Ge- 
biet der Burg Memel und das preussische Schalauen stiess. Als nördli. 
che Grenze weiter landeinwärts ist die SÜdgrenze von Ceclis anzunehmen. 
Über die mutmassliche Ostgrenze finden wir einige Winke in den 
Wegeberichten. Nach Weg. 666 f, 672 liegt ein Kar s eh 0 w in, C ar s- 
sc h 0 W i n 1,5 Meilen südlich von Laukuva und 2 Meilen westlich von der 
Jura. Loc. cit. 678 wird noch ein Kar s 0 v erwähnt, aber die andere 
Handschrift der Wegeberichte hat an dieser Stelle Kr asow und damit ist 
wohl das heutige Kmiiai gemeint. In CEW 23 tritt auch einmal die Form 
C r a z 0 w fÜr Kraiiai auf. Bei Kraiiai werden zweimal in den Wegebe- 
richten Burgwälle genannt, Weg. 675,679. Deswegen weist das loc. eit. 
bei Karsov genannte "hüs" auch darauf hin, dass unter Karsov hier allein 
Kraziai zu verstehen ist. 
Über den weiteren Verlauf der Grenze nach Süden gibt uns die bei 
Dusb. 174 genannte Burg der Karschauer Bi v e rw at e (Jer.571 hat eine 
richtigere Form: Bi b b e r w a te n), die in der Nähe des Flüsschens Bebir- 
va südlich von Raseiniai zu suchen ist, einen Anhalt. 
Als SÜdgrenze müssen wir den Memelstrom annehmen. Dusburg sagt 
deutlich: "Memela eciam est fluens aqua.... ipsam Russiam, Lethowiam et 
Curoniam dividens eciam a Prussla", Dusb. 51. 
Ohne Grund hat Toeppen in seinem Atlas einen Teil Sudauens, süd- 
lich von Jurbarkas bis an die Sesupe, Karschauen zugerechnet. 
Die Grenze zwischen Schalauen und Karschauen fällt vermutlich un- 
gefähr mit der jetzigen Grenze zwischen Grosslitauen und dem Memelge- 
biet zusammen. Vgl. noch Kap. VIII, A la. 
Die Bewohner des Landes heissen bei Dusb. 173 f Ca r s 0 w i t e und 
bei Jer. 570 f Karsowiten, Karsouwin. Der Nationalität nach 
waren sie Litauer. Zu einer solchen Annahme berechtigen uns fol- 
gende Gründe. Nach der endgültigen Unterwerfung der Preussen beginnt 
der Orden den Krieg mit den Litauern. Dies Volk "fuit vicinior terre 
Prussie, ultra f1umen Memele in terra Lethowie habitans", Dusb.146. Damit 
ist klar gesagt, d3ss Karschauen nur eine Landschaft Litauens war und von 
Litauern bewohnt gewesen sein muss. Darauf weist auch die oben S. 187 
aus Dusburg angeführte Stelle hin. Unter den Litauern "qui supra litus 


, ,
		

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			- 33 - 


(zOI) 


Memele habitant, a f1uvio Nare (= Neris) usque ad terram Lamotinam". 
Dusb. 159, sind natürlich auch Karschauer einbegriffen. 
Ausserdem wird die Burg Putenicka, die, wie der Zusammenhang 
in der Erzählung bei Dusb. 173 f (cap. 297-302) lehrt, ins karschauische 
Gebiet geht'rte, von einem litauischen Machthaber (potens) Namens S pud 0 1) 
an den Orden verrateil, loc. cit. 174. 
Die Worte Mortensens, Wanderung 185, "Die Karsovier westlich der 
unteren Dubissa sind ein sehr problematisches Volk. Vermutlich waren sie 
keine Litauer", entbehren jeder Begründung. 
Das Land hat 3 Burgen von denen 2, Scroneyte und Biverwate 
(Jer.: Bibberwaten) ausdrücklich als karschauisch bezeichnet sind, Dusb. 
174. Biverwate i5t, wie oben gesagt, in der Nähe des Flüsschens Bebirva, 
vielleicht beim heutigen Dorfe Bebirvai, an der Strasse von Raseiniai nach 
Skirsnemu,
e, bei Spr. 5e6HpBbl, ein Gut im Amtsbezirk Raseiniai, zu 
suchen. Uber Scroneyte konnte nichts ermittelt werden. 
Auf die Lage der dritten Burg von Karschauen, Pu t e nie k a, deutet 
Dusburg mit folgenden Worten hin: "navigio ascendit (d. h. der Komtur 
von Ragnit) f1uvium Juram, et procedens u It r a ad castrum Putenickam... 
intravit suburbium", Dusb. 173 f. Das weist doch wohl auf eine nicht zu 
grosse Entfernung von der Jüra hin. Es scheint, dass diese Burg mit Pü- 
te n v eid, Pu tel a u k e n der Wegeberichte zusammenhängt, welches wohl 
sicher, wie aus den Entfernungsangaben zu schliessen ist, dem heutigen 
Dorfe Putvt!s an der Akmena, die bei Pagramantis in die Jura mündet, 
entspricht. Vgl. Weg. 673-5. 
Dass das Land vor der Ankunft der Deutschen ziemlich bewohnt war, 
davon zeugen die AusdrÜcke: "incendium magnum in edificiis, incendium 
et rapina" der "Reisen", die Gefangenen sowie auch die erwähnten Burgen 
mit ihren Vorburgen, Gebäuden und rechten Häusern, das schnelle Wieder- 
aufrichten der verbrannten Vorburgen und sogar Züge der Karschauer nach 
Memel, Dusb. 169, 173; Jer. 570 f. 
Über den Ausgang des karscha uischen Krieges berichtet Dusburg fol- 
gendes: "Eodem anno (um 1315) in autumno Carsowite videntes, quod 
amplius fratribus resistere non possent, relictis duobus suis castris, scilicet 
Scroneyte et Biverwate, recesserunt, que duo castra fratres postea com- 
busserunt, et sie hec tri( 2 ) castra usque in presentem diem remanent deso- 
lata", Dusb. 174. 
Hier haben wir die erste Nachricht über die R ä u m u n g des wes t- 
li ehe n Li tau e n s. Der Litauer muss der Übermacht weichen, gibt den 
Grenzstreifen auf und zieht sich nach Osten zurÜck. So wird eine Art 
neutrale Zone geschaffen, aus der allmählich die sogenannte Wildnis erwächst, 
die beinahe auf ein volles Jahrhundert Preussen und Litauen von einander 
trennt. 
, Die Entvölkerung ist aber nicht so rasch vor sich gegangen, wie man 
es gewöhnlich annimmt. Die Litauer verlassen das alte Siedlungsgebiet 
unter dem fremden Druck nur ganz allmählich. Das ersieht man daraus, 
wie die zerstörten Burgen mehrfach neu aufgebaut werden. Die verbrannte 


1) Spudas PN im Kirchspiel Linkuva; Spr.: CnYAHwKH, Grundstück im Kreise 
Karkl
nal. 
2) Hier ist also auch die Burg Putenicka mitgezählt. 


-
		

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			(202) 


- 34 -- 


Vorburg von Putenicka steht im Herbst desselben Jahres wieder fertig da, 
Dusb. 174. Die um 1315 bis auf den Grund zerstörte Burg selbst ist 1328, 
sogar mit Vorburg, neu aufgebaut und wird von den Deutschen belagert, 
loc. eil. 
Also fällt der Abschluss der Kämpfe um Karschauen, im Gegensatz 
zu Dusburg, erst in die Zeit nach 1328. Aus diesem Jahre stammt auch 
die oben S. 200 genannte Urkunde, in weIcher Karschauen an Preussen 
abgetreten wird. Seit dieser Zeit verschwindet der Name Karschauen für 
einige Jahrzehnte aus den Quellen; auch ein Hinweis darauf, dass das 
Land zur Wildnis wurde. Ob das eroberte Gebiet auch tatsächlich im 
Besitz des Ordens blieb, ist zu bezweifeln. 
Erst in den Jahren 1384 -
 taucht der Name wieder auf, aber schon 
auf ein kleines Gebiet von Zemaiten südlich von Laukuva beschränkt 
(vgl. oben S, 200). 
Bei den Litauern bleibt die alte Tradition erhalten. Jm XVI. Jahr- 
hundert heisst ein Kreis in Westzemaiten Karsuva. Die Grenze dieses 
Kreises verläuft, wie aus dem Vermessungsprotokoll, W A XXV 8-93, und 
den bei Spr. enthaltenen ON zu schliessen ist, von Siksniai an der memel- 
ländischen Grenze über Prysmanciai nach Pagramantis an der Jüra und 
weiter hart an Batakiai und Skaudvil
 vorbei bis Pasil
; von Pasil
 in 
einem Bogen Über den Medvegalis-Berg, die Dörfer Bertasgkiai, Tübinai, 
östlich von Silale, bis Ditkiemis an der Jüra, um in einer Geraden die me- 
melländ:
che Grenze westlich von Sartininkai wieder zu erreichen. Vgl. 
auch Kap. VII, 5. Sprogis nennt: KOPWOBO, Gut im Kreise Karsuva; Kap- 
WOBO, KOPWOBO, KepwoBo, zwei GÜter in den Kreisen VidukJe und 
Kraziai. 
Heute lebt der alte Name der Landschaft in der Bezeichnung des 
Dorfes Karsuva bei Skaudvile fort 1). 
Der Name weist das Suffix -uva auf, mit dem im Litauischen auch 
Landschaftsnamen gebildet werden. Spr. kennt ein KOPWH, Dorf im Kreise 
KarSuva, unweit von Kaltinenai < li. *Karsai oder *Karsiai. Zur Ableitung 
vgl. li. Lietuva ,Litauen' : le. leWs ,Litauer'. 


2. Landschaft Slaullal. 
Bei der Teilung der sem gallischen Landschaft Opemele zwischen dem 
Erzbischof Albert von Riga und dem Orden wird im Jahre 1254 zum 
erstenmal "terra Saulen" erwähnt 2). Ein Teil der Landschaft Opemele 
erstreckt sich in südlicher Richtung "ascendendo aquam Semegallera (= MÜ- 
sa) ex utraque parte usque ad terminos terrarum Opiten et Sau I e n", BUl 
I, 347. Kurz, "terra Saulen" ist südlich der MüSa zu suchen. Die Umge. 
bung der heutigen Stadt Siauliai ist, wie schon der Name verrät, die alte 
"terra Saulen". 
Über die Ausdehnung dieser Landschaft erfahren wir hier nichts. Aus 
der Zusammenstellung "Opiten et Saulen" müssen wir jedoch schliessen, 


I) Voigt IV 181 Anm. 4 und nach Ihm M. Toeppen 39 haben den Namen von Kar- 
schauen irrigerweise gleich Krazlal gesetzt. Aus diesem Grunde hat der letztere auch die 
karschauische Grenze (s. Atlas, Karte I) zu weit nach Norden verschoben. 
2) Nach der Untersuchung von Zaj1jczkowski, Studya 51 11., .kann aber auch Sou 1 e 
der RCh., wo die Llvländer 1236 eine Niederlage erlitten, allein Siauliai sein.
		

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			- 35 


(203) 


dass die Landschaft Siauliai im Osten an die Landschaft Opiten (= Upyt
,. 
sw. von PanevHys) stiess. v 
Fast auf ein volles Jahrhundert verschwindet Siauliai aus der Ge- 
schichte. Erst 1348 taucht der Name wieder auf. Bei der Rückkehr von 
einer Reise nach Zemaiten zog der livländische Landmeister Goswin von 
Herike durch "dat landt Saulen". Dabei erschlugen die "Sauler" diejeni- 
gen Ritter, welche auf dem Marsche hinterm Gros zurÜckgeblieben waren. 
Im selben Jahre unternimmt d
r Meister einen Rachezug und verheert das 
Land. Folgende "Häuser" - Burgen - werden der Reihe nach zerstört: K u- 
I e n e, Bus in n e, D 0 bis e n und Ce i I a, Renner 96 f. 
Keiner dieser Burgnamen ist mit Sicherheit zu identifizieren. Dobisen 
ist wahrscheinlich an der oberen Dubysa zu suchen. Der Chronist berichtet, 
dass "dat war dat vasteste slott in Littouwen disses ordes". Nachdem die 
Besatzung erschlagen war, wurden auch "alle huise in den grundt vorbrandt", 
loc. cit. 
1358 wird die Burg zum zweiten mal vom Orden zerstört. Herrn. v. 
Wartberge berichtet darüber: "Goswinus coacto exercitu cast rum Dobitzen 
in Saulia... destruxit pulchre edificatum. perieruntque ibi circa C capita 
virorum ferocum. Et duo fratres... de menibus ad mortem sunt proiecti",. 
SRP 11 78. 
Der heutige Burgberg von Bubiai, südwestlich vom Orte, an der Du- 
bysa, scheint die alte Feste Dobisen zu sein 1). Die von Krzywicki vorge- 
nommenen Ausgrabungen haben zwei übereinanderliegende Siedlungs- 
schichten konstatiert, Zmudi 83. Und das passt gerade zu der zweimaligen 
Zerstörung der Burg. Ausserdem ist noch zu bemerken, dass der Burgberg 
bei Bubiai der grösste in der ganzen Umgegend ist, loc. cit. 39. 
Kulen und Businne müssen auch nicht weit von Dobisen gelegen 
haben, denn diese drei Burgen sind alle an einem Tage eingenommen,. 
Renner loc. cit. . Am nächsten Tage wird die von den Saulern verlassene 
Burg Ceila verbrannt, loc. cit. 
Die Gegend westlich von Bubiai ist besonders reich an Burgbergen. 
Auf einem verhältnismässig kleinen Umkreis von ca. 9 X 10 km notierte 
Krzywicki 6 Burgberge, loc. cit. 58. Aber welche dieser Burgberge den 
alten Festen Kulen, Businne und Ceila entsprechen, wissen wir nicht. 
Bei der oben erwähnten Reise macht der Landmeister mit den Kuren 
auf dem "beke Swente" halt, und erst hier beschliesst er "vor de vestingen 
im lande leggen" . - Unter dem ..beke Swente" ist hier etweder Sventupis, 
linker Zufluss der Dabikin
, westlich 
on Kruopiai, bei Spr. WBeHTyn"b, 
Bach ilJ1 Kreise Did. Dirvon
nai oder Sventupis, Bach bei Raizgiai zwi- 
schen Siauliai und Bubiai, gemeint. 
Lautlich könnte S wen te ebenso gut litauisch wie kurisch sein. Aus. 
der Erzählung des Chronisten ist nicht zu entnehmen, dass Swente zu der 
Landschaft Siauliai gehörte. 
In einer Notiz aus dem Anfange des XV. Jahrhunderts lesen wir Über diese 
Landschaft folgendes: "die Dobize (= Dubysa)... komn.jet vs Samaythen 
vnd entspringet im lande czu Sc h a wen (= Siauliai), das czwischen Leif. 
land vnd Samaythen leit", SRP 11 709. 


1) Anders, aber unwahrscheinlich, Zaj
czkowski loc. cit. 53.
		

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Die Kirche zu Siauliai, 1445 vom Haup!mann von.zemaiten K«:sgaila 
gegründet, gehört zu den ältesten von ganz Zemaiten, ZV I 68 fund 318. 
Diese für Nordzemaiten frühe Kirchengründung spricht fÜr eine verhältnis- 
mässig dichte Bevölkerung der Gegend. 
Eine Entvölkerung der Landschaft und die Schaffung einer Wildnis 
ist aus den vorhandenen Quellen nicht zu konstatieren. Wäre die Land- 
schaft um 1400 noch im Zustande einer Wildnis gewesen, so würde die 
Neubesiedlung in 45 Jahren noch nicht so weit vorgeschritten sein, dass es 
zu einer Kirchengründung kommen konnte. 
Zu Anfang des XVI. Jahrhunderts bestand Siauliai aus ausgedehnten Kron- 
tändereien. Als königlicher Statthalter sass hier i. J. 1508 ein M. Michnowicz, 
Boniecki 180. Um 1520 schenkte König Sigismund I. den Kreis Siauliai 
,,31> 60Slpbl, 31> M"Bw.aHbl H co BCHMH JllOllMH WOBJleHbCKHMH" dem Bischof 
Johannes von Wilna, LOb, Beilage XXXVII f. Bei Spr. heisst das heutige 
Siauliai BeJlI1KiSl WaBJlH oder WOBJlI1, Stadt und Gut im Kreise Siauliai. 
Die Ausbreitung des ehemaligen Kreises siehe auf der Karte von Ja- 
kubowski. 
Die Einwohner der Landschaft Siauliai heissen "Sauler", Renner 97. 
Ihrer Nationalität nach waren sie Zemaiten, denn am Aniange der Erzählung 
über die oben erwähnt
 Ordensreise wird ausdrÜcklich gesagt, diese habe 
Meister Goswin nach Zemaiten gemacht, loc. cil. 96. Dies wird auch da- 
durch bestätigt, dass auf der Burg Dobisen ntwe Littowers, so darto 
gaste gebeden weren" erschlagen wurden, loc. Cll. 97. Also die Insassen 
der Burg waren keine Litauer im engeren Sinne dieses Worte<;. 
Wenngleich die Sauler dem Orden zinspflichtig waren, u

erhielten 
sie doch geheime Verbindungen mit dem litauischen König. Uber ihre 
 
Untreue sagt der Chronist: "Oe sulven weren frunde averst nicht im grunde", 
loc. eil. Als der Meister von seiner Reise nach Riga zurückgeke
rt war, 
liess er 14 Sauler zu sich kommen und "hilt ohnen disse dath (= Uberfall) 
vor, och dat se tinsz thor Mittouw vorseten und nicht gebracht, tom drud- 
den, dat se dem koninge van Littouwen geraden hedden, dat he Liflandt 
avertagen, der orsake h alven wolde he (= Meister) se vor fiende holden", 
loc. cH. 
Hieraus ersehen wir deutlich, wie weit die Macht des livländischen 
Ordens über die Grenzen von Sem gallen und Kurland nach Süden reichte. 
Bei der Tributpflichtigkeit der Landschaft ist es ohne weiteres ver- 
ständlich. warum sie von den Ordensreisen nur selten betroffen wurde. 


3. Kernzemaiten. 


Als Kernzemaiten bezeichnen wir das südöstliche historische Zemaiten 
.welches im Westen durch die Wildnis begrenzt wurde (vgl. Kap. V, 3) und 
im Norden und Nordwesten ursprÜnglich an kurische und semgallisch
 
Gebiete stiess. Bis ins XIV. Jahrhundert trägt nur es allein den Namen 
"Niederland". VgI. S. 176. 
Seit Beginn der geschichtlichen Zeit ist Kernzemaiten 
von Litauern besiedelt gewesen. Von einer Überlagerung 
fremder Völker durch die Litauer und von sonstigen Bevöl- 
,kerungsverschiebungen ist uns hier nichts bekannt.
		

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(205) 


Ober die mutmassliche Siedlungsverteilung in Kernzemaiten, die Über- 
völkerung und deren Bedeutung für die Neubesiedlung der Wildnis ist 
unten Kap. V, 3 und VII, 10 zu vergleichen. 
Im folgenden wird ein aus den Quellen zusammengestelltes Verzeich- 
nis sämtlicher Siedlungsplätze und auch der übri
cn ON bis einschliesslich 
1400 mit vollständigen Belegen vorgelegt. 
Die Flur- Fluss- und Wäldernamen der südzemaitischen Wildnis, sowie 
auch die Ortsbezeichnungen der innerhalb der Siedlungsgrenze von 1400 
liegenden kurischen und semgallischen Gebiete sind in das Verzeichnis mit 
aufgenommen. 
Aus der Zeit nach 1400 werden nur solche Belege ausgesucht, welche 
die weitere Entwicklungsgeschichte der Orte beleuchten können. 
Die zu ein und derselben Landschaft gehörenden Siedlungsplätze und 
auch die "terrae", welche unter einem Machthaber standen, werden zusam- 
men an einer Stelle behandelt. Sonst ist die Anordnung alphabetisch. 
An die Identifizierungen der ON werden zuweilen einige aus den Be- 
legen sich ergebende oder sonst wichtige rein historische und siedlungsge- 
schichtliche Bemerkungen angehängt. 
Andlgenkuthi (ein PN!), sexturn sowalk, terre vastate sunt seilicet 
Ramynne, Babyne, Gaydine, Karianowt', Labunowe, Pedins, Kapplius, Nar- 
mayne 1372, H. v. Wartberge 102. 
Aus den von diesem Machthaber beherrschten Gebieten liegen westlich 
des Nevezis: 
1. Ba b y n e. Da6S1HbJ, Feld und Gut an der Dotnuv
le im Kreise 
Veliuona, Spr. = Babellai, Vorort von Kedainiai. 
2. Gay d i n e. Dlugosz (tI 480), Hist. Pol. lib. I 19 nennt "oppidum 
Kieidany". KeHJLaHbJ, Gut mit Stadt, Spr. = KMainiai am Nevezis. - Für 
den Wechsel von g und k vgl. Kalanten : Galanten (s. d.) = Kulautuva. 
3. Kar i a no w e. KopaHoBo, Gut am Nevezis im Kreise Veliuona, 
Spr. = Karanava, Gut und Dorf 5 km sö. von Josvainiai. 
4. Ra 111 y n n e. POMHllbJ, Feld und Gut im Kreise Veliuona, Spr. 
= Rominiai, 6 km nw. von Kedainiai. . 
Ayse, cleyn vlys 1384, Weg. 667 = Aise, rechter Zufluss des Veivirzas 
sw. von Veivirzenai. 
Anta 1393, Weg. 674; Hant, flis, loc. eil. 676; czu Caltenenen an 
eyme vlise, das heist di Antä 1394, loc. cit. 679; Ante, flis 1395, loc. cit. 
AH'Ja, OH'Ja und seltener AHTa, AHTSI, OlITa, OHTSI, _Spr. = Ancia, entspringt 
w. von Kraziai und mÜndet s. von Batakiai in die Sesuvis. 
Arisken ca. 1385, Weg. 670; Ariskin, velt 1385, loc. eil. 671; Vgl. 
loc. eit. 673, 674 f, 677; bis czu Arisken vf die Asarune das vlys 1394, 
loc. cit. 676; bis uff den Worischken 1427, CEW 772. = 0 r y ski an y, 
Oryszkianv, Dorf mit 17 Gehöften 1562 zu dem "Woytowstwo RomaIiskie" 
gehörig, im Kreise Karsuva, W A XXV 86. - Heute nicht mehr vorhanden. 
Wie aus dem VermessungsprotokolJ, loc. eit. 88 f, zu ersehen ist, grenzte 
das D9rf an die heutigea Ort::chaften Sartiniqkai, Putoks:iai, Prysmantai, VHai- 
ciai, Siksniai im Amtsbezirk Sartininkai-Zygaiciai, Kreis Taurage. Nach 
den Weg. XIII und XXII lag das Feld Arisken an der EzerÜne, welche 
südJich von Taurag
 in die JÜra mÜndet. 
Arogel s. EregalIe.
		

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Asarune, viys 1393, Weg. 673; Asarune 1394, loc. eiL 676. = Eieralle, 
rechter Zufluss der Jüra. - Der Unterlauf der Ezerüne scheint ursprünglich 
dem schalaUlschen Gebiet angehört zu haben, CEW 134, 180. 
Asswe, vlis ca. 1385 Weg. 671; Asswee 13d5, loc. cit. 672. OWBSJ, 
OWBa. A)J(Bi5l, OViwBa, Fluss unweit Jaunodava, Kreis Ka rsuva, Spr. = Asva, 
rechter Zufluss der Akmena nördlich von Kaltinenai. 
Asswyiote, czum heilgin walde, ca. 1386, Weg. 668; czum heilgin walde, 
der helst Asswyiote 1386, loc. cit. 669; Assweote, Assweo
he 1387, loc. cit. 
665; Assweoten 1393, loc. eit. 673 =? - A. Mierzynski, Zrödla 90 H, hat 
nachgewiesen, dass der heilige Wald an der Asva (s. v.) südlich vom Gut 
Jaunodava, westlich von Kaltinenai und nördlich VOll Kvesciai zu suchen ist. 
Augken, campum 1345, Wig. 507; velt Awkon ca. 1386, Weg. 668; 
1386, loc. eil. 669; veld Auken 1393, loc. eit. 678; das veld... czu Aukeyn 
1395, loc. cit.; vf deme velde Aukull 1385, loc. eit. 687 =? - Nach Hirsch, 
Weg. 668 Anm. 7, und Mierzynski, loc. cil. 99 H, ist das Feld in der 
Nähe von Batakiai an der AnÖa zu suchen. Falsch Voigt IV 19 und Bu- 
szynski. Dubissa 35, 37.-S. auch Oukaym. 
Azarene, terra 1379, Wig. 592 = O)J(epaHbl, Gut im Kreise Veliuona 
und Flur bei DOPbTKYHbl, heute Bartkünai 7 km nw. von Krekenava, Spr. 
- - Der Ort muss im XVI. Jahrhundert sö. von Bartkünai gelegen haben. 
Auf der Kartei: 100.000, Blatt 0 19, liegen 2,5 km von Bartkünai entfernt 
zwei kIeme Seen und n. davon ein Vor"Yerk Paezere. Hirschs Vermutung, 
Wig. 592 Anm. 1234, dass Azarene mit Zarenai identisch sei, entbehrt jeder 
Grundlage, weil die nebengenannte "terra Medeniken" nicht mit der alten 
iemaitischen Landschaft Medininkai gleichzusetzen ist. Vgl. unten Medenike. 
Aze, regio 1371 H. v. Wdrtberge 99. O)J(OHTH, Feld auf der Vadakta, 
Kreis Veliuona, Spr. = Aiaitiai, Dorf im Amtsbezirk Baisogala, Kreis Ke- 
dainiai. 
Babyne s. Andigenkuthi. 
ßaltinlnkai, ein Gebiet, aus welchem 1421 60 Scharwerksbauern pem 
bischöflichen Kapitel zu Varniai durch Vytautas verschrieben wurden, ZV I 
59 = Baltillillkai, Dorf 7 km sw. von Luoke. 
ßareykin, feit 1387, Weg. 664; von Bareykinfelde 1387, loc. cit.; bis 
czu Bareykinfelde, loc. eil. 665; Bareykenfelt, loc. cit. Dopei1KSlHbl, Gut am 
Bache Graumena, Kreis Pajüris, Spr. = Bareikos, Dorf und Vorwerk ca. 
5 km nö. von Sveksna, Kreis Taurage. 
ßeyerburg s. f. 
Beyern, edificavit castrum in quadam iusula ex opposito Welov, vo- 
cavit, 1337, Sambo 281; aedificaverunt castrum... prope Willun, quod ob me- 
moriam ducis Beyrsburg fuit appellatum, Ä. Chr. v. üliva 717; castrum 
Beyerborg vulganter dictum eXlIstum et continuo ad 1 miliare inferius 
aliud erectum, quod eodem vocabulo, Beyersburg sc. est vocatum, Wig. 501 ; 
JIl castrum Beyeren 1379-81, loc. eil. 6U6 =? - Wo die erste Beyerburg 
1;337 errichtet wurde, ist schwer zu bestimmen. Nach Sambo wÜrde man 
die Memelinsel gegenüber Veliuona als Erbauungsort annehmen müssen. 
Dagegen weist die Erzählung bei Wig. 493 - denn mit "duas domos" , 
nach Schützens Bericht, können nur Marienburg und Beyaburg gemeint 
sein - auf die Insel an der Dubysamündung hin. Das letztere scheint 
wahrscheinlicher zu sein. So auch Weber, Preussen 550. Hirschs Be-
		

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			I 


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(207) 


" 


hauptung. Wig. 493 Anm. 284. dass die Burg am Südufer der Memel er- 
baut worden sei. ist aus der Luft gegriffen. 
Später, ohne genaue Jahresangabe. berichtet Wig. (s.o.) über die 
Verlegung dieser Burg. Dasselbe Unternehmen wird auch ATh 73 unter 
dem J	
			

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- 40 


Bikava liegen zwei Dörfer: Auibikavis und Bikavenai. Spr.: DfiKOBTSlHbl, 
Dorf im Kreise Pajüris. 
Dangenfeld 1395, Weg. 675 =? - Zur Bestimmung der ungefähren 
Lage von Dangenfeld ist für uns der Schluss des Weg. V von Wichtigkeit, 
weil die Richtung der Reise in bei den Wegeberichten die gleiche ist. Nur 
steht im Weg. V die Jüra an Stelle von Dangenfeld im Weg. XVI. Die 
Entfernung von Bikava ist die gleiche - 2 Meilen. Nach den Entfernungs- 
angaben des Weg. V dÜrfte die Jüra bei dieser Reise etwas oberhalb der 
Mündung der Lokysta überschntten worden sein. Hier mag, nach der An- 
gabe der beiden Wege berichte, 3 Meilen vom (besiedelten) Lande entfemt, 
das alte Feld gelegen haben. 
Datinen. 
 I. J. 1372 dringt der livländische Landmarschall "cum po- 
tencia" in Litauen ein und verheert in 9 Streifzügen (sowalk) das Land zu 
beiden Seiten des Nevezis. Jeder Landschaft galt ein Streifzug. Der fünfte 
"sowalk fuit Datinen; teTTe vastate seilicet Berze, Ramoe, Slappiberze, Me- 
gene, Datyske, Zazati, Vergo", H. v. Wartberge 101 f. - Datinen hat 
Strehlke, loc. cil. Anm. 21, mit Dotnuva identifiziert, wa
 wegen der häufig 
verdorbenen Wiedergabe der litauischen ON sehr wahrscheinlich ist. Heute 
tragen diesen Namen ein Gut und zwei Dörfer, sämtlich am Flüsschen Dot- 
nuva im Kreise Kedainiai. Spr.: .D.aTHoBo, Städtchen, Gut und Feld an 
der Dotnuva im Kreise Veliuona. 
Die obigen "terrae" von Datine sind: 
1. B erz e, loc. eil.; Bersden, terra 1379, Wig. 597; vastant Persin 
et steterunt ibidem 3 diebus et noctibus... 160 captivabant preter occisos 
1379, loc. cil. 601; Perstewise I) 1372, Herm. v. Wartberge 101. Dep)J(H, Gut, 
Dorf und Feld im Kreise Veliuona, Spr. = Beriai, Dorf und Gut 4 km n. 
von Dotnuva. - Das Gebiet ist vermutlich nicht ganz klein gewesen, weil 
zu dessen Verwüstung 3 Tage und Nächte gebraucht wurden. 
2. D at y s k e, loc. eit. = Dotiskiai, Dorf 2.5 km nö. von Sidabra. 
vas im Amtsbezirk Naujamiestis, Kreis Panevezys. - Der bei Spr. verzeich- 
nete Heuschlag .D.oTI1WKe bei Betygala liegt zU weit nach Osten und kann 
hier nicht gemeint sein. 
3. Me ge n e, loc. cil.; Ml1nlHbl, Krondorf im Kreise Veliuona, Spr. 
= Mief{
nai, Dorf und Gut 9,5 km nw. von Surviliskis, Kreis Kedainiai. 
4, Ra mo e, loc. cit.; POMSlHbl, Gut und Feld am Nevezis und der 
Kruosta, Kreis Veliuona, Spr. = Ram
nai, Gut und Dorf 3,5 km nö. von 
Dotnuva. -- Die Identifizierung ist nur in dem Fall richtig, wenn Ramoe 
eine korrumpierte Form darstellt. 
5. SI a p pi be r z e, loc. eit.; Slappeberze, regio 1371, loc. cil. 99 = 
Slapaberiis, Kirchdorf und Gut 7 km nö. von Dotnuva. 
6. Za z a ti loc. cit. = ? 
7. Ver go loc. cit. = ? 
Ausserdem dürfte wohl zu dieser Landschaft auch die einmal mit Slap- 
peberze zusammen genannte "regio" Calleberze, loc. cit., gehören. = Kal- 
naberie, Dorf und Gut am rechten Ufer des NeveZis 13 km n. von Ke- 
dainiai. 



 



 


1) Perstewise ist wohl in Perste + wise ,Wiese' zu zerlegen.
		

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(209) 



 


Datinen erstreckte sich also westlich vom Nevezis, VOl
 Dotnuva im 
Süden einsehliesslieh bis zur Bahnlinie Panevezys-Radviliskis. 
Datyske s. unter Dalinen. 
DObyes, Fluss 1382, BUl III 395; an das wasser Dobyze 1383, ÄHCh 
604; als die Dobiza venet in die Memel 1387, BUl 1I1 490, Dobyse 1395, 
Weg. 687; Dobeise, Thobeise, loe. cit. 680; Thoveise, loe. eil. 681; Tho- 
besze, loe. eit. 688; bis ezur Thobis 1409, CEW 186; die Dobize... kom- 
met vs Samaythen und entspringet im lande ezu Sehawen, Weg. 709; JJ.y- 
Chtca, Flms, Spr. = Dubysa, rechter Zufluss der Memel. 
Dobisin werder 13S2, BUl 1II 394; Dobysen werder, loe. eit. 396; in 
insula prope fluvium dictum Dobyse 1385, CEW 6; circa fluvium Dobyse, 
in insula 1385, loe. cit. 7; in insula iuxta fluvlUm Dobysse 1385, loe. eil. 
8; tag... of der Dobize ezu halden 1395, loe. cil. 39; quam der marschalk 
mit Wytolde,.. zeu samene in das werder Tobjsen, loszunge zeu halden 
1393, ÄHCh 625. Vgl. ATh 188; uf dIe Dobys 1396, BUI IV 130; off die 
Tobis 1402, CEW 87; die geisel oueh die gefangen uff die Tobis laszen 
entwerten 1402, loe. cit. 88; uf das werder bi der Tobys 1403, BUIIV 445; 
Tobische werder 1416, CEW 338. = wohl die Insel in der Memel 1,5 km 
w. von der Dubysamündung. Nach der KarteI: 100.000 ist die Insel 1 km 
lang. 
Dubysaburg. uff der Thobis am fritage noch Egidii 1405, CE\\! 118; 
umb den holf ezur Thobys 1406, loe. cit. 135. Gegeben uf der 
Thobys 1406, loe. cit. 129; Item wart in desim somir gebuwet 
eyn hus uf der Thobesze 1307, Pos. 286. Vgl. loe. eit. 291; Gegeben 
uf der Thobys 1408 CEW 159; in unser m hofe Thabis 1407, loe. cit. 144; 
im hofe uf der Thobys 1409, loe. cil. 171; uff der Thobys 1409, loe. eit. 
175; uf der Thabis 1409, loe. eit. 178; Thobls am montage nach trinitatis 
1409, loe. eit. 179; uff der Thobys 1409, loe. eit. 184; uff der 
Thobis 1409, loe. cit. 188; Tobiese 1409, loe. eit. 190; uff der Tho- 
bys an der mittewoche vor Laureneii ezur eollacie 1409, 10e. cit. 191; 
von der huser ezur Tobiese und ezu Fredeburg 1409, 10e. eit 189; H. 
dornoeh so venet ein fliez in die Memel, das heysset lrmenow die
seit der 
Dobize als das huws gelegen hat. It. vndir dem huuze venet die Dobize in 
die Memmel, Weg. 709 (Anf. d. XV. Jahrh.) = ? Nach der am 22. Mai 
1404 in R3ci
z erfolgten Abtretung Zemaitens an den Orden, BUI IV 457ff, 
wird das Land erst durch zwei von Vytautas unterstützte Reisen, Januar, 
Pos. 276 f, und Anfang August 1405 unterworfen 1), LEW 113, 116 f, und 
unter die Verwaltung eines Vogtes gestellt. Seit dem 4. September hat 
dieser seinen Sitz an der Dubysa (s.o.). Nach einem Jahre (29. August 
1406) besichtigt der Komtur von Ragnit "eine borgstat ezu eime huse, in 
dem orte, als die Thobese 1111d die Mymel ezu hufe kommen", CEW 131. 
Baumatenal sei "binnen einir halben milen umb den hoff (d. h. des Vog- 
tes) ezur Thobys" dazu genügend vorhanden. Im Mai 1407 befindet sich 
die neue Burg !m Bau, loe. cit. 148. Anfang Juli 1409 ist sie von den 
aufständise
en Zemaiten stark bedroht. Am 7. August d. J. berichtet der 
Vogt von Zemaiten an den Ragniter Komtur, dass Vytautas "strulher ezum 



 


1) Diese Unterwerfung war aber keine vollsUlndige, denn noch Ende Dezember wei- 
gern sich die Zemditen, die versprochenen Gei'ietn zu geben, CEW 123. Auch nach der 
Stellung von Geiseln muss das land sich nicht beruhigt haben, weil Im September 1406 
noch eine Reise geplant wird, welche "lInsern finden den Samayten" gelten soll. CEW 133. 


-
		

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huse ClU uns" ausgerichtet habe, loc. eit. 191. Die Burg wurde, wohl kurz 
danach, vom Orden selbst verbrannt. Pos. 303 berichtet darüber unter 
dem Jahre 1409 ausführlich:" das hus uf der Thobisin vorbrante der voith 
von Samaythen mit synen luten und czogin von dannen, wend sy alle uff 
dem huse so krang worin, ab sy belegen wordin, sy hetten is nicht kunt 
geweri n" . 
Aus dem oben Angeführten geht unzweifelhaft hervor, dass die Or- 
densfeste an der Mündung der Dubysa in die Memel errichtet war. Dazu 
stimmt auch die Angabe einer Streitschrift, wonach Dubysaburg "in ascensu 
fluvii Memla super aream... castri Velune" erbaut gewesen sei, Pos. 286 
Anm.4. 
Eginthen, regio 1370, H. v. Wartberge 95; quartum sowalk versus 
partes Sameyten vocatur Eginten; terre in eo vastate sunt Lauden, Knien, 
Burve, Linkowe, Sasen 1372, loc. eit. 101. - Wie aus H.v. Wartberge 80 
hervorgeht, ist Eginten ursprünglich kein ON sondern ein PN eines litaui- 
schen Fürsten. Jene Stelle heisst: "Anno 1360 ...Arnoldus de Viting- 
hof (Landmeister von Livland 1359- 1364) ...fecit expeditionem ad curiam 
cuiusdam satrape nomine Eginthen... Quam curiam ac regionem eircumia- 
centem expug'1avit". I. J. 1377 wird auch ein Egynte, Machthaber von 
Opyten genannt, loc. cil. 113. 
Daraus ist wohl zu folgern, dass Eginte die oben genannten Gebiete 
beherrschte. Sind die beiden genannten gleichnamigen Fürsten ein und 
dieselbe Person, so bedeutet das, das:; Egintes Herrschaft sich auch auf die 
oberlitauischen Landschaften erstreckt hat. 


Die von Eginte beherrschten .. terrae" sind: 
1. Bur v e, loc. eit.; HaD."b caMOto p1>KOto HeBSDKOto. Ha rop1> rom- 
Haropa, np03blBaeMoH ypO'lbIIllOM B nOJlH oYPBencKoM... 1588, Opis VIII 28 
= Burveliai, Dorf 3 km nö. von Surviliskis am NevHis. - 2 km von Bur- 
veliai entfernt liegt noch ein Dorf Naujieji Burveliai. Ursprünglich müsste 
Burveliai *Burviai geheissen haben. Darauf weisen die angeführten Burve 
und B nOßH oYPBencKoM. Woher Strehlke, H. v. Wartberge 101 Anm.20, 
Burwi hat, konnte mcht festgestellt werden. 
2. K nie n, loc. eit.; Cnien, r
gio 1371, loc. eil. 09 =? - Knien 
steht wohl für Kinen oder Kuien. Cinkiai loc. eil. Anm. 4, südlich von 
KMainiai hat damit nichts zu tun. 
3. Lau den loc. eil.; OT"b rpaHHUbI OOSlp"b JlaBD.eHCKHX"b 1554, Sbor. 
VJII 64 = JlSIB.Il.bl, JlSlB.Il.a, Gut und Feld im Krei
e Veliuona, Spr. - Ein- 
mal führt Spr. JlSlBlI.bI sogar als Städtchen an. Dies beruht jedoch auf ei- 
nem Lesefehler, weil Op1s I 70 an dieser Stelle JlSlJlH hat. Die Ausdeh- 
nung von Lauden im XVI. Jahrhundert vgl. auf der Karte von Jakubowski. 
Durch den sw. Teil des Gebietes fliesst noch heute ein Fluss Liaud
, weI- 
cher der alten Landschaft den Namen gegeben hat. Aus dem XVI. Jahr- 
hundert sind auch zahlreiche litauische Bojaren, die JlsIB.rI.a oder slavisiert 
JlSlB.n.aHcKiH heissen, bekannt, Opis I. 11, IV, V. 
Das Gut selbst mag wohl nicht weit vom heutigen Kirchdorf Poeiü- 
n
liai, zwischen GrinkiSkis und Krekenava, gelegen haben, denn die häufig 
bei Spr., unter JlSlßlI.bl und KpoKI1/foBO genannte ßeJlI1KaS1 .Il.opora ist zwei- 
fellos die heutige Landstrasse. welche Poeiüneliai mit Krekenava verbin- 
det. Ausserdem finden wir bei Spr. erwähnt, dass das Gut JlSlBD.bl an der
		

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(211 ) 


. 


Nikelpa und Garduva, beide um Pociün
liai, liege. Nach Opis 11 64 befindet 
sich das Gut im Felde nOWOKH, heute Pasakiai 2,5 km nw. von Pociün
liai. 
Ebenda heisst es S. 48: "rocnolI.. lI.BOpa HXl> nSlBlI.HHcKaro H nOHeKenn- 
ckaro". Das letztere ist Ponikelpiai, Gut und Dorf 1,5 bzw. 2 km n. von 
Pociüneliai. 
Die "terra" Lauden muss viel kleiner als das Gut und Feld nSlBD.bI im 
XVI. Jahrhundert gewesen sein, weil der grösste Teil dieses Gebietes im 
XIV. Jahrhundert den anderen Landschaften angt:hört zu haben scheint 
Am wahrscheinlichsten ist es, dass Lauden am Unterlauf der LiauM, näher 
den anderen Gebieten von Eginte, gelegen hat. - Heutzutage lebt der alte 
Landschaftsname Liaude in der Bezeichnung der Bojarendörfer an der Liau- 
de, besonders um Pociüneliai, fort. Vgl. SO V 104. 
4. Li n k 0 we, loc. cit.; Linkowe, regio 1371, loc. eil. 99; nHHKO- 
Beu,ö, Gut im Kreise Upyt
, WA XXVI 278, 416 = LinkuveM, Dorf und 
Vorwerk an der Linkuva, 7 km nö. von Surviliskis. - 1587 umfasste das 
Gut nHHKOBeu,l> mehrere Dörfer, von denen noch heute Uiuvalkiai, Uiar- 
tel
 und Narusiai existieren, loc. eil. 278. 
Unter dem Jahre 1379 nennt H. v. Wartberge 115 Linkowe zum dritten- 
maI im engen Zusammenhang mit Upyt
. Einen gewissen Zweifel ruft der 
erste Satz oes Berichtes über die gemachte Reise hervor, in dem wir lesen: 
"ivit contra Letwinos presertim in Opythen". Dieses "presertim" zwingt uns 
zur Annahme, dass nicht alle der verwüsteten "terrae" zu Opythen gehörten. 
Also ist die Zugehörigkeit Linkowes zu Upyte durchaus nicht sicher. 
5. S ase n, loc. Clt. = Sasy, Amtsbezirk zwischen Surviliskis und 
Krekenava an der Mündung der Liauda, Balinski PS III 466. - Der Burg- 
berg liegt bei Bakainiai, Krzywicki, Zmudi 29 f. 
Eregalle, terra 1253, BU 1 I 334; Ergalle, terra 1257, K
trzynski 13; 
Erogel, territorium 1294, Dusb. 158; Lethowinus de Erogel 1306, 10c. eil. 
173; Erogela, territorium 1322, loc. eit. 186; Arogel, provincia 1322, Sambo 
287; fit reysa... in terram Eroglen, in qua noctem steterunt bellantes cum 
Samaytis 1366, Wig. 557; Eragelen, regio 1367, H. v. Wartberge 89; 1370, 
loc. cit. 97; 1371, loc. eit. 98; Eroglen, terra, Wig. 513; 1352, loc. eil. 516; 
1355, loc. cH 521; 1364, loc. eil. 541; 1365, )Qc. eit. 549; 1367, loc. eit. 
559; 1370, loc. cil. 569; 1372, loc. cil. 571; Eroglenses 1375, loc. eil. 579, 
Eroglen 1378, loc. cit. 588; Erogeln 1395, Weg. 676, 10c. eil. 680; ÜPSl- 
rona, OtipSlrona, Stadt und Gut im Kreise Ariogala, Spr. = Ariogala; 
Städtchen am linken Ufer der Dubysa. 
Die Landschaft Ariogala wird im XIV. Jahrhundert äusserst häufig 
vom Ordensheer heimgesucht. Im ganzen sind 16 Kriegsreisen notiert. 
Deswegen dürfte sie ein verhältni
mässig grosses Gebiet umfasst haben, 
wenn auch keine Ortschaften als zu Ariogala gehörig überliefert sind. 
Zu Vytautas' Zeiten gab es schon einen KreIs dieses Namens. (v gl. Kap. 
VI, 2). Für dessen Ausbreitung im XVI. Jahrhundert vgl. Jakubowski, Karte. 
Die !KHSI, VI>KHSI, Fluss im Krei- 
se Karsuva, Spr. = fine, Flüsschen sw. von Kaltinenai. - Die Identität kann
		

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- 44- 


wegen des an dem Flüsschen erwähnten Frldes Questin nicht bezweifelt 
werden. 
Etigel s. Betegalle. 
Friedeburg. der h9meister Iys eyn hus buwin in das land 1400, Pos. 
237; czogin (d. h. die Zemaiten) ...vor die czwe huser (d. h. Friedeburg 
und noch eine andere mit Namen nicht bekannte Burg) czu Samaythin... 
und vorbrantin beyde 1401, loc. cil. 241; wordin gebuwet in desim zomir... 
eyn hus czu Samaythin Vredeborg 1408, loc. cit. 291; ir weIdet senden 
XXX man und vier czimerIewthe, di da sulden arbeithen czur mole czu 
Fredeburg 1409, CEW 175; di ich (d. h. der Ragniter Komtur) usgesant 
hat kein Fredeberg 1409, loc. cil. 183. Vgl. loc. cil. 185; Ouch zo hat her 
(d. h. Vyta.utas) gesaut, in die land um Fredenburg 1409, loc. cil. 184; sie 
(d. h. die Zemaiten) die wege czwischin Rangnith und Fridburg vorhegit 
habin 1409, loc. cil. 185; Gegeben zu Vredeburg am vritage czobunde 
nach Viti (= 21. Juni), Burgkrfe (sic) czu Vredinburg 1409, loc. cil. 186; 
Fredeburg... belogin dy Samaytin und gewonnen is, wend dy lute doruffe 
nicht spyse hattin 1409, Pos. 303 = ? - Die erste Friedeburg wurde 1400 
gebaut. und schon im nächsten Jahr nach dem 13. März von den abgefal- 
lenen Zemaiten eingeäschert. Der zweiten Friedeburg, welche wohl auf 
der Stelle der früheren 1408 errichtet wurde, war kein besseres Schick- 
sal beschieden. Nach dem Ausbruch des zemaitischen Aufstandes i. J. 
1409 sollte die Besatzung der Burg unter dem Schutz der vom Ordens- 
marschall geführten Hilfstruppen im August zurückgezogen werden, CEW 
189 f. Die Expedition ist aber augensc
einlich nicht zustande gekommen, 
denn Friedeburg fiel in die Hände der Zemaiten. 
Die Lage der Burg ist nicht festzustelIen. Aus dem oben Angeführ- 
ten ist nur soviel klar, dass sie innerhalb des Siedlungsgebietes an einem 
Fluss gelegen haben muss. Vgl. auch CEW 190: "sollen sich sammeln 
czur Tobiese... und vort an czu Fredeburg die huser czu entsetzen". 
Gaydine s. Andigenkuthi. 
Galanten s. u. Pastovie. 
Galva, terras, et Subna intraverunt 1357, Wig.523; regiones vastavit... 
Gallen 1367, H. v. Wartberge 89; Galve... alia
que vicinas... vastarunt 1370, 
loc. cil. 98; Von Lesten ij mile weges in das lant czü Galve 1384, Weg. 
681; von Pernaren j mile bis czu Subenow vnd czu GalIe in die czwe land 
1394, loc. cil. 679; czü Galle, loc. cit. 686; ronbHbI, Gut, Dorf und Feld 
an der Sesuvis im Kreise Josvainiai, Spr. = Ga/ne (Galna), Umgegend der 
Dörfer AmbraziOnai, JurgaiCiai, Sutkünai, Mastautai, Maconiai, Paliskiai, 
PallSk
Iiai und Purvaiciai sw. von Krak
s 1). - Galva bei Wig. 523 ist si- 
cher in Galna zu korrigieren. Aus dem Faksimile dieser Chronik, SRP 11 
439, vgl. dazu den loc. cil. 454 f abgedruckten Text, ist deutlich zu erse- 
hen, dass die Handschrift für v im Inlaut stets ein II hat, weIches aber in 
den meisten Fällen von II garnicht zu unterscheiden ist. Ähnlich ist es 
wohl auch mit Galve bei H. v. Wartberge und in den Wegeberichten. 
Falsch Heinrich, Beiträge 64. 
Das heute nicht mehr existierende Gut ronblibl muss im XVI. Jahr- 
hundert am Ostufer der SusvE' einige \;m südlich von Krakes gelegen ha- 
ben, denn auf dem Wege von ronbHbl nach Ariogala fuhr man über das 


I) Diese Mitteilung verdanke ich Herrn Pfarrer Klcvinskis aus Pajeslys.
		

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(213) 


1 


Flüsschen EClla. heute Jesla, ein bei Pajeslys in die Susv
 mündender 
Bach. Spr. Nach der Ortstradition lag es auf dem Berge zwischen Maco- 
niai und Mastautai. 
Das alle Schulzenamt rOllhHbl erstreckte sich. wie aus den bei Spr. 
enthaltenen ON hervOlgeht. annähernd)4 km südlich vom Gute Pasusvys 
(w. von Krakes) zu bei den Seiten der Susve. 
Oedeghinnen. in Sameythen. ad curiam, que nunc Bussike dicitur 
1348, H. v. Wartberge 75; reJl.eKSlHbI, rCJl.eHKaHbI 1611-1614. Dorf und 
Gut im Kreise Upyte, Op.'s VI1l 302, 448, 485 = Gedeikoniai. Dorf und 
Vorwerk 5,5 km Ö. von Zeimells, - Unter Bussike ist hier nicht die heu- 
tige Stadt Bauske, sondern wohl ein Gebiet dieses Namens gemeint, denn 
die Berg Bauske wird erst 1443 zum erstenmal als im Bau befindlich, er- 
wähnt, BUl IX 665. Bussike war wohl Nachfo]ger des Gedeikis in *Gedeikine. 
Es erscheint etwas melkwürdig, dass diese "curia" nacb ungefähr 30 
Jahren. zur Zeit der Abfassung der Chronik (um 1378), schon einen ande- 
ren Namen trägt. Dieser Namenwechsel wird erst dann klar. wenn wir Ge- 
deghinnen für einen PN nehmen. welcher nur später zum ON geworden 
ist. Die:;e Erscheinung i
t im Litauischen nicht selten zu beobachten. 
Oedeminl castrum. ex opposito castri Jedemine 1305, Dusb. 170; de- 
bebat... subintrare castrum Gedemini ]317, ]oc. cit. 183; intraverunt... sub- 
urbium castei Gedemir.i 1324. ]oc. eil. 190; Jedemini 1330, 10c. cit. 217 =? 
- Lag in der zemaitischen Landschaft Pograuda und kann deshalb nicht 
Wilna sein. Dusb. 1/0. 
Oeidegallen, landt 1348, Renner 95 = Gadiiogala und Gerdziogali- 
ke. Gut und Vorwerk. 6,5 km nö. von Vaiguva. - Dass neben Geidega]- 
len ge.nannte Knetouwe (s. d.) und der ganze Verlauf dieser Kriegsreise 
nach Zemaiten spricht unseres Erachtens sicher dafür, dass hier Geidegal- 
len für Gerdegallen steht. Spr.: replI.SIrolla. Gut und Fe]d, bald zum Krei- 
se Berzenai, bald zu Kraziai gerechnet. 
Oeorgll. castrum in terra Carsovie in monte sandi. 1259, Dusb. 96, 
vgl. RCh V. 5513, 5814; intravit terram Lituanorum, edificando ibi cas- 
trum Jurgenburg 1343. ATh 73; Jurgenborg 1379-81, Wig. 606; descendit 
Kynstut cum bombardis ante Jurgenborg ] 382, ]oc. cil. 612; Wytaut... cas- 
trum Jurgenborg... concremavit 1384, ATh 133. Vgl. Wig. 627; Wytaut 
venisset contra Jurgenborg 1394, ]oc. cit. 653; descendens Mimilam infra 
Jurgenburg 1394, ]oc. eil. 661; reedificarunt castrum Jurgenborg... nomina- 
runt ilIud castrum Bavarie 1387, ATh 149; Beyeren, domum 1392. Wig. 
648; di von Samayten mogen czien ken Jurgenburg 1390, CEW 
4; hatte 
her (d. h. Vytautas) ynne... ouch Jorgenborg 1391. Pos. 176; czu ym Iys 
czin ken Jorginburg 1392. loc. eit. 178; und lis (d. h. Vytautas) Jorginburg 
stenn ur.gebrant 1392, 10c. eil. 180; Witowt legirte vor Jorginborg das hus. 
und gewan is obirhoubt 1403, ]oc cit. 266; bei Jurgenborg, als Jurgenborg 
vore gel
g
n hath 1406, CEW 135 f; Jurgenburg, Juremburg 1416, ]oc. eil. 
357; Swantha... intrat... Niemen inferius Juremburg 1422, ]oc. cit. 55]; wir 
(d. b. Vytautas)... werden czu Jurvmburg sin 1426, ]oc. cil. 723; in unserm 
hoffe czu Jurenburg 1427, ]oc. eil. 771; JurenlJurg 1429, loc. cil. 820; Jur- 
genburg 1430, ]oc. cit. 892; uff die granicz ken Jwrenburg 14 'JO, loc. ciL 
921; lI.O tOp60P'bKY... YTeKatoT
 1551, RIB XXX 203; tOp6opr'b und tOp- 
60pK'b, Stadt an der Memel in Zemalten, Spr. = Jllrbarkas, Stadt an der 
Meme] im Kreise Raseiniai. 


,-.
		

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- 46- 


Das 1259 angelegte "castrum_ in monte sancti Georgii" hatte zu Be- 
ginn von] 260 einem Angriff der Zemaiten standgehalten, RCh V. 5511- 40. 
Nach der Niederlage der Deutschen bei Durben musste jedoch die Burg 
aufgegeben werden. Die Besatzung wurde nach Memel zurückgezogen, 
loc. ciL 5813-5848. Erst 1343 wird die Beierburg (s. d.) hierher verlegt. 
Die neue Burg sollte auch weiterhin Beierburg heissen, und doch drang 
Jurgenburg > li. lurbarkas allein durch. 1384 ist Jurbarkas von Vytautas 
verbrannt worden. Nach drei Jahren (1387) erbaut der Orden die Burg 
wieder. Beim zweiten Abfall Vytautas' bleibt sie in der Hand des Ordens. 
Nach einer misslungenen Belagerung i. J. 1394 bringt jedoch Vytautas die 
Burg ] 403.. zu Fall. Seit dieser Zeit ist Jurbarkas nie mehr aufgebaut 
worden. Uber die Lage der Burg sind wir aus dem Bericht des Komturs 
VOll Ragnit an den Hochmeister (1406) gut unterrichtet, CEW 135 f. Sie 
lag an der Mündung der Mituva in die Memel, wie auch das heutige Jur- 
barkas. Aus demselben Bericht ersieht man auch, dass damals hier schon 
.ein gleichnamiger Ort existiert hat, denn es heisst loc. eil.: "Hem so hath 
her besehen die mitte (= Mituva) bei Jurgenborg". Dieser Umstand erklärt 
denn auch die frühe Kirchengründung zu 4urbarkas durch den zemai- 
tischen Bischof Dzierzgowicz (1423-1453), ZV I 65. Zu berichtigen ist 
Mortensen, Litauen 157. Kurz nach 15]7 ist die Kirche vom König Si gis- 
mund l. dotiert und vom Bischof Radvllas zur Parochialkirche erhoben 
ZV I 7H f. 
Um die Mitte des XVI. Jahrhunderts ist Jurbarkas der bedeutendste 
Zollplatz für den gesamten Warenverkehr zwischen Litauen und Preus
en, 
BA I 212. 
Für die Grenzen des bereits 1562 bestehenden Kreises, WA XXV 84 H, 
ist die Karte von Jakubowski zu vergleichen. 
Oermedie, campus ]345, Wig.507 = ? - Hirschs Vermutung, wo- 
nach das Feld Gennedie am Walde Wint (s. d.) zu suchen sei, entbehrt 
jeder Grundlage. Nur der Beiname Feld deutet darauf hm, dass Germedie 
in der Wildnis lag. 
Oesovie (Jer: Geisouwe, Geisow), territoria, et Pastovie hostiliter est 
ingressus 1292, Dusb. 154 f; processit contra territorium Gesovie 1294, loe. 
cit. ]58; partes terrarum... Gesow... devastavit, Wlg. 513; intrat terram Ge- 
sow... devastans 1352, loc. eil. 516; transiit in terras... Gesowensem ]364 
loc cil. 543; intrant terra m Gaysow ]365, loc. cit. 552; region es vastavit... 
Gesowe 1367, H. v. Wartberge 89; regiones va
tando... Gesowe ]370, loc. 
cit 97: Gesow... aliasque vicinas... vastarunt ]371, loc. eil. 98; Goysow... 
molestant paganos et occidunt 1370, Wig. 569; in Geysow ]372, loc. eit. 
57]; Gesowenses sunt devastate ]375, loc. cit. 579; von Merginborg obir 
die Thobeise vnd durch das lant czü Geysow, Weg. 680; qwomen vf die 
Tuoveise vnd trafen das lant czü Geysow, loc. eil. 681; boiaris ef tuh co- 
munitati... Ghosuiensis... di'5trictus 1492, LOt 373. KroH)KoBcKie cena 
1559, RP 44; rOH>KOBa, Gut, Feld und Forst im Kreise Veliuona, Spr. = 
Gaizuva, Gut 4 km nw. von Vilkija. - Im XVI. Jahrhundert unterschIed 
man Benl1KaS! roi1>KOBa (= Gaizuva) und MaJlaS! rOH>KOna (= Gaizuvele, 
am Nevezis bei Panev
ziukas). Die waldreichen Ländereien des Gutes er- 
streckten sich von der Memel und der Dubysa zwischen Vilkija und Ce- 
1{jsk
 gegen den Nevezis bei Babtai und Paneveziukas, Spr.
		

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(215) 


Im XIV. Jahrhundert muss das Gebiet noch bedeutend kleiner gewe- 
sen sein, denn ö. von Oaizuva in der Richtung auf den Nev
zis zu lag ein 
3 Meilen langer Grauden - Wald, Weg. 680. Vgl. Heinrich, Beiträge 64. 
Gewillen, veld 1395, Weg. 678; reßlulI-1 oder rHBHJlH, Gut, Vorwerk, Feld 
und Schulzenamt im Kreise Vidukle, Spr. = Givyliai, Dorf 5,5 km Ö. von 
Skaudvile. 
Girstawtin s. Crase. 
Gnethen s. Medenickam. 
Golanten, Gollandiam s. Pastovie. 
Grawrnanape, flys 1384, Weg. 667; rpOBMeHSI, Flüsschen bei dem 
Gute DopeH
SlHbl im Kreise Pajüris, Spr. = Graumella, Bach, welcher 4 
km n. von Svek
na in die Salre fällt. 
Greiseen 1395, Weg. 675; Gresen 1395, loc. cit. 674 = Greizeilai, 
Dorf 3 km sw. von Lauksargen im Memelgehiet. 
Gresaude, pernoctans... juxta flumen, 1372, Wig. 571; np060BlI.a, Flüs- 
schen im Kreise Raseiniai. Spr. = Prabauda. rechter Zufluss der Saltuona s. von 
Raseiniai. - Der :-Jame des Flusses ist entweder bei Wig. korrumpiert oder vom 
Herausgeber falsch gelesen. Prabaudas durchkreuzt gerade die Streck
 Viduk- 
le-Ariogala, auf welcher der Hochmeister Winrichvon Kniprode gegen Gai- 
zuva an der Memel vordrang. 
Hasenplute, ubi et unde primo effluit ipsa Menia de lacu, 1328, BU 1 1I 228; 
usque ad lacum .dictum Pludden 1370, H. v. Wartberge 96. = Pluotill is - See, 
4,5 km Ö. von Zarenai am Dorfe Pluotiniai. - Die MlOija kommt nicht gerade 
aus dem Pluotinis -, sondern aus dem Didovas- See, welcher durch einen kaum 
0,5 km breiten Sumpf vom ersteren getrennt ist. Zur .Erklärung des Na- 
mens (äz-pluote ,soda uzu Pluoto ezero') vgl. Büga LKZ 11, CXXVI. 
..... Jedemine s. Gedemini castrum. 
Jensetilte s. Kaltenarum. 
Ylgasil, heyde 1/2 mile breit 1393, Weg. 674 =? - Wie aus den ange- 
gebenen Entfernungen zu schliessen ist, muss Ylgasil wohl bei Gaure im 
Kreise Taurage gelegen haben, 
Isslena, f1ys Weg. 688; J;1wnHHa, FlÜsschen im Kreise Raseiniai, Spr. 
= 'slyna, rechter Zufluss der Saltuona sw. von Raseiniai. - Die alte Na- 
menform */SlYlla liegt in dem ON Pa-islVllYs (neben Pa-slYll}'s) vor. Vgl. 
iSlynas : slynas ,eine Art Lehm'. 
Jonawdo. czu dem lande, do Iyt eyn heilig wald vnd eyn vlys 1395, 
Weg. 675; 5IHOB.II.OBO , Gut und Feld im Kreise Karsuva, Spr. = Jatlfloda- 
L[)a, Gut 5 km n. von Kaltinenai. 
Joswayde 1384, Weg. 681; in das lendchen Jassuden off der Sossaw 
1405, CEW 117; 5IcBOllllH, Gut mit Städtchen im Kreise Josvainiai, Spr. 
= Josvainiai, Städtchen am linken Ufer der Su
ve im Kreise Kedainiai.- 
Der Kreis Josvainiai erstreckte sich im XVI. Jahrhundert zu beiden Seiten 
der Su
ve von ihrer Mündung in den Nevezis bis GrinkiSkis hinauf. 
Junigede, territorium, rapina et incendio molestabant 1291, Dusb. 154; 
Lethowini edificaverunt in eodem territorio Junigede castrul11, vocantes ip- 
sum eodem nomine 1291, loc. cit. 154; equitavit versus castrum Junige- 
dam 1292, loe. eit. 155; magIster... venit ad castrum Junigedam... duo su- 
burbia dicti castri, unum in monte, aliud in valle, redegit in favillam 1293, 
loc. Clt. 157; magister... ambo castra :...ethowinorum, seilicet Junigedam et 
Pistam fortirer impugnavit 1293, loc. eit. 158; processerunt usque circa cas- 
trum Junigedam 1295, loc. cit. 160; cum magno exercitu aggressus castra 


-
		

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- 48- 


Junigedam et Pistam, eorum suburbia igne funditus destruxit 1298, loc. cH. 
164; venisset ad impugnandum castrum Junigedam 1313, loc. eiL 179; 
navigio venit.... ad castrum Junigedam, et intrantes suburbium ejus... de- 
struxerunt 1315 (12. October), loc. ciL 182; cremabant cujusdam castri an- 
temuralc Jungeten (8. September) 13J5, Sambo 286; acce<;serunt ad cas- 
trum Junigedam... ejus wburbium subverterunt 1319, Dusb. 184 = Wil- 
hllll (s. d.) - 
Über die Zerstörung der Vorburg von Junigeda i. J. 1315 berichtet 
übereinstimmend auch Sambo 286, nur mit dem Unterschied , dass er an- 
statt Junigeda Wilhun hat. Aus dem Bericht des Chronisten geht unzwei- 
deutig hervor, dass Junigeda mit Wilhun identisch ist. Die Bemerkung 
"invenerunt reedificatum suburbium, quod pr i u s cremabant", loc. cit., 
kann nur auf die hier allein überlieferte Verbrennung des "antemurale Jun- 
geten" vom 8. September d. J. bezogeIl werden. Für die Identität der 
bei den Burgen spricht auch der Umstand, dass der Name Junigeda seit 
1319 vollständig verschwindet, wenn auch die Zerstörung der Burg nir- 
gends erwähnt wird und dass Veliuona, ausser bei Samb., zum erstenmal 
i. J. 1336 als Welyn begegnet, Wig. 490. Falsch Weber, Preussen 550. 
Warum die Burg bei den Chronisten den Namen gewechselt hat, ist 
nicht bekannt. Es ist wohl anzunehmen, dass sie, seit ihrer Erbauung i. J. 
1291, bei den Litauern Veliuona hiess und nur von den Deutschen nach 
dem "territorium Junigede" genannt wurde. Erst später, als der Orden 
Zemaiten besser kennen lernte, fand der richtige Name der Burg auch bei 
den Deutschen Eingang. 
Junigeda, angesetzt nach den obliquen Kasus, ist ursprünglich kein 
ON, sondern ein PN. VgI. oben Eginthen. Die litauische Form wäre *Juni- 
gMa. Vgl. Juntowt, Biiga AV 36, und Jun-giris, Dorf im Amtsbezirk Uzventis. . 
Jura, fluvius 1307, Dusb. 174; .lure, Weg. 665 f; .Jure 1384-94, loc. 
cit. 667, 670-72, 674, 676 f; Jüre 1393, loc. eiL 672; .lure 1406, CEW 
134 f; Jura, fluvius 1420, loc. cit. 494; tOpa, Fluss, durchfliesst die Kreise 
Kraziai, Rietavas und Pajiiris, Spr. = Jara, rechter Zufluss der Memel. 
Jurenburg, Juremburg, Jurgenborg etc. s. Georgii castrum. 
Kalanten, Kalanken S. Pastovie. 
Calleberze s. Datinen. 
Calsen, Calsina s. f. 
Calshelm (Jer: Kaisern), campus 1307, Dusb. 174; Calsen, campus 
1317, loc. cit. 184; CaJsina, villa 1412, Wig. 540 Anm. 654 =? - Lag nach 
Dusb. 184 am Westrand des Waldes Wint (s. d.). Vgl. auch Wig. loc. ciL 
Kaltenarum, terra 1375, Wig. 582; Kalctene (wohl: Kaletene) 1370, 
loc. cil. 569; Kaltan
nen, terra 1377, loc eit. 585; 1389, loc. eil. 639; Kal- 
tenynen, Weg. 666; Caltenenen, lant 1386, loc. cil. 669, vgl. loc. cit. 668; 
czu Caltenenen im lande 1393, loc. cit. 673; land Caltenenen 1393, loc. 
eit. 674; Kalteneen, loc. eit. 676; czu Caltenenen 1394, loc. cit. 679; in 
dem lande czu Caltheneen 1390, CEW 23; KOJlbTeIlSlllbJ, Gut mit Städt- 
chen im Kreise Karsuva, Spr. = KaItÜu!noi, Stadt im Kreise Taurage. 
Wie aus den Berichten über die Ordensreisen zu ersehen ist, war Kalti- 
nenai im XIV. Jahrhundert keine kleine Landschaft. Über den Zug des 
Jahres 1375 lesen wir bei Wig. loc. CI1.: "terram... rapina, igne, oceisione 
perturbant virorum, mulierum et puerorum, quorum numerus existimari 
non potest, quos cum rapina immensa deduxerant". 1377 werden 2 Tage 


..
		

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			. 


" 


- 49- 


(217) 



ur Verwüstung der Landschaft gebraucht. Das Jahr 1389 bringt dem 
Lande Kaltinenai den letzten Ordenszllg: "intratque in avisatam terram..., 
J.1bi ultra 4JO occiderat atque captivaverat aliis evadentibus", Wig. 693. 
Das Nachtlager Jensetilte v. J. 1386, Weg. 668 f, lag, wie aus dem 
Zusammenhang des B
richtes hervorgeht, in der Landschaft Kaltinenai. 
Jensetilte hat Mierzynski, irödla 93, als AnCia + tiltas ,Brücke' (d. h. An- 
cia . Brücke) richtig erklärt. 
Die alte Brücke muss ungefähr in der Nähe des Dorfes Antininkai, 
an der Ancia, gelegen haben. Mierzynski, loc. cit., sucht Jensetilte nö. 
von Kaltinenai. 
Karlanowe s. Andigenkuthi. 
Kymel, castrum 1295, Dusb. 162 =? - Nach Jer. 544 lag diese 
Burg an der Memel. 
KJrsmemela edificatur 1313 1 ), Sambo 280; Edificata... nova domus 
contra Litwinos... Christi Memela 1313, loc. eil. 285; edificavit castrum 
Cristmemelam in litoce Memele 
upra Raganitam ultra sex leucas 1313, 
Dusb. 178; Vlthenus... obsedit Cristmemelam 1315, loc. cil. 181; Lethowi- 
ni... volebant castrum Cristmemelam expugnare 1324, loc. cil. 190; Fuit 
crematllm castrum Kir5m
mela 1328, Sambo 287. Wig. 478 hat hier eben- 
falls Klrsmomel, nur bei Dusb. 214: Cristmemela. Kirsmemel 1383, BUI 
III 399; magister... venit ad insulam Kersememel 1383, ATh 125; Kirs- 
mymmel; der hauf ist abgebrant (31. Mai) 1409, CEW 178; an dem hofe 
czu Kyrsmymel 1409, loc. cit. 184; Kirsmemel 1416, loc. eil. 357; Kirsch- 
memmel 1430,loc. cit. 892; Samaythin.., czogin czu Kirsmymmel und vorbran- 
tin dem voythe synen hofi 1409. Pos. 300; Kyrsmemil 14;11, BUI VIlI 274; 
Kirsmemel 1431, loc. cil. 297; Kyrmemel 1432, loc. cit. 350; Kirmymmel, 
Kirsmemet, Kyrssmymmel, Kirsmemel 1444, BUI X 10, 18, 3!, 36, 68-70, 
73; Kirsmemell, Kyrsememell, Kirsememei, Kirsmemel 1445, loe. cit. 108 f, 
114; Kersmemel 1449, loe, cil. 402; Skersnemen ] 449, loc. eit. 427 f; B1> 
KepwToMoHexo, Bo CKepcToMoHexo, y CKep'bWTOMOHeX1>, B1> CKepWT0I\10- 
HH, RIß XXVII 192, 2]0, 257, 281 (aus der Regierungszeit Kasimirs 1440 
-1492). [m XVI. Jahrhundert gewöhnlich: CKep':ToMOtl1>, ClmpcTolI
OHb..., 
Krongut, RIß XXX. Register S. 19. Nur zweimal: C1> KepcTOMoHH 1557 und 
C1> KepeTo.\\OH1> 1563, loc. cit. 563, 668; .D,BOPY CKHpCTbIMOHCKoro 1553, 
WA XXIV 142; OT"b CKHPCTOMOHSI M1>cTa u .II.BOpy 1554, RP 59; B1> Clmp- 
CTbIMOHSlX1> 1564, WA XXIV 276: CKHpCTOMOHbl, Out und Stadt in Zemai- 
ten, Spr. = Skirsnemune, Städtchen mit Gut an der Memel im Kreise Ra- 
seiniai. - 
Die oben angegebene Entfernung von Ragnit passt im grossen und 
ganzen zu Skirsnemune, denn 6 Ordensmeilen (1 Meile = 8280 m) ent- 
sprechen heute 67 km Luftlinie. Die Entfernung von der Dubysa war nach 
A Th 125, ,,11 vel 111 miliaria" was einer Luftlinie von 30 km entspricht. 
Diese Lage wird auch durch die erwähnte Insel, welche heute gegenüber 
Skirsnemune in der Memel liegt, bestätigt. 
Wie aus dem obigen zu ersehen ist, heisst die Burg nur bei 
Dusburg Cristmemela und einmal bei Sambo Christi Memela, sonst 
immer I(irsmcmela etc. Die erstere Namenform ist sicherlich volkselymolo- 
gisch aus der zweiten im Christenmunde entstanden. In seinem ersten Teil 


I) An dieser Stelle hat Sambo fälschlich das Datnm 1312.
		

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- 50- 


r 


ist der Name preuss:sch (richtiger sud
.uisch) : pr. kirsa ,über' + H. Nemu- 
nas ,Memeistrom' und bedeutet also "Uber-Memel". Der Ort muss schon 
vor der Gründung der Burg existiert haben. 
Der heutige Name (1449: Skirsnemen) ist irgendwie zur Zeit der 
Neubesiedlung des Gebietes (nach 1400) volksetymologisch aus *Kirsnemune 
entstanden. Vgl. H. Ragai/le : pr. *Ra/lgite, H. Tilie : pr. Til
ite. Die s- r 
lose Form hat sich sogar bis in das XVI. Jahrhundert in KepcToMoHo usw. 
erhalten. -TOMOtl-, -TbIMOH- des XV. und XVI. Jahrhunderts neben dem 
heutigen -nemull- bleibt unklar. I 
Nach ihrer ersten Errichtung i. J. 1313 wird die Burg 1328 vom Orden 
aufgegeben. Jer. 612 f gibt auch die Ursache an. Die Ordensbrüder von 
Preussen übernahmen nämlich die Burg Memel von den livländischen 
Schwertbrüdern, aber auf Betreiben der Stadt Riga verbot der Papst den 
Krieg gegen die Litauer für 3 Jahre. Infolge des Ausbleibens 


.des ruobis und ouch andir nutz, 
dävon si hatten undirschutz 
der libnar von den heiden 
uf den burgen beiden . 


wurden die Unterhaltungskosten der beiden Burgen (Memel und Skirsne- 
mune) in dieser Friedenszeit zu gross und der Orden entschloss sich deswe- 
gen Skirsnemune fallen zu lassen. - Der zu Skirsnemune im Mai 1409 
durch Litauer verbrannte Hof des Ordensvogtes muss hier I!ach 1405 gebaut 
sein, denn erst in dieser Zelt wurde der Orden Herr über Zemaiten (s. un- 
ter Dubysaburg). 
Zur Zeit der Errichtung der Burg (1313), war die Gegend von Skirs- 
nemune besiedelt Die Litauer staunten besonders über die zum Bau der 
Feste auf der Memel gebildete Schiffbrücke, Dusb. 178. Auch nach 1400 
war das alte Burggebiet, obwohl es jet
t innerhalb der Wildnis lag, nicht 
siedlungsleer, denn die aufständischen Zemaiten haben neben dem Ordens- 
hof zu Skirsnemune auch "vunf dorfer uf der Mymmel uf gehabin" J 
CEW 178. 
Es wird zweimal, WA XXV 47 und Spr. 292, auch ein Kreis Skirsne- 
mune erwähnt, aber in den Heeresverzeichnissen der Jahre 1518 und ]567 
ist er nicht aufgeführt, RIß XXXIII 200 - 232, 1256 - 1354. 
Knetouwe, landt ]348, Renner 96; Knetow 1385, Weg. 672; us dem 
lande czu Knetow 1390, CEW 23; Boiaris et toh Communitati districtus 
Kniethowensis 1492, LOe 373; y KHcroBe, RIß XXVII 80; Y KHeToHcKOH 
B01l0CH1, loc. cil. 77 (aus der Regierungszelt Kasimirs 1440 - 1492); KIHI- 
TOBa, Fluss, fliesst durch die Kreise Uzventis, Berzenai und Kraziai, Spr. 
= Knytllva, rechter Zufluss der Venia Ö. von Uzventis und Vaiguva. - Die 
alte Landschaft Knetouwe e;slreckte sich wohl nur am Ober- und Miltellaufe 
der Knytuva, denn der Unterlauf ist noch jetzt sehr sumpfig und waldreich. 
Er weist nur wenige Siedlungen auf. 
Colayne, castrum, acriter impugnavit 1290, Dusb. 152; castrum Co- 
laynam... invenientes ipsum vacuum combusserunt 1:29 I, loc. cil. 154 = ? 
- Nach Dusburg, cap. 243, lag die Burg an der Memel unterhalb Veiiuona. 
Colayne wird erst nach der Zerslörung von Bisena vom Orden angegriffen 
und dürfte wohl deswegen oberhalb dieser Burg gelegen haben. Kalnenai 
w. von Jurbarkas ist im Gegensatz zu Voigt IV 43 Anm. 3, Narbutt, Dzieje 


I 
, 
j
		

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(219) 


VII 77 f, und Zaj
czkowski, Studya 36 f, sprachlich mit Colayne unver- 
knüpfbar. 
Konigspurg, 00 (d. h. in... lendchen Jassuden off der Sossaw) hat 
uns herczog Wytawt ein haws geba(u)wet... das heiszet, 1405, CEW 117, 
vgl. ATh und Pos. 278; des huses Konyngisberg 1405, CEW 119; uf dem. 
huse Koningsburg 1406, loc. cit. 123; sendet (uf das nu)we hus ken Ko- 
nigsburg 1406, loc. cil. 133 =? - Nach der obigen Angabe muss die Burg 
Königsburg in der Nähe von Josvainiai gelegen haben. Die Bitte des 
OrdensmarschalIs an Vytautas, er möge die Pferde der Besatzung der Burg 
in seinem .Lande (d. h. jenseits des Nevezis) unterbringen, weist auf deren 
Nachbarschaft mit Oberlitauen hin, CEW 133. 
Im September 1405 wird die Burg von den Zemaiten unter grossen 
Verlusten vergebens belagert" Pos. 278. In einem Briefe vom 22. Oktober 
d. J. erwähnt der Vogt von Zemaiten die Königsburg als seinen Sitz, CEW 
120. Was für ein Schicksal ihr während des Aufstandes i. J. 1409 zuteil 
wurde, ist unbekannt. 
Kosleykin; czu Kosleikindorffe... do Kosleike wonet 1386, Weg. 669; 
Cosleykin ca. 1386, loc. Clt. = Kusleikiai, Dorf 8 km n. von Keime im Kreise 
Raseiniai. - Weder das 10,5 km s. von Kraziai liegende Dorf Kusleikiai, 
noch das Gut Kusleikiai im Amtsbezirk Krekenava können das alte Kosley- 
kin sein. Das erstere ist nur 6 km von MiIZavenai und 3 km vom Vorwerk 
Raudgiriai (= Rogyare) entfernt, was im Widerspruch mit den Entfernungs- 
angaben der Wegeberichte (VI und VII, Weg. 668 ff) steht, und das zweite 
liegt wieder zu weit nach dem Osten. Die angegebenen Entfernungen von 
Kosleykin bis Rogyare, 3 bzw. 3,5 Ordensmeden, passen nur für obiges 
Kusleikiai, welches von Raudgiriai in der Luftlinie 27 km entfernt ist. 
Kr!lkes, Gebiet, 1421 dem Bistum von Zemaiten durch Vytautas ge- 
stiftet, ZV I 59; KPOKI1, bischöfliches Gut und Städtchen, Spr. = Krakl!s, 
flecken im Kreise Kedainiai. - Die Kirche zu Krak
s ist 1529 gegründet, 
ZV I 292. 
Crase, terra 1253, BUI 1334; 1257 K
trzynski 13; Krasien, terra 1377, 
H. v. Wartberge 113; czu Crasyen, do Girstawt wonet 1385, Weg. 672; 
Crasien, do Girstawt wonet ca. 1385, loc. cit. 671; Crazow, land 1390, 
CEW 23; in das Land czu Crasyen 1393, Weg. 674; von Kraszian 1406, 
CEW l:a. - Das in den Wegeberichten VI und VII (Weg. 668 ff) erwähnte 
Girstawtin oder Gnstawtendorf ist offenbar mit Crasyen identisch, weil 
Crasyen der Wohnsitz von Girstawt war. - districtus... Chrosuensem 149:2, 
LO<: 37:2; KPO>K11, Gut mit Stadt im Kreise Kraziai, Spr. = Kraiiai, Stadt 
an der Krazante im Kreise Raseiniai. - 
Kraziai war eine der bedeutendsten altzemaitischen Landschaften. Beim 
Abschluss des Friedensbündnisses von 1390 sind 6 Vertreter dieser Land- 
schaft in Königsberg anwesend, CEW 23. 1406 ist Kraziai der Sitz des 
deutschen Ordenskämmerers, loc. cit. 129. Im sei ben Jahr werden auch 
die Geiseln von Kraziai erwähnt, welche der Orden zur Sicherung der 
Unterwerfung des Landes genommen hatte, loc. cit. 127 f. 
Zu Vytautas' Zeit bildete Kraziai einen Kreis, Dlugosz, Hist. Pol. !ib. 
XI 344. Für dessen Ausdehnung im XVI. Jahrhundert vgl. die Karte von 
Jakubows
i. Die Kirche zu Kraziai ist 1417 gegründet, Polska i Litwa 
102 und ZV I 292.
		

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(220) 


-- 52 - 


\; 


Nach der Christianisierung Zemaitens wurde Kraziai Sitz des Haupt- 
manns, CEW 411, 715. 
Cretkynowa, do der Kymu(n)t ziczczet 1409, CEW 175; Y KpaK"HOBe 
1548, WA XXIV 115; KpaK"HOBO, Gut mit Städtchen im Kreise Veliuona, 
Spr. = Krekena"va, Städtchen am NevHis, Kreis Panevezys. - Auf Bitten des 
ersten zemaitischen Bisc
ofs Matthäus 1. (1417-1421) errichtete Vytautas iG 
Krekenava eine Kirche, ZV I 55. 
Crymol, 1394, Weg. 681 f. = Kriemala, Dorf 4 km s. von Vllkija an 
.der Memel. 
Krumpste Kalwe, mOlls 1389, Wig. 637 = '? - Bei Pos. 157 ist eine 
Reise nach Kaltinenai unter demselben Jahre verzeichnet. Sie ist wohl mit 
der bei Wig. identisch, denn beide Chrolllsten lassen den Komtur von Rag- 
nit und den Pfleger von Insterburg daran teilnehmen. Also wäre der Berg 
bei Kaltinenai zu suchen. 
Quest;n, velt, 1385, Weg. 672; Questen ca. 1385, loc. cit. G71; Questin 
das land 1395, loc. cil. 675; KBCCT". Feld, Gut und Bezirk an der lzne 
im Kreise Karsuva, Spr. = KvesCiai, Dorf 5 km w. von Kaltinenai. 
Kulene, terra 1253, BUI I 334; 1257, K
trzyi1ski 13= KYJleHH", Feld 
des Gutes Piekaiciai, Kreis Pajüris; Feld im Kreise Sauduva. KYJleHbl, Feld 
im Kreise Karsuva, Spr. - Trotz der Zugehörigkeit zu drei verschiedenen 
Kreisen haben wir hier mit ein und demselben Feld zu tun, denn südlich 
von Laukuva stiessen alle diese drei KreIse im XVI. Jahrhundert aneinan- 
der. Die Umgegend des heutigen Gutes Plekaiciai und der Dörfer Piekai- 
ciai, PiekaiteIiai, sämtlIch 5 - 7 km sö. von Laukuva, ist die alte "terra" 
Kulene. 
Am Südostufer des Sees Dievytis liegt ein gleichnamiger Burgberg. 
Eine alte kalgrinda, ein mit Steinen gepflasterter Weg durch das sumpfi- 
ge Gelände, zieht sich in ö. Richtung durch die Sümpfe u!1d durch- 
schneidet das Flüsschen Izne in seinem Oberlauf, Krzywicki, Zmudi 19. 
Falsch Sjögren, Jatwägen 70 Anm. 226; Latkowski, Mendog 55 ff; nach 
ihm auch Totoraitis, Litauer 89 Anm. I und K
trzyIiski 16. Kulen liegt in 
Kurland und Kuliai in der Landschaft Cec1is, weIche der Orden beide schon 
vor Mindaugas' Schenkung beherrschte. Mit Dusburgs Colayne lasst sich 
Kulene lautlich nicht verbinden. 
Cutibe, velt czu, 1385, Weg 671 f; Cutybe, velt, ca. 1385, loc. eil. 
670; 1385, loc. cit. 672; Kutenfelde 1393, loc. cil. 673; Kudynveld, Ku- 
tenvelde 1395, loc. cil. 673 f; Kutenfeld 1394, loc. eil. 676 f; KYT"Mbl, 
Feld und Bezirk im Kreise Pajüris, Spr. = Kutimai, Dorf 4 km sw. von Silale. 
Kuwalke das flys 1394, Weg. 680; vellet eyn fIiez in die Memel czu 
Mergenberg, daz heysset Qwalke, Weg. 709 =? - Einer der Bäche zwischen 
VeIiuona und der Armena. 
Labelawkin 1385, Weg. 672 =? - Hirschs Identifizierung mit der La- 
kawse (s. d.) ist falsch. Labelawkin< li. *Lq.balaukiai ist kein verdorbener 
Name. Vgl. Labgiriai, Gut im Amtsbezirk Siml,aiCiai, Kreis Rasellliai. Es 
muss zwischen Kutimai und Laukuva gelegen haben, denn Weg., loc. cil., 
heisst es: "von Questin bis czu Labelawkin j mHe, do kumpt man vf den 
aiden weg wedir vs". Der "alte Weg" ist die Strecke Arisken-Jure-Ku- 
tenfeld -Lakawsc- Parsepil, Weg, VIII, IX, XIII, XXII, XXIII. Die angege- 
benen Entfernungen, eine Meile von Kvesciai und 3 Meilen von der Jüra, 
passen auch dazu.
		

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Lakawse, czu, dem flise 1385, Weg. 672; Lakawsse 1387, loe. cit 
665; obir das nachtleger Lakawsche, loc. cil. 666; das legir wirt werden 
czu Lakawsen 1393, loc. eil. 673 = JloBKoBwa, Flüsschen im Feld und Be- 
zirk nYTpynaBKH, Kreis Sauduva, Spr. -IlYTpynaBKH lag nach Opis V 193 
im Gute KennwoHTH, heute Kelpsaiciai 1,5 km mv. von Laukuva. Der 
südlich davon in die Lokysta fallende Bach ist wohl unsere Lakawse. Falsch 
Hirsch, Weg. 665 Anm. 5 und nach ihm Heinrich, Beiträge 62. 
Lakuste s. Medinickam. 
Lamisken, veld 1393, Weg. 672; Lamyschki, das Gebiet zwischen 
der Jura und dem Kurischen Haff 1411, CEW 220=? Vgl. noch S. 188. 
Lesten von deme lande, 1384, Weg. 681; ezü deme lande ezü Leste, 
loc. cil. 680; JlelllH, Gut im Kreise Ariogala, Spr. = Lestiai, Kirchdorf mit 
Vorwerk 9 km sö. von Ariogala. 
Lukowe, terra 1253, BUI I 334; Lokowe 1254, loc. cit. 345; Louko- 
we 1.257, K
trzynski 13; JlOBKOBO und JlaBKoBo, Gut in den Kreisen Pajü- 
ri
, Sauduva und Karsuva, Spr. = Lauku'va, Städtchen im Kreise Taurag
. 
Im XIV. Jahrhundert gehörte Laukuva wohl zu der Landschaft Medl- 
ninkai, weil das "land Lakuste" (s. d.) an der Lokysta auch hierher gerechnet 
wird. Dass Laukuva im XVI. Jahrhundert bald zu dem einen bald zu dem 
anderen jener drei Kreise gezählt wurde, hängt mit der Lage des Gutes 
zusammen, welches sich mit seinen Ländereien auf Teile von allen dreien 
erstrec kte. 
Die Gegend ist reich an Burgbergen. Ausser dem oben unter Kulene 
erwähnten Dievytis und dem Burgberge von Parsepil (s. d.) am Par
as- See 
finden wir noch einen weiteren sw. von Laukuva bei Treigiai. In den 
Sümpfen Paras bei Alkupiai, weiter sw. von Treigiai. sind steingepflasterte 
Wege entdeckt, im Volke svedkelis ,Sehwedenweg' genannt, Krzywicki 
Zmudi 67 ff. 
Luknyk, villarn... eum predio, molendino, familia ilIibera et omnibus 
viIIanis (1417). Opisan. V 4; .11.0 JlYKHHK"b 1509, WA XXIV 16; JlYKHHKH, 
Gut mit Städtchen im Kreise M. Dirvon
nai, Spr. = Luok
, Städtchen im 
Kreise Tegiai. - Die oben in Klammern angeführte Jahleszahl konnte nur 
erschlossen werden. Auf die Bitte des Pfarrers von Luok
 i. J. 1493 be- 
stätigt der König Alexander von neuem die von seinen "predecessores" der 
Kirche gestiftden Ortlichkeiten: Luknyk, Paschkovyeny, Pyechelyeny, Tow- 
rogeny und Popili, weil die "previlegia donacionis" verlorengegangen 
sind. Die Dotierung der ersten iemaitischen Kirchen durch Vytautas hat 
aber im Jahre 1417 stattgefunden, CE XV II 93, CEW 394. 
Zu Vytautas' Zeit bildete Luok
 einen Kreis und erhielt 1417 die erste 
Kirche, Str. 543 (
.it falscher Jahresangabe). Stryjkowskis Nachricht beruht 
offenbar auf alter Uberlieferung und nicht, wie Fijalek, Polska i Litwa 102 
Anm. 2, meint, auf Erfindung: "Lukniki, jako miasteczko biskupie, od siebie 
(d. h. Stryjkowski) jut doda.". Die Richtigkeit der Nachricht wi[d durch 
die Tatsache, dass der 1453 vom König Kasimir zum Bischof von Zemaiten 
erhobene Martinus unter seinery Vorgänger Nikolaus I. (1423-1453) Pfarrer 
von Luok
 war, unterstützt, ZV I 69. Un.5ere gedruckten Quellen nennen 
durchaus nicht alle von Vytautas angelegten Kirchen. Solche sind z. B. 
die von Betygala und Kelm
, loc. cit. 43, 55. 
Lükstas, See, 1421 nebst 10 anwohnenden Scharwerksbauern dem 
iemaitischen Bischof durch Vytautas verschrieben, ZV I 59; JlYKcTa, See
		

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im Kreise Pavandenis. Spr. = Lakstas- See sw. von Varniai. - 1547 wird 
Lükstas vom Bischof Wenzeslaus geg
n die zweite Hälfte des Birzulis-Sees 
an H. Chodkiewicz. Hauptmann von Zemaiten. abgetreten. Opisan. V 7. 
Marienburg. magister Theodoricus (= Hochmeister Dietrich von Alten- 
burg 1335-1341) edJficavit.... in insula Romayn inter Welyn et Beisten. 
quo constructo erexit quoddam fortalicium; et tunc temporis flumen Memela 
poterant pertransiri. quia parvum; ibique pagani cum magno exercitu ste- 
terunt contra copiam fratrum et vi pepulerunt magistrum de loco. et sic 
domus mansit destructa et non completa 1336, Wig. 490; struxit contra 
montem in Velun castrum dictum Marienborch 1368, H. v. Wartberge 92. 
ad locum staeionis prope Mergenburg ca. 1379;81, Wig. 606; magister cum' 
preceptoribus commiserunt Wytaut castrum Margenborg 1383, A Th 128. vgl. 
Wig. 626 (mit falscher Jahresangabe); veniunt in Mergenberg, ubi cogno- 
verunt Wytaudum 1384, Wig. 623; Wytaud... in Mergenberg est rever- 
sus... et domum comburens transiit in Lilhwaniam 1384. loc. eil. 628. Vgl. 
die ausführliche Schilderung des Verrates ATh und Pos. 131 H. von Mer- 
genburg iiij mHe bis czü Lesten 1384. Weg. 681; von Merginborg V. mile 
in das lant czü Prinaüden ca. 1384, loc. cil.; von Mergenburg vf die Ku. 
walke das flys IJ94. 10c. cit. 680; von Merginborg obir die Thobeise vnd 
durch das lant czü Geysow, loc. eit.; von Mergenberg iiij mHe czu Ero- 
gelen, loc. cit. 685; vellet eyn tliez in die Memel czu Mergenberg. daz 
heysset die Qwalke, loc. eit. 709 = ? 
Der Ende Mai 13
6 in Angriff genommene Bau von Marienburg musste 
wegen der litauischen Uberfälle bald aufgegeben werden. Nach Sambo 281 
erhielt das hier errichtete "propugnaculum. (Wig. : fortalieium) noch einen 
besonderen Namen Jurgenburc. Als Erbauungsort nennen beide Quellen 
eine Memelinsel, nach Wig. Romayn (s. d.). Unter dem Jahre 1337 berichtet 
Schütz 494, dass der Hochmeister "lies das haus verfertigen vnd... besetzen". 
VgI. Wig. 493. 30 Jahre lang hören wir über diese Burg nichts mehr. 
Erst 1368. H. V. Wartberge loc. eit., oder, nach Wig. 558 und ATh 87. 
1367 wird Marienburg wieder, aber an einer anderen Stelle - contra montem 
in Velun - gebaut. Es ist also eine Zerstörung oder eine Verlegung der 
früheren Feste anzunehmen. Die Erbauung3stelle der neuen Burg wird 
Weg. loc. eil. noch näher bestimmt. sie lag an dem Bache Qwalke. zwischen 
Veliuona und der Armena. Narbutts Behauptungen, Dzieje V 168, ist hier 
kein Glauben zu schenken. 
1383. im Herbst, erhält Vytautas Marienburg vom Orden zugewiesen. 
"ut ambas terras (d. h. Lemaiten und Oberlitauen) vastaret", Wig. 626. 
Acht Monate darauf (9. Juli 1384) ist die Burg von ihm selbst verbrannt 
worden. Später wird Marienburg noch vielfach in den Weg. (zum ersten- 
mai 14. August 1384) erwähnt. Gemeint aber ist auf wohl nur die alte 
Burgstätte. denn in einem Jahr konnte äie Burg nicht wieder aufgebaut wer- 
den. Dies wird auch dadurch bestätigt. dass sich Vytautas in dem zu 
Grodno am 23. April 1398 unterzeic.hneten Friedensentwurf verpflichtet. dem 
Orden zwei oder drei Burgen (in Zemaiten) erbauen zu helfen. CEW 52. 
Pos. 220 sagt darüber unzweideutig: "her mit synen luten weder helfen 
weIde dem orden dry ander huser buwin an der stad. die her vorbrant 
hette" . 
Malowe, vastavit 1370, H. v. Wartberge 96; ManoBSJHbl. Gut im Kreise 
Patumsiai, Spr. = Molllv
nai, Dorf 6 km sö. von Luoke. - Malavenai bei 



 


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Siauliai und Laukuva. welche ausserdem aus dem XVI. Jahrhundert nicht 
überliefert sind. können hier nicht gemeint sein. Malowe wurde zusammen 
mit Warnen. Pludden und Versevene. welche in sw. Richtung nicht weit vom 
heutigen Moluv
nai liegen. auf einer Reise verwüstet. 
Maudiln vf der Jure 1395. Weg. 674; czu MaudiIIe dem velde 1395, 
loc. cil. 675 = MaB./1.enSlHbl. MOB./1.blnSlHbI. MO./1.eJleiiHH, Gut. Dorf (an der 
Jüra) und Feld im Kreise Pajüris. Opis IV 282. Spr. -- Wie nach der Rich- 
tung der Reise zu urteilen ist, muss das Feld sä. von Zvingiai an der Jüra 
gelegen haben. 
Mazeiken Windeikenque. ad terra m infidelium Sameithorum ad curias. 
133:l. H. v. Wartberge 66. - Wie aus Hoenekes jüngerer Reimchronik. welche 
auch H. v. Wartberge zur Quelle hatte (Renner XIII). hervorgeht. sind Ma- 
zeiken und Windeiken keine ON. sondern PN. In dieser Chronik heisst 
es: "Hir na toch de meister mit einem heer in Sameitenlandt... vorbrante 
he koning Maseken landt... Van dar toch he in ein ander landt. so Win- 
degen to herde; hir quemen de Prussen to ome" 1335. Renner 79. Auf 
die verschiedene Zeitangabe der beiden Chroniken ist kein Wert zu legen. 
denn erstens ist H. v. Wartberge in seinen Angaben nicht immer zuver- 
lässig und zweitens scheint Hoeneke ohne bestimmte Jahresangaben erzählt 
zu haben. Darauf deuten die Ausdrücke "Hir na. Da,
 na. Up ein ander 
tidt" in Renners Wiedererzählung hin. Renner 79. Ubrigens weist auch 
"ad curias" bei H. v. Wartberge darauf hin. dass wir hier mit PN zu tun 
haben. Vgl. H. v. Wartberge 99: "ad curiam Algeminnen in terra Arvisten, 
ubi Algeminne. magnus satrapa. suam habitacionem elegit". Mortensen, 
Litauen 75 H. hat Mazeiken, ohne Hoeneke zu kennen. falsch mit der 
heutigen Kreisstadt Mazeikiai identifiziert. Windeiken soll nach ihm auch 
in dessen Nähe gelegen haben. Tatsächlich müssen die "curiae" der "ko- 
ninge" Mazeike und Windeike im südlichen Kernzemaiten gesucht werden, 
denn nur hier konnte das Heer der Livländer mit dem der preussischen Ordens- 
ritter zusammentreffen. Die letzteren sind mit ihren Reisen nach Zemaiten 
nur bis zur Linie Varniai - Kraziai - Raseiniai nordwärts vorgedrungen. 
Mederaba, castrum 1291, Dusb. 154 =? - Weil es nach missglückter 
Belagerung von Junigeda angegriffen und zerstört wird. muss es nicht sehr 
weit davon gelegen haben. Vgl. Zaj
czkowski, Studya 41. 
Medeniekam, veniret (der Ordensmarschall) circa territorium.... poten- 
ter intraverunt, et quicquid in eo infra tres leucas constitutum fuit, vastave- 
runt incendio et rapina. et occisis et captis septingentis hominibus cum 
preda maxima redierunt 1314. Dusb. 180; venit ad territorium Medenickam... 
delJopulavit. oceisis et captis ducendis hominibus 1316. loc. cil. 182; equi- 
tavit versus territorium Medenickam... et combustis duabus villis... recesserunt 
1316. loc. cil. 183; marscalcus eum XL fratribus et equitibus de Sambia 
et de Memela venit ad territorium Medenickam 1320, loc. eit. 185; kwomen 
vor Medniki. das sie eroberten 1329. Bomb. 464 (Wig. 463 hat hier "castrum 
Medwaglen"); statuit reysam in terram Medenike... 5 diebus eam devastans 
1355, Wig.520 f; commendator de Goldingen... vastavit... Medeniken 1370. 
H. v. Wartberge 96; tenam Samaytarum Medenyk ca. 1381. Wig. 608; 
Magister Lyvoniensis... transit in Samaitarum terra m Medeniken... viros. 
mulieres et pueros in numero 700 eduxit. 1400 equos sellatos similiter 
1381. loc. cit. 605; Kynstut... transiit in Samaytam convocans de Mede- 
niken vulgariter et Samaitas 1382. loe. eil. 618 f; ken Medeniken 1387.
		

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Weg. 688; Advocatus Sambiensis cum ...ceteris a Mymila transeunt in 
terram Medenik non avisatam 1389, Wig. 637 f; vf Wingenveld, von dan- 
nen ij mile truge dameraw in das land czu Medeniken 1393, Weg. 673; 
in dem lande czu Medinkin 1390, CEW 23; reysete der marsehalk ken Sa- 
maythin in das land czu Medeniken... und lag 1111 nacht in dem lande... unde 
slugen villute und brochtin IXc mensche gefangen 1399, Pos. 226; in ...loco 
Miedniky 1417, Hist. Pol. lib. XI 389; in districtu Medeniczensi 1417, 
CEW 394; us dem gebite Medeniken 1418, loc. cit. 409, vgl. ibid 411; 
districtus eiusdem ...Meduensem 1492, LOt 372; Y Me;:UIH"LlKOH BOnOeT", 
RIB XXVII 5; Y )l(OMOHT"... Y MelJ.H"UKOH BOnOCT", y " MelJ.H UOX"b, loc. 
ci!. 78 f (aus der Zeit Kasimirs 1440-1492); Witold fundowal Biskupstwo 
Zmoyckoie, y koste I swiatoho Petra postawil w Mednikoch szto teper Zo
 
moyt' zowut Worniany, PSRL XVII 524; lJ.O BopH"b 1554, WA XXIV 176; 
przy drodze, kt6ra idzie z Olsiad do Worn 1564, loc. cit. 272; lJ.O Beee Ka- 
nJuynbl 6"CKyn"bCrBa )l(oMoHrcKoro KOCTena BOPHSJHcKoro 1563, RIB XXX 
732; BOPH", Stadt und Gut im Kreise Pavandene, Spr. = Varniai, Stadt 
zwischen den Seen Lükstas und Birzulis, Kreis Tegiai. Falsch Strehlke, H. 
v. Wartberge 96 Anm. 10, Hirsch, Wig. 463 Anm. 54, und zuletzt Hein- 
rich, Beiträge 49. 
Wie aus dem obe:1 Angeführten zu ersehen ist, wird der Name Medi- 
ninkai seit Ende des XVI. Jahrhunderts durch Varniai vollständig verdrängt. 
In der Kirche hat er sich länger gehalten. In einer Verschreibung des. Bi- 
schofs Kiszka von 1621 wird Medininkai neben Varniai gebraucht, ZV I 
l33 H. Der amtliche Bericht über die siebente Diözesial-Synode des Bistums 
Zemaiten von 17Q2 führt noch den Titel "Synodus Dioecesana Mednicensis 
seu Samogitiae, ZV 11 167. 
Bis heute hat sich der alte Name nur zur Bezeichnung von Naujieii 
Varniai erhalten 1). Hier liegt auch die ehemalige Kathedralkirche. Als Land- 
schaftsname konnte sich Medininkai gegenüber dem Ortschaftsnamen Var- 
niai (s. unten Warnen) nicht durchsetzen. In der Verschreibung des Gross- 
fürsten Vytautas von 1421 wird das Gebiet Medininkai scharf von den "ho- 
mines" Varniai geschieden, iv I 59. 
Auf den oben angeführten Bericht der litauischen Annalen, wonach 
Varniai früher den Nam
n Medininkai gehabt haben soll, ist kein Wert zu 
legen, da sie weit von Zemaiten entstanden sind und deshalb können die 
Kenntnisse des Chronisten in diesem Fall nur auf offiziellen Akten beruhen. 
Ausserdem ist noch zu bemerken, dass Varniai im XVI. Jahrhundert nur 
BOPH", niemals Worniany, heisst. Dem Verfasser der Annalen hat wahr- 
scheinlich BOPHSJHbl, RIB XX 565, das heutige Varnenai, 55 km ö. von 
Wilna, vorgeschwebt. 
Die Ausdehnung der Landschaft Medininkai ist im Vergleich zu den 

.nderen Gebieten recht gross gewesen. Vgl. unten die hierh
r gehörigen 
Ortlichkeiten. Die unzähligen Kriegszüge des Ordens sprechen für eine 
ungewöhnlich dichte Bevölkerung der Landschaft. Bei der Belagerung der 
Burg Medvegalis i. J. 1329 werden 6000 Zemaiten erwähnt. Vgl. unten: 3. 
Me d e wa ga m. Wegen seiner politischen Bedeutung wurde Medininkai 
auch Sitz des zemaitisehen Bischofs. Vgl. CE XV, Il 93. - Einen Kreis 
Medininkai gab es noch bis zum Ausgang des XV. Jahrhunderts. 


, 


1) Nach der Mitteilung des Herrn Pfarrers Juozapavicius von Varniai.
		

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(225) 


Nac
, den Quellen gehören zu der Landschaft (terra, territorium, land) 
folgende Ortlichkeiten: 
1. Gnethen 1387, Weg. 664 f; von der Jure bis in das land czu 
Medeniken czu Gnetin... vnd ist nicht verre in das lant czu Gnetinhofe 
1393, loc. cit. 672; von Kutenfelde bis ken Gnetinhofe ij mile gutis wegis 
vnd vordan j mile bis in das land czu Medeniken 1394, loc. eit. 677; czu 
Gnetin deme lande 1395, loc. cit. 675 = Ge/liotas, Dorf 2 km Ö. von Kve- 
darna. Ein Burgberg liegt dicht am Ort. 
2. La ku s t e, im lande, do lyt j. borgwal 1394, Weg. 677 = ? - Wie 
schon der Name selbst zeigt, muss es an der Lokysta, Nebenfluss der 
Akmena. gelegen haben. Der im Wegebericht erwähnte Burgberg ist wohl 
der bei TreigJai befindliche (V gl. unter Lukowe). Die angegebene Entfer- 
nung von Geniotas trifft ungefähr zu. 
3. Medewagam (Jer.: Medewagiln), ante castrum, 1316, Dusb. 182; 
obsedit castrum Medewage... et VI milia hominum sunt... baptizati 1329. 
loc. eit. 215. vgl. Sambo 283 und Wig. 463 f; Me.n.Ba
raIla, Berg im Gut 
und Kreis Pavandene, Spr. = Medv
galis, 234 m hoher Burgberg 8,5 km 
nw. von Kaltinenai. 
4. Par z e p i I. wenne man ins iant Medenikin sprenget, so hat man 
ij mile bis czu, 1385, Weg. 672; in das lant czu Medenikin... vort ij mile 
bis czu Parsepil ca. 1385. loc. cit. 670 f.; von Parssepil bis ezue Querte- 
keyme l/
 mile 1387, loc. eit. 665; bis czu Parsepil, loc. eit. 667; bis czu 
Parsen. do das hus gelegin hat 1395. loc. eil. 675; ezu Barsepille czü 
deme borgwalle ca. 1385/95. loc. eit. 677. = Burgberg am Parseieris-See 
5 km nö. von Laukuva, Zmudi 37 f. - Spr.: napwoBo, napwo, See im 
Kreise Pavandene und Pajüris. 
Parsepil = *Parsas .Par
ezeris- See' + pil
 ,Burg' = *ParsapiM oder 
*Parso pil
. 
5. Sisditen (Jer. : Sirditen), castrum.oo, impugnavit... cum non profi- 
cerent..., profecti sunt ad territorium ejus, Dusb. 180 = ? 
6. Twertekaymen 1385. Weg. 672; Von Parsepil bis czu Twerte- 
kaymen ist ij mile ca. 1385, 10c. eit. 671; von Quertekeyne bis vf daz 
flis Warneetyltes ij mile 1387, loc. eit. 665; Vort von Gnetin ij mile bis 
ezu Twertiken das land 1395, loc. cit. 675; BOIlocnl TBepeKoe 1541, W A 
XXIV 99; TBep", Dorf, Gut und Städtchen an der Aitra im Kreise Tverai, 
Spr. = Tverai, Städtchen im Kreise TelSJai. - Im XVI. Jahrhundert erstreckte 
sich der Kreis in einem 6 -10 km breiten Streifen in nw. Richtung von 
Tverai bis zur Minija. 
Die "terra Twerkiten" von 1289, PU 1 2 289, und die von Mindaugas 
i. J. 125P) belagerte Stadt des zemaitischen Fürsten Vykintas TB"peMeTb 
oder TB"peMeHTb, PSRL 11 818, smd wohl mit dem Ort Twertekaymen der 
Wegeberichte identisch. So auch Zaj
czkowski, Studya 49. 
Auf die lautliche Abweichung aller dieser Namenformen gt'he ich nicht 
ein, weil ich keine einläuchtende Erklärung linde. In T wer t e k a y me n 
haben die preussischen Leitsleute an den litauischen Namen des Ortes noch 
ein pr. -kayme/l ,Dorf' angehängt. Wie aber -MeTb oder -MeHTb der rus- 
sischen Quelle zu deuten ist, bleibt unklar. 


1) Totoraitis, Litauer 80. 


- 


.
		

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- 58- 


7. War n e n 1370. H. v. Wartberge 96; homines Varniai, 1421 von 
Vytautas dem Bischof von Zemaiten und seinem Kapitel verschrieben. ZV 
I 59; BopHe. Dorf 1507. Opisan. V 2 =Senieji Varniai. ein Teil der Stadt 
Varniai. - Vgl. auch oben Medenickam. 
8. WarnestiIte. von Twertekaymen czu. 1385. Weg. 672; Von 
Twertekaymen czu Warnestilte ij mile ca. 1385. loc. cit. 671; vf daz f1is 
Warneetyltes 1387. loc. cit. 665; bis czu Warlen der brucken 1395. loc. 
cit. 675 = Varnele 1). der durch Varniai fliessende Bach. Er vereinigt die Seen 
Birzulis und Lükstas. - Warnestil te = Varnes tiltas .Brücke über die Var- 
neo. wie es auch einmal im Wegebericht heisst. 
Medenike. in terram. circa Perstewise. sicque iIIas terras omnes ascen- 
dit cum exercitu ultra Navsen (= Nevezis) IJ72. H. v. Wartberge 101; 
intrat terras Azarene (s. d.). Medeniken et alias sex terras 1379. Wig. 592; 
Me.n.H"K". Dorf im Kreise Josvainiai. Spr. = Medininkai. Dorf und Vorwerk 
8 km sö. von Krakes. - Medininkai im Amtsbezirk Simkaiciai s. von Rasei- 
niai. woran Strehlke, H. v. Wartberge 101 Anm. 1. dachte. liegt zu weit 
nach Westen. Ebenso unmöglich ist Hirschs Gleichsetzung dieser "terra" lJIit 
der Landschaft Medininkai. Wig.592 Anm. 1235. denn Azarene hat mit Za- 
renai gar nichts zu tun und unter den "alias sex terras" können nur die häufig 
vom Orden heimgesuchten zahlreichen "regiones" am Westufer des Nevezis 
gemeint sein. 
Medewagam s. u. Medenickam. 
Megeten. Dorf im Gebiet Kaltinenai 1419. CEW 439; kemerer czu 
Samayten... Kneppe czu Mygyeythen 1419, loc. eit. 441 =? 
Meylisskenfeld. van der Memel off. iij myle. Weg. 688 = ? - Nach der 
EntfernungsangaQe des Wegeberichtes müsste es w. von der Dl!bysa. ungefähr 
gegenüber von Cekgke. gelegen haben. Mileikiai s. von CekiSke ist. im 
Gegensatz zu Hirsch. schon deswegen von Meylisskenfe1d zu trennen, weil 
es ö. von der Dubysa liegt. 
Metowen. ad f1umen. 1357. Wig. 523; vnd troffen die Mittow vor dem 
lande 1395 Weg. 676; die Mittaw... vellet zcu Jurgenburg yn. loc. eit. 709; 
M"TYBa, Fluss in den Kreisen Ariogala und Raseiniai. Spr. = Milu.va. rechter 
Zufluss der Memel. 
Milsowe. von Grasien ij mile in das lant czü, 1385, Weg. 687; czu Milso 
eyn burgwal 1386. loc. cit. 669; von Girstawtin bis czu Milso dem burgwale. 
das ist ij mile ca. 1386.10c. cit. 668; M"Jlb>KOBSlHbl. Gut und Feld im Kreise 
Viduk1e. Spr. = Milia.venai. Dorf mit Gut 6 km n. von Nemak
ciai. 
Mitow. das land.... feintlich verheereten 1364 2 ), Wig. 543 (Schütz) = MH- 
TYBO. Dorf des Gutes nOHeMoHe im Kreise Veliuona 1597. WA XIV 605. 
- Die Lage von M"TYBO ist nicht mehr genau zu bestimmen. Nach dem 
Bestandbuch von 1597 erstreckten sich die Ländereien der Güter Panemune 
und Pamituvys geschlossen von der Memel. zwischen Skirsnemune und 
Raudone. in n. Richtung über die Mituva bis zu deren Zufluss Alsa. loc. 
cit. Demnach wäre das alte "land Mitow. an der Mituva ungefähr in der 
Gegend des heutigen Kirchdorfes Pamituvys (Stakiai) zu suchen. 
;t\ojwany. Gebiet. 1421 vom Grossfürsten Vytautas dem Bischof von 
Zemaiten verschrieben. ZV I 59; MOt1BiSlHbl, Dorf 1507. Opisan. V 2. = Moit- 



 


1) Nach Vatanfius 'Lv I 182 : Varne. 
2) Vgl. Wig. 5tO Anm. 656.
		

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(227) 


BSlHbl, bischöfliches Dorf im Kreise Patumsiai, Spr. - Über die ungefähre 
Lage unseres Dorfes erfahren wir einiges aus Opis IV 172. Das Grundstück 
TYTJUlWK", welches nach Opis III 24 zum Gut 51MOHToih" (= Jomantai 
7 km sö. von Viesvenai) gehörte, war durch die Dörfer CKJ1eBeTe (= Skliaus- 
ciai 7 km sw. von Luoke), MOHBSJHbl und P"Hre (= Ringaliai 2 km n. von 
Skliausc.ai) begrenzt. 
Namaxste, czu, czum heilgin walde 1386, Weg. 670; von Rogyare 
czu Namaxste, do ist iij mile 1386, 10c. cit. 669; bie dem walde Ne- 
macste, du ist eyn grosir see 1394, loc, cit. 679; czum walde Nemagste 
genannt 1395, loc. cit. 677; Bö HOMOKwraxö 1547, WA XXIV 107; podle 
drogi ktora idzie z Niemokszt do Koltynian 1553, loc, cit. 145; HeMoKwTbl, 
Gut mit Städtchen und Feld im Kreise Vidukle, Spr. = Nemaksciai, Städt- 
chen im Kreise Raseiniai. - Der Weg. loc. cit. erwähnte "grosir see", He- 
MOKWTa - See bei Spr., liegt 1 km nw. vom Städtchen. Von dem ehema- 
ligen heiligen Walde ist heute keine Spur zu finden. 
Namlle, Von der Jure ij mile vf das fIis, ca. 1385,95, Weg. 677; He- 
M"l1a, Flüsschen im Kreise Pajüris, Spr. = Nemyla, linker Zufluss der Jüra 
bei Pajuris. 
Nereathe, von Tilgauten j mil
 bis vf die, 1395, Weg. 675 = HepSlTa 
und HapOT"b. Flüsschen im Kreise Sauduva, Spr. - Vielleicht der sw. von 
Laukuva in die Lokysta fallende Bach? 
Oukaym. exiit cum eis versus castrum Otekaym 1285, Dusb. 148; de 
confinio castri Oukaym XXXVI viri egredientes ausi fuerunt contra fratres 
de Raganita sua latrocinia exercere 1290, loc. cit. 153; intrantes territorium 
castri Oukaym, devastarunt 1292, 10c. eit. 155; intraverunt territorium castri 
Oukaym et combustis sex villis, captis et occisis hominibus, recesserunt 1300, 
10c. cit. 165; processit contra castrum Oukaym. .. castrum cum suburbio 
funditus cremaverunt 1302, 10c. cit. 166 f; Gygayle... sal nemen sin erbe, 
das her etzwan haUe in sime lande Oukaim 1303 PU J2 488; sullen nemen 
ir erbe, das disse... Byeuke und sin brudir haUin in irm lande Oukaym 
1303, loc. cit. 489; ivit versus castrum Oukayrn, quod quidam castrensis 
dictus Swirtil... tradidit fratribus 1305, Dusb. 171; preurbium castri Oukaym... 
cremaverunt 1328, loc. cit. 215 = Augken (s. d.). - Zaj
czkowski, Studya 34, 
hält Oukaym ffir Zakajmy bei Batakiai, welches aber nur eine korumpierte 
'- Form von li. Zakaimis ist. 
Sprachlich bereiten 0 u k a y m : Au k e n (Augken) keine Schwierig- 
keiten. Das O. in Oukaym kann nach den Anlautsgesetzen des Litauischen 
nur auf ein a- zurückgeführt werden und -ken, -kon, -keYIl (s. u. Augken) 
in Auken ist eme Verstümmelung des li. -kaimis ,Dorf'. Vgl. Twerte-kaymen 
(s. d.): Twerti-ken (auch Twerte-kain) in den Wege berichten. Demnach 
muss die Burg *Aukaimis «*Auk-kaimis) geheissen haben. Zur Bildung 
vgl. Auk-sodis ,Dorf bei Darbenai' und Auk-ells ,Litauer', Gerullis ON 12. 
Kurz nach Beginn des deutsch -litauischen Krieges, als die erste iemai- 
tische Burg Bisena (s. d.) 1283 schon zerstört war, unternimmt i. J. 1285 
der getaufte Schalauer Girdilo einen Zug nach Oukaym, wobei er, wie es 
verabredet war, die ihm mitgegebenen 100 Mann an die Litauer verrät. Diese 
Tatsache weist mit Bestim!:TItheit darauf hin, dass die Burg in dem an Preus- 
sen grenzenden Teil von Zemaiten gelegen haben muss, was ja für die 
Gegend von Batakiai (s. Augken) auch stimmt. 


-
		

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- 60- 


Es ist noch zu erwähnen. dass die Verwüstung des Gebietes der Burg 
Oukaym i. J. 1292 durch das von Junigeda heimziehende (recedentes) 
Ordensheer geschieht. Aus der Bemerkung Dusburgs loc. cit.. dass die 
Reiter des Gebietes (Oukaym) "iverunt ad clamorem. quem fratres circa 
castrum Junigedam excitaverant". ist durchaus nicht auf die Nachbarschaft 
der beiden Burgen zu schliessen. Jer. 532 fügt die Erklärung hinzu. dies 
sei "nach der lande willekur" geschehen. also wohl "accenso igne per in- 
dicium fumi". wie es bei Junigeda 1317 auch der Fall war. Dusb. 184. 
Nach der zweimaligen. durch Verrat herbeigeführten vollständigen 
Zerstörung in den Jahren 1302 und 1305 erscheint Oukaym 1328 wieder 
neu aufgebaut und die Ordensbrüder von Ragnit verbrennen "dormientibus 
castrensibus" deren Vorburg. ohne die Burg selbst zwingen zu können. 
Das weitere Schicksal dieser Feste ist unbekannt. Sie muss jedoch schon 
vor 1345 gefallen sein. denn unter diesem Jahre erzählt Wigand von einem 
misslungenen Zug nur nach dem "campum Augken" (s. d.). Vgl. We- 
lunenfeJt, Weg. 680. nach der Zerstörung von Veliuona i. J. 1367. Es ist 
also natürlich und durchaus verständlich, dass in den W
geberichten nur 
noch vom "felt Auken" die Rede ist. Falsch Mierzyriski. Zr6dla Il 101. 
Das Burggebiet von Oukaym war bewohnt. DafUr sprechen alle Rei- 
seberichte. IJOO werden hier 6 Dörfer verbrannt, 1302 und 1305 auch 
Frauen und Kinder gefangen weggeführt und schliesslich 1328 "omnes... 
cum uxoribus. liberis. pecoribus et pecudibus aut inge aut gladio consumpti". 
Auch von den drei Flüchtlingen aus Oukaym. welche wegen "cristenge- 
louben" zum Orden geflohen sein sollen und in Preussen Land verliehen 
erhalten. wird ausdrücklich gesagt, dass sie in ihrem Lande ein "erbe" (d. 
h. Landbesitz) hatten. Die Flucht selbst steht wahrscheinlich irgendwie mit 
dem Verrat Draykos in Verbindung. denn dieser geschah vermutlich Ende 
13021) und die beiden Verleihungsurkunden sind am 20. Februar 1303 aus- 
gestellt, PU 1 2 488 f. 
Die entgültige Entvölkerung der Gegend ist in die Zeit nach dem oben 
erwähnten Zug von 1345 zu setzen. 
Oppe, von dannen (d. h. Saltüne) iij cleyne mile waldes. do ist eyn 
f1ys inne. 1393. Weg. 678; Ynsr, Flüsschen im Kreise Vidukle Spr. = Up
, 
Nebenfluss der Se
uvis im Kreise Raseiniai. - Die etwas westlicher von der 
Upe in die Se
uvis mündende Upyna kann hier, wie es Hirsch. Weg. 678 
Anm. 6.. will nicht gemeint sein. weil sie. vom Norden kommend. ab- 
seits des im Wegebericht gezeichneten Weges liegt. Ausserdem passt 0 pp e 
besser zu Up
 als zu UPYlla. 
Oppythen. von Wredaw off das flies czü.... ij mHen. Weg.. 688; 
YmIC"b. Bach am Felde Y}Kyne im Kreise Raseiniai, Spr. = Upis, Zufluss der 
oberen Mituva im Amtsbezirk Girkalnis, Kreis Raseiniai. 
Otekaym s. Oukaym. 
Parsepil s. u. Medenickam. 
Paschkovyeny. homines cum terra dicta. (1417). Opisan. V 4 = Pa.skll- 
.v
lla;. Dorf 6 km n. von Luoke. - Wegen der Jahreszahl s. Luknyk. 
Passeei, von Crasyen czu, ins lant 2 1 / 2 miIe 1385. Weg. 672; Von 
Passeel czü Questen 1 1 / 2 mile ca. 1385, loc. eit. 671; Woytowstwo Poszylskie 
1562. W A XXV 37; nOW
1JU1. Gut und Feld im Kreise Karsuva, Spr. = Pa- 


1) Dusb. 166 Anm. I und 2,
		

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(229) 


file, Kirchdorf mit Gut 10 km w. von Kraziai. - Nach dem Vermessungs- 
protokoll von 1562 gehörten zum Schulzenamt Pasil
 7 Krondörfer, haupt- 
sächlich s. und 
w. vom Kirchdorf, WA XXV 37-59. 
Pastovie, territoria Gesovie et, hostiliter est ingressus 1292, Dusb. 
154 f; intraverunt territorium Pastovie 1294, 10c. cil. 158; intravit territo- 
rium Pa
tovie 1316, loc. cit. 182; ex opposito castri Pastovie 1323, 10c. 
cit. 189; Pastow... devastavit, Wig. 513; revertitur per Pastaw 1352, 10c. 
cil. 516; in terras Pastovensem. Gesowensem 1364, 10c. cit. 543; intrant... 
terram Pastowensem 1365, 10c. cit. 549; region es vastavit... Gesowe et 
Bastowe 1367, H. v. Wartberge 89; devastavit... Bastowe 1368, loc. cit. 92; 
Gesow et Bastowe... vastaverunt 1370, loc. cit. 98; stetit in Pasten quintam 
nodem vastans... Nomen castri Pasten vulgariter dictum est 1369, Wig. 
564 f; vastant... in Pasten 1370, 10c. cit. 569; convertit se in Pastow devas- 
tans terras 1372, loc. cit. 571; Gesowenses et Pastowenses... sunt devastate 
1375, loc. cit. 579; in Pastow 1377, 10c. cit. 584; in den Nedderlande was 
bi... Pastowe 1377, Detmar 106; exercitus vertens se in Pastewyn 1378, 
Wig. 588; intrans terram Pastow 1379, loc. ciL 590; in terra Pastow inco- 
las... perturbant 1379, loc. eit. 591 f; veniunt in terram Pastowensem 
1379, loc. cil. 601; transiit ultra 6 miliaria prope Pastow 1381, loc. cit. 
600; Postouiensis districtus 1492, LOe 373; Dan w Pocztowie 1559, WA 
XXIV 208; nOWTOBO, Gut und Feld an der Karkl
 im Kreise Vilkija, 
Spr. = Pattuva, Gut an der Memel 6 km s. von Vilkija. Vgl. Zajqczkowski, 
Studya 40 f. 
Ausdrücklich als zu Pactuva gehörig wird erwähnt: Kalanten, in 
villam, in terra Pastowen 1364, Wig. 543; transeunt in Gollandiam 1366, 
loc. cit. 556; intrant Galanten 1370. loc. cit. 569; in Golanten et convertit 
se in Pastow 1372, loc. cil. 571; streiffte er durch Kalanten 1375, Schütz 
580, vgl. Kalankeh, Wig. 582; prope Gallanten... invenientes naves rede- 
unt in Prussiam 1378, 10c. cit. 595; KonoBToBo oder KonoToBo, Gut und 
Feld an der Memel im Kreise Vilkija Spr. = Kulautuva 1), Dorf und Gut an 
der Memel 3 km s. von Paetuva. - Falsch Hirsch, SRP 11 543 Anm. 692 
und 569 Anm. 970. 
Für eine verhältnismässig grosse Ausdehnung der Landschaft sprechen 
die häufigen Kriegsreisen, insbesondere die des Jahres 1316 mit den "captis 
quingentis hominibus et occisis", Dusb. loc. cit. Im Jahre 1379 zieht der Or- 
densmarschall Gottfried von Linden "una die vastando ad 4 miliaria" 
durch Pactuva, Wig. 590. 
Das Gebiet muss ausserordentlich dicht bevölkert gewesen sein. 1. J. 
1381, nach einer fast ein volles Jahrhundert andauernden Verwüstung, wer- 
den hier noch 5 Dörfer verbrannt, Wig. 600. 
Die Burg von Pactuva, 1323 zum erstenmal erwähnt, lag nach Wig. 
564 f auf einer Insel in der Memel, wohl dem späteren Salyn (s. d.), heu- 
te eine 1,5 km lange Insel zwischen Vilkija und Zapyskis. 
Pernare, post tempora belli facti prope Streben (1348) tempore ma- 
gistri Dusmer (1345-1351)..., devastavit, Wig. 513; fecit marscha1cus 
intrare terram Parvern 1364, loc. cit. 541; regiones vastavit... Pernarwen 
1367, H. v. Wartberge 89; regiones vastando, scHicet... Pernarve 1370, 


1) So heisst der Ort im Volksmund, wie mir Herr Lehrer Dalinl,evlcius aus Zapy
kis 
mitgeteilt hat. In den Quellen ist also statt nein u zu lesen, 


- 


..
		

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			(230) 


- 62- 


<>c. cit. 97; Pernarwe... vastarunt 1371. loc. eit. 98; in via recta contra... 
Pernaren 1378, Wig. 588; im lande czu Parnaren 1405. CEW 116; Perna- 
rouiensis... districtus 1492. LOi: 373; cena nepHapoBcKie 1558. RP 45; 
nepHapoBo. Gut und Feld im Kreise Vilkija. Spr. = Pcrnarava, Gut mit 
Kirchdorf 10.5 km Ö. VOn Ariogala. 
Pestwa s. Pistarn. 
Persin, Perstewise s. u. Datint'n. 
Pickegallen, transit in terram, 1381(?), Wig. 606 =? 
Pyechelyeny (mit e statt s = Pyschelyeny), homines in agro seu terra 
.dicta, (14] 7). Opisan. V 4; nOwHnSlHbl. Gut im Kreise Berz
nai, Spr. = Pa- 
sitenai, Vorwerk 6 km nw. von Sauk
nai. - Wegen der Jahreszahl vgl. 
Luknyk. 
Pistarn fortiter impugnavit... suburbia... concremavit 1293, Dusb. 
158; profecti sunt ante castrum Pistarn.... LXX homines captos deduxerunt 
1294, loc. cii.; aggressus castra Junigedam et Pistarn, eorum suburbia 
destruxit 1298, loc. cit. 164; venit ad cast ra Junigedam et Pistarn, et utrius- 
que suburbia... cOl1cremavit 1318, loc. cit. 184; voluit castra Junigedam 
et Pistarn expugnare 1319, loc. cit.; obsederunt castrum Pistarn 1322, loc. 
cil. 186. vgl. Sambo 287; volens edificare castrum in quadam insula Me- 
mele ex illa parte Pisten 1336. Sambo 280 f; insula Romayn inter Welyn 
et Beisten 1336. Wig. 490; juxta Pisten et Welow castra 1348(?). loc. cit. 
514; A Pisten transeuntes in obsidionem Welun 1357. loc. cil. 523; pre- 
tereuntes silenter Welun. Bisten 1362. loc. cit. 531; Pistenses et Welinenses 
1362. loc. ciL 538; de Welun convertit se versus Pisten castrum, quod 
penitus exussit 1363, loc. cit. 540; vellent cum exercitu ire in Pisten et 
Welun ...castra 1363, loc. cit. 546; Pistene el Velun, que funditus destruxit 
1363, H. v. Wartberge 84; in loco, ubi Pisten et Welun pridem steterunt 
1364. WJg. 543; ad partem vero orientalem dicti castri Weluna territorium 
dictum Pestwa cum sua possessione seu predio et monte, ubi alias castrum 
erat erectum 1415, SRP 11 540 Anm. 654. = Pestvenai, Dorf an der Dubysa 
2 km n. von Seredzius. Vgl. noch Zajqczkowski, Studya 39 f. 
Pludden s. Hasenplute. 
Pluten, commendator de Goldingen ... intravit terram Letwinorum... 
vastavit. 1370. H. v. Wartberge 96; nnYTHHbI. Gut, Dorf und Feld im Kreise 
Zar
nai, Spr. = Plllotiniai, Dorf 5 km nö. von Zar
nai. 
Podawgo, dorf 1395, Weg. 687; ceno... rocno.n.apcKoe nO.n.oBroBO 
1559, RP 45; nOlI.OBrOBO, Dorf im Kreise Vilkija. Spr. = Padallgllva, Dorf 
und Gut 5 bzw. 7 km ö. von Vilkija. 
Pograudam, contra territorium Samethie dictum. 1294. Dusb. 159; 
intravit territorium Lethowie dictum Pograudam 1305, loc. cit. 170; intravit 
territorium Pograude 1311, loc. cit. 175; venisset circa territorium Po- 
graudam... quasdam villas hujus territorii debebant invadere 1317. loc. cit. 
183 = ? -- Nach Dusb. 170 und 183 lag es nicht weit vom "castrum Gede- 
mini" (s. d.). dessen Lage aber auch nicht einmal annähernd zu bestimmen 
ist. Die Verknüpfung Zajqczkowskis. Studya 33 f. mit Pagramantis an der 
Akmena und Pagraumenis an der Graumena ist sprachlich unmöglich. 
Etymologisch ist Pogra u da in pa- ,unten, an' +*gralldas ,eine be- 
stimmte Waldart' 1) zu zerlegen, Zu *gralldas vgl. bei Spr. narpaB.n.yace 


1) SRP 11 665 Anm. 1-1,
		

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			- 63- 


(231 ) 


(Ioc. plur. masc.), Heuschlag im Felde Kampai (heute Dorf am NevHis 
6 km s. von Josvainiai), Kreis Vilkija. Pograuda würde also ein "territo- 
rium" am gralldas-Wald bedeuten.- 
Die Wegeberichte kennen 5 graudas- Wälder: 1. zwischen dem Vei- 
vi rias und der Jüra, Weg. 665, 2. zwischen der Mirglona und der Bikava, 
loc. cit. 674, 3. zwischen der Vilk
 und Arisken, loc. cit. 675, 4. unweit 
von Ariogala, loc. cit. 680 und 5. nö. von Gaiiuva, loc. eit. 680 f, welcher 
3 Meilen breit war-musste also bis zum Nev
iis reichen - und bei Wig. 
552 "silva grandis" heisst. 
Pomedien s. f. 
Promedien, in terram, ...invadit 1370, Wig. 569; vorterbete... la nt 
Pomedyen (die meisten Handschr.iften haben Promedien (5), 2 - Vromedien 
und nur 2 - Pomedyen) 1393, AHCh 625, vgl. Pos. 189 (pomedien); sei 
do bei gewest... di von Promedien 1409, CEW 178; n PO,\\SllI.eBO, Gut, 
Vorwerk und Feld im Kreise Raseiniai, Spr. = Pramediillva, Gut 5 km s. 
von Girkalnis, Kreis Raseiniai. - 
Mit Promedien ist nach dem obigen unzweifelhaft auch die Lesart der 
Weg. Po medien identisch. Die Angaben über die Lage des letzteren: "ins 
land Pomedien, vnd Erogeln (= Ariogala) Iyt vf die rechte hant vnd Rossieyn 
(= Raseiniai) vf die linke hant" 1395, Weg. 676, passen gerade zu der von 
Pramediiuva. 
Hirsch, Weg. 676 Anm. 3, und nach ihm Heinrich, Beiträge 63, iden- 
tifizierten Pomedien fälschlich mit Pamituvys sö. von Pramediiuva. 
Pupillen, in Sameiten in eine jegene genandt, 1339, Renner 79, vgl 
Ho v. Wartberge 68; feeit magnam expedltionem contra Letwinos in terram 
Popillen 1359, H. v. Wartberge 80; predia... Popili cum familia iIllbera 
et omnibus villanis (1417)1), Opisan. V 4; nOmtJ1S1HbI oder nOm1J1bl, Gut 
und Dorf im Kreise D. Dirvon
nai, Spr. = Papile, Städtchen an der Venta 
im Kreise Siauliai. - Das ostlitauische Papilys im Kreise Biriai - Pasvalys 
kann hier, wie es Strehlke, SRP 11 80 Anm. 2 annimmt, nicht gemeint sein, 
weil Pupillen nach Hoeneke, Renner loc. eit., in Zemaiten lag. 
Der iemaitische Bischof Martin 11. (1485-1500) gründete in Papi1
 
die erste
 Kirche, welche 1493 vom polnischen König Jan Olbracht dotiert 
wurde, ZV I 73. Vgl. auch oben S. 181 Pi I e n e. 
Putelauken s. oben S. 201 unter Karschauen. 
Pütlnveld = Putelauken. 
Puttern, van Meylisskenfeld bis in das land czu, ij myle, Weg. 688 
= Plltriai, Dorf 2,5 km s. von Ariogala. 
Ramynne, s. Andigenkuthi. 
Ramoe s. DaUnen. 
Rasseyene, terra 1253, BUl I 334; Rassione, terra 1253, loc. cit. 338; 
Rassegene 1254, loc. cit. 345; intraverunt territorium Russigenam 1322. 
Dusb. 186, vgl. Sambo 287; intrat terrarn... Rosgeyn 1352, Wig. 516; 
summo mane properant in terram vulgariter Rogeyne 1357, loc. eit. 523; 
tertia node in Rassyn 1370, loc. eit. 569; insulturn fedt terre Rossiene 
1370, H. v. Wartberge 98; Rosgeynenses... sunt devastate' 1375, Wig. 579; 
in ein ander lant daz was Russenia genant 1377, Suchen wirt 166; Rossyeyn 
1385, Weg. 677 f; us dem lande czu Rossieen 1390, CEW 23; quieverunt 


1) Wegen der Jahreszahl vgt. Luknyk, 


-
		

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- 64 


-;/ 


In Rosittem sub custodia inter inimicos 1393, Wig. 652, vgI. Pos. 189; per- 
gunt in Lithwaniam veniuntque in terram RCissiten 1394,loc. cil. 653; Rossieyn 
J 395, Weg. 676; czu Rossigen, loc. cil. 686; van dem flisse (= Oppythen) 
in des land czu Rosseyn of das fjys Bobirba ij myle, Weg. 688; Des ergo- 
bin sich etliche land, als Rossyeyn... 1405, Po
. 276; Ouch so hab wir 
die gisel von Rosseyn... geheischet 1406, CEW 127; in die oberlant czu 
Samaiten als Rossein... 1409, loc. cil. 170; Roszein 1409, loc. cil. 182; 
gebuwere czu Rosseijne 1418, loc. cil. 411; Rosienny 1419, loc. cil. 439; 
Rosiouiensis... districtus 1492, LOc 373; PoceiiHH, Gut und Stadt im Kreise 
Raseiniai, Spr. = Raseiniai. - 
Über die ursprüngliche Ausdehnung dieser Landschaft lässt sich nur 
soviel sagen, dass sie im Süden bis über den Bebirvas, Nebenfluss der 
Saltuona, reichte, Weg. 688. 
In politisch - wirtschaftlicher Beziehung spielt Raseiniai im alten Zemai- 
ten eine der ersten Rollen. An dem Königsberger Vertrag von 1390 sind 
3 Vertreter dieser Landschaft beteiligt, CEW 23. 1406 muss Raseiniai neben 
den anderen Landschaften dem Orden Geiseln stellen, CEW 127 f. Auch der 
gegen den Orden gerichtete Aufstand von 1409 greift hier zuerst um sich, 
loc. cit. 182. 1418 meutern die Bauern von Raseiniai gegen die "edelsten 
baioren und gutte luthe", denen sich auch jene von Medininkai und Kny- 
tuva anschliessen, loc. cit. 411. Nach Dlugosz, Hisl. Pol. !ib. XI 344, ist 
Raseiniai schon im Jahre 1413 ein Kreis (districtus) von Zemaiten. Vgl. 
auch Str. 543. Die ungefähre Ausdehnung des Kreises im XVI. Jahr- 
hundert ist aus der Karte von Jakubowski zu ersehen. Aber die ge- 
zeichneten Grenzenbedürfen einer Korrektur. Im Norden von Siluva er- 
streckte sich der Kreis etwas weiter an Tytuv
nai vorbei gegen Siaul
nai. 
Im Osten schneidet die Kreisgrenze die Dubysa ca. 5 km w. von Betygala 
und weiter verläuft sie fast gerade auf die obere Mituva zu. Das Gebiet 
sö. von dieser Grenze gehörte zum Kreise Ariogala. 
Die Kirche zu Raseiniai ist 1417 von Vytautas errichtet und dotiert, 
Polska i Litwa S. 102. 
Rawde, von dannen (d. h. Asswyiote) uf das vlys, ij mile 1386, Weg. 
669; POBllSl, Fluss im Kreise Karkl
nai, Spr. = Raudys, Zufluss der Akme- 
na w. von Kraziai. 
Rense, pernoctabant... iuxta defendiculum vulganter, 1364, Wig. 
543 =? - Nach Wig. loc. cit. lag es unweit von Veliuona und Pestv
nai. 
RingeIauken, czu, dem velde vnd vort 2!-i mile bis czu Putelauken 
1395, Weg. 675. = Ringiai, Dorf mit Gut an der Jüra 10 km n. von Tau- 
rag
. - Aus dem XVI. Jahrhundert ist Ringiai zufälligerweise nicht 
überliefert. Der Dorfname Ryngalie aus dem Jahre 1562, WA XXV 82 f, 
heute Ringaliai 11 km nö. von Ringiai, ist vom letzteren durch das Demi- 
nutivsuffix -al- abgeleitet und bedeutet ,Klein Ringiai'. 
Rodan, transeunt fortiter ad ripam fluminis, 1360, Wig. 526; relictis 
victualibus in flumine Roddan 136h, loc. cit. 557; a fluvio Rodan 1420, 
Dogiel IV 107; venet die Rodan in die Memmel boben Kirsmymmel mee 
denn eyne meile weges, Weg. 709; POBJ1,aHa, Fluss im Kreise Velil1ona, 
Spr. = RaudolU!, der bei dem gleichnamigen Kirchdorf 9 km w. von Veliuona 
in die Memel mündende Bach. 
Rogyare, Von Kosleykin keret man wedir vmme vnd kumpt czu, 3 1 i2 
mile 13ö6, Weg. 669; von Rogyare czu Namaxste, das ist iij mile ca.
		

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(2:33) 


1386, loc. eit. = Raudgiriai, Vorwerk und Dorf 9 km sw. von Krafiai.- 
Hirsch, Weg. 669 Anm. 5, verc;ucht Rogyare mit Sventragiai, zwischen Kra- 
ziai und Karkl
nai, zu identifizieren, was jedoch lautlich unmöglich ist. 
Heinrich, Beiträge 61, setzt es allein aus Rücksicht auf die Entfernungsan- 
gaben des Wegeberichtes gleich Pogare, w. von Pakrazantis. Das anlautende 
p statt r lässt sie dabei unerklärt. 
Romayn, insula, inter Welyn et Beisten 1336, Wig. 490; werdir 
Sallyn... legende boben Romeywerdir 1398, CEW 52; in quidam insula dicta 
Sallyn sita in fluvio dicto Memla habente sub se insulam aliam dictam 
Romeywerder 1402, loc. eit. 82; die grenitczen anhuben an Romayenwerder 
gerichte uH die Suppe 1425(?), loc. cit. 711. = ? - Aus Wig, loc. cit. und 
Sambo 281, welcher die Insel ohne den Namen zu nennen, als "ex illa parte 
Pisten" liegend bezeichnet, geht hervor, dass Romayn mit der heutigen 1 km 
langen Memelinsel w. der Dubysamündung identisch ist. Weber, Preussen 
547 H, verlegt die Insel allein wegen der zufälligen Namenübereinstimmung 
und der falschen Lokalisierung von Sallyn (s. d.) nach der Mündung des 
Nev
zis in die Nähe vom heutigen Romainiai. Hierzu ist zu bemerken, 
dass Romainiai (Romene, Romayn, Romagyn, Romanye, Romeyen, Rüme- 
gine) nach dem Ausweis der Quellen eine "villa sacra" oder "terra", aber 
keine Insel ist, Dusb. 159, Wig. 584, 611. 
Und die Insel "in opposito Nowesen" hat, wie auch Weber loc. cit. 
bemerkt, einen anderen Namen, nämlich Wyrgalle, Wig. 545. Hier hatte 
K
stutis die vom Orden 1363 zerstörte Burg Neu-Kauen (Novum Ca wen) 
errichtet, loc. cit. 
Das bei Wig. 591 erwähnte Romaynen erklärt Hirsch. loc. eit. 490 
Anm. 258, fälschlich für eine Insel zwischen der Neris und dem Nev
fis 
und folgert daraus, dass mehrere Memelinseln den Namen Romayn geführt 
hätten. 
Sallyn, werdir, genandt legende boben Romeywerdir 1398 CEW 52; 
Sallyn... in der Memel 1398 loc. eit. 54; a... insula, Salyn, in directum 
procedendo usque ad fluvium dictum Suppam 1398, BUl IV 224; in quadam 
insula dicta Sallyn... habente sub se insulam... Romeywerder 1402, CEW 
82 = ? - Wegen der Lage oberhalb von Romeywerder (s. d.) mit der 1,5 km 
langen Memelinsel zwischen Vilkija und Zapyskis zu identifizieren. Falsch 
Weber, Preussen 107, 548 f. 
Hier unterzeichnete Vytautas am 12. Oktober 1398 den FriedelJsvertrag 
mit dem Hochmeister Konrad von Jungingen, durch welchen er Zemaiten 
bis zum Nev
zis an den Orden abtrat, SUl IV 222 ff. Nach der Mitteilung 
des Herrn S. Dalinkevicius aus Zapyskis hat heute die Insel keinen beson- 
deren Namen und wird von der umwohnenden Bevölkerung einfach sala 
,Insel' genannt. Etymologisch würde Sallyn < *Salynas ,unbedeutende Insel' 
oder ,Inselgruppe' bedeuten. 
Salto, bi, dem walde 1395, Weg. 676 =? - Lag auf dem Wege von 
der Saltuona nach Vaiguva, 3 Meilen VOn diesem Fluss entfernt. 
Saltüne, czü deme flise, 1385, Weg. 677; von der Swintov bis vf die 
Saltüne vj mile wegis 1393, loc. cit. 678; bis czu der Saltone dem vlise 
1395, loc. eit. 676; vf der Saltune 1395, loc. eit. 678; van deme flisse 
Szalltona, Weg. 688; 3<1 WOJ1TOHOIO 1491, WA XXIV 1; WOJ1bTOHa, Fluss, 
durchfliesst die Kreise Raseiniai und Vidukle, Spr. = Saltllona, linker Zufluss 
der 5esu vis. 


-
		

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- 66- 


Salweythe, Nonum sowalk, fuit super Nevesen; terra in eo vastata 
vocatur Wadachte 1374, H. v. Wartberge 102. 
Der PN Salweythe <*Salvaitis ist ein Deminutivum von Salva, 
heute Gehöft 15 km Ö. von Baisogala. 
1. Wad ach t e, loc. cil.; BOllOKTbl, Feld und Gut an der Vadakta, 
Spr. = Vadaktai, drei Güter mit Kirchdorf am Nev
zis zwischen Naujamies- 
tis und Krekenav;\ und ein Gut 7 km w. davon an der Vadakta. 
Santacka, vf die, do die Anta vnd die Sassow invallen 1393, Weg. 
674; Santaken vlys 1394, loc. cil. 678; von dannen (d. h. Wayswille) bis an 
die Santacka... v. mile 1395, loc. cil. 677; COHbTOKI1, Gut an der Ancia, 
Spr. = Santakos, Dorf an der Mündung der Ancia in die Sesuvis 5 km s. 
VOn Batakiai. - Li. santaka ,Zusammenfluss'. 
Sawlawken, von Wewerzege zcu, iij mile 1388, Weg. 667; CaBCJlOB- 
KI1 und COBCJlOBKI1, Gut an der Asva im Kreise Pajüris, Spr. = Sauslallkis, 
Gut und Dorf 6 km sw. von KvMarna, Kreis Taurage. 
Saüten, von Milsowe ij mile bis' czü, czü deme heiligenwalde 1385, 
Weg. 687; an eyme walde, der heist Sauturn bi eynem vIi se Sassaw 1395, 
loc. eit. 678 =? - Nach den bei den Weg. XXVII und LI lag der Wald an der 
Sesuvis je 2 Meilen vog Milsowe und Wayke (s. d.) entfernt, also ungefähr 
südlich vom Kirchdorf Zalpiai. Vgl. Mierzynski II 95. 
Schawden, czu, in das lant, Weg. 666; BOJlOCTb WOB"bllbl 1528, WA 
XXIV 61; WOBJ],bl und WOBllOBO, Gut im Kreise Sauduva, Spr. = Salldll- 
va, Dorf mit Gut 5 km s. von Laukuva.- 
Im XVI. Jahrhundert umfasste der Kreis Sauduva das Gebiet zwischen 
Kvedarna, Silale und Laukuva. Das letztere lag wahrscheinlich noch inner- 
halb des alten Kreisgebietes. Jakubowski gibt auf seiner Karte ganz andere 
Kreisgrenzen an. Nach ihm soll Sauduva auch an die Kreise Rietavas und 
Medingenai gegrenzt haben, was jedoch nicht der Fall ist. Aus dem Be- 
standbuch des Kreises Rietavas von 1563 erfahren wir, dass die Dörfer 
R
sciai und Girenai, sö. von Rietavas, an den Kreis Pajüris und nicht an Sau- 
duva grenzten, WA XXIV 387, 398. Das im Grenzgebiet des Kreises zwischen 
den genannten OrtJichkeiten liegende Dorf Kikonys, loc. cit. 391 ff, wird nach 
Spr. häufig auch zum Kreise Pajüris gerechnet. Die diesen drei Ortschaften 
im SO benachbarten Dörfer Baubliai, Treigiai, Palokystis und Kalnyciai 
gehören nach Sprogis gleichfalls zum Kreise Pajuris. Von einer gemeinsa- 
men Grenze der Kreise Sauduva und Rietavas kann also keine Rede sein. Ein 
schmaler Gebietstreifen des Kreises Pajüris t[ennte sie voneinander. Die 
n. von Laukuva liegenden Dörfer Apvaisavas, Cepaiciai (Spr.: UlenOBl1'm), 
Tautvilai, das oben erwähnte Baubliai, Reistrai (Spr: PeiicTbl), der See 
Parsezeris und der ihn mit dem Lükstas- See verbindende Bach Sietuva 
(Spr. = CI1TOBa) gehören sämtlich zum Kreise Pajüris; die letzteren drei 
werden auch zu Pavanden
 gerechnet. Sie trenn,en den Kreis Sauduva vom 
Kreise Medingenal. Die auf der Karte ö. von Sauduva verzekhnete Ge. 
bietsinsel des Kreises Pajüris wird in Wirklichkeit durch die oben genannten 
Dörfer mit dem übrigen Kreisgebiet verbunden. Im Süden ist die Kreis- 
grenze mehr nach. Silale zu verschieben, weil der Ort nach Spr. ein paarmal 
auch zum Kreise Sauduva gerechnet wird. 
Semegallen, von deme fljse Ante v. mile in das lant czü, 1385, Weg. 
679; )l(I1Ml1rOJla 1561, WA XXIV 234, 244; )l(I1Ml1rOJla, Gut und Feld im 
Kreise Vidukle, Spr. = Zemygala, Dori und Gut 5 km w. von Nemaksciai.-
		

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(235) 


Das w. von Betygala liegende Zemygala, welches ebenso aus dem XVI. 
Jahrhundert überliefert ist, kann hier nicht gemeint sein. Mit den Worten 
"von Semegallen wil man czü Wedukkelen adir in das lant czü Wangen, do 
wellen sie (d. h. Leitsleute) hin furen", Weg. loc. cit., wird Lemygala als Aus- 
gangspunkt für die Reise nac
 den beiden Landschaften Vidukl
 und Van- 
kiai bezeichnet. Das obige Zemygala (an der Dubysa) passt hierzu über- 
haupt nicht. 
Sessow, von Wayswille czu, eyn flys iij mile 1386, Weg. 669; von 
Sessow vi das velt Awkon und ist ij mile ca. 1386, loc. cit. 668; vf die- 
Santacka, do die Anta vnt die Sassow invallen 1393, loc. cil. 674; bi eynem 
vlise Sassaw 1395, loc. cit. 678; do di Sessow und di Jure czu houfe ko- 
men 1406, CEW 135; Sasso 1411, loc. cit. 220; WewYBa. Fluss, durch- 
fliesst die Kreise Kraziai und Vidukl
, Spr. = Sesuvis, linker Zufluss- 
der J üra. 
Skrunden, von Warnestilte czu, das ist ij mile ca. 1385, Weg. 671; 
KY CenOM"b CKpOH1l3S1HOM"b 1561, W A XXIV 249; CKPYH.IlaiiHbl, Dorf im 
Kreise Pavanden
. Spr. = Skra/ldt!nai, Dorf mit Gut 7 km s. von Varniai. 
Sossaw, das lendchen Jassuden (= Josvainiai) of der, 1405, CEW 
117; WywBa, Fluss, durchfliesst die Kreise Tendziogala, Josvainiai, Rasei- 
niai und Vilkija, Spr. = Susvt!, rechter Zufluss des Nev
zis. 
Stabuncaln, Von, czu Kosleikindorffe ij mile 1386, Weg. 669; von. 
Susükin bis czu Stabuncaln, das ist ij mile ca. 1386, loc. cit. 669; czu 
Stabekalne (Stabekalme) im lande 1
95, loc. cit. 686; von dannen (d. h. 
Wenewange) czu Stabekalmen iij mile 1395, loc. cil. 677 = Keimt!. So- 
Hirsch, Weg. 669 Anm. 2, und zweifelnd Mierzynski, irödJa II 105.- 
Diese Annahme wird durch die Marschrichtung und den Vergleich der 
Entfernungsangaben der Wegeberichte wahrscheinlich gemacht. So eptsprc- 
ehen z. B. der, nach Weg. VI, drei Meilen langen Strecke Viesvil
 -- Sesuvis. 
21 km Luftlinie, Kraziai - Milzuv
nai - 2 Meilen = 14,5 km und Kusleikiai- 
Raudgiriai-3 bzw. 3,5 Meilen (Weg. VII) =24 km. Weiter, Weg. XXIV, die- 
5 Meilen lange Strecke Viesvil
 - Santakos gleicht 20 km Luftlinie und des- 
gleichen NemaksCiai-Stabekalmen (über Wenewangen) - 5,5 Meilen =24 km
 
Hieraus ersehen wir, wie die angegenbenen Entfernungen bei der Berüch- 
sichtigung der relativen Meilengrösse (Weg. VI: 1 Meile = ca. 7 km und Weg. 
XXIV nur ca. 3 km Luftlinie) zur Lage von Kelm
 ohne weiteres stimmen
 
In Stabekalne des Weg. XX vermutet Mierzynski, loc. cil., eine andere 
Ortschaft und verlegt es s. von Vidukl
. Diese Trennung ist jedoch abwe- 
gig, denn um Stabekalne von der Saltuona aus zu erreichen, gebrauchte 
man einen zweitägigen Marsch, was wohl für Kelm
, aber keineswegs für 
Vidukl
 zutreffen kann. 
1424 hat Kelm
 schon eine Kirche, ZV I 64. 1503 erteilt der König 
Alexander dem zemaitischen Bischof Martin 1lI. (1500-1514) das Recht, 
einige Kirchen, darunter auch Kelm
, selbständig und ohne königliche Zu- 
stimmung mit Pfarrern zu besetzen, loc. cit. 76. 1528 besteht auch ein Kreis 
Kelm
, WA XXIV 66. - Der heutige Name des Ortes Kelm
 muss wohl aus 
.Slabakelmt! umgebildet sein. 
Nach Weg. 676 gehörte zu Stabekalne auch ein W e i k e n ve I d 
 
welches von der "terra Waikina" (s. d.) zu trennen und wohl Vaiguva, Flek- 
ken 12 km n. von Kraziai, gleichzusetzen ist. - Um 1497 verschreibt 


- 


..I
		

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- 68 - 


S. K
sgaila ganz Vaiguv
 der Kirche zu Kraziai, ZV I 73. Spr.: BoiiroBo, 
Gut und Feld an der Knytuva im Kreise Uzventis. 
Sterva, See, 1421 von Vytautas dem bischöflichen Kapitel zu Varniai 
gestiftet, LV I 59 = Sterva - See n. von Varniai. 
Susuckin, von, ij mile bis czu Stabuncaln 1386, Weg. 669; von Milso 
czü Susükendorff, das ist ij mile ca. 1386, loc. eil. =? - Nach Weg. VI u. VII 
lag das Dorf auf dem Wege von Milso nach Stabuncaln je 2 Meilen von 
beiden entfernt. Hirsch, Weg. loc, cil. Anm. 1, und nach ihm Heinrich, 
Beiträge (s. die Karte), haben Susuckin ohne Grund mit Saudininkai w. von 
Kelm
 an der Dubysa identifiziert. Die Entfernung von 20 km Luftlinie 
zwischen MilZuv
nai und Kelm
 ist für die in den Wegeberichten angege- 
benen 4 Meilen durchaus nicht klein und daher ein Abbiegen der Reise- 
route nach Osten unwahrscheinlich. 
Sweisna, f1ys 1384, Weg. 667; von der Swexten vbis vf daz feIt Ba- 
reykin iij mile 1387, loc. cit. 664=SvekSnale, Bach bei Sv
ksna.-Swexte 
stimmt lautlich mit der aus dem XVI. Jahrhundert überlieferten Namen- 
form des heutigen Städtchens Sv
ksna - WBeKwTbl (neben WBeKwHbl) 
überein, Spr. Es scheint also neben SvekSna eine Nebenform *Sveksta exi- 
stiert zu haben. 
Swintove, von der, iiij mile bis czü deme f1ise Saltüne 1385, Weg. 
677; VOn der Swintov 1393, loc. eil. 678; Swinton 1395, loc. cil. 676; An 
der Swintoppe scheidet man von der Memil 1395, loc. eil. 678; Swentoyn, 
das do gar ein lunisch flis ist 1406, CEW 136; ex opposito eiusdem flu- 
minis Swantha alias Swantona 1420, loc. eit. 494; fluvium Swantha, ubi 
intrat Niemen 1422, loc. cil. 552; das dritte fleiz heysset Swentove, Weg. 
709 = Svento;i, Grenzfluss w. von Jurbarkas. 
Tenjagaln, yns lant, das ist vj mile (d. h. von Betygala) 1386, Weg. 
.686; und einer (d. h, gisei) von Thanyagel 1406, CEW 123; lant . .. Tha- 
nyagel noch nicht gericht han 1406, loc. cit. 127; B0J10CTb TOH.D.SlKrOJ1a 
1528, W A XXIV 66; Stanislao Jacobi Skoph... Tenutario... Tondagelensi 
1529, Dogiel IV 261; do wlok wsi Tendziagotow 1559, WA XXIV 209; 
TOH.D.SlrOJ1a, Gut im Kreise Tendziogala, Spr. = Tendiiogala, Gut 11 km 
sw. von Gril]kiSkis, Kreis KMainiai. - Hirsch, Weg. 686 Anm. 10, durch 
die falsche Uberschrift des Wegeberichtes "VIf Kawen vnd Tracken", wel- 
che in der Handschrift ß fehlt, irregeführt, wollte Tenjagaln in Vandziogala 
ö. ,'om Neveiis wiederfinden. Ebenfalls falsch hat es Mortensen, Litauen 257, 
mit Singaliai 2,5 km nö. von Josvainiai identifiziert, woraus der Verfasser 
auch verkehrte Schlüsse über die Besiedlung von Ostzemaiten zog. 
Der Kreis Tendziogala umfasste im XVI. Jahrhundert das Gebiet zwi- 
schen Zaiginys, Siaul
nai, Radviliskis, GrinkiSkis, Vosyliskis und dem Moor 
I1gsiJis. Die von Jakubowski gezeichnete Kreisgrenze bedarf einer bedeuten- 
den Korrektur. Der mittlere Lauf der Susv
 s. von GrinkiSkis gehörte, nach 
Ausweis der bei Spr. verzeichneten zahlreichen ON, noch zum Kreise Jos- 
vainiai. Das Gebiet nw. von Siaul
nai ist hingegen zum Kreise ViduklE' 
zu schlagen. 
Tilgauten, von Maudillevelde ij mile bis czu, das veld 1395, Weg. 
675 =? - Lag auf dem Wege von Maudille (s, d.) zur Nereathe (s. d.). 
Towrogeny, predia... cum familia ilIibera et omnibus villanis (1417), 
,Opisan. V 4. = 7 allragenai, Dorf 6 km s. von Tryskiai - Für die Jahreszahl 
vgl. Luknyk.
		

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(237) 


Tracken, regiones vastavit... 1367, H. v. Wartberge 89 = Trakinial, 
Dorf 13 km sw. von Raseiniai. - So identifiziert Strehlke, loc. cit. Anm. 4, 
mit Rücksicht auf andere bei dieser Kriegsreise erwähnte Ortschaften. 
Traplauken, vf eyme 
elde,... iij mile von der Santake 1394, Weg. 
679; CeJlOM"b TpOneHOM"b 1561, WA XXIV 234; Tpenbl, Tponbl, TponSlHbl, 
Gut und Feld, bald zum Kreise Vidukl
, bald zu Kraziai gerechnet, Spr. = 
1 rapai, Dorf und Vorwerk 2,5 km nw. von Skaudvil
. 
Twertekaymen s. u. Medenickam. 
Wadachte s. u. Salweythe. 
Wayken, proccessit contra territorium dictum, 1294, Dusb. 159; 
intraverunt territorium Waykinam; rapina et incendio tarn castrum quam 
alia edificia destruentes 1322, 10c. cil. 186, vlg. Sambo 287; territorium, 
quod dicitur Wayken, incendio vastaverunt 1;330, Dusb. 217; devastans di. 
vertit se in... Wayken 1355, Wig. 521; venit ad flumen vulganter Meto- 
wen dictum et consequenter simul lranseunt in terram Wayken 1357, loc. 
eil. 523; intrant terram Wayen 1370, loc. cil. 569, vgl. H. v. Wartberge 
98; fecit insultum Letwinis in terram Wayken 1375, loc. eil. 108; von Saü- 
ten ijmileindas lant czü Wayke 1385, Weg. 688; BOHKBHTS/«Vaik-+vieta 
,Ort'), Grundstück des Gutes PeHKJ1I.1 an der AIsa im Kreise Vidukl
, Spr. = 
Vejllkai, Dorf 3 km s. von Vidukl
. - Diese Indentifizierung wird durch 
die Marschrichtungen bestätigt, so Dusb. 186: Waikina - Raseiniai - Ario- 
gala und Wig. 5ti9: Kaltin
nai - Wayken - Raseiniai - Ariogala - Gaizu- 
va - Kulautuva. Auf der Reise von 1357 überschreitet das Ordensheer, 
aus Preussen kommend, die Mituva, zieht weiter nach Wayken, bleibt hier 
über Nacht und "in cra
tirum summO mane properant in terr am" Rasei- 
ni ai. - Das heutige Vaikiq laukai 5 km sw. von Laukuva, bei Spr. BOHKl1 
oder BOHKIO JlOBKaC"b, liegt zu weit von Raseiniai, um hier gemeint 
zu sein. 
Waykowsoppe S. u. Vidukl
. 
Wange, Nomina autem terrarum... 1253, PU J2 35; Wangen et Carsou- 
we terras 1253, loc, eil. Jl 206; Wanghe 1257, loc. cil. I:! 35; von Seme- 
gallen will man... in das lant czü Wangen 13h5, Weg. 679 = BOHreHTe, 
Gut an der Ancia bei den Gütern Bütvilai, Krazlai und dem Dorfe Antinin- 
kai im Kreise Kraziai, Spr. - Die alte "terra Wange" ist also am Oberlauf 
der Ancia sw. von Kraziai zu suchen. Zurlakowski, AM XLIII 148 Anm. 1, hat als 
erster auf den Zusammenhang von Wange mit dem "Iant czü Wangen" 
der Wegeberichte hingewiesen. Falsch Sjögren, Jatwägen 230 Anm. 218. 
Unwahrscheinlich ist auch dIe Annahme von K
trzynski 16, wonach Wange 
= Vangai an der Memel, 6,5 km s. von Darsüniskis, sein soll. Der Ort ist 
weder aus den Wegeberichten, was wegen des oft als Reiseziel geltenden 
DarsüniSkis zu erwarten wäre, noch aus dem XVI. Jahrhundert bekannt. 
Wegen des vollständigen Mangels an Zeugnissen für das Alter von Vangai ist 
die obige Identifizierung unzulässig. 
Warlen S. u. Medenickam. 
Warnen s. U. 
Warnestilte s. U. " 
Weikenveld S. u. Stabuncaln. 

 Welsebow, wald, genant 1393, Weg. 672 =? - Lag an der obe- 
ren Sysa. 


-
		

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- 70 - 


Wenewange, Von dannen (d. h. Nemagste) czu dem borgwalle, 2-1 
mile 1395, Weg. 677; von dem flisse Waykowsoppe bis in das lendechen 
Wenewaygene Ij myle, loc. cit. 688 =- BHHBoHrSlHbl, Gut im Kreise Vidukl
, 
zwischen den Ländereien der Güter Vidukl
 und LipklSk
 liegend, oder 
BH/iMOHrSlHbl im Gute Vidukl
, Spr. - Genauer ist die Lage von Wene- 
wange nicht festzulegen. Die Besitzungen des Gutes Vidukle umfassten 
unter anderem die heutigen Dörfer: Paliepiai, Jukainiai, Girzadai (Spr.: 
rHp>KHlI.OHTe) und die nicht mehr vorhandenen BHHMoHrSlHbl und (10- 
OHTe (d. h. an der AnCia), Opis 111 137. Die Wegrichtung weist auf den 
NW von Vidukl
 hin. 
Versevene , in, pernoctando 1370, H. v. Wartberge 96; BHp>KOBSI/ibl 
Dorf 1507, Opisan. V 2 = Viriuvt!nai oder Janapolis, Kirchdorf 9 km n. 
von Varniai. - 1421 wird der Bezirk Vir
uvenai von Vytautas dem zemai- 
tischen Bischof Matthäus I. verschrieben, ZV I 59. Der Nebenname Jana- 
pol
 wurde dem Ort vom Bischof Johannes Lopacinski (1762 - 1778), 
welcher seine Residenz hierher verlegte, beigelegt, loc. cit. 224 f. 
Wewerse, von der Menye sint iij deine mile vff die, 1384, Weg. 667; 
von Wewerzege czu Sawlawken iij mile 1388, loc. eit.; man mus bruken 
obir die Weywirs, loc. eit. 665; nad rzek
 Wiewierz
 1563, WA XXV 415, 
433 f, 437 = Veivirias, rechter Zufluss der Minija. 
Vidukle. Sie streifften durch... Duclen 1352, Schütz 519; intravi, 
terra m Viduckelen eeiam vastando 1371, H. v. Wartberge 98; intrat terram 
Weduden... et vi oppressit paganos, pernoctans ibidem 1372, Wig. 571; 
in terra Wenducke in multipliei dampno steterunt 1377, loc. eit. 586; vgl. 
H. v. Wartberge 113 f; veniunt in Veduden 1378, Wig. 595; von Seme- 
gallen wil man czü Wedukellen 1385, Weg. 679; us dem lande czu Wi- 
 
duckel1390, CEW 23; land Weduck]en 1399, Weg. 674; Von Sa]tüne iiij 
mile bis czu Wedükkelen 1385, loc. eit. 677; in das land czu Weducke]en 
1393, loc. cit. 678; Von der Hant iiij mile in das lant czü Wedukke]en, loc. 
cil. 676; dirgobin sich etliche land... Wydock] 1405, Pos. 276; von Win- 
dockein 1406, CEW 123; von Widocke]n 1406, ]oc. cit. 128; us anderen 
ge bitten als us von Duda 1418, loc. eit. 411; Y BHlI.YKßSlX"b, RIB XXVII 
75, 117 (aus der Regierungszeit Kasimirs 1440-1492); BOßOCTl1 BHlI.YKJ1eB- 
cKOi:1 1522, WA XXIV 21; BHlI.YKJ1e, Gut im Kreise Viduk]
, Spr. = Vidukltt 
Städtchen 14 km w. von Raseiniai. - 
Über die ursprüngliche Ausdehnung der Landschaft Viduk]
 erfahren 
wir aus den Quellen nichts. Nur Weg. 688 heisst es: "in das land czu 
Wyduda off eyn flis, das heist Waykowsoppe" = BeHKSlBcynHC"b, BOHKSJ, 
Flüsschen bei BlinstrubiSk
s in Kreise Vidukle, Spr. - 1560 wird ein zum 
Dorfe Silaukis (WYH0J10B"bKH) gehöriger Heuschlag "CeHO>KaTb 3"b 3apocmo 
BPO'lHLlI.OM"b BaHKaHyne" erwähnt, WA XXIV 227. - Ob der Name auch 
noch heute fortlebt, konnte nicht ermittelt werden. Falsch Heinrich, Bei- 
träge 65. 
Im XIV. ynd XV. Jahrhundert gehörte Viduk]e zu den führenden Land- 
schaften von Zemaiten. Vier Vertreter dieser Landschaft unterzeichnen den 
Königsberger Vertrag von 1390, CEW 23. Anfang 1405 zwingt der Orden, 
mit Vytautas' Hilfe, Vidukl
 nebst anderen Gebieten zur Unterwerfung. Das 
Land verpflichtete sich Geise]n zu stellen, welche jedoch erst im Januar 
1406, sechs an der Zahl, durch den Vogt von Zemaiten nach Preussen
		

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			-. 71 


(239) 


geschickt werden, loe. cit. 123. 1418 macht der zemaitische Hauptmann 
K
sgaila mit den "gutten luthen" von Vidukle und Ariogala eine Strafex- 
pedition gegen die aufständischen Bauern von Raseiniai, loe. eit. 41l. 
Zu Vytautas' Zeit bildete Vydukle einen Kreis, Dlugosz, Hist. Pol. lib 
XI 344, und bei der Christianisierung des Landes erhielt es eine Kirche. 
Die bei Jakubowski angegebene Kreisgrenze des XVI. Jahrhunderts ist wie 
folgt zu berichtigen. Von Batakiai verläuft die Grenze fast gerade in nö. 
Richtung bis zu einem Punkte sö. von KeIme, wobei Nemaksciai etwa 5 km 
sö. von dieser Grenze zu liegen kommt. Von hier läuft die Grenze mit 
einer kleinen - auch von Jakubowski bezeichneten - Ausbuchtung nach 
Süden, zu beiden Seiten der Dubysa auf das Moor Tyru li ai bei Siauliai 
zu, biegt nach Radviliskis ab und wendet sich wieder, ohne es zu berüh- 
ren, nach SW, umgeht in einem Bogen (nach Süden) Siaulenai und er- 
reicht in einer wiederum doppelbogigen Lime sö. von Lyduvenai die Du- 
bysa. In ihrem weiteren Verlauf stimmt die von uns ermittelte Süd- und 
Südostgrenze des Kreises mit der von Jakubowski überein. 
Wilhun, processit antre castrum, ... suburbium... eum multis easis 
eremabant, 1315 Sambo 286; inter Welyn et Beisten 1336, Wig. 490; in 
quadam insula ex opposito Welov 1337, Sambo 281, vgI. Wig. 493; obse- 
dit castrum Velym 1339, loe. cit. 497; venissent trans fluvium Mimle ante 
eastrum Wilawense 1343, SRP II 735; eonvertit se contra castrum Welun 
1348, Wig. 514; venitque cum toto exercitu juxta... Welow 1348 (?), loc. 
eit.; A Pisten transeunter in obsedionem Welun 1357, loe. cit. 523; tran- 
siitque navigio in Welun... inpugnant castrum 1360, loe. cit. 524; procla- 
mabat... exercitum... contra castrum Welun 1360, loe. cit. 525; pretere- 
untes silenter Welun 1362, loe. eil. 531; Welinenses 1362, loe. eit. 538; 
navigio venit in Welun... in quarta die vieit 1363,loe. eit. 540, vgl. loe. 
eit. 546, vgI. H. v. Wartberge 84; in loco, ubi Pisten et Welun pridem 
steterunt 1364, Wig. 543; Reversique invenerunt ablata victualia a Welunensi. 
bus 1366, loc. eit. 557; veniunt ante Welun; quod percipientes in eastro 
bayores... soli... domum... eoncremabant 1367, loe. eit. 559, vgl. H. V. 
Wartberge 89; von dem flise (d. h. Kuwalke) vordan obir eynin ort Welu- 
nenfelt 1394, Weg. 680; daz man daz hous Welun abebreehe 1413, CEW 
256; Daz huws ezu Welune... in des ordens grenezen ist gebuwet 1413, 
loe. cit. 259; ken Welune 1416, loe. eit. 338; ken der Welone qwemen 
1416, loe. eit. 341; bi uns vor der Weluna 1416, loe. cit. 344; Vgl. loe. 
eit. ferner 356 ff, 361, 363; kegin Welunen obir off der Memil 1416, Pos. 
364; off das werdir ken Welin 1416, CEW 371; ezu Weluna uff dem tage 
1417, loc. eit. 380; kehd1 Welona 1418, loe. cit. 413; of der lagerstad bi 
Wolona 1418, loe. cit. 420; Vgl. ausserdem loe. eit. 423, 425 ff, 430, 433; 
bei Weluna 1419, loe. eit. 442; zu Welun 1420, loe. eil. 471; Vgl. weiter 
loe. eil. 494, 496, 499, 502; fliez das heysset Galsune ezwisschen dem Wen- 
ten vnd Welune, Weg. 709; do iczunt herezog Witolt Willune weder recht... 
hot gebuwet, loe. eit. 710; Datum in Weluna 1423, CEW 589; sub ea8tro 
nostro Weluna 1423, loe. eil. 690; tzu Welunen 1424, loe. cit. 684; ezu 
Welun 1425, loe. ciL 704; uff der Memel uf dis seit Willun 1430, loe. cit. 
928. vgl.loc. cit. 940; y-Bö OtiKrYB1>. 38 Ml-lnlQ OTö BeneHbl 1493, RlB XXVII 
138; HaMeeTHI-IKY BeneHbcKoMY 1509, loe. eit. 632; BenioHcKoe BonOCTH 
1528, W A XXIV 70; BeneH8, Krongut mit Stadt im Kreise Veliuona, Spr. = 
Veliuona an der Memel w. der Dubysamündung. - 


--
		

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72 - 


Die von den Litauern in dem "territorium" Junigeda 1291 errichtete 
f- Burg führt erst seit 1315 den heutigen Namen Veliuona (s. o. Junigedam). 
. Sie wurde dank ihrer Lage als Einfallstor nach dem .nneren von Litauen, 
zu einem der am meisten umkämpften Punkte während des ganzen deutsch- 
litauischen Krieges. Erst i. J. 1348, nach 57 Jahren harten Kampfes und 10 
Belagerungsreisen, wobei die Vorburgen 5 mal verbrannt wurden, gelingt 
es dem Orden die Heidenburg zum erstenmal zu bezwingen. 1357 erscheint 
die Feste wieder aufgebaut und wird 1357 und 1360 belagert, bis sie 1363 
nach drei- oder sogar zehntägigem Belagerungskampf von neuern dem Boden 
gleichgemacht wurde. Aber schon i. J. 1366 nehmen die "Welunenses" 
dem Ordensheer den für die Rückreise aus Ariogala am Bach Raudon
 zu- 
rückgelassenen Proviant (victualia) weg. Und als im nächsten Jahr (1367) 
der Hochmeister Winrich von Knieprode vor Veliuona erschien, geschah es, 
dass "in castro bayores et ceteri ceperunt timere" und verbrannten selbst 
die Burg "cum omn; continentia", Wig. 559. 
Mit diesem Jahr verschwindet Veliuona für ein halbes Jahrhundert 
vom Kriegsschauplatz und wird nur in den Wegeberichten als" Welunenfelt" 
erwähnt. Nach der Niederlage des Ordens bei Tannenberg (1410) wird die 
Burg Veliuona 1411 von neuem errichtet. Vytautas und Jogaila sollen beide 
bei diesem Bau persönlich anwesend gewesen sein. 1412 war die Burg mit 
400 Mann unter einem Burghauptmann besetzt und an der Memelseite mit 
Palisaden und Pfählen befestigt, CEW 232. Noch im Mai 1413 schreibt 
der Hochmeister an den cechischen KOnig, dass Vytautas noch immer "lit 
in der buwunge des huwzes Weltm", loc. eil. 263. Der Orden führt dau- 
ernd darüber Klage und fordert das Niederreissen der Burg, loc. eil. 247, 
251, 265 und passim. 
Die frühere Bedeutung erlangte die neuerrichtete Burg aber nicht und 
ihr weiteres Schicksal ist uns vollständig unbekannt. 
Wegen der günstigen Lage an der Memel wurden häufig in Veliuona 
oder in deren näheren Umgebung die sogenannten "Tage" (Verhandlun- 
gen) abgehalten, nämlich: 15.-17. Oktober 1416, 13. Oktober 1418, 8. Sep. 
tember 1420, 9. Mai 1423, loc. eit. 365, 426, 494, 580. 
Die Bevölkerung der Landschaft muss für jene Zeit durchaus nicht 
gering gewesen sein, denn die Gefangenenzahl während der zweimaligen 
Zerstörung der Burg (1348 und 1363) erreichte 2000. Dass wir hier mit 
der ortsansässigen Bevölkerung und nicht mit der Besatzung einer in der 
Wildnis angelegten Burg zu tun haben, beweisen folgende Tatsachen: 
I. Unter den 1500 1. J. 1348 nach Samland weggeführten Gefangenen 
befanden sich nach Wig. 514 auch "mulieres et infantes" . 
2. Der nach der Einnahme von Veliuona 1. J. 1363 in der Gefangenschaft 
ermordete Burghauptmann Gostautas (Wig.: Gastot) gehörte wahrscheinlich 
einer damals um Veliuona ansässigen Adelsfamilie an, welche wir später 
in Kulva
. jenseits des Neveiis, wiederfinden, Wig. 540 Anm. 654. 
3. Uber die 1294 nach Pista, ö. von Veliuona an der Dubysa, ge- 
machte Reise berichtet Dusb. 158: "profecti sunt ante castrum Pistarn, et 
et totum gregem pecorum receperunt; occisis multis infidelibus, LXX homi- 
nes captqs deduxerunt". 
4. Uber die im Herbst des Jahres 13i8 verbrannten Vorburgen von 
Junigeda und Pista sagt unser Chronist: "que (d. h. suburbia) tunc fm- 
mento de novo introducto superabundabant", loc. eil. 184. 


.
		

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			. 


- 


. 


- 73- 


(241) . 


Es ist also ausser Zweifel, dass die Landschaft Junigeda, die Burgge- 
biete von Veliuona und Pista, zu Anfang der deutsch-litauischen Kämpfe ein 
besiedeltes und unter Kultur stehendes Land war. Erst nach einem halben 
Jahrhundert Verwüstungskrieg wurde es mit dem Fall der Burg zur Wildnis, 
um kurz nach 1400 wieder neu besiedelt zu werden. 
Die spätere territoriale Ausdehnung des Kreises Veliuona, welcher übri- 
gens schon zu Vytautas' Zeit als "districtus Wyelunya", Dlugosz, Hist. PoL 
lib. XI 344, bestanden hat, ist aus der Karte von Jakubowski zu ersehen. 
Die erste Kirchengründung VOll Veliuonl! fällt in das Jahr 1417, Polska 
i Litwa 102. Diese Kirche ist aber augenscheinlich von den christenfeind- 
lichen Aufständischen im Sommer 1418 verbrannt worder., denn im selben 
Jahre liess Vytautas "weder buwen eyne kirche zcu Welunen... und lys dy 
kirche dornoch wyen den bischoff von der Wille (= Wilna), als man den 
tag hilt noch senthe Michils tag (nach dem 29. September)", Pos. 376. 
, Hiernach ist Mortensen, Litauen 62, nebst seiner Quelle zu berichtigen. 
Wlngenveld, von dannen ij mile truge dameraw in das land czu Me- 
deniken 1393, Weg. 613;,BHHfH, Dorf im Kreise Karsuva, Spr. = Vinginin- 
kai, Dorf 2 km SÖ. von Sllale. - Wingen-, BHHfH <*Vingiai: vingis ,Wiese 
oder Acker an einer Flussbiegung'. Zur Ableitung vgl. Kark/t!, Karkelbeck 
n. von Memel : karklininkai ,Einwohner von Karkle'. 
Wint, transiverunt silvam, dictam, 1317, Dusb. 184; von Wentin dem 
walde, vnd troffen die Mittow vor dem lande 1395, Weg. 675 f; versus ocei- 
dentem dicti castri Weluna ex una parte fluvii Nemen villa, que vocabatur 
Woygowa (= Vaiguviskiai 4,5 km sw. von Veliuona an der Memel) et ex 
alia parte fluvii Nemen sllva dicta Ventus, que alias sancta in paganismo 
vacabatur 1415, Wig. 540 Anm. 654; nedwenig de Weluna wol eine halbe 
meil, do etwenne Samaytischer heiliger walt gewest ist, Wentis genant 
1416, CEW 357; umb den Wenten... unser leger haben 1416, loc. cit. 360; 
umbelang Wentis dem walde 1416, loc. eit. 362; eyn fliez das heysset 
Galsune czwisschen dem Wenten vnd Welune, Weg. 709 =?- 
Nach den oben angeführten Quellen lag der heilige Wald eine halbe 
Meile w. von Veliuona an der Memel gegenüber dem heutigen Dorf Va i- 
guviskiai. Dies ist wenigstens die Ostgrenze des Waldes. Wie weit er sich 
nach Westen erstreckte, wissen wir nicht. Die Behauptung von Hirsch, 
Weg. 676 Anm. 1, und Weber, Preussen 546 f, wonach sich der Wald von 
Veliuona die Memel entlang bis zur Sventoji w. von Jurbarkas hingezo- 
gen haben soll, wird von den Quellen nicht bestätigt. Die oben angeführte 
Stelle aus den Wegeberichten, worauf Weber seine Behauptung stützt, be- 
weist gerade das GegenteiL Die angegebene Entfernung von 2 Meilen, 
zwischen der Mituva und Pomedie (= Pramedziuva), passt überhaupt nicht 
zu der ca. 37 km langen Luftlinie Pramediiuva - untere Mituva bei Jur- 
barkas und entspricht am ehesten der Senkrechten, welche vom oben ge- 
nannten Orte nach der oberen Mituva führt und ca. 11 km lang ist. Also 
ist der Ausgangspunkt des Weg. XIX an der Ostseite des Waldes Wint und 
nicht bei Jurbarkas zu suchen. Vgl. auch Heinrich, Beiträge 63 und Karte. 
Ohne Grund bringt Hirsch, Wig. 652 Anm. 1991, in diesem Zusammenhang 
die "silva profunda et invia" an der Memel, welche bei der Reise nach 
Raseiniai (1393) vom Ordensheer passiert wird. Hier kann ein anderer Wald 
(westlich von Jurbarka
?) gemeint sein, weil das rechte Ufer des Stromes 
zu jener Zeit, und teilweise auch jetzt, stark bewaldet war, CEW 134 ff.
		

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			(242) 


-74 - 


Vlrvycia, Fluss 1421, ZV I 59; BHpBHTa, Fluss, durchfliesst die Kreise 
Birzin
nai und M. Dirvon
nai. Spr. = Viruytia, linker Zufluss der Venta. 
Worlschken s. Arisken. 
Wredaw, von, off das flies czü Oppythen... ij mylen, Weg. 688; Be- 
pallOBO, BepSlllOBo und BSlPYllOBHIJH, Dorf und Gut im Kreise Ariogala, 
Spr. = Vereduva, Vorwerk 7 km nö. von Ariogala an der Dubysa. - Kaum 
1 km vom Vorwerk entfernt liegt noch ein Dorf Vereduvait
. 
Wunpelawkln, von Skrunden czu, ist ij mile ca. 1385, Weg. 671 x: 
BaMnYJIaBKac'b, BOMnYJIaBKaC'b, Grundstück beim Dorfe 51>JlS1HbI und dem 
Bach POHrSl im Kreise Pajuris, Spr. - 51>JISlHbI ist das heutige Bilioniai 5 km 
sö. von Laukuva. 


v. Die Wildnis. 


1. Allgemeines. 
Der sogenannten W i I d n i s, der sol i t u d 0, dem des e r turn der 
lateinischen Chroniken, welche Ende des XIII. Jahrhunderts mit ihren fast 
ungangbaren Sümpfen und Wäldern die zwei feindlichen Lager, Litauen 
und Orden, trennte, wurde bis jetzt wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Ihr 
Vorhandensein war ja dem Historiker gut bekannt, aber über deren Be- 
deutung für die Siedlungsgeschichte und die völkischen sowie sprachlichen 
Verhältnisse von Preussisch-Litauen und dem westlichen Gross-Litauen 
waren wir im Unklaren. Wir hatten nicht einmal einen deutlichen Begriff 
von der tatsächlichen Ausdehnung dieser Wildnis. 
Die Schuld für ihre Entstehung wurde einfach dem Orden in die Schu- 
he geschoben: er hätte die Wildnis ab sie h t I ich zur Sicherung des Landes 
vor litauischen Einfällen geschaffen. Auf die teilweise Unrichtigkeit dieser 
Auffassung wollen wir später noch eingehen. 
In der letzten Zeit wurde die Ostgrenze der Wildnis um 1400 von 
Heinrich. Beiträge 44 fft wtreffend. jedoch mit verfehlten Rückschlüssen 
für die frühere Zeit behandelt. Vgl. noch Mortensen, Litauen 59 If, und 
Wanderung 177 H. 
Wie weit sich die Wildnis im Westen und Süden ausdehnte, bleibt 
noch. ungeachtet der hier und da in der Literatur verstreuten Bemerkungen, 
zusammenfassend zu untersuchen. 
Wir wollen uns hier auf den zum historischen Zemaiten gehörenden 
Teil der Wildnis beschränken, denn nur dieser ist für uns in diesem Zusam- 
menhang von Interesse. 


2. Alter und Entstehung. 
Die von ihr ermittelte Wildnisgrenze um 1400 versucht Heinrich. loc. 
cit. 51 ff. auch in Bezug auf ihr Alter näher zu bestimmen. Nach längeren 
Ausführungen fasst sie das Ergebnis foJgendermassen zusammen: "Der Ein- 
klang der historischen Zeugnisse zeigt. dass die südkurländischen Land- 
schaften und da; im Süden anschliessende Gebiet zwischen dem Kurischen 
Haff. der Memel und der samogitischen Hochfläche schon Mitte des 13.
		

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(243) 


Jahrhunderts im Zustand der Wildnis war.", loc. cit. 59. Vgl. auch Morten- 
sen, Wanderung 184 ff. 
Wir können dieser Ansicht nicht folgen, denn die geschichtlichen 
Quellen besagen das GegenteIl. 
Wie wir oben S. 188 ff schon sahen, waren die vier südkurländischen 
Landschaften (Ceclis, Duwsaren, Megowe und Pilsaten) Mitte des Xlii. Jahr- 
hunderts ja bewohnt. Gleiches ist auch für Karschauen (s. d.) festgestellt 
worden, nur mit dem Unterschied, dass hier eine ausdrückliche Erwähnung 
der Bevölkerung eIst aus dem Jahre 1303 stammt, Dusb. 169. 
Es bleibt nur noch übrig-, auf den zwischen der Memel und der Du- 
bysa eingeschlossenen Teil der iemaitischen Wildnis von 1400 näher einzu- 
gehen. Heinrich loc. cit. erklärt auch dieses Gebiet sei bereits Mitte des 
XIII. Jahrhunderts unbesiedelt gewesen. 
Dagegen spricht folgendes: 
1. Über das Gebiet der späteren Wildnis waren die zemaitischen Bur- 
gen, nämlich 0 u k a y m, Bis e n a. Cola y n e. J uni g e da und Pis ta 
(vgl. oben SS. 227 f. 207, 218, 215 f, 230) verstreut. Sie werden Ende des 
XIll. und Anfang des XIV. Jahrhunderts nach dem Beginn des deutsch- 
litauischen Krieges (1283) vom Orden mehrere Male belagert und zerstört. 
Die Burggebiete wurden dabei, wie die Chronisten ausdrücklich berichten, 
mit Feuer und Schwert verwüstet. 
Der Einwand Heinrichs, loc. cil. 52 f, "es besteht die Möglichkeit, 
dass sie (d. h. die vier letzten der oben genannten Burgen) an der Memel im östli- 
chen Samaiten, in der Nähe oder innerhalb der Siedlungsgrenze von 1400 
lagen", ist nicht stichhaltig, denn aus der vorgenommenen Lokalisierung 
jener Burgen ersieht man, dass sie keineswegs innerhalb dieser Siedlungs- 
grenze, einige sogar ziemlich weit von ihr entfernt gelegen haben. 
Der zweite Einwand, dass es sich hier um Wildhäuser handele, loc. 
cil. 53, ist ebenso unbegründet. Die Burggebiete jener 5 Burgen waren, 
wie an den betreffenden Stellen oben dargelegt is.t, zur Zeit der ersten Orden
- 
angriffe bewohnt. Selbst das Beispiel der loc. eil. zum Vergleich herange- 
zogenen preussischen Wildhäuser ist nicht einwandfrei. Ragnit und die 
Schalauerburg sind ursprünglich keine Wildhäuser, sondern waren Ende 
des XIII. Jahrhunderts (Ragnit 1289 und die Schalauerburg 1293) im scha- 
lauischen Siedlungslande angelegt worden, Dusb. 151. 
Besiedelt war auch die Memelgegend, wo der Orden 1313 Kirsmemel 
(s. d.) erbaute. 
Wir müssen also Krumbholtzs Ausführungen, AM XXVI 198, immer 
noch Recht geben. 
Ferner berichtet Dusburg, dass die Litauer von jenseits der Memel Preus- 
sen benachbart seien und dass der Ragniter Komtur Ludwig von Libenzelle 
1294-1300 alle Litauer an der Memel von der Nare (=Neris) bis zur "terra 
Lamotina" unterworfen habe, Dusb. 51, 159. 
Die von Heinrich loc. eit. 53 f angeführte Urkunde über die Grenz- 
bestimmung des Bistums Kurland durch den päpstlichen Legaten Wilhelm 
von Modena vom J. 1237, BUl I 196 {f, ist für die Festlegung der West- 
grenze Zemaitens belanglos. Um jene Zeit kannte der Orden Litauen nur 
von Livland aus. Zu einer unmittelbaren Berührung war es jedoch auch 
hier nicht gekommen. Über die südkurländischen Landschaften ist aus den
		

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Quellen dieser Zeit noch nichts bekannt. Und das ist ja verständlich, denn 
1229/30 unterwarf sich Nordkurland zum erstenmal, BUl I ] 34 ff. 
Der preussi
che Orden kannte Litauen damals überhaupt wohl nicht 
direkt. Die noch nicht unterworfenen preussischen Landschaften Samland, 
Nadrauen, Schalauen und Sudauen trennten ihn von diesem Lande. 
Won wem sollte also dem italienischen Bischof eine genaue Auskunft über 
das zu teilende unbekannte Land gegeben werden? Mit Recht bemerkt 
Bielenstein, Grenzen 107, über diese Grenzziehung: "Natürlich sind die An- 
gaben über noch ganz unchristianisierte und uneroberte Landstriche (nach 
Süden und Südosten) nur eine vage Theorie und ein Ideal". 
Um die geographischen Kenntnisse des Legaten zu beleuchten, führe 
ich aus BUl I 238 folgenden Passus eines seiner Briefe von 1245 an: "cer- 
turn sit nobis et omni homini, terra rum iIIarum habenti notitiam, quod Cu- 
ronia seu Curlandia inter regiones Pruciae totaliter computatur" (!). 
Wir kommen also zu dem Ergebnis, dass all e die Ge b i e ted e s 
heu t i gen Z e mai t e n, w e Ich e u m I 400 i m Z u s t a n d e ein e r 
Wildnis waren, in der Zeit VOn der Mitte des XIII. bis An- 
fang des XIV. Jahrhunderts, - also bei ihrem Eintritt in 
die Geschichte, - eine ortsansässige und stellenweise 
nicht geringe Bevölkerung aufweisen. 
Nun fragt es sich, warum und auf welche Weise ist das früher 
bewohnte Land zu einer siedlungslosen Wildnis geworden. Verdankt die 
Wildnis von 1400 ihr Dasein einem plötzlichen Ereignis oder ist sie das 
Ergebnis einer längeren Entwicklung? 
Wir wollen zuerst die letztere Frage zu beantworten versuchen. Da- 
rauf wird auch die Antwort auf die vorausgehende leichter zu fin- 
den sein. 
Betrachten wir aufmerksam die erste Zeit des deutsch -litauischen 
Krieges, so stehen wir vor der Tatsache, dass der um alle in Preussens 
Nähe gelegenen zemaitischen Burgen gleich nach 1283 entbrannte heftige 
Kampf nur ein paar Jahrzehnte dauerte, um mit der Zerstörung jener Bur- 
gen sein Ende zu nehmen. Ich stelle diese Burgen mit den Daten ihres 
ersten Auftretens und des endgült:gen Verschwindens im folgenden zu- 
sammen: 


Bisena 
Colayne 
Oukaym 
Junigeda- Veliuona 
Pista 
Putenicka 
Scroneyte 
Bibberwaten 


1283 -1313, 
1290-1291, 
1285 - zwischen 1328 und 1345, 
1291 (Burg seit 1315) - 1367, 
1293 - 1363, 
1307 - 1328, 
- -1307, 
- -1307. VgI.SS. 207,218, 227f, 215f,230, 201. 


f 
). 


Die Jahreszahlen des Eingehens dieser Burgen sind der terminus a quo 
für die Schaffung der Wildnis in der betreffenden Gegend. 
Hieraus ersieht man weiter, dass sich im allgemeinen die e n t I e- 
gen s t e n Bur gen (Veliuona, Pista...) ami ä n g s t e n be hau pt e t 
hab e n, was ja in der Natur der Sache liegt.
		

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			- 


- 77- 


(245) 


Im Jahre 1345 gilt der letzte, jedoch misslungene Zug Oukaym (cam- 
pus Augken) und 1364 wird noch das Land Mitow (= an der Mituva) ver- 
heert. Vgl. SS. 227 f, 226. 
Wie aus dem obigen zu schliessen, hat t ein Mit te 1- und S ü rl z e- 
maiten die Wildnis etwa in den Jahren 1370-1375 die 
Grenze von 1400 schon erreicht. 
Die Entvölkerung des südlichen Wildnisgebietes dau- 
erte also nicht ganz ein Jahrhundert und ging in der Rich- 
tun g von SW na c h NO vor si c h. Karschauen zum Beispiel wird schon 
1307, wenn auch nicht vollständig, entvölkert. Dagegen konnte der Orden 
noch 1348 aus Veliuona nach der Einnahme der Burg 1500 "viros, mu- 
lieres et infantes" nach Samland bringen. Vgl. S. 240. 
Über das Vordringen der Wildnis im kurischen Nordzemaiten sind 
wir nicht unterrichtet. Seit Ende des XIII. Jahrhunderts ist über jene 
vier Landschaften fast überhaupt nichts zu hören. Wie oben S. 193 dar- 
gelegt wurde, war das Land J 392 fast wüst und von den Einfällen 
der Litauer bedroht. Aber der Gesamtcharakter dieser Wildnis war woh
 
von der südzemaitischen verschieden. Diese noch "am ansprunge der 
heidenschaft gelegen", also nicht ganz menschenleer, und die letztere -eine 
Wildnis im wahren Sinne des Wortes. Über die Zeit dieser Verwilderung 
wissen wir nichts Genaues. Vermutlich ist sie erst nach der Übergabe von 
Memel an Preussen i. J. 1328 eingetreten. 
Die Antwort auf die Frage nach dem Warum und Wie der Entstehung 
der Wildnis ergibt sich nun von selbst: sie ist ein e na tür li c h e- 
Folge des deutsch-litauischen Krieges. 
Vor dem Beginn dieses Krieges gab es, wie wir schon gesehen haben, 
keine Wildnis und nach dessen Ausgang infolge der Schlacht bei Tannen- 
berg (1410) muss sie, wie wir später sehen werden, wieder der vom Osten- 
vordringenden Besiedlung weichen. 
Ob die Bevölkerungszahl jener ZiU Wildnis gewordenen Landschaften 
klein oder gross war, das ist für uns hier gleichgültig. Es genügt die eine 
einzige Tatsache, dass sie überhaupt vorhanden gewesen ist. 
Dass der Orden die Wildnis weder "gewollt" noch sie aus strategischen 
Gründen planmässig geschaffen hat, darin ist Mortensen, Wanderung 190, 
ohne weiteres zuzustimmen. Aber der anderen von ihm loc. cit. 189 f 
verneinten These, "dass der Orden durch seine kriegerischen Massnahmen 
die Völkervernichtung bewirkt habe", müssen wir trotzdem Recht geben_ 
Für Südzemaiten trifft es jedenfalls ohne weiteres zu. 
Das gleiche ist auch über Nadrauen, Sudauen und zum grössten Teil 
auch Schalauen zu sagen. Es liegt kein Grund vor, die diesbezüglichen 
Nachrichten bei Dusb. 132, 135 und 146 anzuzweifeln. Sind die dusburg- 
schen Angaben über die preussische Nationalität der Nadrauer, Sudauer 
und Schalauer durch die neuere Forschung bestätigt worden, weshalb sollten 
wir ihm hier keinen Glauben schenken, wie es Mortensen loc. cit. 189, 
ohne den Namen des Chronisten zu nennen, im allgemeinen getan hat? 
Hätte das östliche Altpreussen, wie Mortensen loc. cit. ausführt, wirklich 
eine geringfügige Bevölkerung gehabt, so ändert das ja nicht das ge- 
ringste an der Tatsache, dass sie in dfn Kämpfen mit dem Orden unterge- 
gangen ist. Das hätte nur den Prozess beschleunigen können. 


-
		

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			(246) 


-- 78 - 


Natürlich erstreckte sich jene Ausrottung nicht bis auf den letzten 
Mann. was ja auch Dusburg mit seinen Worten nicht gemeint hat. Wenn 
Mortensen. loc. cit. 189. sagt. dass seine Ansichten hier mit denen von 
Heinrich übereinstimmen, so ist es wenigstens nach Beiträge 42 nicht der 
Fall. An dieser Stelle lesen wir: "Dusburgs Glaubwürdigkeit über die Aus- 
rottung der Nadrauer und Sudauer kann bei dem Fehlen jeder Nachricht 
über ihren Fortbestand ebenfaIls nicht angezweifelt werden". 
Wenn es weiter bei Mortensen. loc. eit. 190. heisst, der Orden hätte 
gerade aus strategischen Gründen das Land schonen müssen. - damit 
möchte man seine Anteilnahme an der Wildnisschaffung ausschliessen, - so 
ist darauf zu entgegnen, dass der damalige Krieg nicht mit dem der unse- 
ren Zeit verglichen werden darf. 
Die Kriegsscharen des Ordens waren ja keine moderne Armee. welche 
das feindliche Land planmässig besetzt, einen Stellungskrieg führt und da- 
bei, natürlich im eigenen Interesse, nach Möglichkeit noch für die wirt- 
schaftliche Produktivität des besetzten Gebietes sorgt. Der Z w eck der 
Ordensreisen war ja do..ch, durch möglichst grosse Ver- 
h e e run g das La nd zur U be r gab e z u z w in gen. Unterwarf es 
sich dagegen nicht. so machten es die neuen Reisen mit dem üblichen "in- 
cendio et rapina" und "oceisis plurimis et captis" schliesslich zur Wildnis. 
Nur die Gebiete mit einer kompakten Bevölkerung, welche eine feste Orga- 
nisation und dazu einen Rückhalt am übrigen Lande hatte, konnten diesen 
jährli
hen Reisen widerstehen. Daran scheint es aber zu Anfang des Krieges 
den Zemaiten bisweilen gefehlt zu haben. Vgl. Dusb. 159 über die Zwie- 
tracht und die Kämpfe der iemaitischen Fürsten (nobiles per quos Sa- 
methia tunc regebatur) mit dem König von Oberlitauen. 
Über die Ursachen und die Art der. wenn auch teilweisen Verwilde- 
rung der süd kur I ä nd i s ehe 11 Landschaften sind wir im Dunkeln. Vgl. 
jedoch oben S. 192 f. 
Es ist nochmals ausdrücklich hervorzuheben. dass die Wildnis als 
Kr i e g s f 0 I g e weder Selbstzweck noch ein Mittel zum Zweck für den 
Orden gewesen ist. E r hat sie n ich tab s ich tl ich a n gel e g t. 
sondern durch seine Eroberungskriege.. wenn man so 
sag end a r f, u n g e woll t e n t s t ehe n 1 ass e n . 
Es bleibt nur noch übrig die von Heinrich. loc. eil. 59 f, aufgestellte 
Theorie der Wildnisentstehung zu erwähnen. Nach ihr "kennzeichnet sich die 
Zeitspanne auf der Schwelle von der Prähistorie zur geschichtlichen Zeit 
als eine gewaltige Wüstungsperiode auf den Grenzen von Letten, Litauern 
und Preussen". Weiter meint die Verfasserin: "Man wird sich damit begnOgen 
müssen, die Tatsache der grossen Wüstung schon kurz vor der Ordenszeit 
festzustellen. Die Erklärung ihrer Ursachen dürfte kaum gelingen. Zweifellos 
haben kriegerische Ereignisse mitgespielt; ob aber äussere Gründe allein 
wirksam gewesen sind. muss dahingestellt bleiben". 
Einer Widerlegung bedarf diese aus der Luft gegriffene Hypothese 
wohl nicht. 
EbenfaIls ist die von Mortensen,loc. cit. 188, ausgesprochene Ansicht 
über den schon vor der Ordenszeit erfolgten Bevölkerungsrückgang der 
auf dem Gebiete der späteren Wildnis siedelnden Völker als unbewiesen 
abzulehnen.
		

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(247) 


An Lebenskraft hat es offenbar diesen Völkern nicht gefehlt, wenn 
sich ihre Reste sogar in der Fremde bis gegen Ende des XIV. Jahrhunderts 
erhalten konnten. Aus den Jahren 1384-5 sind Karschauer in der Gegend 
südlich von Laukuva bekannt, Weg. 666 f, 672. Die ausgewanderten Su- 
dauer finden wir 1375 bei SamihSkes, westlich von Wilna an der Streva, 
Wig. 579, und 1379 das "Grosedorf do di Sudowin sitczen" zwischen per- 
lamas und Grodno, also in der Nähe ihrer alten Heimat, Raczynski 55. Uber 
die Schalauer vgl. Heinrich, loc. eit. 39 ff. 


t 


3. Ausdehnung. 
Den Verlauf der Wildnisgrenze auf der Strecke Tverai - Dubysamün- 
dung beschreibt Heinrich auf Grund der Wegeberichte folgendermas
en: 
.. W. 2, W.5, W.8 und W.18 legen übereinstimmend die Wildnisgrenze auf 
eine kurze Strecke südlich Lawkow (= Laukuva) fest, dann läuft sie nördlich 
an Trepy (W. 18 1 », südlich an Niemoksty (W. 28) und Widukle (W. 26) vorüber 
bis an die Dubissa, 1 Meile südlich Leczcze 2). Dem Lauf der Dubissa fol- 
gend, geht die Grenze bis an die Memel hinunter", Beiträge 47 (vgl. dazu 
die Karte). Siehe auch Mortensen, Wanderung 180. 
Dieser Grenzziehung ist ohne weiteres beizu
timmen. Dagegen ist die 
Feststellung des weiteren Verlaufes der Wildni:-,grenze, Beiträge 48 f, nach 
dem N und NO von Tv('rai missglückt. 
Die Abtretungsurkunde des Bischofs von Kurland v. J. 1392, BU1 III 
673 ff, worauf sie sich hierbei stützt, ist viel zu allgemein gehalten und 
daher bei der Grenzbestimmung nicht zu verwerten. Wir müssen uns nach 
anderen Hilfsmitteln umsehen. 
Hier stelle ich alle die nördlich bzw. nordwestlich und nordöstlich 
von Tverai und Varniai liegenden und uns aus der Zeit 1350-1450 be- 
kanntenzemaitischen Wohnplätze zusammen. Vgl. SS. 178 f, 206, 198, 221. 
226 f, :l22 f, 231, 228, 230, 236, 238. Jedem ON ist die dem Jahre 1400 
am nächsten stehende Jahreszahl seiner Erwähnung beigefügt. Diese sind: 
AlsMziai 1421 Pa pile 1417 
Baltininkai 1421 Paskuvenai 1417 
Buckedabbekay 1426 Pasilenai 1417 
Luoke 1417 Pluotiniai 1370 
Mojwany 1421 Tauragenai 1417 
Moluvenai 1421 Wallesz 1426 Vgl. BU1 VII 327. 
Narssatay 1426 Virzuvenai 1370 
(Janapolis) 
Hieraus ersehen wir, dass die von Heinrich loc. eit. angenommene Nord- 
grenze des zemaitischen Siedlungsgebietes um ein beträchtliches nach dem. 
Norden zu verlegen ist. 
Erklären wir die fünf nördlichsten jener uns bekannten Siedlungsplätze 
auch für die ä u s s er s te n besiedelten Punkte im Norden Zemaitens, was 
nicht einmal wahrscheinlich ist, so wäre der weitere Verlauf der Wlldnis- 0' 
grenze etwa folgender: von T ver a i i n n ö r d I ich e r R ich tun g ge- 


1) Es muss helssen : W.28. 
:!) Fehlerhaft für Leszcze. 


-
		

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-80- 


gen Alsedziai, weiter mit einer Wendung nach NO bis zur 
Venta oberhalb v9n Pa pile und der lettischen Grenze 
etwa östlich von Zagare. 
Mortensens Behauptung (Litauen 78) über eine Assimilierung der Be- 
völkerung der Papiler Gegend durch die im Norden sitzende (lettische) Be- 
völkerung, entbehrt jeder Grundlage. 
Papile lag, nach den ausdrücklichen Zeugnissen der Chronisten, in Ze- 
maiten und 1426 war sogar das Gebiet westlich von Jongkis schon lituani- 
siert. V gl. oben S. 198 f. 
Hier müssen wir ausserdem auch zu den Au
führungen Mortensens 
über eine WIldnis zwi
chen der Dubysa und dem Nevezis Stellung nehmen. 
Wanderung 180 heisst es: "Die Nordgrenze (= der Wildnis)... umfasst im 
Bogen das Siedlungsgebiet von Schaulen, hat dann eine weite fast kreis- 
förmige Einbuchtung nach Süden bis in die Gegend von Betygala, von dort 
nach Osten und westlich der Nevezjs (= Neve1is) nach Norden bis hart 
nordwestlich Ponewiez" (= Panevezys). 
Diese Behauptung wird ohne weiteres durch das Vorhandensein 
von frühen Siedlungsplätzen in diesem Gebiete widerlegt. An solchen 
sind uns bekannt: Tendziogala (1406) und Krakes (1421). Vgl. 
SS. 236, 219. 
Dazu tritt noch 
i1uva mit der Kirchengründung v. J. 1457, ZV I 70. 
Die Tatsache, dass der Weg von Betygala nach Tendziogala, Weg. 686, 
durch eine Wildnis führt, beweist uns nur, dass diese Gegend keine kom- 
pakte Bevölkerung hatte. 
Ob die hier gezeichnete Wildnisgrenze auch in ihrem nördlichen und 
nordöstlichen Verlauf das um 1400 besiedelte Gebiet ganz einschliesst, ist 
nicht sicher. Es ist z. B. durchaus möglich, dass die Umgegend von Rieta- 
vas noch zum Siedlungsgebiet gehörte, denn in einem Grenzbuch aus dem 
Anfang des XV. Jahrhunderts ist neben dem "lande czu Schawen" (= 
iau- 
Hai), welches damals besiedelt war. auch die Rede wom "lande czu Ritta- 
wen". Weg. 709. 
Kur z. der W i I d n i s g ren z e von T ver a i abi s t nur ein 
Wahrscheinlichkeits wert beizumessen. 
Andrerseits sei jedoch hervorgehoben. dass auch das von dieser 
Grenze umschlossene <;Jebiet nicht für durchweg besiedelt anzusehen ist. 
Das Dreieck Papile - Siauliai - Joniskis z. B. muss um 1400, nach dem 
heutigen Landschaft
bilde zu urteilen. noch glOsse Wüsteneien enthal- 
ten haben. 
Wie aus der Verteilung der alten Siedlungsplätze 
z u s chi i e s sen ist, w eis t die die h t e s t e B e v ö I k e run g sei t 
A n fan g der ge s chi eh t I ich e n Z e i t Hoc h z e mai t e n auf, b e- 
sonders dessen südlicher Teil nebst einem Ausläufer 
n ach SO g e gen die u n t e reD u b y s a . Dieses ist schon von Mor- 
tensen, Litauen 247 H, richtig erkannt worden. Weiter folgt das Memelufer 
etwa von Veliuona bis zur Nevezismündung und der breite Streifen 
am rechten Ufer des Nevezis, hauptsächlich nördlich von Josvainiai. 
An dritter Stelle steht das Gebiet VOll 
iauliai, woran sich das von Papile 
anschliesst. 


t
		

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			-81- 


(249) 


4. LandschaftsbIld. 


Noch eInIge Worte über den Landschaftscharakter und das Leben in 
der Wildnis. Das Landschahsbild ist ziemlich eintönig : Wald. Feld. Dame- 
rau und Heide oder einfach Wildnis. deren Beschaffenheit näher durch 
D truge, rume. gute" charakterisiert wird. Überall trifft man kleine und 
grosse "fliese" sowie Brüche. welche. um auf die andere Seite zu gelan- 
gen, mit Reisig (risechte) überbrückt werden müssen. Weg. 674. Der Weg 
durch die Wildnis muss fast immer geräumt (rumen) werden. Der zu räu- 
mende Wald ist manchmal bis zu 3 Meilen breIt. loc. eil. 676. 
Nasser. sumpfiger Waldgrund und die auf solchem Boden sehr leicht 
entstehenden Windbrüche waren wohl keine Seltenheit. "Harter
 (d. h. trocke- 
ner) und stehender Wald wird von den Leitsleuten bisweilen ausdrücklich 
als solcher bezeichnet. loc. eit. 674 f. 
Unmittelbar vor dem besiedelten Lande trifft man ausserdem Hagen, 
Schläge und Verhaue. welche allerdings stellenweise gebrochen oder "ald 
vnd gut czu rumen" sind. loc. <:,it. 678. 680. Nach einem Ordensbericht, 
SRP 1I 709 H. soll sogar ganz Zemaiten um 1400 von Hagen umschlossen 
gewesen sein. was jedoch. nach den Wegeberichten nicht der Fall ist. In 
erster Linie haben wohl die Hagen .zum Sperren der schon vorhandenen 
Wege gedient. So wollen z. B. die Zemaiten 1409 "den wech vorhawen 
vargraven uncz (d. h. den Ordensbrüdern von Ragnit) bis an di Asserune 
(= Ezerün
). CEW 180. Noch 1495 haben die "Sam	
			

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-82- 


fructus sine quibus ipsa terra Samaytarum nequaquam stare potest nec vi- 
vere, omnem puta derseTtum... ibi eorum nunc sunt omnes utilitates et 
proventus supradicte usque ad indagines", CEW 467. 
Es fehlte in der Wildnis auch nicht an Beutnern. So schreibt der 
Hochmeister im gleichen Jahre an Vytautas: "unsir armen lewte bei der 
Memel in der wiltnisse irer habe berowbt usgeczogen und dorczu swerlich 
gehandilt und geslagen von den Samaythen", loc. eil. 497. Deswegen bittet 
der Hochmeister Vytautas: "Sunder wir beten libir herre, das irs also ge- 
rucht czu bestellen, da off der wiltnisse und in der weise di euwern nicht 
zcu nahe geen den unsern ", loc. eil. 537. 
Nicht besser waren auch die Verhältnisse auf der livländischen Seite 
der Wildnis. 1453 berichtet der Meister von Livland an den Hochmeister, 
dass "der Samayten unde Lettowen gebawer die greniczen an dessen lan- 
den by vonff addir sechsz meylen obertreten unde entfremden den usirnn 

r honig unde thun in vorvanch in ev
r wiltjacht", weswegen "schlachun- 
ge" geschehen, wie kürzlich dabei 6 Zemaiten erschlagen seien und dass 
"dergleichen weddirfeert ouch den unsirn", BUI XI 281. 


v 
VI. Die Grenzen Zemaitens. 


1. Die äusseren Grenzen. 
A. Vor 1400. 
Das um 1300 nur auf. den südöstlichen Teil des späteren Ausdeh- 
nungsgebietes beschränkte Zemaiten (vgl. S. 176), vermochte innerh albeines 
Jahrhunderts seine Grenzen um ein heträchtliches auszudehnen und seit 
1422 umfasste es das ganze heutige Westlitauen westlich vom 
Ne v 
 z i s unter Ausschluss des Memelgebietes. . 
Bis zum Jahre 1410 hatte das spätere Gross. Zemaiten in der Zeit 
seines veränderlichen politischen Schicksals mehrere Teilungen erlebt. Die 
verschiedenen Gebietsabtretungen hatten neue Grenzziehungen zur Folge. 
Von Bestand waren diese Grenzen aber nicht. Sie hatten zum grössten Teil 
nur eine t h e 0 re t i sc he Bedeutung gehabt. 
An solchen durch die Verträge gezogenen Grenzen haben wir folgende: 
1. 1253 schenkte Mindaugas dem livländischen Orden die zemaiti- 
schen Landschaften: Ar i 0 g a 1 a , Be t y ga 1 a , Ku 1 e ne . Kr a z i a i, 
Laukuva, Wange (vgl. SS. 211, :.107,220, 219f, 221,237) und Kar- 
s c hau e n, PU 1 2 33 f. 
Zieht man hierbei in Betracht, dass die südkurländischen Landschaf- 
ten dem livländischen Orden bereits unterworfen waren, so mag die von 
der Südgrenze Ceclis östlich an Kraziai, Betygala und Ariogala bis zur 
Memel zwischen der Dubysa und dem NevHis verlaufende Bogenlinie das 
Land des Ordens vom Reiche Mindaugas' oder richtiger ihre gegenseitigen 
Einflussgebiete getrennt haben. 
2. 1289 bestätigt der Hochmeister Burchard von Schwenden eine of- 
fenbar früher stattgefundene Teilung "terrarum Sc haI wen, Kar s 0 w e , 
Twerkiten (= Tverai, vgl. oben S.225), ac aliarum provinciarum", 
BUI 1 655 f.
		

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(251 ) 


3. 1328 ist Memel mit den umliegenden Landschaften von den livlän- 
dischen Schwertbriidern an Preussen abgetreten. Die künfttge Grenze zwi- 
schen Preussen und Livland wird BUIIl 228 bestimmt: Von der Mündung 
der He i I i gen a (= Sventoji) aufwärts bis zu deren Quelle und geradeaus 
zum Fdde E m m er e (s. unten), von hier gegen den Fluss Ern m e r lek e 
( = Emmerbeke, wie BUlII, Regesten 77 korrigiert ist) abbiegend und wei- 
ter diesen abwärts bis zur Mündung in die Me n i a (= Mini;a), diese hin- 
auf bis "in terram Lithoviae", wo die Minija aus dem See Ha sen p I u te 
(= PltlOÜnis - See, vgl. S. 215) entspringt. Ausserdem soll auch Karschauen 
weiterhin zu Preussen gehören. 
Unter Emmerbeke (Emmer+beke ,Bach') kann hier nur der Sa/anlas,. 
linker Zufluss der Minija, gemeint sein. Emmer- ist wohl aus dem am Sa- 
lantas liegenden Imbar
 (1253: Emb:1re) korrumpiert. Demnach würde Em- 
merbeke "Imbar
 - B3ch", also den Salantas - Fluss bedeuten. Der Name des 
Feldes ist natürlich hiervon ebenfalls nicht zu trennen. Vgl. auch Löwis of 
Menar, Karte und Erläuterungen 8 f. 
4. 1382 schenkt Jogaila dem Orden ..dy land und Jegenoth besaczt 
und unbesatczt czwisschen des Ordens landen, und der Dobyes gelegen", 
wobei die Grenze sein soll "anczuheben am Mittelstrome der Da bis sen, 
als sie in die Mymmel vellet, uff czu gehen bis dar sy czum ersten entsprin- 
get", Raczyriski 58. ¥ 
5. 1384, nach seiner Flucht nach Preussen, tritt Vytautas ganz Zemai- 
ten nebst einem 0,5-1 Meile breiten Landstreifen am rechten Memelufer 
von der Nevezismündung bis Rumsisk
s an den Orden ab. 
Die Grenze gegen das Ordensland soll künftig sein: "als die Na wes e 
in die Memel feilet in dem mittelstrome bis da sie entspringet vort von 
dannen bis ken Li fl a n d t .., CEW 3 1. 
6. 1392 tritt der Bischof von Kurland sein Dritteil in den südkurlän- 
dischen Landschaften an den Orden gegen das Schloss Neuhausen ab. Die 
Grenze verläuft die He i I i ge A a (= Sventojl) aufwärts und weiter in einer 
Geraden auf das "feldt zu Lobe" (vgl. S. 180) zu, von hier auf allernächstem 
Wege gegen die Vi n da (= Venta) und stromauf bis zu deren Quelle, so 
dass das Gebiet zwischen Litauen, Memelstrom, Kurischem Haff und dieser 
Grenze in Zukunft dem Orden gehören soll, BUI 111 675. 
7. 1398 wird im Friedensvertrag zu Sallyn die Ostgrenze des 1384 
abgetretenen Gebietes im Süden etwas abgeändert und aus
erdem ihr Verlauf 
nördlich vom Nev
zis noch nächer bestimmt. Die neue Grenze geht von 
der Insel S a II y n (vgl. oben S. 233) gerade auf den Ne v 
 z i s "under 
dem heiligen walde im grunde" .zu und dem Strome folgend bis W i s w i I t e n 
(= Vaisviltiai, 2 Dörfer ö. von Naujamiestis 3,5 bzw. 6 km. vom NevHis 
entfernt; 1368: regio Wysevilte, H. v. Wartberge 92) und in gerader Rich- 
tung bis zum Steine Rod a (= POB.!U1C'b, Stein im Felde nOMYUUI an der 
Müsa, Opis VIII 228, 262, 330, ..heute Raudonpamasis, Gut an der Müsa 
7 km Ö. von Linkuva. Auf der Ubersichtskarte von Mitteleuropa 1: 300.000, 
Blatt Riga, heisst das Gut noch Rad e n); von Roda geradeaus auf Sm a r- 
den (= Smardon
, der 2,5 km w. von Pabirzis in die TatuJa fallende Bach; 
1416: zu dem fliesse Smarden... bis in das flies Tattale, BUI V 161),. 
A P e i t e n - See (= See bei Biriai. Apeiten ist sicher aus der Apastia, wel- 
che diesen See durchflieo;st, korrumpiert), den B ren ge 1i s c he n Weg 
(wohl = Strasse RadviMkis - Papilys) und von diesem Wege bis zu
		

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-84- 


Ne n e mit e n (= Nemun
lis), BUI IV 219. Vgl. loc. eit. 205, 224. -- Falsch 
Löwis of Menar, Karte (v gl. jedoch Erläuterungen 10 Anm. 24) und Zajqcz- 
kowski, Studya 26. 


B. Nach 1400. 
Die Niederlage des Ordens bei Tannenberg und die qarauffolgenden 
Friedensverträge führten zur Schaffung des späteren Gross - Zemaitens. 


Die No r d g ren z e. 
Die erste Fixierung der neuen zemaitischen Nordgrenze erfolgte durch 
den Friedensvertrag vom Melno - See 1422. 
Über die livländische Grenze wurde bestimmt: "ineipiendo a flumine 
dicto He i I i ge a (= Svento;i), ubi dictus Uuvius in trat mare, eundem flu- 
vium ascendendo 
ursum ad a n t i q u 0 s I i mit e sinter Samogitiam ab 
una.... et Livoniam ab altera partibus tenutos er servatos, non tarnen ad 
illos limites, qui signati eo tempore, quando ordo terram Samogitarum te- 
nuerat, sed ad illos qui antiquitus inter terras praedictas sunt servati" , 
BUI V 881. 
Auffällig ist die Allgemeinheit dieser Grenzbestimmung im Gegensatz 
zu den genauen Angaben über den Verlauf der Westgrenze, loc. cit. Weder 
über die "alten" noch über dIe vom Orden gezeichneten Grenzen ist sonst 
etwas bekannt. 
Die Grenzregulierung selbst ist erst nach 4 Jahren (1426) durchge- 
führt, BUI VII 326 f. Danach verläuft die Grenze vom Sidabra-Berg bei 
JoniSkis (vgl. S. 198) in gerader Richtung bis zur Mündung der L u e k e n e 
(= Luokin
) in die PI a t ton (= Platuona), weiter über Sc h e i- 
s zer I 0 u k e (= Skaisgiris, vgl. Grenzen 389) bis zur W i I s z e (= Vilkiia) 
und an zwei jetzt nicht mehr bekannten "schoden" (= Grenzscheidung) 
vorbei, um 0,5 bzw. 1 Meile oberhalb des Berges Rat t 0 w (= Raktuv
- 
Berg, vgl. S. 198) an der S c h we t e (= Sv
te) einen Friedhof (k a p m y I, 
up Dutsch genometh kerchoff, vgl. S. 198) zu erreichen. Ihren weiteren Ver- 
lauf nimmt die Grenze über die Quelle der Te r v e te n (= Terveta), den 
Kr u t he n - Berg an der Mündung der D 0 b bis ehe be k e (= Dabikine) 
.in die Venta, die Burgberge Pe wen e (= Pievenai, Kirchdorf zwischen 
TelSiai und VieBniai) und Ball e ne (= Balenai 5 km nw. von Piev
nai), 
das Feld G run s t e n (= Graste, vgl. S. 180). die Burgberge Po e k e 
(= Puoke 9 km nw. von Seda) und Pes zell (= PaSile 6 km sö. von Ylakiai), 
erreicht zwei andere Burgberge an der Erla (= der zweigipflige Burgberg 
an deren Mündung in die Bartuva, s. von Puotkaliai bei Skuodas), "dar 
1we hillige busche stahn" und folgt dem Laufe der HilI i ge Aa (=Sven- 
toji) bis ans Meer. Vgl. auch Bielenstein Grenzen 388 ff, Löwis of Menar, 
Karte, und Zajqczkowski, Studya 20 f. 
Ob die mit Kreuzen bezeichneten Bäume und Steine, welche im 
Grenzdukt als "ehrmals gewesen" genannt werden, zu jenen "alten" Gren- 
zen gehören, ist fraglich. 
Die neue Grenze scheint beide Parteien befriedigt zu haben, denn 
sowohl Vytautas als auch der Landmeister von Livland drücken in den ge- 
genseitigen Briefen ihre Freude darüber aus, CEW 731 ff.
		

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			-- 85 - 


(253) 


Im Friedensvertrag zu Brzese 1435 ist betreffs der zemaitisch-livländi- 
schen Grenze nur der diesbezügliche Passus aus dem Vertrag von 1422 
wiederholt, wodurch die Schenkung von Palanga an den Orden (vgl. unten: 
Die Westgrenze) anulliert wurde. 
Danach sollte aber wieder eine neue Grenzregulierung stattfinden. 
Die darüber in den Jahren 1445, 1447, 1458 zu Kurzum gepflogenen Ver- 
handlungen führten jedoch zu keinem Ergebnis, BUI X 110 f, 248; XI 653; 
vgl. auch loc. cit. XII 89. Der litauische Vertreter, der Bischof von Wilna, soll 
erklärt haben, sie gedächten nicht "bey den grenitczen, die bey herczog Wi- 
toldes geczeiten gemachet syn" zu bleiben. Die Litauer gaben "andere 
nuwe und unkentliche gTenitczen" an, loc. eit. 248. 
Aus diesen Verhandlungen ersieht man, wie beide Seiten das "ad an- 
tiquos limites" der Friedensurkunde ganz verschieden auslegen. 
Zu einer Einigung kam es am 7. Juli 1473, wobei aber nach der 
Aufschüttung einiger Grenzhügel (colliculum alias kopecz) bestimmt wurde, 
dass mit der weiteren Grenzbegehung am 6. Januar 1474 begonnen wer- 
den solle und dass "a monte Co mo d ra (= Burgberg an der Müsa bei 
Kamardai, Amtsbezirk Salociai, Döring SB 1882 S. 37 f) consequenter de- 
bent continuari granieies et limites in medio granieierum predictarum Wo y- 
schwilci (?) et Schedibori (?) et prosequi usque ad decursum 
fluminis, qui dicitur S ace r f I u vi usA a (= Svento;i), ad usque, ubi idem 
fluvius intrat mare salsum", Opisan. III 41 f. Zur Ausführung kam es aber 
wieder nicht. 
In die Bündnisverträge gegen Moskau vom J. 1501 wird, auf Drängen 
des Ordens, ein Passus über die "tempore opportuniori et pacatiori" zu 
regulierenden Grenzen aufgenommen, BU 2 11 31, 83; vgl. auch loc. cit. 646. 
Auch weiterhin in den Jahren 1503-1509 ist der Orden ständig um 
eine Festsetzung der Grenze bei den Litauern bemüht, BU2 11 408, 451, 
.517, 638; III 22 f, 32 f, 248 f, 299, 407 f, 512. Sie aber scheinen dazu gar 
nicht geneigt zu sein und wissen immer die Verhandlungen irgendwie 
zu verschieben, BU2 11 433; III 320, 387, 511. Schon 1503 schreibt der 
livländische Landmeister an den Hochmeister, dass die Vorfahren des Kö- 
nigs (= Alexander) "bey 66 jaren lang ungeverlich" (also etwa seit dem 
Frieden zu Brzese 1435) die Berichtigung der Grenze hingezogen haben, 
BU2 11 437. 1509 beklagt sich wieder derselbe, die Litauer hätten "ordens 
land... im groszem krige (= Krieg mit Moskau 1507/8) auch dornach ab- 
gedrungen... in meynung. die grenicz nach irem willen zu gehn", BU2 
III 512. 
Die für Ende 1.505 und Januar 1507 angesetzten Grenzberichtigungen 
konnten ebenfalls wegen der Hindernisse auf litauischer Seite nicht zur 
Ausführung kommen, BU 2 I 64; I1I 102. 
Diese Verzögerungspolilik der Litauer ist ohne weiteres verständlich, 
wenn mar. bedenkt, dass gerade um jene Zeit die Be sie d I u n g der 
Wildnis litauischerseits auch an der livländischen 
G ren z e gut e Fort sc h r i t te mac h t e (v gl. Kap. VIII, 2). Mit 
dem Vor d r i n gen der B e sie d I u n g ver s c hob s ich z w a n g s- 
läufig auch die strittige politische Grenze oder, mit 
a nd er e 11 Wo r t e n, der die bei den L ä nd er t ren n end e 
G ren z sau m w ur dei i tau i sc h. Ein Erg e b n i s die s e r E x- 
pansion ist die Grenze von 1529 (vgl. weiter unten), wel- 


--
		

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- 8'3- 


che an manchen Stellen ca. 25 km nördlich der von 1426 
ver lä u H. 
Dagegen scheint von Livland aus kein Vorstoss in die Wildnis statt- 
gefunden zu haben. Der tatsächliche Besitz des Ordens und des Stiftes 
Kurland (vgl. die Karte von Löwis of Menar) reicht um 1500 nur bis zur 
Grenze von 1529. Keine der verhältnismässig zahlreichen Belehnungen 
aus dieser Zeit greift über diese Grenze. Nahe an ihr wird 1500 nur ein 
Johann Piel mit Nigranden und Grösen belehnt, BU2 I 698. 
Die Grenzkommissare des Komturs von Goldingen begehen 1503 die 
strittige Grenze zwischen dem Ordensgebiet und dem Stift Kurland. BU2 
418 heisst es über den Verlauf dieser Grenze: "Wes vurder olde schritte 
inholden, vort tho gande an de Samaytischen grense". 
Dies erinnert wieder an das alte "usque in terram Lithoviae" (vg1. S. 251) 
und später 1420 an die Worte des Bischofs von Kurland: "Sameyten bis- 
her noch heidins gewesit were, und umb den willen so were sein sprengel 
van dem lande noch unvorteilet" , BUI V 619. 
Aus dem Prozess um die Ländereien Presse I (=Pricel'a, ein nicht 
mehr vorhandenes Gesinde in der Gemeinde Äzviki, L VV 11 8) und D am e 
(= Mazdama, loc. eiL) geht hervor, das
 diese unmittelbar an der zemaiti. 
schen Siedlungsgrenze lagen, weil die Zemaiten als Zeugen bei den Grenz- 
streitigkeiten auftreten, BU2 111 316; vg1. auch loc. cil. 194. 
Die 1523 vom Landknecht des Schlosses Neuhausen abgeschrittene 
"Scheidungh . ., twischen Sameiten vndt Churlande" ist daher nur eine 
W uns c h g ren z e. Sie verläuft die He i li ge A a (= Sventoji) auf- 
wärts bis zur Mündung eines Ba c h es (= Bach bei Kernai 6,5 km nw. 
von MosMis) in die E r 1 a, den Bach stromauf bis an den heiligen "Busch 
M a y se d eil (= Mosedis, vgl. S. 181) und bis zur Bartuva, wo die 
Sc h war t heB e k e (= * JUOdllpis ,Schwarzbach' ; wohl einer der kleinen 
in die Bartuva fallenden Bäche n. von MosMis) in diese mündet; von hier 
geradeaus über S a t t e n Be k e (= Sala, linker Zufluss der Luoba), den 
Be r g u wen - See (= See 2 km nw. von Barstyciai) bis an die Be k e 
t hoL e b e e (= Luoba, Zufluss der Bartuva) und weiter diese aufwärts bis 
zum Burgberg Bi r sen (= Berienoi 4 km sw. von Seda); hier wird die 
Gar des c heB e k e (= Garde, der s. von Seda in die Domija fallende 
Bach) überschritten und in einer Geraden über die S a s u e n (zu lesen: 
Sasnen = Serksne, linker Zufluss der Venta) erreicht man einen Burgberg 
an der V n set e n (zu lesen: Vuseten = Viesete) und weiter die Venta 
an der Mündung der Ball e n e n (= wohl der zwischen Voveriai und 
Meinoriai s. von Mazeikiai in die Venta fljessende Bach, welcher bei Ba- 
lenai entspringt), RLU 182. Vgl. noch Zaj::,!czkowski, Studya 21 ff (zum 
Teil falsch). Wegen der Jahreszahl vgl. BUI VIII 326. 
Die Grenze verlief meistt'ns über "Busch unde Broeck" und war durch 
mit Kreuzen versehene Bäume markiert, loc. cil. Vergleicht man diese 
Grenze mit der von 1426, so verläuft sie im allgemeinen etwas südlicher 
als jene. 
Endlich wurden 1529 auf Ersuchen des livländischen Landmeisters die 
"uralten Grenzen" zwischen Livland und Zemaiten nebst Oberlitauen berich- 
tigt, Limites 219 ff. Die hierbei vereinbarte Grenze ist dieselbe, welche 
noch bis zum Weltkriege Kurland von dem ehemaligen Gouvernement 
Kowno trennte. Nur der schmale Küstenstrich bei Palanga wurde auf Bit- 


I 
l
		

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			r 


- 87- 


(255) 



 


ten des Grafen M. Tyszkiewicz durch die kaiserlich - russische Verordnung 
vom 13. März 1819 zu Kurland geschlagen, PS III 533, Anmerkung. 
Mit dieser Regulierung scheint jedoch das Stift Kurland seine Ansprü- 
che nicht aufgegeben zu ,haben. Am 7.-9. Dezember 1540 wurde folgende 
Grenze des Stiftes mit Zemaiten "besichtiget durch warhaftige Dutzschen 
vnd ock olde vndutschen". Sie verläuft von der Mündung der Da b b e k e 
(=- Dabikine) in die Venta bis an das Kap e n s c h e veldt (= Kapenai 
7,5 km s. von Vieksniai an der Virvycia) und den gleichnamigen Burgberg, 
überschreitet die Wir w i t te (= Virvycia, linker Zufluss der Venta) und 
geht auf einen anderen Burgberg g a lI eis den (?) zu; von hier führt die 
Grenze durch die Dörfer p e I u e n e n (zu lesen: pewenen = Pievenai) und 
poIl e ne n (= BaIenai) bis an einen Hof be t tue e n (zu lesen: kettueen 
= Ketanai 5 km Ö. von Seda) bei dem K I e n i sc h e Sehe (korrumpiert = 
PlinkSes - See) und weiter durch Se d den Merckede (= Seda), den Bach 
B rad ami s s (= Bradumas; fällt in die Varduva zwischen Seda und 
Grüst
) bis zum Bugberge po i k e (= Puoke, vgl. S. 252); vom Burgberge 
geradeaus bis pop e r t e n (= Papartiai 7 km nw. von Kalvarija), G e- 
I end e n (= Geldenai 3 km ö. vom vorigen Orte) und pes seI s e den 
(= Pasile, vgl. S. 252 + -sed- ,sitzen, wohnen', vgl. Med-sediiai ,Wal- 
bewohner'), RLU 199. Wegen der Jahreszahl vgl. BUI Vlll 326. 
Die späteren Grenzberichtigungen von 1541, Limites 211 H, und 1583, 
Grundriss Vlll, haben diese "Churlandt grendze" nicht berücksichtigt und 
änderten nichts an der Grenze von 1529. 
Es ist zu vermuten, dass an dem Hinausschieben der endgültigen 
Grenzregulierung in er s t e r Linie die litauischen Magnaten und nicht 
der König selbst besonders interessiert waren. In einem Briefe vom 13. 
Januar 1540 an den litau!schen Staatsrat rügt Sigismund I. den Hauptmann 
und den Bischof von Zemaiten wegen ihres säumigen Verhaltens bei 
der vorzunehmenden neuen Grenzberichtigung. Der König erachtet 
die Erledigung der Streitigkeiten für nötig und dringend, RIB XXX 60 H. 


Die 0 s t g ren z e. 
Die Ostgrenze Zemaitens bildete seit ältesten 
Z e i te n der Ne v 
 z i s - S t rom. Jenseits dieses Flusses liegt "A u- 
s te chi a (= Aukslaitiai ,Oberland') terra regis Lethowie", Dusb. 159. 
Hier waren die "Ousteten" und die" C:-amaiten" Nachbarn, Jer. 539. VgI. 
auch Wig. 661. In den Prozessakten wegen Veliuona von 1413 heisst es 
"inter ceteras distinceiones limiturn terre Lithwanie cum terra Samagitarum 
mediavit et mediat fluvius dictus Nyewesza (= Neveiis), signanter et spe- 
cifice medians et dividens dictam terra m Lithwanie cum terra Samagitarum". 
Lites 11 137. Weiter 10c. eil 139: "terra Samagitarum... ex alia parte 
limitatur in confinio terrarum Lithwanie et clauditur per fluvium dictum Ne- 
wesa, qui in ascensu suo dictas terras Samagitarum et Lithwaniam dis- 
ti nguit per longa spada". v 
1492 erklärt der König Alexander in ('inem Privileg für Zemaiten: 
"Ministeriales, alias dzieczkie, vltra fluuium Nie s wie z a (= Neveiis), 
mitte re non debemus", LOb 372 f. 
Über die Ostgrenze nördlich vom Nevezis haben wir genauere Nach- 
richten erst aus dem XVI. Jahrhundert. Sie wird durch die Westgrenze des 


-
		

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(256) 


- 88- 


Kreises Upyt
 gebildet. Diese konnte an Hand des Bestandbuches aus 
der Zeit um 1554, Sborn. VJII 3 ff, ermittelt und mit Hilfe der in Opis 
VII und VIlI enthaltenen ON noch näher bestimmt werden. Der Verlauf 
der Grenze ist danach folgender: 
Beginnend am Nev
zis nördlich von Vadaktai bis 
hart südlich von Sidabravas und mit einem kleinen 
Bog e n n ach N 0 r den bis zur B erz 
 n Ö r d I ich von Pli u s- 
k 
 s. W e i t erd erB erz e f 0 I gen d bis Rad v i I i ski s und 
östlich an Staciünai und westlich an Lygumai vorbei 
bis zur M ü s a, u m von h i e r i n ein erG e rad end i eie t t i - 
sc h e G ren z e an der Vi r c i u v a (vgl. Limites 223), wes t I ich 
von Kr i u kai, z u e r r e ich e n. Vgl. die Karte von Jakubowski. 
Obige Grenze dürfte, weil nicht durch eine künstliche Grenzführung, son- 
dern durch die Geschichte selbst geschaffen, auch ein ansehnliches Alter 
haben. Und tatsächltch liegt nur dje eine einzige "curia Gedeghinnen" 
(1348), nach H. v. Wartberge 75 zu Zemaiten gehörig, ausserhalb (östlich) 
unserer Grenze. 


Die Süd g ren z e. 
I m Süd e n ist die M e m eis e i t Beg i n n der g e s chi c h t- 
l ich e n Z e i t bis i n das XV. J a h rh und e r t s 0 w 0 h I die 
politische als auch die ethnographische Grenze Ze- 
mai te n s ge \V es e n. Vgl. Dusb.51 und 146. Im Schiedsspruch des Kai- 
sers Sigismund v. J. 1420 heisst das Land "ultra Memel", "Suderland, alias 
Jettoem", Dogiel IV 107. Vytautas nennt es 1422 ebenfalls "terra Sudorum", 
CEW 552. Vgl. auch den betreffenden Passus im Friedensvertrag vom 
Melno - See (1422), BUI V 880. 
In späterer Zeit gehörte jedoch auch das Dreieck, gebildet durch 
lie 
Memel, die ostpreussische Grenze und die Linie Zapyskis-Virbalis, zu Ze- 
maiten. Vgl. die Karte von Jakubowski. Diese Ausdehnung nach 
Süden beruht wohl auf der seit Anfang des XV. Jahrhunderts einsetzen- 
den KoIonis
tionsbewegung. den'.l von einer künstlirhen Angliederung dieser 
Gebiete an Zemaiten ist in den Quellen nirgends die Rede. De rVorgang 
scheint sich allerdings nur im Grenzgebiet von Preussen ziemlich rasch 
abgespielt zu haben. Denn die Pfarrkirche von Virbdlis unterstel
t schon 
1502 dem 
emaitischen Bischof, dessen Sprengel ja bekanntlich nur Zemaiten 
umfasste, ZV I 76. Die östliche Hauptmasse des Gebietes, mit Ausnahme 
eines weiteren schmalen Strejfens längs der Memel, war aber noch um 1558 
siedlungsleer, RP 56 ff. 


Die Wes t g ren z e. 
Im Westen gegen Preussen hatte Zemaiten ursprünglich keine feste 
Grenze. Sie wurde durch den breiten Wildnisstreif
n gebildet. Er s tim 
F r i e den sv e r t rag von 1 4 2 2 w 11 r deZ e mai t e n s Wes t- 
g ren z e end g ü I ti g fix i e r t, wie sie auch heute noch zwischen 
dem Memelgebiet und Gross-Litauen besteht, BUI V 880 f. 
Die Grenzregulierung selbst hat sich ziemlich lange hingezogen. 
Vytautas und der Orden konnten sich sehr schwer über die Masslänge der 
im Friedensvertrag enthaltenen 3 Meilen einig werden und deswegen wur-
		

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I 


- 89- 


(257} 


den auch die Vermessungarbeiten einige Male unterbrochen, BUI VII 46; 
CEW 695, 698, 702 f, 707 ff. Zu einer endgültigen Einigung scheint es 
Mitte 1427 gekommen zu sein, CEW 772. Seit diesem Jahr werden hier 
keine grösseren Grenzstreitigkeiten mehr erwähnt. 
Nur 1432 hatte der Grossfürst Svitrigaila während des Kampfes um den 
litauischen Thron Palanga nebst einem drei Meilen breiten Wildnisstreifen 
an den Orden abgetreten, BUl VIII 382. Der dadurch erreichten Verbindung 
zwischen Livland und Preussen wurde aber bald wieder ein Ende gemacht. 
V gl. S. 253. 
Um 1448 fand noch eine Grenzbegehung statt, welche aber ohne jeg- 
liche Differenzen verlief. Nur an einer strittigen Stelle führten die Vertre- 
ter des Ordens die Litauer auf die "rechte grenitcze widder und weyszte 
en aldo herczogen Witoldis czeichen und... ordens czeichen in aIden 
eychen und anderen bömen", BUl XI 122. 


2. Die inneren Grenzen. 
Über die administrativen Grenzen im alten Zemaiten bis in die Mitte 
des XVI. Jahrhunderts wissen wir nichts. 
Auch die Zahl der Kreise (in den Quellen: land, gebitt, districtus) 
wird je nach der Zeit verschieden angegeben. Im Vertrag von 1390 wer- 
den die "lande" Me d i n i n kai, KaI tin e n a i, K n y t u va, K r a z i a i, 
Vi d u k I
, Ras ein i a i und A rio g a I a erwähnt, CßW 23 f. Dlu- 
gosz, Hist. Pal. lib. XI 344, nennt in seiner Beschreibung Zemaitens (unter 
dem Jahre 1413) dieselben Kreise, nur hat er anstatt Knytuva Ve li u 0 n a. 
Dagegen heisst es weiter (unter 1417): "Wladislaus,.. fundat et dotat... 
duo d e c i m Parochiales Ecc1esias, in Samogithia, i u x ta n urne rum 
dis tri c t u u m, et in quolibet districtu, vnam eregit et collocat", loc. ci t 
389 f. 
Der Freibrief des Königs Alexander vom Jahre 1492 nennt folgende 
Kreise: Me d in i n kai, Kr a i i a i, B e t y g al a, K n y t u v a, Per n a- 
r a v a, Ras ein i a i, Ga i i u v a und Pa c t u v a, LOb 372 f. Diese Zahl 
ist allerdings nicht vollständig. Es fehlen hier Kaltin
nai, Vidukle, Ario- 
gala und Veliuona, deren letztere drei auch im XVI. Jahrhundert wohlbe- 
kannt sind. 
Die Fundationsurkunde der Kirche zu Luoke vom Jahre 1493 erwähnt 
noch 3 weitere Kreise: Dir von 
 n a i, Vi e sv e n a i und B i r i in e- 
na i, Opisan. V 4. 
Die Kreiseinteilung des XVI. Jahrhunderts hat Jakubowski auf seiner 
Karte dargestellt. Vgl. auch oben Kap. 11 und IV 3, wo unter den einzelnen 
ON, den späteren Kreisorten, die Angaben Jakubowskis vielfach berichtigt 
werden. 


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- 90- 


VII. Wiederbesiedelung der Wildnis. 


1. Allgemeine Vorbemerkungen. 
In der Schlacht bei Tannenberg fand der deutsch-litauische Krieg sei- 
nen Ausgang. Mit dem Jahr 1410, nach 125 Jahren des Ringens auf Tod 
und Leben, beginnt für ganz Litauen eine neue Periode, die Zeit des in- 
neren Aufbaues und der äusseren Expansion. v 
Die neue Grenzziehung (vgl. S. 252 ff) brachte an Zemaiten grosse 
Strecken der Wildnis. Damit war die Möglichkeit für eine starke Erweite- 
rung des zemaitischen Siedlungsraumes gegeben. 
Nach den Ursachen dieser verhäItnismässig schnellen Expansion ha- 
ben wir nicht weit zu suchen. Die zemaitische Hochebene war seit alter 
Zeit, nach dem Ausweis der so häufigen Ordenszüge, dicht besiedelt. Nach 
dem Schluss der Kriege konnte sie aber die jetzt schneller anwachsende 
Bevölkerung nicht mehr fassen: man brauchte neue Siedlungsplätze. 
Die fast siedlungsleere, aber durchaus nicht siedlungsfeindliche, Wild- 
nis, ist sie doch schon früher besiedelt gewesen, war gerade dazu geeignet. 
Der Zemaite war mit ihr seither gut vertraut und hat sie auch als eigen 
betrachtet, denn hier haUe er seine Jagd, Fischerei und, um mit Vytautas' 
Worten zu sprechen, "omnes ulilitates et proventus". Die Erinnerung an 
die Entsiedlung war wohl, weil nicht sehr weit in der Zeit zurückliegend, 
im Volke noch wach. Mancher alte ON hat sich auch nach der Verwil- 
derung der Landschaft gehalten. VgL Kap. IV 3. 
Es ist also durchaus verständlich, was Vytautas 1420 an den römischen 
Kaiser schreibt: "ubi (d. h. in der WIldnis) tarnen prius c ast r a et viii e 
Samaytarum fuerant, prout ad huc colles et terre loca apparent manifeste", 
CEW 467. 
Übe! die Entsiedlung der späteren Wildnis sind wir, wenigstens im 
Südwest-Zemailen, wie wir oben sahen, ziemlich gut unterrichtet. Dagegen 
ist die Frage der Wiederbesiedlung dieser Gegenden wegen des voll- 
ständigep. Fehlens an Quellen, etwa der um ein Jahrhundert späteren Be- 
standbücher und Vermessungsprotokolle, sehr schwierig. Hier müssen wir 
zum Teil zu Rückschlüssen aus dem XVI. auf das XV. Jahrhundert greifen 
und uns auf diese Weise häufig mit biossen Vermutungen begnügen. 


2. Stand der Besiedlung um 1450. 
Wir stellen im folgenden alle ersten Berichte über die auf dem frühe- 
ren WIldnisgebiet nach 1400 auftretende Bevölkerung, die Siedlungsplätze 
usw. kurz zusammen: 
1. 1409 werden bei Ski r s n emu n 
 fünf Dörfer an der Memel 
von den aufständischen Zemaiten "uf gehaben", CEW 178. 
2. Im Herbst 1422 konfisziert der Vogt von Pa 1 an ga ein infolge 
des Sturmes dort gestrandetes deutsches SchiIt, loc. eil. 574. 
3. 1425 teilt der Komtur von Memel dem Hochmeister unter anderem 
mit, dass die Lemaiten viel Heu bei Pa 1 an ga fertiggemacht h::.ben, loc. 
eit. 703. 


.
		

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- 91 - 


(259) 


4. 1545 werden drei Bauerndienste (CJ1Y>K6bl) von J ur bar k a s, mit 
welchen noch zu Vytautas' Zeit die Kirche zu Veliuona dotiert war, abge- 
tragen, um Platz zum Bau der neuen Kirche zu schaffen. Opisan. V 29. 
VgI. oben S. 81 f: Georgii castrum. 
5. Um 1588 macht ein A. OaJ1TpOMeeBl1tj'b dem Gericht Meldung 
über einen Diebstahl in seinem Hause, wobei auch die seinen Vorfahren 
von V y tau ta sund Sigismund August über das Gut PI1TI1HI1 (= RitÜze 
4 km, sw. von Pikeliai) erteilten Freibriefe gestohlen seien, Opis 11 29. 
6. 1583 findet eine Untersuchung über die adlige Herkunft einiger 
Bojaren der Dörfer Z ade y k a y c i e (= Zadeikiai 2.5 km w. von Kar- 
tena), Ru d a i ci e (= RadaiCiai 6 km nw. von Kretinga), Tor w i d Y 
(1566 lag TOpBI1J1.bl n. von Kretinga und grenzte an die Dörfer AnkStakiai 
und Taballsiai, WA XIV 129, 131) und Noszany, Klausgayli, 
(= Nasrbzai, Klausgalvai 8 bzw. 6 km sw. von Salantai), 1mb 0 r y 
(= Itnbare 4 km s. von Salantai) statt. 
Von den Bojaren der ersten drei Dörfer wird dem zur Untersuchung 
entsandten Unterhauptmann S. Czechowicz ein Brief Sigismund Augusts von 
1545 an den zemaitischen Hauptmann H. Chodkiewicz (1545-1561) vor- 
gelegt, worin dieser verfügt, dass jene Adligen von den Steuerleistungen zu 
befreien sind und nach Ablauf eines Jahres ihre Adelsrechte schriftlich zu 
beweisen haben. Weiter erklären dieselben Bojaren, dass ihren Vorfahren, 
welche in Wilna mit den Briefen von Vytautas, PeKYTb l ) (= J. K
sgaila 
1451-1485, Wolff 91) und anderen erschienen waren, dieselben von 
N. Wolowicz und S. Rayski, welcher sie früher als Feldmesser trotz ihres 
Adels schon zu Hufenbauern gemacht hatte, weggenommen worden seien 2). 
Ausserdem wird noch ein Brief Vytautas' an K
sgaila (= M. K
sgaila 
1412-1450. Wolff, loc. eit.) und die Vögte von Medininkai vorgelegt. wo- 
raus hervorgehe, dass der Grossfürst ihren Ahnen Bauern verschrieben 
habe. 
Die besonders alten Bojaren Grig Jazdayc und Marek Kaszutayc sagen 
unter Eid aus, dass sie mit den obigen Bojaren und deren Vorfahren schon 
seit dem Kriege um Smolensk und Starodub (= 1513) den Kriegsdienst zu 
Pferd gemeinsam getan haben. 
Die Bojaren der Dörfer Nasrenai, Klausgalvai und Imbare bringen die 
Kopien der Briefe: 1. Vytautas' an K
sgaila (vgl. oben) und die Vögte 
von Medininkai von 1422 (= Indikt 15), 2; Sigismunds (1432 - 1440) an 
Goilimon (= Galiminas, Hauptmann von Zemaiten 1432-1440, Wolff 91 
Anm. 7) und 3. J. K
sgailas (1451-1485) vor, welche Verschreibungen an 
ihre Ahnen enthalten sollen. Die Originale dieser Briefe seien ihnen eben- 
falls durch Wolowicz und Rayski weggenommen worden 2). In den Origina- 
len stand eine Verschreibung S. Janowiczs (1486-1526, Wolff 91) von 1496 


I) Dieser aus altem Adetsgeschtecht stammende Hauptmann führt in den Quet- 
len gewöhnlich den Namen SlH'b Ke3raHI10BH'I'b. Nach W A XXIV 107 hatte er aber auch 
einen Beinamen PeKYTb (
R
kl1tis). welchen auch sein Sohn Stanislaus (gewöhnlich: CTa- 
HHCn3B'b SlHOBH'I'b) und Enkel (urkundlich: CTaHHCnaB'b CT3HHcnaBOBH'I'b SlHOBH'I'b) .gelegent- 
Iich führen, loc. cit. 182. 274. 
2) Die Aussage kann wohl kaum auf Unwahrheit beruhen, weil sowohl Wolowicz als 
auch Rayski noch 1583 am leben waren (Wol,f 80. WA XXIV 436) und ale Aussagenden 
daher mit dem Nachpriifen ihrer Behauptungen rechnen mussten. Dessen ungeachtet sagen 
sie mit besonderem Nachdruck aus, dass gerade .dzisieyszy pan Wilenskl OstafU Wolowicz' 
der Schuldige sei.
		

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(260) 


- 02- 


oder 1511 (= Indikt 14) und ein Register J. Laskowskis I), worin dieser 
anerkennt, dass jene Bojaren, trotzdem sie adlig gewesen, jetzt auf Zins- 
hufen sitzen, WA XXIV 401 ff. 
7. Winter 1434 plündern die Zemaiten auf dem Strande bei P a- 
I a n g a und führen Leute gefangen mit sich fort, BUl VIII 453. 
8. Bei einer im Jahre 1522 (= Indikt 11) von S. Janowicz unternom- 
nenen gerichtlichen Untersuchung über die Zugehörigkeit des Gutes J],POBC- 
JlOBKH an der Sesuvis (= Drqslallkis, Gut 4,5 km sö. von Taurage) .wurde 
festgestellt, dass sich ein Vizgintas unter Kantautas (= Hauptmann von Zemai- 
ten 1441 - 1444, Wolff 91) eine Rodung (npopy6'b) erdient hatte und 
hier ein Gut anlegte. Die Entscheidung ist 1534 vom König Sigismund I. 
bestätigt, Opis IV 238 f. 
9. Der zemaitische Bischof Nikolaus I. (1423 - 1453) gründete nach 
der Christianisierung des an 
reussen anliegenden Teiles seines Bistums 
die erste Kirche zu Jurbalkas, ZV I 65. 
10. 1453 fliehen die L.emaiten wegen Kriegsgefahr von Pa I an g a 
und He i I i gen A a (= Svelltoji, Dorf s. der Sventoji) mit "Hab 
und Gut". Es wird auch ein Ordenskrüger ans dem letzteren Orte er- 
wähnt. BUI Xl 275. 
11. König Sigismund J. bestätigt S. K
sgaila im Jahre 1511 die von 
Kasimir dem Wilnaer Wojewoden J. K
sgaila (1459 - 1476, Wolff 72) ge- 
machte Verschreibung über die Scharwerksbauern am PI a tel i a i-See 
und in den Wäldern von Gar gi da i, Boniecki 121. 
12. Der Hauptmann von Zemaiten Kre3KraHJ10BH4'b (= J. K
sgaila 
1451 -1485, Wolff 91) erteilte im Jahre 1462 oder 1477 (= Indikt 10) einem 
Edelmann Ap'bBYJl.OC'b (= Arvydas?) das Recht, ein Stück" wüsten Sumpfes 
an der Ga 11 san t e, Zufluss der oberen Mituva, in der Nähe des ihm 
gehörenden Dorfes zu roden, W A XXIV 268. 
13. 1501 wird das Dorf K 0 tt i t e n (= KatyCiai, deutsch: Koadjuthen, 
Kirchdorf im Kreise Pogegen) vom iemaitischen Hauptmann beansprucht. 
Der Orden behauptet dagegen, es solle zu J. K
sgailas Zeit (1451 - 1485) 
ihm gehört haben, BU2 II 68. 
14. Lizgainis, der Vorfahr der 1564 um S a te s ansässigen Familie 
Mitkaiciai erhielt von J. K
sgaila einen Scharwerksbauern, WA XXIV 157,270. 
15. L. Petrelaitis und seine Biüder, um Z i d i kai ansässig, weisen 
sich 1554 vor dem königlichen Feldmesser mit einem Briefe des Haupt- 
manns J. K
sgaiIa als ,Bojaren aus, loc. eil. 146. - Das heutige Dorf Pet- 
reliai 6 km ö. von Zidikai hat seinen Namen von diesem Geschlecht. 
Vgl. loc. cil. 341. 
16. 1547 legen die Bojaren des !	
			

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(261) 


17. 1491 bestätigt König Alexander dem Bojaren M. BOHwToBTo- 
B",I"b und seinen Brüdern den Besitz von BOH'Ionlpbl jenseits der Saltuona. 
Das Land war ihrem Vater gerichtlich zugesprochen, WA XXIV 1. - 1597 
kauft ein D. BOHTOBTOBH'I"b-B03nlpJl."b einen Teil von BO'lOrHpbl, im Kreise 
Raseiniai, dem B. PYKOBH'I"b ab, Opis IV 180. - BO'lOnlpbl, mit dem in den 
Akten häufigen 0 < oü « H. ai), ist gleich dem obigen BOH'IOrHpbl « li. 
* Vaitiogiris: Vaitius PN + giria ,Wald') = Vadzgirys, Kirchdorf im Kreise 
Raseiniai, welches seinerseits aus dem entstellten BO'lOrHpbl der Kanzleispra-- 
che hervorgegangen ist. BO'lOrHpbl wurde nach dem Ausfall des Bindevokals 
zu * BO'lrHpbl, das li. * Vatsgirvs und nach Assimilation von ts an das nach- 
folgende g Vadzgirys ergab. Die heutige Form dieses ON erscheint als 
BmKrHpbl (für * BOJl.)KrHpbl < BO'lrHpbl) schon im XVI. Jahrhundert, Opis 
III 139. 
18. 1503 bestätigt König Alexander auf die Bitte der Frau von S. Man- 
tautas das dem Vater ihres Mannes von Kasimir (1440 - 1492) geschenkte 
Gut Pa j ii r i s, Boniecki 187. 
19. Der Vorfahre des 1568 um Se d a ansässigen S. Giniatowicz und 
seiner Neffen war nach dem bei der Untersuchnung eines Landbesitzstreites- 
zusammengestellten Stammbaum ein Wizgint (= Vizgintas), von welchem jene 
im vierten bzw. fünften Gliede abstammten. W A XXIV 324 f. - Die Gene- 
ration zu 30 Jahren gerechnet kommen wir für den Urahnen dieses Ge- 
schlechts etwa auf die Zeit 1450. 
20. Die 1568 um Ylakiai und Zidikai wohnende Adelsfamilie Dydeli 
(Petkus und Jurgis Miknaytis, Jakub Ginthkaytis) weist folgenden Stammbaum 
auf, WA XXIV 327 f: Vgl. die Tabelle S. 262. 
Die drei oben angeführten Repräsentanten des Geschlechts finden wir 
im fünften Gliede des Stammbaumes, welcher deren im ganzen sechs zählt.- 
Ruslys, der Vorfahre des Geschlechts, müsste also vor etwa 130 Jahren. 
d. h. noch in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts gelebt haben. 
Besonders interessant ist hier die Tatsache. dass 16 Personennamen 1) 
dieser Familie 5päter als ON in Nordiemaiten zwi
chen Skuodas, Vieks- 
niai und Seda auftreten. Sie verraten uns die adligen Gründer folgender 
Ortschaften: Gin ti lai e i ai 2), S u gau d z i a i, Ru p e k i a i, Der k i n- 
e i a i. B u c i a i oder Bur i s k e, Ben i usa i ei a i, Maieikiai. Dargiai.. 
Gricaiciai. Po c a i c i a i, Pet r a i c i a i, J 0 n a i c i a i, Gau!yliskiai (jetzt 
gewöhnlich: MaiaiCiai) oder Gau r y I i a i, V i t kai c i a i, Cepiske S) und 
der nicht mehr vorhandenen "boiary S t Y rp e y k a y ci e (bei Uspelkiai). 
Zwei Drittel davon waren oder sind noch jetzt Güter und Vorwerke, 
also ehemaliger Adelsbesitz, was im Hinblick auf die Gründer auch zu 
erwarten war. 
Im obigen Stammbaum haben wir ein schönes Bild der Siedlungsentwik- 
klung vor uns, welche aus diesem, wenn auch nur auf engerem Gebiete, 
klar zu erkennen ist. Die neuangelegten Ortschaften verteilen sich danach 
auf die einzelnen Glieder des Geschlecht
 (11- VI) folgendermassen : 1, 3, 


1) Im Stammbaum mit * bezeichnet. Bei Jonas ist diese Bezeichnung nur wiIlkiirlich. 
weil deren mehrere waren. 
2) Die Güter und Vorwerke sowie die Dörfer, welche als Giiter aus dem XVI. Jahr- 
hundert bekannt sind (Spr: raspenH, rHHTHnaihe, nau,aihe, neTpaihe, s:lHoihH), werden ges- 
perrt gedruckt. 
S) Friiher kein Vorwerk.
		

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6, 4, 2. Also das vierte Glied mit seinen sechs NeugrÜndungen steht an 
der Spitze. Die Zeit der Gründung dieser Ortschaften ist auf spätestens 
um 1500 zu setzen, denn Pocius Jnrgaitis aus dem sechsten Glied ist 
schon im Adelsverzeichnis von 1534aufgeführt, W A XXIV 328. 
Aus dem Angeführten ergibt sich, dass die i e mai t i s c h e W i 1 d- 
nis bereits um 1450 auf ihrer ganzen Ausdehnung 
ein e, wen n aue h nie h t s ehr b e t r ä c h t 1 ich e B e v Ö 1 k e- 
rungsschicht aufweist. 
Der Prozess der Neubesiedlung selbst ist uns im einzelnen nicht näher 
bekannt, jedenfalls muss er aber, wie aus einigen sehr frühen Sied- 
lungen zu schliessen ist, kurz nach 1410 eingesetzt haben. FÜr die frühen 
Forts\hritte der Besiedlung in der Wildnis spricht auch der Umstand, dass 
die Zemaiten seit 1420 den Strand bei Palanga ständig bedrohen, 
BU. V 638 f. 
In den Jahren 1434 bis 1435 ist dieser sogenannte iemaitis
he Strand 
gerad
zu gesperrt, so "das nymandes ane schaden kan durchkamen", BU. 
VIII 492, 583. Auch später sind die Reisenden hier immer noch vor Über- 
fällen nicht sicher und benötigen besonderer Geleitsbriefe, BUl IX 159, 162, 
388; XI 404, 629; Xll 2. 
1455 bauen die Zemaiten zusammen mit den Kuren sogar "eyn bol- 
werg. " uff dem strande", werden aber von den Livländern dabei Über- 
rumpelt und "liffen weg", BU. XI 386. 
Hierbei darf nicht Übersehen werden, dass die durch den Friedensver- 
trag von 1422 Zemaiten zugeteIlte Strecke des Meeresstrandes auch aus mi- 
litärisch-politischen Rücksichten so rasch wie möglich besetzt werden 
musste, um Livland von der Verbindung mit Preussen vollständig abzu- 
schneiden. Dieser Umstand beschleunigte natürlich den Gang der Neube- 
siedlung in dem der Ostsee benachbarten Teil der \Vildnis bedeutend. 
Anfangs war die Bevölkerungsschicht der Wildnis verhältnismässig 
dünn. Grosse Strecken mÜssen noch ganz siedlungsleer gewesen sein. Es 
ist leicht zu verstehen, warum der livländische Landmeister 1420 an den 
Hochmeister schreibt, er wolle in Memel bestellen, dass die Briefe "durch 
die wiltnisse gefurt wurde herwort, unq nicht langes dem strande", BUl V 
639. Hier war man sicherer vor den Uberfällen als auf dem bewachten 
Strande. 
Ein ganzer Heerhaufen kommt 1434 aus Livland in die Wildnis und 
macht hier kehrt, weil "yn waren czithunge gekomen, das die Samayten 
legen vor der wilt
nisse", BUl VIII 503. 
Die Grenze Zemaitens gegen Preussen verläuft 1422 durch die Wild- 
nis, BU. V 881. 
In eipem Briefe an den Papst von 1423 schreibt Vytautas: "Que (= Bis- 
tum von Zemaiten) quamvis terre amplitudine non tarnen exculte est do- 
tata", LC I 107. 
1454 drohte ein Krieg auszubrechen und der Hauptmann von Zemai- 
ten liess neben anderen Vorbereitungen auch je einen Weg nach PaIanga 
und Memel räumen, BUl XI 312. 
1422 werden von Ragnit aus die Struter ausgesandt, um über die 
Lage in Litauen Erkundigungen einzuziehen. Diese berichteten, dass sie 
"keinerlei czeitunge in der wiltnisse irfarn andirs, wen das die wege ge-
		

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czeichent sien" und brachten noch zwei 'LäuUinge von Kaunas mit. 
CEW 1047. 
Diese Bemerkungen mögen genügen, um die noch immer grosse Leere 
der Landschaft zu zeigen. 


3. Fortschritt der Besiedlung bis Anfang des XVI. Jahrhunderts. 
Um 1500 waren in der Neubesiedlung noch weitere Fortschritte ge- 
macht. An Beweisen dafür sind anzuführen: 
1. Aus dem Jahre 1502 sind die ersten Statthalter von Jur- 
bar k a s, Ski r sn emu ne und V e I i u 0 n a (1501, LOb 207) bekannt, 
Boniecki 102, 303, welche Verwalter (tenutarii) der Krongüter und Inhaber 
der administrativen Gewalt waren, LOb 64 ff. 
2. Anfang des XVI. Jahrhunderts treten Amt 1 e u t e (tiuuni) der 
Kreise J u r bar k a s (1502), R i eta v a s (1515), Pa j ü r i s (1524) auf 
Boniecki VI f. Sie hatten die wirtschaftliche Aufsicht über die Krongüter 
und waren zugleich auch Steuerbeamte und Kreisrichter niederen Ranges 
und unterstanden den Statthaltern, LOb 420 ff. 
3. Die ersten Kirchen im früheren Wildnisgebiet sind in den Jahren 
1506 - 1509 gegründet: Ba t.a k i ai (1509), Tau rag 
 (1507), Se da 
(1508), Pajüralis (1509), Svek!;na (1509), Butki!;k
 (1506), ZV 
I 276, 320; Czerski 34; ElencllUs 61. 
4. 1507 ist die erste Schule zu Taurage eröffnet worden, ZV 11 7. 
5. In einer königlichen Bestätigungsurkunde, welche i. J. 1511 dem 
ze
aitischen Hauptmann S. Janowicz über die ihm und seinen Vorfahren 
in Zemaiten verliehenen Güter erteilt wurde, wird auch der Kreis Plateliai 
"co BCHM"b C"b TbIM"b, KaK"b TaSl B0J10CTb nJ10TeJ1bCKaSl H BCH TblH Cellbua C"b 
CTapOll.8BHa B"b CBOHX"b rpaHHuaX"b M3KH"b H KaK"b... ll.ep>KaHbl 6bIJlH" 
mitbestätigt, LOb 202. 
6. Von den im Heeresverzeichnis des Jahres 1528 genannten wehr- 
pflichtigen Bojaren sassen oder hatten Besitz: 
l. aus dem Kreise Tel!;iai, RIB XXXIII 219: MaUKOBH'I"b, Opis'l 17, 
20, 31 - in Se d a; raHycoBH'I"b, loc. cit. 7, 26 - in R in a v a s; Dan- 
TpOMeeBH'I"b, Opis 11 29 - um Pik e I i a i; Il.oB6opOHTHC"b und IlecoBH'I"b, 
loc. eit. 157 - um Ti r k!; 1 i a i; raBpHnOBWI"b. loc. eit. 2- in Pie ve na i; 
11. aus dem Kreise Gandinga, RIB XXXIII 218 f, um PI u n g e: 
.D.awKOBH'I"b - in Ga nd i n g a, Opis 1 28; 51BoHWOHTHC"b - in J 0 va i- 
si!; k e, 10c. cil. 45; neTpOHTHC"b - in Kau!; 
 n a i, 10c. cil. 79 und 
MI1J10WOHTHC"b - in Mi 1 a s a i ci a i, Opis IV 156; 
111. aus dem Kreise D. Dirvonenai, RIB XXXIII 221: MHKOJ1aeBH'I"b 
(stellt zwei Pferde) - in R a m u c i a i 4 km sö. von Klykoliai, Opis I 121; 
IV. aus dem Kreise Pajüris, RIB XXXIII 216 ff: neTKo neJ1JlOBH'I"b 
_ in Pa j ü r i s, Opis I 13; neTpaW"b CTaHbKOBH'I"b - in Te n e ni a i, 
loc. cit. 140; 51H"b und CTaHHCJ1aB"b OpBHll.OBH'IH - in Silale, WA 
XXV 69. 
7. Der Magnatenfamilie K
sgaj)a gehörten schon vor 1529 ausser dem 
Erbschloss Plateliai noch folgende Güter auS s e r hai b der Siedlungs- 
grenze von 1400: B erz 0 ras, G i TI tal i !; k
, Gar g z d a i. A k m e n 
 
und Bat a k i a i. Das Gut Ve i vi r z 
 n ai ist zu dieser Zeit das Ei- 
gentum des J. N. Jurjewicz, LOb 203.
		

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8. Mit dem Tode S. K
sgailas (1526) geht das Recht der Ernennung 
der Amtleute für Ga n d in g a, Tel s i a i, Pa 1 an ga (= nOnOHaJl BO- 
nocTb), wie auch für andere Kreise auf den König über, LOb 205. 
9. In der Beschreibung der litauisch-livländischen Grenze von 1529 
sind genaue Angaben enthalten, wo und auf welchen Strecken diese von 
den einzelnen iemaitischen Kreisen berührt wird, Limites 219 H. 
10. In einer königlichen Verordnung v. J. 1529 wird R i eta va s 
schon eine Stadt (Meero) genannt, RIß XXX 67. 
11. 1534 werden aus dem Norden des Kreises TelSiai die Aufseheräm- 
ter (= Schulzenämter) von Buciai, 6 km mv. von Zldikai, und Vi t kai 
(= VitkaiCiai 2 km. nw. von Pievenai) erwähnt, WA XXIV 328, 332. 
Wie wir als 0 se h e n, z e i g t die f r ü her e W i 1 d n i s 
s c h 0 n kur z n ach 1 5 0 0 ein m e r k I ich ver ä n der t e s B i J d. 
Das G e b i e t ist i n K lei sem i t fes t enG ren zen ein g e- 
te i I t. Ein ga n zer Be amt e n a p par at übt wir t s c h a f tl i- 
c heu n d a d m i n ist rat i v e G e wal tau s, Ein e s tat t I ich e 
Anzahl von grösseren Gütern und 6 Kirchen sind auf 
dem ganzen Gebiete verstreut. Einzelne Ortschaf- 
ten haben sich bereits zu Städtchen entwickelt. Es 
werden Schulen eröffnet. 


4. Zusammenhang zwischen KIrchengründung und Besiedlung. 
Etwas ungewöhnlich erscheinen auf den ersten Blick jene 6 Kirchen- 
grOndungen, welche sämtlich auf einen Zeitraum \'on ;3 Jahren be- 
schränkt sind. 
Mortensen, Litauen 64, spricht hier schon allein auf Grund der drei 
ihm bekannten Gründungen v. J. 1509 (Sveksna, Pajüralis, Batakiai) von 
"einer völlig neuen Epoche" in der Besiedlung der Wildnis. 
Die Kirchengründungen stehen jedoch in keiner Verbindung mit dem 
ganzen Siedlungsgange und sind wohl auf andere Weise zu erklären. Von 
1500 -1514 sehen wir auf dem bischöflichen Stuhl von Medininkai den 
gelehrten und um die Hebung der Bildung der iemaitischen Geistlich- 
keit sehr verdienten Bischof Martin 111., Elenchus 97, Czerski 76. Er er- 
freute sich einer besonderen Beliebtheit nicht bloss in seinem Bistum, sondern 
auch bei dem König. Daher wurde unter ihm die iemailische Kirche von 
allen Seiten reichlich dotiert. In dieser Zeit sind dem Bischof mehrere Güter 
geschenkt und gross
 Geldsummen und zahlreiche Altarstiftungen der Kirche 
vermacht worden, ZV I 74 f. Es liegt demnach nahe, dass jene 6 Kirchen 
ihre Entstehung ausschliesslich der Zuneigung des Adels zum Bischof ver- 
dan\	
			

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Aus dem Heeresverzeichnis des Landes Zemaiten v. J. 1528, RIB XXXIll 
200 H, ersieht man mit Leichtigkeit, dass die auf dem Gebiete der frühe- 
ren Wildnis entstandenen Kreise im Gegensatz zu den von Südostiemaiten 
eine erstaunlich geringe Zahl von wehrpflichtigem Adel aufweisen. Die 
einzelnen "Wildniskreise" zählen an Adelsfamilien : Rietavas - 61, Gan- 
dinga - 6, Pajüris - 77, Dirvonenai - 41, Telsiai - 71 1 ). Die Kreise 
Plateliai und Jurbarkas fehlen im obigen Verzeichnis vollständig, sie haben 
also überhaupt keinen Kleinadel. Die allerding
 beträchtliche Anzahl 
des Adels in den Kreisen Pajüris, Tegiai und Dirvonenai ist leicht dadurch 
zu erklären, dass diese "Wildniskreise" auch Teile des alten Siedlungsge- 
bietes umfassten. 
Also muss sich fast der ganze Grundbesitz mit der darauf sitzenden 
leibeigenen Bevölkerung in jenen Kreisen um 1500 in den Händen des 
hohen Adels und des Königs (Krongüter) befunden haben. Dies wird durch 
die stattliche Zahl der privaten Gross- und Krongüter bestätigt. Vgl. oben 
S. 264 und die Karte von Jakubowski. 
Diese Besitzverhältnisse herrschten hier wohl 
chon seit dem entgül- 
tigen Anschluss von Zemaiten an Litauen i. J. 1410 , denn vom Untergange 
des Kleinadels, also zugleich auch des freien kleinen Grundbesitzes, ist uns 
nichts bedannt. Im Gegenteil deuten alle Nachrichten über die frühesten 
Verschreibungen (vgl. oben S. 259 ff) darauf hin, dass der Landes- 
herr über das neu zu besiedelnde Land allein verfügte und nach seinem Wil- 
len verschreiben konnte. Jene privaten Grossgüter sind durch die späteren 
Schenkungen der Herrscher hauptsächlich an hohe Beamte entstanden. 
Also muSS das gesamte unbesiedelte Wildnisgebiet und das von einer 
nichtadlig
n Bevölkerung bewohnte Land mit der Übernahme der Oberho- 
heit über Zemaiten durch Vytautas in den Besitz des Landesherrn gekommen 
sein. Vgl. LOb 304 ff. 
Die Richtigkeit dieser Auffassung wird noch besonders durch den Um- 
stand unterstützt, dass die grossen iemaitischen Wälder von Jurbarkas, 
Skirsnemune, Veliuona und Vilkija, also öas unbesiedelte Land, noch 1558 
fast ausschliesslich im Besitz des Königs sind, RP 38 ff. v 
I. J. 1522 schreibt der König Sigismund an den Hauptmann von Ze- 
maiten, er solle dem Adel den Eintritt in die Kronforste und die Nutznies- 
sung der Flüsse und Seen nicht verbieten, LOb (Anhang) XXXV f. 
Hieraus ersehen wir, dass die Möglichkeit einer Kirchengründung in 
den "Wildniskreisen" wegen Mangel an pr iv a t e m freiem Kleinbesitz allein 
vom hohen landbesitzenden Adel und dem König abhängig war. Der Bi- 
schof konnte also beim besten WiIlen wegen Fehlens eigener Mittel auch 
in den besiedelten Gebieten keine neuen Kirchen ohne fremde Hilfe 
anlegen. Und die Gunst des hohen Adels scheinen nicht alle zemaitischen 
Bischöfe genossen zu haben. ßeispielsweise musste Bartholomäus I. (1459 
__ 1460) vor den erzürnten Zemaiten sogar aus seinem Bistum fliehen, 
ZV I 70 f. 
Eines der krassesten Beispiele für die geringe Sorge der königlichen 
Statthalter um die Christianisierung des Landes und die Gründung neuer 


1) Die Zahl ist wegen Fehlens zweier Blätter Im Verzeichnis nicht genau. Auch der 
Kreis Siauliai haUe seinen Adel. Die Bojaren beschweren sich nämlich um 1529 beim Kö- 
nig-. dass er sie mit dem ganzen Kreise dem Wilnaer Bischof verschrieben habe, LOb 
(Anhang) XL. 


--
		

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(267) 


J 
f 


Kirchen ist aus dem ehemaligen Kreise Siauliai bekannt. Dieser ganze 
Kreis bestand ausschliesslich aus Krongütern und wurde von einem Statt- 
halter verwaltet, Jakubowski (Bemerkungen zur Karte) 17; Boniecki 180,268. 
Um 1522 ist der Kreis trotz des WIderstrebens des zemaitischen Haupt- 
manns S. Jano\\.icz von König Sigismund dem Wilnaer Bischof geschenkt 
worden, LOb (Anhang) XXVII ff. Und nun entdeckte der Bischof bei der 
Visitation i. J. 1523, dass in dem an Kurland grenzenden Teil des Kreises 
die Bauernbevölkerung noch vollständig heidnisch war. Gleich danach 
gründete er die Kirche zu JoniSkis 1). Es ist weiter anzunehmen, dass auf 
Anregung desselben Bischofs auch die Kirchen in Lygumai von L. Wieko- 
wiez i
 J. 15262) und in Senoji Zagare von Syrewicz - 1523 gebaut worden 
sind, ZV I 296, 330. 
Nebenbei ist zu bemerken, dass ein Syrewiez schon lange vor der 
Kirchengründung _ i. J. 1495 beim König einen Freibrief zur Abhaltung 
eines Marktes in Zagare erwirkt hatte, RIB XXVII 613. 
Des weiteren sind alle nach Vytautas erfolgten 
Kir chengründungen durch den Fortschritt der Chris- 
ti a n i sie run g s t a r k be d i n g t. Die Verbreitung der neuen Lehre 
ging aber äusserst langsam vor sieh. Das oben über den Kreis Siauliai 
Gesagte ist das beste Beispiel dafür. 
Um 1493 lässt der Pfarrer von Siauliai in der: Gegend von Papile viele 
Heiden taufen und gründet daselbstveine Kirche, ZV I 73. 
Nach der Nordwestecke von Zemaiten war die christliche Lehre bis 
zur Mitte des XVI. Jahrhunderts nur oberflächlich vorgedrungen, denn mit 
dem Umsichgreifen der Reformation kehrt die Bevölkerung dieser Gegend 
zum Heidentum zu!ück und bei Palanga und Salantai wird wieder heiliges 
Feuer angebrannt, ZV I 100 f. 
Es ist dies zu verstehen, weil die einzelnen Kirchen sehr häufig für 
äusserst weit ausgedehnte Landschaften bestimmt waren, z. B. wurde zu der 
1551 in Mosedis gegründeten Kirche das ganze nordwestzemaitische Gebiet 
zwischen der Jura und der livländischen Grenze eingepfarrt, loc. eit. 84. 
Aus der biossen Tatsache dieser Gründung können wir auch 
kaum auf eine dichtere Besiedlung der Umgegend von MosMis im Gegen- 
satz zu der des übrigen Gebietes schliessen. Die Kirche ist eher nur des- 
wegen in Mosedis angelegt worden, weil hier noch 1523 ein heiliger Wald 
stand, RLU 182. Das Gotteshaus sollte wohl auf der heidnischen Heiligen- 
stätte seinen Platz haben. 
Die Kirchengründungen sind demnach kein sicheres 
K r i t e r i u m, u m gen auf e s t z u s tell e n, wie die Neu b e sie d- 
lung der zemaitischen Wildnis vorsichgegangen ist. 
Sie sind vielfach erst geraume Zeit später nach der 
Besiedlung erfolgt, was seinerseits durch die bis in 
die Mitte des XVI. Jahrhunderts nicht abgeschlossene 
C h r ist i a n i sie run g des L a n des und die m a t e r i e II e A b- 
hängigkeit des Bischofs beim Anlegen neuer Kirchen 
bedingt ist. 


I, 


1) Nach Czerski 58 j, J. 1526. Das Griindungsjahr 1522 bei Valan
ius, 'Lv I 284, ist 
offenbar irrig, weil es im Widerspruch mit der 1523 staUgefundenen Visitation steht. 
2) Mortensen, Litauen 79. hat hier aus dem von Fehlern wimmelnden Elenchus das- 
falsche Gründungsjahr 1436 und knüpft daran weitgehende Erörterungen.
		

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Dazu beruht die von Mortensen, Litauen 64, entworfene Karte der 
Kirchengründungen Litauens auf einer höchst unzuverlässigen Quelle, den 
Elenchi. Diese haben an vielen Stellen das Jahr des Neubaues einer Kir- 
che anstatt deren Gründungsdatums. So z. B. ist die Kirche zu Sia!11iai 
1445 gegründet worden und die von Virbalis bestand schon 1502, ZV I 
318, 76. Der Elenchus dagegen gibt hier die Gründungsjahre 1620 bzw. 
1743 an! 
Diese und andere Fehler hat Mortensen in seine Karte aufgenomp1en. 
Zuverlässiger bei der Angabe der Kirchengründungen ist Valancius, ZV I, 
obwohl auch er an manchen Stellen augenscheinlich das Jahr des Neu. 
baues für das der Gründung hält. Nach ihm sind die Kirchen von Ne- 
maksCiai 1636, Bietavas 1606, Lyduvenai 1754 und Erivilkas 1706 ge- 
gründet worden. ZV I 302, 312, 296, 280. Alle diese Kirchen werden aber 
schon früher als bereits vorhanden erwähnt: die erste 1588, die zweite 
1565, die dritte 1593 und die vierte 1584, Opis 1123, 144 (vgl. Spr. nHJl.O- 
BSlHCKiH KOCTen"b); 11 26; WA XXV 385. Und das sind keine Einzelfälle. 
Bei dieser Unsicherheit der Gründungsdaten der zemaitischen Kirchen 
ist also in der Verwertung der Kirchengründungen für die Frage der Wild- 
nisbesiedlung die grösste Vorsicht geboten. Man ist hier nie sicher, ob z. 
B. eine jener vier Kirchen nicht schon Anfang des XVI. oder sogar noch 
Ende des XV. Jahrhunderts gegründet wurde. 
Mit diesen Bemerkungen wollen wir durchaus nicht sagen, da,ss die 
Kirchengründungen in den siedlungsgeschichtlichen Untersuchungen Zemai- 
tens unbeachtet bleiben sollen. Gewiss, zur Ergänzung der auf anderem 
Wege gewonnenen Erkenntnis sind sie brauchbar und zuweilen unentbehrlich, 
aber der Versuch Mortensens, Litauen 249, 265, 279, allein aus diesen Grün- 
dungen bestimmte Zeitangaben für die Besiedlung einzelner Landschaften 
zu gewinnen, muss als verfehlt angesehen werden. 


5. SIedlungsbild nach 1550. 
Oben mussten wir uns bei der Frage nach dem Stand der Besiedlung 
der ehemaligen Wildnis um 1500 lediglich mit allgemeinen Bemerkungen 
begnügen. Aus den spärlichen Quellen war kein getreues Bild jener jungen 
SiedlungsgeLJiete zu gewinnen. 
Wesentlich anders liegen die Dinge um die Mitte des XVI. Jahrhun- 
derts. Von der dank Sigismund August Ende der 60-ger Jahre durchgeführ- 
ten Landesvermessung und den späteren Revisionen sind uns einige Bestand- 
bücher der der Krone gehörenden Kreise überliefert. Sie enthalten vollständige 
Verzeichnisse sowohl der Hufenzahl des Acker-,Weiden-,Wiesen-, Wald-, 
und zuweilen sogar des Gartenlandes als auch der darauf sitzenden Bauern- 
familien. Der private Besitz blieb natürlich dabei unberücksichtigt, was 
jedoch wegen seines fast völligen Fehlens in den sogenannten Wiidniskrei- 
sen das aus den erwähnten Bestandbüchern gewonnene Gesamtbild der 
Landschaft kaum ändern kann. 


* * 


*
		

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Nach dem Bestandbuch von 1566, abgedruckt WA XIV 101-152, 
zählt der königliche Kreis Kr e tin ga im ganzen 87(1) Hufen, nämlich 
423 Hufen Ackerland, 266 Hufen Wald, 105 Hufen Weide, 5 Hufen Gärten 
und 72 Hufen sonstiges Land. 
Die Einwohnerschaft des Kreises ist auf 13 Dörfer mit insgesamt 369 2 ) 
Bauernwirtschaften verteilt. Die Zahl der Bauernfamilien muss ca. l/ö höher 
als die der Wirtschaften gewesen sein, weil auf mehreren Hufen zwei oder 
sogar drei Bauern sitzen. Die genaue Zahl der Familien ist jedoch nicht 
festzustellen, denn es ist häufig unmöglich zu unterscheiden, ob eine Hufe 
von einer oder von zwei Familien bearbeitet wurde. 21 von jenen 369 
Wirtschaften sind neu gegründet und noch ohne Wirtschaftsgebäude. 
Private Güter und Bojarendörfer sind keine vorhanden. Das in einem 
späteren Bestandbuch von 1572 genannte Krongut Kretinga muss natürlich 
schon 1566 bestanden haben, WA XIV 161. 
Heute weist das ehemalige Kreisgebiet ausser jenen 13 Dörfern noch 
weitere 19 Ortschaften (ohne Stadt und Gut Kretinga) auf3). Die Gesamt- 
zahl der Bevölkerung auf diesem Gebiet beträgt 9400 Köpfe, davon freilich 
2700 in Stadt und Gut Kretinga. Das platte Land zählt also in den 33 Ort- 
schaften 6700 Einwohner, wobei durchschnittlich auf jede Wirtschaft (die 
Güter ausgenommen) 8,4 Personen entfallen. 
Den heutigen Durchschnitt von 8,4 Einwohnern pro Wirtschaft können 
wir ohne weiteres als annähernd richtig auch für jene 369 Bauernwirtschaf- 
ten annehmen. Die Tatsache, dass mindestens l/ö der Wirtschaften je zwei 
Bauernfamilien beherbergte, sowie der damalige niedrigere Kulturzustand 
lassen sogar auf eine noch höhere Einwohnerzahl der Einzelwirtschaft schlies- 
sen. Danach ist also die Gesamtzahl der Bevölkerung des Kreises Kretinga 
i. J. 1566 nicht unter 3100 einzuschätzen. 
Vergleichen wir diese Zahl mit der von 1923, so ergibt sich, dass der 
Zuwachs während einer Zeit von über 350 Jahren nur 
2 00 % und auf dem pI a t t e n L a n des 0 gar kau m 1 20 0/0 
beträgt. 
Nach dem Ausweis des schon genannten Bestandbuches von 1572, 
W A XIV 161 ff, war die Zahl der Wirtschaften nach einer vorhergegangenen 
Pest von 369 auf 308 im ganzen Kreise zusammengeschrumpft. Darunter 
sind aber 43 Wirtschaften, welche 1572 nach der Pest neu besetzt waren. 
Im ganzen sind also 104 Wirtschaften oder mit anderen Worten beinahe 1/3 
der ganzen Bevölkerung hingerafft worden. 
Infolge einer neuen Seuche von 1710 und des schwedischen Krieges 
vorher hatte der Kreis Kretinga wieder viel von seiner Bevölkerung 
verloren. Die Krankheit muss hier sehr heftig gewütet haben, weil die im 
nächsten Winter nach Kretinga zurückgekehrten Bernhardinermönche wegen 


1) Die Zahlen sind auf volle Hufen abgerundet. 
2) Die Kätner sind nicht mitgerechnet. 
3) Hier lind weiter unten wurde die aus den Bestandbüchern oder auf Grund der bei 
Spr. lind sonst in den W A enhaltenen Ortsnamen ermittelte KreisfUiche zuerst auf die Karte 
1: 100.000 tibertragen. Auf diese Weise konnten die heutigen BevöJkerungszahlen der alten 
Kreisgebiete berechnet werden, Dazu dienten die statistischen Angaben über die Bevölke- 
rung Litauens nach der Zählung von 1923 in .Lietuvos Apgyvento!i Vietos., Kaunas 1925. 
Di.e Zahlen sind überall abgerundet.
		

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des Ausbleibens des Zehnten von anderwärts mit Nahrungsmitteln versorgt 
werden mussten, ZV 11 94 f. 
Hierin haben wir auch die Erklärung für die oben festgestellte erstaun- 
lich geringe Bevölkerungszunahme zu suchen. 


* * 
* 


Durch die Schenkung der Magnatenfamilie K
sgaila an den jungen 
König Sigismund August i. J. 1529 wurde der Kreis PI a tel i a i wieder 
Besitz der Krone. Schon im Jahre 1554 weilt hier S. Raiski als königli- 
cher Feldmesser, WA XXIV 157. Ein Bestandbuch ist aus d. J. 1585 über- 
liefert, loc. eit. 297-312. 
Danach besteht der Kronbesitz aus einer zerfallenen hölzernen Burg 
auf der InseIl) des Plateliai - Sees, der Stadt und dem Gut Plateliai sowie 
18 Dörfern in den vier Schulzen ämtern : S t i r bai c i a i, Re k e t
, 1m- 
bar 
 und K e pur 
 na i 2) mit insgesamt 4133) Wirtschaften. 98 von 
diesen werden als neu gegründet (oder nur neu besetzt?) aufgeführt. 
Durch die Schenkung Sigismund Augusts an J. Laskowski waren je- 
doch bereits 1568 :3 königliche Dörfer des Kreises, nämlich KapBSlHbl, DHC- 
Kynbl und WaTej;1KH -l) in Privatbesitz übergegangen, Opisan. 111 33. Nach 
Spr. sind 1586 die beiden ersten je 42 und das dritte 24 Hufen gross. 
Minde
tens 2/3 dieser Hufen dürfte;], wie es in den übrigen Dörfern 
des Kreises der Fall war. besetzt gewesen sein. 
Aus d. J. 1595 ist noch ein weiteres Dorf PeMTeBHHC"b, 18 Hufen 
gross, aus dem Schulzenamt Stirbaiciai bekannt, Spr. 
Die Gesamtzahl der Wirtschaften in den 22 Dörfern ist also auf rund 
500 einzuschätzen. 
Beackerte Hufen zählte der Kreis 714, Der Waldbestand betrug 246 
Hufen. Die Hufenzahl der Wiesen ist nicht angegeben. 
Der Privatbesitz kann im Kreise nicht gross gewesen sein. Bekannt sind 
nur zwei Güter Dep>KOpbl (= Berioras. bei Plateliai) und rHpKOHTHWKH 
(= Oirkantf! im Amtsbezirk Plung
), LOb 203, Spr. Das Bojarendorf KrYD.e.HH 
(= Oodeliai im Amtsbezirk Plateliai) in Grösse von 17 Hufen wurde 1585 
wegen Fehlens der Freibriefe samt den anderen Dörfern dem neuen Statt- 
halter untergeordnet, W A XIV 302. 
Dass die Zahl des Adels klein und sein Besitz gering war, ersehen wir 
auch daraus, dass im Heeresverzeichnis von 1567 aus dem Kreise Plateliai 
nur 6 wehrpflichtige Bojaren mit je einem Pferd angeführt werden, RIß 
XXXIII 1350 f. 
Nach der Bestimmung des Grodnoer Seims von 1566/7 war aber der 
Adel verpflichtet, von je 10 Bauerndiensten (CJlY>K6bl) ein Pferd für den 
Krieg zu stellen, RIB XXX 411. Der Besitz aller obigen Bojaren muss 1567 
also etwa 60 Dienste betragen haben. Daher kann die Gesamtzahl der im 
Kreise vorhandenen Wirtschaften nicht unter 550 gewe<;en sein. 


1) Auf der Burginsel sind noch heute Spuren von Bauten zu sehen. 
2) Heute Dörfer in den Amtsbezirken Salantai, Plateliai und Plung
. 
3) Diese Zahl ist nicht ganz genau, Die Anzahl der besetzten Hufen des Dorfes 
PI1Maihe und und eines Teiles von }t{Bl1p6naihe Ist im Inventar nicht angegeben. Von mir 
warden 2/3 der Hufen als besetzt angenommen und mitgezählt. 
4) Heute 
ateikiai und Kadai
iai Im Amtsbezirk Plateliai. Vgl. Spr. unter KOHAoihH. 
KapBRHbI grenzte an die obigen beiden Dörfer. 


--
		

/Pomorze_016_11_103_0001.djvu

			- 103 - 


(271) 


Heutzutage weist das alte Kreisgebiet ausser den alten noch 11 neue 
Ortschaften auf. Manche davon haben im Laufe der Zeit auch ihren Namen 
gewechselt. Das heutige Dorf Zeimiai, 5 km sö. VQll Salantai, heisst im 
Bestandbuch )Ka6l1Tbe und Reketl!, 2 km sw. von Zeimiai, - KraHJla
iTe, 
obwohl das Schulzenamt selbst den Namen "BOHTOBCTBO PeKeUKoe" führt. 
1595 wird KraHJlaHTe schon Re k i e ci e genannt, aber )Ka6l1Tbe heisst 
noch immer Z abi ci e, WA XIV 458 f. 
Dieser Namenwechsel ist leicht zu begreifen, weil z. B. in )Ka6l1Tbe 
1585 neben den vier 3a6I1TaHTI1C"b auch zwei )KeHMaHTI1C"b ansässig sind, 
loc. cit. 302 f. 
Die Einwohnerzahl des ehemaligen Kreisgebietes Plateliai betrug i. J. 
1923 bei durchschnittlich 6,5 Personen pro Wirtschaft etwa 7000 Köpfe. Die 
Bevölkerung wäre also für d. J. 1585 nicht unter 3600 einzuschätzen. 
Der Zuwachs innerhalb eines Zeitraumes von 
run d 340 Ja h ren be tr ä g t dan ach nur k na p p 95 0/0' 


* * 


* 


Für den Kreis R i eta v a s ist ein Protokoll über die in den Jahren 
1563-85 durchgeführte Revisionsvermessung des Kronbesitzes erhaUen, 
WA XXV 381- 442. Dieser Besitz umfasst folgende sechs Schulzenäm- 
ter : J u 0 d 
 n a i (8 km s. von Tverai), Ai t ra (Nebenfluss der JOra n. 
von Kvedarna), R i eta va s, Kap s tat a i (2 km ö. von Endriejavas). 
Lei e n a i (8 km s. von Endriejavas) und V e i v i r zen ai mit 70 Ortschaf- 
ten (einschliesslich der Stadt Riet8vas mit 49 und Veiviri
nai mit 19 Wirt- 
schaften), welche im Ganzen etwa 700 Wirtschaften zählen. 
1923 wurde das frühere Kreisgebiet von rund 15000 Personen bewohnt. 
Davon sitzen 1720 in Rietavas und 934 in Veivirzenai. Auf das platte 
Land entfallen durchschnittlich 6 Einwohner auf jede Wirtschaft. 
Nimmt man an, dass die Einwohnerzahl eines Bauernhofes im XVI. 
Jahrhundert, wie schon gesagt, etwa der von heute gleich gewesen ist, so 
muss die Bevölkerung des Kronlandes von Rietavas um das Jahr 1563 auf 
ungefähr 4200 Köpfe beziffert werden. Rietavas dürfte in jener Zeit rund 
300 und Veivirzenai 100 Einwohner gehabt haben. 
Also hat die Bevölkerung in 360 Jahren über 260 % zugenommen. 
Rietavas selbst weist aber einen Zuwachs von beinahe 500% und Veivirzenai 
sogar von 800 % auf. 
Der Prozentsatz von 260 erscheint hier zuerst im Vergleich mft dem 
der Kreise Plateliai und Kretinga merklich grösser. Tatsächlich ist er 
jedoch um ein bedeutendes kleiner, weil die adligen Besitzer bei der Lan- 
desvermessung unberücksichtigt geblieben sind. Ihre Zahl mag im Kreise 
aber keineswegs ganz gering gewesen sein, denn allein im obigen Protokoll 
werden bei der Beschreibung der Dorfgrenzen die Besitzungen von nicht 
weniger als 32 verschiedenen Bojaren genannt. Spr. führt in seinem Wör- 
terbuch 14 Güter aus dem Kreise Rietavas an 1). Einige von ihnen schei- 
nen nicht ganz klein gewesen zu sein. So z. B. hat das auch im Vermes- 
sungsprotokoll mehrfach genannte neHnOHTI1 (= Leipaitiai, Dorf und Gut 
4 km nö. von Veivirzenai) sogar ein Städtchen, RIB XXXIII 1332, vgl. auch 


I) 6YAPHKOBH	
			

/Pomorze_016_11_104_0001.djvu

			(272} 


- 104 - 


Opis 116. Aus dem Gute Wml>KH waren 1584 acht Personen vom leibeigenen 
Gesinde entlaufen, Opis I 114. 
In das Heeresverzeichnis von 1567 sind aus dem Kreise 20 Bojaren 
mit 23 Pferden eingetragen, RIB XXXIII 1332 f. Daher müssen sie im Be- 
sitz von insgesamt 230 Bauerndiensten gewesen sein. 
Rechnet man noch alle vorhin genannten 32 Kleinadelsfamilien mit, 
so ergibt sich, dass die Bevölkerung des Privatbesitzes im Kreise ca. 1600 
Köpfe betrug. 
Die absolute Einwohnerzahl des Kreises Rietavas zur Zeit der Revi- 
sionsvermessung betrug also etwa 5800 Personen. D ami t wir d für 
heu tee i n e Be v ö 1 k e run g s z u nah mev 0 n k n a p p 1 60 0/0' 
festgestellt. 
Ausser dem behandelten Vermessungsprotokoll besitzen wir noch ein 
anderes Bestandbuch von 1784, WA XXV 490-548. 
Hieraus gewinnen wir ein klares, wenn auch bis zu einem gewissen 
Grade offiziell gefärbtes Bild des zemaitischen Kronlandes am Ausgange des 
XVlII. Jahrhunderts. Manches hat sich während der 220 Jahre wesentlich 
verändert. Für uns ist es von Interesse, die aus diesem Inventar zu er- 
schliessende Bevölkerungszahl mit der von 1563 zu vergleichen. 
1784 umfasst der Kronbesitz insgesamt 94 Ortschaften. (ohne das 
Krongut Rietavas) mit zusammen 747 Wirtschaften (Wohnhäusern). Rietavas 
zählt deren 62 und Veivirzenai -- 70. 
Die Einwohnerzahl, rund 6 Personen pro Wirtschaft gerechnet, beträgt 
ca. 4500. Die beiden Städtchen weisen 370 bzw. 420 Einwohner auf. 
Auf dem platten Lande sitzen alm nur 3700 Personen. 
Diese Zahle
 lehren uns folgendes. Die Bevölkerungszunahme in fast 
zweieinhalb Jahrhunderten beträgt im ganzen Kronlande nur ca. 300 Köpfe. 
Der Zuwachs beschränkt sich lediglich auf die beiden Städtchen, das Land 
weist sogar einen Bevölkerungsrückgang um 100 Einwohner auf. 
Die Zahl der Wi'rtschaften auf dem Lande ist von 632 auf 615 ge- 
sunken. 
Es ist noch zu bemerken, dass 1784 Rietavas 34 und Veivirzenai 23 
jüdische Wohnhäuser haben. In der Zeit der Kreisrevision von 1563 waren 
in diesen Orten aber überhaupt keine Juden vorhanden. 
Der Zuwachs von 300 Einwohnern entspricht also etwa der Zahl der 
später zugewanderten Juden. 
Wir m ü s sen d a her a n n e h m e n. das s die Z a h I der 
ländlichen Bevölkerung des Kronlandes in den Jahren 
]563 und 1784 gleich grass gewesen ist. 
Die Erscheinung ist nur dadurch zu erklären, dass der natürliche Zu- 
wachs durch die dem Jahre 1784 vorangegangenen Katastrophen vernichtet 
wurde. 
Von der das zemaitische Land oft heimsuchenden Pest (vgl. Kap. 
VII, 6) muss also der Kreis Rietavas kaum jemals verschont geblieben sein. 
Besonders furchtbar scheint die Seuche von 1710 gewütet zu haben. 
Das in diesem Kreise befindlicne Kirchenland von Salantai hatte i. J. 1715 
nur noch drei Wirtschaften. 18 VOn 21 waren der Pest und dem 
schwedischen Krieg zum Opfer gefallen, Czerski 22. 


* * 


* 


liiio...-
		

/Pomorze_016_11_105_0001.djvu

			- 105 - 


(273) 


Der Kronbesitz des Kreises Kar s u v a wurde 1562 vermessen. WA 
XXV 8-102. 
In den sieben Schulzenämtern waren nach dem Vermessungsprotokoll 
627 Bauernwirtschaften, darunter 50 neu gegründete, vorhanden. 
Der Privatbesitz ist hier immer gross gewesen. Schon 1528 finden 
wir als Privatbesitzer 134 Kleinbojaren, weIche von rund 864 Diensten 108 
Pferde fürs Heer stellten, RIB XXXIII 215 f. 1567 ist die Zahl der 
Wehrpflichtigen etwas kleiner (112), aber trotzdem werden 120 Pferde re- 
gistriert, loc. Clt. 1334 ff. Der Adelsbesitz ist inzwischen also auf rund ] 200 
Ba uerndienste angewachsen. 
Die Magnaten, naHbI, scheinen im Kreise keinen Landbesitz gehabt zu 
haben. Wemgstens berichten die QuelIen darüber nichts. 
Die Gesamtzahl der Wirtschaften im Kreisgebiet einschliesslich des 
Adels ist also auf ungefähr 1800 zu beziffern. 
Das Überwiegen des Privatbesitzes gegenüber dem der Krone e/3: I/S) 
ist durchaus verständlich. denn der Norden - die weitere Umgebung vOn 
Kaltin
nai - und zum Teil auch der Nordosten des Kreises gehörten zum 
altbesiedeIten und daher bojarenreichen Kernzemaiten. 
Aus dem genannten VermessungsprotokolI ersehen wir tatsächlich, dass 
die Hauptmasse des Adels in diesem Kreisteile ansässig war, während am 
rechte
 Ufer der Jüra überhaupt keine Bojarendörfer vorhanden sind. 
Uber den alIgemeinen Zustand der Bodenkultur des Kronlandes finden 
sich daselbst folgende charakteristischen Angaben. Der 1510 1) Hufen grosse 
Kronbesitz besteht aus 817 Hufen Acker, 404 Hufen Wald, 220 Hufen Weide 
und 69 Hufen sonstigen Landes. loc. cit. 13. Mit anderen Worten, das 
Ackerland umfasst hier 53% der Gesamtfläche und der Wald nur 26 0 / 0 . 
Es ist demnach anzunehmen, dass der Prozentsatz des privaten Sied- 
lungslandes nicht kleiner gewesen ist, weil die grosse Masse der Wälder 
sowie sonstige Wüsteneien gewöhnlich Eigentum der Krone waren und 
der_ adlige Privatbesitz die ältesten Siedlungsgebiete inne hatte. 
Ein Blick auf die KarteI: 100.000 genügt, um sich zu überzeugen 7 
dass auch heutzutage kaum die Hälfte des alten Kreisgebietes Kulturland ist. 
Die Waldungen sind hauptsächlich im südwestlichen Teil des Kreises. der 
ursprünglichen Wildnis, vorherrschend. Wir nennen hier aus dem Vermes- 
sungsprotokoll nur die Wälder (obr
by): Rau s z k i e, G rau 2;
, S zu t k i7 
und G rom 0 n c i e. welche schon allein zusammen 286 Hufen ausmachen, 
loc. cit. 76. 84 ff. 
Der zur Zeit der Vermessung dicht besiedelte Unterlauf der Akmena 
machte einen noch heute erkennbaren ca. 15 km tiefen Einschnitt in das 
Waldgebiet. loc. cit. 59 ff. 
Heutzutage zählt das frühere Kreisgebiet Karsuva rund 22000 Einwoh
 
ner. Die Durchschnittszahl der Einzelwirtschaft ist 6,2 Köpfe. 
Für das Jahr 1562 müssen wir also eine Bevölkerung von 11000 
Einwohnern annehmen. Danach beträgt der Zuwachs in 361 Jahren 1000/0. 
Die soeben erschlossene prozentuelle Bevölkerungszunahme bezieht 
sich aber lediglich auf den ganzen Kreis und nicht auf das uns allein 
interessierende Wildnisgebiet. Aber auch dort ist die Bevölkerungsbewegung 
zu bere.chnen. Im äussersten Grenzzipfel des Kreises. vom Übrigen Siedlungs- 


J) Die Zahlen sind auf volle Hufen abgerundet.
		

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			(274) 


- 106 - 


gebiet durch Wälder getrennt, lag die "woytowstwo Romanskie" mit den 
Krondörfern S art y ni k i (= Sartininkai, Kirchdorf 20 km w. von Taurage 
an der memelländischen Grenze), Si k s nie (= Siksniai 4 km sö. vom 
ersteren Ort) und 0 r y ski a n y (vgl. S. 205), welche zusammen 34 Bauern- 
höfe zählten. Im Schulzenamt wurden 63 Hufen Siedlungsland 1) und 14 Hufen 
20 Morgen Wald und Weide vermessen, loc. cil. 86 H. 
Innerhalb die
es Gebietes liegen jetzt die Dörfer: Siksniai, Pasiksniai, 
UZ;Jelkiai, Lauzininkai, Mugiskiai und Sartininkai (Kirchdorf). Die Einwoh- 
nerzahl dieser sechs Ortschaften betrug (1923) 752 und im Jahre 1561, nach 
dem obigen Durchschnitt berechnet, 229 Köpfe. 0 i e B e v ö I k e run g hat 
als 0 i n z w i sc h e n u m 230 0 10 zug e n 0 m m e n. 
- Diesen Zuwachs können wir, ohne dabei einen wesentlichen Fehler zu 
machen, auch auf das gesamte WIldnisgebiet des Kreises ausdehnen. Man 
braucht dazu nur die im Vermessungsprotokoll verzeichneten Dörfer auf 
die Zahl der Wirtschaften von damals und heute hin zu vergleichen. 


* * 


* 


Über den Stand der Besiedlung in No r d zein a i t e n in der zweiten 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts werden wir durch eine Schenkungsurkunde 
Sigismund Augusts unterrichtet. 
1568 erhält der um sein Vaterland sehr verdiente J. Chodkiewicz 
die königlichen "tenuta seu bona u G ru i sc z e (= Graste) vom Landesherrn 
als Geschenk. 
Die Latifundien umfassten die "advocatia" (= Schulzenämter) G ru st l", 
Pr a g u I bai, S at e s, K lau 
 e i k i a i, Ver eta, A p u 0 I e, L u 0 b at 
Pa v ar du vi s, Ri tin e und Z e mal e mit 64 Krondörfern (villae) nebs 
7 "continguitates" (obr
b), Opisan. 111 76 ff. Begrenzt wurden sie im Nor- 
den durch die heutige lettisch-litauische Staatsgrenze, im Osten durch die 
Venta und deren Nebenfluss Viesete, im Süden und Westen von 
einer Linie, welche ungefähr vom Plinkses - See über Barstyciai und Sates 
nach der Mündung der Sata in die Luoba verlief und die lettische Grenze 
nw. von Truikinai erreichte. 
Neben den obigen Namen "tenuta" und "bona" führt Gruste noch 
öfter die Bezeichnung "Kreis", WA XXIV 164 f, 324 f. Vgl. auch Spr. unter 
rpicTe. Administrativ gehörte jedoch Gruste zum Kreise TelSiai, bildete 
also einen Kreis im Kreise, W A XXIV 111. HierÜber vgl. LOb 71 f. 
Vor der Schenkung an Chodkiewicz hatte aber dieser sogenannte 
Kreis einen besonderen Amtmann als königlichen Statthalter. 1534 versah 
diesen Posten A. Wnuczek, der Unterhauptmann von Zemaiten, WA XXIV 
164 f. 
Das Kronland war jedoch in den oben angegebenen Grenzen nicht ge- 
schlossen, sondern stark mit Privatland durchsetzt. Bei Spr. sind über 
40 Ortschaften aus dem Kreise Gruste verzeichnet, welche sich mit den 
heutigen Dörf- und Güternamen identifizieren lassen und im Krondör- 
ferverzeichnis der Schenkungsurkunde nicht enthalten sind. Das alles ist 
natürlich als Privatbesitz zu erklären. 


f 


1) Die Hufen sind teilweise noch nicht bebaut und stark bewaldet.
		

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			- 107 - 


(275) 


Manche dieser Güter scheinen sogar ziemlich gross gewesen zu sein. 
Die Länder
ien des Gutes raBpbl (= Rinavas 2) an der Strasse von 
Seda naci! Zidikai) reichten einerseits über die Kvist
, Zufluss der Varduva 
sö. von Zidikai, und andererseits bis zum Plinkses - See. Die heutigen 
Güter Ketünai, 5 km ö. von Seda, und Serksn
nai, an der Serksn
, 9 km n. 
vom ersteren Gute, sowie das Dorf Uzmarkija, am Plinkses - See, gehör- 
ten dazu, Opis I 19; IV 283, 289, 291. v 
Zwei Dörfer und ein Vorwerk, sämtlich 4 km s. und sö. von Zidikai 
im alten Gutsgebiet gelegen, führen noch jetzt den Namen Ga ures, LA V 
153 f. 
Das heute nicht mehr vorhandene Gut Seda gehörte um 1570 M. Wnu- 
czek, dem Amtmann von Rietavas und wurde durch verschiedene Ankäufe 
bedeutend vergrössert, Opis I 17. Das schon ausserhalb der Grenze von 
Gruste liegende Gebiet der Dörfer Degeniai und Sarakai, beide s. vom 
Plinkses- See, zählte damals auch zu Seda, loc. cit. 122. 
Seda hat sich bereits 1586 zum Städtchen entwickelt, besitzt seinen 
eigenen Amtmann, Schulzen, Zoll- und Stadtbeamten. An bestimmten 
Tagen werden hier Märkte abgehalten, Opis I 182; Il 49, 99. 
Der Kleinadel war in Gruste vermutlich schon seit Anfang der Neu- 
besiedlung dieses Gebietes vorhanden. Im Laufe der Zeit muss seine Zahl, 
wie aus den Stammtafeln und Dorfgründungen zu erschliessen ist, bedeu- 
tend angewachsen sein, WA XXIV 324, 327. Vgl. auch S. 261, 
Die Namen ihrer adligen Gründer.. aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts 
führen ausserdem noch folgende Ortlichkeiten: 1. Man t v y d z i a i, 
3 km nö. von Rinavas, 2. 0 u n aus k i a i (Orvydiske), 3 km nw. von Seda, 
3. Lei a i ci a i, 6 km w. von Tirksliai, 4. Vii i 0 t e und 5. Vii i 0 t i s- 
k i a i, 1 bzw. 2 km von Zidikai, 6. Buk a n ci a i und 7. Ku k i a i, un- 
weit yon der Mündung der Kvist
 in die Bartuva,8. Bug e ni a i, 6 km 
von Zemale, 9. 0 a u bar a i, 2,5 km n. von Tirksliai, 10. 0 a psi a i, 
7 km sö. von Pikeliai und 11. Li s ai ci a i, 3 km n. von Tirksliai, W A 
XXIV 76,111,165,325,341; Opisl95, 147; II 38 (vgl. Spr.: Llonwoihw); 
V 157. 
Man findet hier auch noch oft mehrere Adlige aus demselben Ge- 
schlecht auf einer Stelle zusammen wohnend. Nicht selten gehört auch 
ein Teil des Landbesitzes ihnen allen gemeinsam. Z. B. ist die Nachkom- 
menschaft des in der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts belehnten 
Lizgainis (vgl. S. 260), das Adelsgeschlecht Mitkaiciai, noch 1569 als eine 
Sippe bei Sates ansässig. Als daselbst wohnhaft werden auch 4 Bojaren- 
familien aus dem Geschlecht der Mantrimaiciai erwähnt, W A XXIV 335 f. 
Wo heute das Dorf Petreliai liegt, sitzen 1571 4 Bojaren aus dem 
gleichnamigen Adelsgeschlecht, loc. eit. 341. VgL auch S. 260. 
Ein Teil des im Heeresverzeichnis von 1567 aufgeführten Adels aus dem 
Kreise TeIsiai, RIß XXXIII 1301 H, war im Gebiet von Gru
te ansässig 
oder hatte hier wenig5tens seinen Besitz. So z. B. stellt M. Wnuczek, der 
Amtmann von Rietavas, Kriegspferde auch aus dem ihm gehörenden Gute 
Seda, RIB XXXIII 1257. 
Wie aus den in W A XXIV enthaltenen Schriftstücken und den Dorf- 
bzw. Güternamen (vgl. S. 261) hervorgeht, waren es nicht weniger als 26 


2) Auf der KarteI: 300,000 neben Renowo allch noch Gawri in Klammern. Der 
neue Name stammt von Rönne, welcher hier 1780 die Kirche griindete, 1.v 1 312.
		

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			(276) 


-108- 


Bojarenfamilien. Sie müssen also insgesamt ca. 260 Dienste (CJlY>K6bl) beses- 
sen haben. 
Nehmen wir an, dass jedes jener 64 Krondörfer durchschnittlich 20 Wirt- 
schaften hatte, so würde der ganze Kron- und Privatbesitz nicht weniger 
als 1500 gezählt haben. 
Die hier für das Einzeldorf angenommene Durchschnittszahl der Wirt- 
schaften ist im Vergleich mit denen der Kreise Plateliai (23) und Kretinga 
(28) durchaus nicht hoch. 
Heute wird das frühere Gebiet von Grüste von ca. 40000 Menschen 
und zwar mit je etwa 7 Personen pro Wirtschaft bewohnt. 
Für das Jahr 1568 erschliessen wir hieraus eine Bevölkerungszahl 
von 10500. Der Vergleich dieser beiden Zahlen zeigt uns, dass die B e- 
v ö I k e run gin der Zeit von 355 Ja h ren u m run d 2800/0 
zugenommen hat. 
Der prozentuelle Zuwachs ist hier allerdings wesentlich höher als in 
den anderen behandelten Kreisen. 
Im Gebiet von Grüste haben sich auch mehr als irgendwo anders in 
den Wildniskreisen Dörfer zu Städtchen und Kirchdörfern entwickelt. Es seien 
J!enannt: Pik e li a i, Z i d i kai, R in a va s, Z em ale, Bar s t y ci a i, 
S a t e s, T r u i kin a i. Y la k i a i aber, das grösste unter ihnen (1000 Ein- 
wohner), 
cheint das "oppidum Bor a y k i (= * Bareikiai oder *Bareikos, 
vom PN Bareikis oder Bareika) noviter locatum" der obigen Schenkungs- 
urkunde zu sein, Opisan. III 77 f. Das ist um so wahrscheinlicher, als 
noch heute um Ylakiai der PN Ylakis nicht selten ist. Zum Namenwechsel 
vgl. oben S. 271. 
Ein Blick auf die Karte genügt, um sich zu überzeugen, wie gerade 
hier der Waldbestand viel geringer als sonst in der früheren Wildnis ist. 
Die Erschliessung der Wildnis für die Besiedlung war in diesem Ge- 
biet um die Mitte des XVI. Jahrhunderts bereits vollendet, weil die aus 
jener Zeit bekannten Wohnplätze auf seiner ganzen Peripherie zerstreut sind. 
Es galt also in der späteren Zeit nur noch die in der Besiedlung vorhande- 
nen Lücken 8uszufüllen. 
Die einzige waldr.eiche Gegend ö, und nö. von Seda ist auch heute, 
wie vor 350 Jahren, dünner besiedelt. 
Diese stärkere Bevölkerungszunahme verdankt das Gebiet unzweifelhaft 
seiner besonderen Lage und Beschaffenheit. Es ni m m t den n ö r d I i c h- 
sten Ausläufer der zemaitischen Hochebene ein und ist 
daher der ausgesprochen siedlungsfreundlichste Teil 
von ga n z No r d z em a i t e n. Aus diesem Grunde ging die Kolonisation 
in der Richtung- des zemaitischen Höhenrückens früh vor sich. Durch die- 
sen Vorstoss wurde hier der vorhandene siedlungsfreie Raum eher als im 
übrigen sehr flachen Nordzemaiten ganz besetzt und die spätere Bevölke- 
rungsvermehrung war deswegen auf die Erweiterung der Siedlungsfläche 
innerhalb des Gebietes selbst angewiesen. 
Ausserdem jst es möglich, dass die Pest von 1710 hier nicht so stark 
wie im übrigen Zemaiten wütete und damit den natürlichen Bevölkerungs- 
zuwachs weniger störte. Hierfür spricht auch der Umstand, dass die Pest 
nach Kurland über die Düna von Norden, also nicht aus Litauen kam,. 
Grundriss 248. 


* * 


*
		

/Pomorze_016_11_109_0001.djvu

			- 109 - 


(277) 


Im vorhergehenden haben wir uns an Hand der Ql:1ellen näher mit 
den Siedlungs- und Bevölkerungsverhältnissen einiger zemaitis	
			

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			(278) 


- 110- 


Die seitdem überall festgestellte, wenn auch verhältnismässig geringe, 
Bevölkerungszunahme stammt daher aus der internen Volksvermehrung und 
nicht aus dem Zuzug von auswärts. 


6. Pest als Hemmnis der Bevölkerungszunahme. 
Auf den erstaunlich geringen prozentuellen Zuwachs der Bevölkerung 
und dessen Ursachen wurde schon oben S. 269 f, 27'2 kurz hingewiesen. 
Es war offenbar die Pest, welche meistens als Folge von Hungersnöten 
und seltener von Kriegen auftretend, die furchtbaren Bavölkerungskatastro- 
phen im Lande hervorrief. 
Im XV.-XVIII. Jahrhundert sind in Zemaiten nicht weniger als 11 
Pestepidemien registriert. Nicht selten wütete die Seuche ohne aufzuhören 
mehrere Jahre hindurch. 
Valancius, ZV I 18 ff und 172 ff, nennt die Pest jahre 1424, 1440, 
1473, 1505, 1588-1590, 1625--1629, 1653 und 1660-1661. Im Jahre 
1603 herrschte die Pest in ganz Litauen, WA XXX, 254. In Zemaiten muss 
sie aber schon 1601 oder 1602 ausgebrochen sein. Im angrenzenden Amte 
Memel waren nach dem Bericht des Fischmeisters vom Mai 1602 die 
meisten Bewohner von der Seuche dahingerafft oder in die Wälder geflohen. 
Das Land musste unbesät bleiben, Sahm, Pest 19 f. 
Zwischen 1566 und 1572 haUe die Pest im Kreise Kretinga merklichen 
Schaden angerichtet. Vgl. S. 269. Das Jahr der Epidemie ist nicht be- 
stimmt festzustellen. In Preussen wütete sie von 1564 - 1570, loc. Clt. 16. 
Auch 1

6 mag die Pest Zemaiten betroffen haben, als sie damals die 
preussischen Amter Ragnit und Jilsit heimsuchte, loc. eit. Denn im Allge- 
meinen wurden Preussen und Zemaiten nicht selten zu gleicher Zeit von 
dieser Krankheit betroffen. Vgl. loc. eit. 16, 19 ff. 25, 30 f. 
Nähere Nachrichten über alle diese Katastrophen fehlen uns vollstän- 
dig. Es ist daher auch sehr wahrscheinlich, dass uns manche Pest jahre 
unbekannt geblieben sind. 
Die furchtbarste und zugleich die letzte Seuche hat Zemaiten samt 
seinen Nachbarländern Anfang des XVUI. Jahrhunderts verheert. 
Valancius, ZV I 20, gibt an, dass die Pest von 1710 - 1712 ununter- 
brochen im Lande herrschte. Es scheint aber, dass sie, von Polen kommend, 
hier schon früher ausgebrochen war. Dies lassen die auf preussischer Seite 
getroffenen Vorsichtsmassregeln vermuten. Im Juli 1708 werden die nach 
Litauen führenden Wege bei Berszeningken an der Se
upe und bei Schirwindt 
wegen Pestgefahr gesperrt, Sahm, Pest 36. Die den Memeler und Tilsiter 
Kaufleuten noch im sei ben Monat gestatteten Handelsbeziehungen mit li- 
tauen und Zemaiten mussten bald darauf verboten werden. loc, eil. 38. 
Über den Verlauf der Epidemie und die Zahl der von ihr hinwegge- 
rafften Menschen fehlen uns genauere Angaben. Den Höhepunkt scheint 
die Sterblichkeit, gleich wie in Preussisch - Litauen, 1710 erreicht z}1 haben. 
In diesem Jahre starb die heutige S
adt RadviIiskis vollständig aus, ZV [ 191. 
Die Gegend von Kraziai wurde gleichfalls stark entvölkert. Mehrere der 
dortigen Jesuitenpatres fielen der Pest zum Opfer, loc. eit. 194 H. Vgl. noch 
5S. 269 f, 272.
		

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(279) 


7. Herd und Richtung der Expansion. 
Woher und in welcher Richtung die Wildnis besiedelt wurde, ist schon 
oben S. 277 kurz angedeutet. Wir müssen hier etwas näher darauf eingehen. 
Eine unmittelbare Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich. Die 
Quellen schweigen vollständig darüber, VOn wo aus z. B. die verhältnis- 
mässig früh bezeugte Besiedlung der Gegenden von Palang:!, Gargzdai, 
Taurag
, Veliuona usw. erfolgt ist. Nur die Betrachtung des aus der Mitte 
des XVI. Jahrhunderts ziemlich gut bekannten Landschaftsbildes erlaubt UnS 
einige Rückschlüsse. 
Schon beim ersten Blick auf die Karte von Jakubowski fällt besonders 
auf, dass die nardzemaitischen Kreise sich in Form von langen schmalen 
Streifen vom Kernlande aus gegen die livländische Grenze erstrecken. 
Jakubowski selbst erkannte richtig den Zusammenhang dieser Erscheinung 
mit dem Gang und der Richtung der Neubesiedlung vo
 Nordzemaiten. 
In den Bemerkungen zu seiner Karte S. 16 lesen wir: "Srodek kraju byt 
naprzöd zaludniony i tarn potworzyty si
 g
ste osrodki administracyjne. 
Stamt
d szlo osadnidwo w gl
b puszcz granicznych. Osadnicy, wycho- 
dz
c z jakiegos osrodka, nie zrywaIi z nim l
cznosci administracyjnej; 
st
d powstaly dlugie i w
zkie powiaty, ei
gn
ce si
 ku granicom kraju". 
Dazu stimmt die Lage der Kreisorte, Viesv
nai, TelSiai, BirZin
nai, 
M. Djrvon
nai, D. Dirvon
nai und Berz
nai gut. Sie gehören sämtlich 
in das alte Siedlungsgebiet, welches die südlichen Zipfel aller dieser Kreise 
umfasst. 
Ein treffliches Gegenstück zu den nordzemaitischen streifenartigen 
Kreisen finden wir im XVI. Jahrhundtrt in der sogenannten Uznemun
, dem 
ehemaligen Gouvernement Suwalki wieder. Es sind die Kreise Darsüniskis, 
Birstonas, Punia, Alytus, Merkin
 und Perlamas, welche sich westwärts VOn 
den an der Memel liegenden Kreisorten mitten durch die ganze ehemalige 
Wildnis bis zur preussischen Grenze hinziehen und auf dem rechten Memel- 
ufer nur kleine Flächen des alten Siedlungslandes mit umfassen. VgL 
Karte VOn Jakubowski. 
Die Kreise Birstonas, Punia, Alytus und Merkin
 sind aber ungeachtet 
dessen, dass die Uznemun
 noch um 1400 vollständig Wildnis war, schon 
1387 als solche vorhanden, Przegl
d histor. V 45. Gebildet wurden diese 
zweifel
ohne durch jene altbesiedeIten Kreiszipfel am Ostufer der Memel. 
Auf die zunächst sehr bescheidene Ausdehnung dieser Kreise weist auch der 
sprachliche Ausdruck der Urkunde hin, denn man nennt sie nur "Kreischen" 
(BoßocTKa) und nicht Kreise (BonOCTb), wie das z. B. bei Samalisk
s, Per- 
loja usw. der Fall ist, loc. eil. 
Hier haben wir ein für uns instruktives Beispiel, wie sich aus den auf 
dem Rand des Siedlungsraumes entstandenen kleinen administrativen Zentren 
mit dem Fortschreiten der Besiedlung allmählich grössere Kreise entwickeln. 
Westzemaiten bietet teilweise ein ähnliches Bild. Die Kreisorte 
Platehai, Gandinga, Rietavas, Pajüris liegen freilich nicht mehr innerhalb 
der alten Siedlungsgrenze, aber immerhin noch hart an ihr. Zu Beginn 
der Wildnisbesiedlung sind sie zuerst als Krongüter entstanden oder richti- 
ger zu solchen geworden, denn es handelt sich z. B. bei Rietavas und 
Gandinga um sehr alte Wohnplätze (vgl. SS. 181, 179 f) und dass Plateliai sei- 
nen Ursprung in den noch vor 1480 am Plateliai - See sitzenden Schar- 


I
		

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			(280) 


- ]]2 - 


. 


werksbauern hat, wurde bereits oben S. 260 gesagt. I. J. 1511 gibt es schon 
den Kreis Plateliai mit den dazu gehörigen Dölfern. Vgl. S. 264. 
Daher mussten die Gutszentren bei der späteren Entwicklung natür- 
licherweise zu den administrativen Zentren der neuenstandenen Kreise wer- 
den. Weil sich aber diese fast ausschliesslich aus Kronland zusammensetzten, 
so galt in der Praxis die Krongutsverwaltung zugleich als Kreisverwaltung. 
Gelegentlich begegnen wir noch in den Akten dem bezeichnenden 
Ausdrucke "Kreis des königlichen Krongutes", z. B. "Regestr spisania wlosci 
imienia iego krol. msci Kretinskiego", WA XIV 161. Diese kurze Formel 
illustriert deutlich das Herauswachsen des Kreises aus dem Krongut. Wei- 
teres über den Kreis Kretinga s. oben S. 269 f. 
Der grosse Kreis Plateliai bestand aus Schloss, Gut, Städtchen und 
Kreis Plateliai (zuweilen auch "tenuta" genannt, Spr.) im engeren Sinne 
(vgl. S. 270 f) sowie dem Krongut Gintalisk
. Das letztere war an Ausdeh- 
nung bedeutend grösser als das erstere. Es umfasste das grosse Gebiet 
nördlich der Linie Gintalisk
 - Salantai - Grüslaukis -Ipiltis einschliess- 
lich der Orte selbst. Das Gutszentrum Gintaliske liegt im äussersten SO 
des Krongutes, nur 5 km von Plateliai entfernt. Nicht selten führt das Gut 
sogar den Namen eines Kreises, Opisan. III 33; WA XXIV 446. Vgl. Spr. 
Charakteristisch dafür ist der Passus einer Urkunde des litauischen Staatsra- 
tes (p a .!l.3) vOn 1548: "nJlOTeJH1 3 BOJlOCTSlMI1 (nicht: BOJlOCTblO !), K HI1M"b 
H3J1e}f(a I.J 11M 11 " , BA 3. 
Die Kreise zeigen in Westzemaiten freilich keine so ausgeprägte Strei- 
fenform, was durch das weite Auseinanderliegen der Kreisorte wohl be- 
dingt ist. Die exzentrische Lage der letzteren und der parallele Lauf der 
Kreisgrenzen (auch der zwischen Plateliai und Gintaliske) sind jedoch den 
im Norden ähnlich. 
Im SW hat aber der Kreis Karsuva wieder einen schmalen Ausläufer 
gegen die ehemalige preussische Grenze. Vgl. die Karte von Jakubowski. 
Auch hier können wir mit grosser Wahrscheinlichkeit behaupten, dass 
Westzemaiten seine jetzige Besiedlung durch die Aus- 
strahlungen des Kernlandes nach den unmittelbar 
d a vor I i e gen den W i I d n ist eil e n e r hai t e n hat. Sonst 
wäre es ganz unverständlich. wie z. B. die so weit abgelegenen Orte 
Skuodas, Lenkimai, Grüslaukis (vgl. Spr.) noch zum Gut Glntahsk
 gehören 
konnten. 
Auch aus chronologischen Gesichtspunkten heraus müssen wir jene 
der zemaitischen Hochebene folgende Reihe der alten Orte als Vorposten 
der hier vordringenden Kolonisation ansehen. Die Ortschaften westlich von 
dieser Linie sind alle erst aus späterer Zeit überliefert und dazu ihrer Grösse 
nach unbedeutend. 
Dass die ehemaligen kurischen Siedlungsplätze, wie z. B. Kartena, 
Skuodas, MosMis usw. ihre ursprüngliche Bevölkerung vollständig verloren 
hätten, soll damit nicht gesagt sein. Die Tatsache, dass die beiden ersten 
zwei Ortschaften im XVI. Jahrhundert als Güter auftreten und Skuodas sich 
bereits 1568 zur Stadt entwickelt hatte, spricht eher dagegen als dafür, 
Spr., Opisan. III 33. 
In der südiemaitischen Wildnis ist der Gang der 
Neu b e sie d I u n gei n a n der erg ewe sen. Das n ö r d I ich 
dar a n 8 n s chi i e s sen d e K ern z e mai t e n s c h ein t h i e r k e i- 


t
		

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			- 113 - 


(281 ) 


neswegs eine so ausschlaggebende Rolle gespielt zu 
hab e n wie i m N 0 r den und Wes t e n. 
Die ältesten Siedlungspunkte J u r bar k a s, Ski r s n emu n 
 und 
Ve I i u 0 n a liegen sämtlich an der Memel. Die bei den ersten Orte bilden 
schon vor 1410 Siedlungsinseln inmitten der Wildnis(vgl. 5S. 214, 218) und 
Veliuona, 1411 wieder neu ins Leben gerufen (vgl. S. 240); entwickelt sich 
schnell zu einem Kreis. 
H i e rau s ist In i t S ich e r h e i t z u s chi i e s sen, das s die 
Kolonisten in der südzemaitischen Wildnis zuerst aUI 
dem M e m e I u f e r fes t e n F u s s f ass t e n. Vor g e d run gen 
s i n d sie a 11 e r War s c h ein I ich k e i t n ach e n t I a n g der M e. 
me lau s dem d ich t be sie dei t e nOs t e n her aus. Es ist auch 
möglich, dass in den Friedensjahren J406 -9 der Orden selbst bei seinen 
..Häusern" Skirsnemun
, Dubysa und sogar Jurbarkas einige Bauern angesie- 
delt hatte. Beweisen lässt sich das aus Mangel an Quellen nicht. Uns ist 
nur bekannt, dass sich die Zemaiten beim Orden Um Landverschreibungen 
bemüht haben, CEW 127 f, AM XXVII 61 Anm. 1. 
A n man c h e n S tell e n, hau p t s ä chi ich i n der Näh e des 
alt e n Sie d I u n g s g e b i e t e s, Übe r s c h r i t t cl i e vor d r i n gen. 
d e K 0 Ion isa t ion r e c h t f r ü hau c h die M e m el. 
1415 lag südlich von Veliuona und jenseits der Memel eine "villa seu 
predium et posses
io,... Peygowa cum ip
ius territorio et districtu". Weiter 
"versus occidentem" VOn der Burg soll 3m seI ben Ufer ein anderes Dorf 
Woygowa gelegen haben, SRP 11 540 Anm. 564. 
Pe y g 0 wascheint aus Vai.Rllva korrumpiert zu sein und es handelt 
sich wohl um zwei gleichnamige Ortschaften. Noch 1558 gab es nämlich 
dOlt z we i Dörfer des Namens BouKrOBO: I. ein Krondorf, jetzt Vaigllvis- 
kiai 4 km sw. von Veliuona, 2. ein Privatdorf des Fürsten S. OgiIiski, 
welches "am Forste", d. h. nahe dem Memelufer lag, RP 56 H. 
Im Privileg für die Deutschen der Stadt Kaunas von 1408 ist eben- 
falls die Rede vom Ackerland und den Heuschlägen "Chlopow Litewskich 
ktorzy okolo we wsi	
			

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- 114 - 


Siedlungen sind haupt
ächlich auf dem Memelufer und entlang der Talrän- 
der der Mituva konzentriert. 
Weitere Wälder, ebenfalls zum grässten Teil stark sumpfig, erstrecken 
sich nordöstlich von der memelländischen Grenze zwischen Jurbarkas und 
Taurage. Zusammen mit den daran sich anschlie
senden Forsten Jura, 
Wischwill und Schmalleningken im heutigen Kreise Pogegen sind diese 
Waldungen ihrer kompakten Ausdehnung nach wohl die grössten in ganz 
Litauen. 
Stellenweise scheint hier die Besiedlung erst ßehr spät vorgedrungen 
ZI1 sein. Im Bestandbuch des Kreises (starostwo) Skirsnemune von 1788, 
W A XXXV 525 ff, werden unter anderen Zinsbauern auch "Gospodarze 
puszczani nad rzekq Mitw	
			

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(283) 


immer noch das Bemühen, das verlorene Gebiet, wenn auch nur teilweise,. 
wiederzuerlangen. Vgl. S. 257. 
Für Palanga liegt das bewusste Heranziehen von Ansiedlern nach dem 
oben S. 263 Gesagten ausser Zweifel. Die von Vytautas hier gemachten 
Landverschreibungen (vgl. S. 259 f) zeigen ebenfalls eir:e dahin zielende 
Politik, 
Wir führen hier ein auch für unsere Zwecke interessantes Zeugnis über 
die litauischen Grenzverhältnisse an. 
1451 schreibt der Komtur von Ragnit an den Hochmei
ter wegen der 
kommenden neuen Grenzberichtigung mit Litauen. Werden daran aber,. 
meint der Komtur, VOn litauischer Seite Ywaszke und Gedegolt, welchen 
"semeliehe grenitczen anrurende und bevolen synt", teilnehmen, so wird 
man keinen Erfolg haben, weil sie beide "czenckhafftig" seien und "machen 
vel eynvell". Dass vor drei Jahren stattgehabte Begehen der Grenzen sei 
nur deshalb ohne Reibungen vorsichgegangen, weil der Landbesitz der 
königlichen Vertreter diese nicht berührt habe. Nur an der Jura hätten 
damals die Litauer "eyn halb firtell wegis nidert des sees geschelmett und 
gezeichnet" und mussten "uff die rechte grenitcze" mit .herczogen Witoldis 
czeichen" verwiesen werden, BUl XI 122. 
Die Beaufsichtigung der Grenze sowie das Verlegen der Grenzzeichen 
setzt natürlich eine gewisse Besiedlung der Grenzgebiete voraus. In einer 
menschenleeren Wildnis würde es ja keinem einfallen, die Grenze um einige 
100 Meter zu seinen Gunsten zu verschieben. Sobald aber das daran gren- 
zende Gebiet einen festen Besitzer hat und besiedelt ist, wird die Bedeutung 
etwa eines Sees für die Fischerei ohne weiteres klar. 
Noch schärfer hebt sich vom waldbedeckten Innenland die besiedelte 
Grenzzone in dem zu Zemaiten gehörenden Teil des ehemaligen Sudauen 
ab (vgl. S. 256 f). Da diese nur bei Jurbarkas eine Verbindung mit dem 
übrigen Siedlungsland hatte, so kann die Besiedlung unmöglich vOm Osten 
erfolgt sein... Die Vorsetzung von Grenzansiedlern ist also auch hier unum- 
gänglich. Uber die spätere Entwicklung der Besiedlung sind wir hier durch 
den "Regestr Jvrborski (=Jurbarkas) y Nowowolski" (= Virbalis) von 
1561 gut unterrichtet. Vgl. GerulIis, Archiv XLI 121 ff. 
Die Entstehung der drei Grenzkreise Palanga J Kretinga und Gargzdai 
(vgl. SS. 186, 180) steht ebenfalls in enger Verbindung mit dem ganzen 
Siedlungsgang. Von den a n der G ren z e fr ü h e n s t a n den e n 
Siedlungsinseln aus erfolgte gleichfalls ein Vorstoss 
in die W i I d n i SJ we Ich erd er vom K ern 1 a n d e vor d r i n ge n- 
den Besiedlung entgegenwirkte und zur Bildung neuer 
wir t s c h a f t I ich - a d m i n ist rat i ver Ein h e i t e n f ü h r t e. 
Die am frühesten besiedelten Gebiete treten auch entsprechend früher 
als selbständige Kreise auf. Palanga z. B. fungiert als solcher schon vor 
1529 (vgl. S. 186). Der Kreis GargZdai ist aus den noch vor 1480 in den 
Wäldern von Gargzdai sitzenden Scharwerksbauern hervorgegangen (vgl. S. 
260) und befindet sich bereits val 1529 als Krongut im Besitz der Familie 
K
sgaila (vgl. S. 264). 
Im vorhergehenden versuchten wir die Frage nach dem Woher und 
der Richtung der Wildnisbesiedlung zu beantworten. Dabei sind wir zu 
dem Ergebnis gekommen, dass die Neu b e sie d lu n g bei nah e au s- 


...... 


.......
		

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-- 116 - 


sc h I i es s li ehe i tl er in t e n s i ve n Aus s tr a h I u n g des v 0 I k r e i- 
ehe n z e mai t i s c h e n K ern I a n des, i m 
 {) r den und Wes t e n 
s t ä r k e r als i m Süd e n, z u ver dan k e n ist. 


9. Fremde Volkselemente unter den Siedlern. 
. 
VOll einem Zustrom einer nichtlitauischen Bevölkerung in die Wildnis 
haben wir nur eine einzige Nachricht. 
In einer Antwort des Hochmeisters an den livländischen Landmeister 
von 1445 wird folgendes aus einem Bericht des Komturs zu Memel ange- 
führt: "wen die Cawern komen (d. h. aus Kurland), so legen sie sich in 
die streuche und wellen nicht dorausz ane geleyte; wil man sie denne nicht 
geleyten, zo lowfen sie ken Samayten, aldo man itczunt vilnoch eyne 
gancze gegenoth besatczt hat", BVl X 85. 
Die genaue Lage dieser mit Kuren besetzten "Gegend" _ ist uns frei- 
lich unbekannt, aber sie muss doch wohl im Nordwesten von Zemaiten ver- 
mutet werden, weil die Überläufer erst dann nach Zemaiten zogen, wenn 
sie in Memel nicht aufgenommen wurden. Gross kann jedoch die Zahl 
dieser Kuren nicht gewesen sein, wenigstens ist von ihnen heute keine Spur 
vorhanden. VgI. auch S. 193. 
Die wohl schon vor 1445 erteilte Zustimmung des Hochmeisters, wo- 
nach den aus Kurland kommenden Kuren in Preussen ßie Niederlassung 
gestattet werden sollte, musste die Zuwanderung nach Zemaiten bald fast 
vollständig unterbinden, BVl X 83. (n der oben angeführten Antwort drückt 
der Hochmeister seinen Standpunkt klar aus, indem er sagt: "Weres denne 
alzo (d. h. wie der Memeler Komtur berichtet), zo weres yo besser, das sie 
(= Kuren) hi ein den 1 a n den bey m 0 r den e n t h a 1t e n w ur den 
den in Samaythen". 
So erklärt es sich leicht, warum der bei den Zemaiten des nördlichen 
Memelgebietes jedem unbefangenen Beobachter so krass in die Augen fal- 
lende lettische Einschlag bei ihren Stammesgenossen jenseits der ehema- 
ligen Grenze vollständig fehlt. 
Von Klagen der Livländer bei den Litauern wegen Überläufer n ach 
Li tau e n ist ebenfalls nirgends zu hören. Im Gegenteil, die Litauer 
fliehen nach Kurland. BVl IX 620, RIB XXX 283. 
Die Behauptung Mortensens, Litauen 265, dass "wie überall in dem 
ehemals unbesiedelten N Litauens auch in unserer Landschaft (= Nordze- 
maiten) die Besiedlung nicht nur vom litauischen S gekommen ist, sondern 
auch vorn baltisch beeinflussten Norden" halte ich daher für unbegründet. 


10. Ursachen der Expansion. 
Auf die Hauptursachen der zemaitischen Expansion, die Übervölkerung 
des alten Kernlandes, wurde schon oben S. 258 beiläufig hingewiesen. Hier 
möchten wir die Richtigkeit der dort ausgesprochenen Behauptung noch 
durch eine bevölkerungsstatistische Zusammenstellung dartun. 
Die Tabelle S. 285 enthält die Zahlenangaben über den wehrpflich- 
tigen Adel, de
sen Besitz an Bauerndiensten nebst den dafü r zum Kriegsdienst 
gestellten Pferden der 11 Kreise Kernzemaitens aus den Jahren 1528 und 
j567. Diese Angaben beruhen auf den schon öfters zitierten Heeresverzeich-
		

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(285) 


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			(286) 


- 118 - 


nissen in RIB XXXIII 200 ff, 1256 ff. Darauf folgt die heutige absolute 
Einwohnerzahl der ehemaligen Kreisgebiete nebst dem Durchschnitt pro 
Einze]wirtschaft. Danach werden die mutmasslichen Bevölkerungszahlen des 
gesamten Privatbesitzes der Kreise für 1528 und 1567 berechnet. Hierauf 
folgt der prozentuelle Zuwachs für die Zeit von 1528 bzw. 1567 - 1923 
und von 1528 - 1567. Die bei den ]ezten Spalten veranschaulichen die 
Zunahme des Kleinade]s von 1528 - 1567. 
Die in dieser Tabelle erschlossenen Bevö]kerungszahlen stehen natürlich 
etwas hinter der absoluten Einwohnerzah] der Kreise zurück, weil der Kron- 
besitz hier unberücksichtigt geblieben ist. 
In den Kreisen Ariogala und Josvainiai ist er ziemlich bedeutend ge- 
wesen und würde die oben angegebenen Zuwachsprozente stark herunter- 
drücken. Vgl. Karte von Jakubowski. In den übrigen Kreisen war der 
Kronbesitz offenbar kleiner, aber vollständig fehlte er auch nicht. Die kö- 
niglichen Fe]dmesser P. KamIHoBcKHH, H. A. Hn.-OBCKH, A. A. HnroßcKH 
und 51. JlaUlKoBcKH hatten mehrere Jahre (1551-1563) in diesen Kreisen 
mit der Vermessung des Kron]andes zu tun, WA XXIV 128, 147, 163, 170, 
1 73, 191, 202, 209. 253, 256, 266, 344. 
Aus unserer Zusammenstellung geht hervor: 
1. Dass bei weitem der grösste Teil des zemaiti- 
schen Kernlandes nach 1550 ungefähr gleich dicht 
wie heu t z u tag e b e sie deI t g ewe sen sei n mus s. 
2. I m Wes t g e b i e t des alt e n Sie d I u n g s I a n des ist 
ein e B e v ö I k e run g s s tau u n g fes t z u s tell e n. 
]n den Kreisen Meding
nai, Zar
nai, Kark]
nai - Pavanden
 und 
vielleicht auch Sauduva mögen die Bevölkerungszahlen - natürlich den 
Kronbesitz mit eingerechnet - sogar um 10-15 % höher als heute ge- 
wesen sein. 
Man dar f a] s 0 mit v 0 ] ] e m R e c h t von ein e r wir k ] i- 
c he n Übe rv ö] k e run g des alt e n K ern z e mai t e n im X V I. 
J a h r h und e r t s p r e c h e n, b e so n der') wen n man den p r i m i- 
tiven Zustand der damaligen Bodenkultur und im 
a ] ] g e m ein end i e ger i n ger e Beb a u t h e i t des L a n des b e- 
rücksichtigt. 
Das hier von der Übervölkerung Gesagte gilt nur für die zweite 
Hälfte des XVI. Jahrhunderts, aber der notwendige Schluss daraus ist der, 
dass Kernzemaiten auch schon in früherer Zeit, natürlich in entsprechend 
geringerem Masse übervölkert gewesen sein muss. 
Die Bevölkerungszah]en des Privatbesitzes von 1528 sind aber, wie wir 
gleich unten sehen werden, von denen der absoluten Wirklichkeit ziemlich 
weit entfernt. Eine Ausnahme bildet nur der Kreis Karkl
nai. 
Die von der Natur gegebenen Bedingungen machen sich bei der 
Sied]ungsverteilung besonders geltend. Der fast zu 2/3 sumpfige Kreis Ui- 
ventis ist im Verhältnis zu heute nur wenig bevölkert. 
Die oben festgestellte Bevölkerungsstauung ist 
wahrscheinlich durch den deutsch-litauischen Krieg 
bedingt und bis zum Ausgange des XVI. Jahrhunderts 
durch die Kolonisationsbewegungen noch nicht aus- 
g e g I ich e n. 


I 
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I 
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			- 119- 


(287) 


Nicht nur dass der Krieg ein Vordringen der überschüssigen Bevölke- 
rung nach Westen verhinderte, es mussten im Kernlande auch Flüchtlinge 
aus den VOn den Deutschen dauernd heimgesuchten Gegenden aufgenom- 
men werden. 
Vergleichen wir die erschlossenen Einwohnerzahlen untereinander, so 
ergeben sich für 1567 teilweise merkwürdig hohe Zuwachsprozente, welche 
keinesfalls auf der natürlichen Volksvermehrung innerhalb der dazwischenlie- 
genden 39 Jahre beruhen können. Diese Vermehrung, jährlich 15 Köpfe pro 
Tausend gerechnet 1), beträgt für jene Zeit nicht volle 600/0- 
Die Erscheinung ist wohl dadurch zu erklären, dass ein Teil des Kron- 
besitzes inzwischen in private Hände übergegangen war. Und in der Tat 
ist die Zahl der Adelsfamilien in manchen Kreisen um 50 % und mehr 
angeschwollen. Nur die Kreise Uzventis und Patumsiai zeigen unerklärli- 
cherweise eine Abnahme des Adels. 
Hieraus ist also zu schliessen, das die Bevölkerungszahlen des Privat- 
besitzes von 1567 viel näher der absoluten Einwohnerzahl der Kreise stehen, 
als die von 1528. 
Von Bedeutung für die Neubesiedlung der Wildnis sind auch die soge- 
nannten Flüchtlinge (36eKrH). Teils wegen zu harter Bedrückung seitens 
ihrer Herren, teils wegen eigener Vergehen suchten sie häufig auf den 
Krongütern, welche ja den grössten Teil des ehemaligen Wildnisgebietes 
ausmachten, Zuflucht. 
Auf den bei den Wilnaer Seimtagun.,gen von 1551 und 1554 führen 
die Hauptleute und der Adel des Landes Zemaiten beim König Beschwerde 
über die Beamten der Königin Bona, welche die nach Jurbarkas und Vir- 
balis (HoBaS! BOJIS!) entfliehenden Bauern und Knechte weder herausgeben 
noch vor Gericht stellen wollen, RlB XXX 203, 256, 
Auf einer späteren Tagung i. J. 1559 wird vorn König auf di
 Bitte 
des Adels verfügt, dass von den Flüchtlingen in den königlichen Amtern 
keine Grundsteuer erhoben werden soll, sondern sie sind den früheren 
Besitzern auszuliefern, loc. cit. 283. Dieses Verbot der Steuererhebung be- 
deutet soviel, als dass die Ansiedlung der Überläufer im Kronland in 
Zukunft nicht mehr gestattet wird. Bis dahin muss es aber derFall gewe- 
sen sein. 
Die Flucht der Bauern auf die Krongüter setzte vermutlich nach 1529 
ein, als ihre Lage hier infolge der vorn König erlassenen Landesordnung 
im Gegensatz zu der auf Privatgütern besser wurde. Vgl. Kap. VIll, B 3 f. 
Schliesslich ist noch zu bemerken, dass die zemaitische Expansion 
in die Wildnis auch deswegen an Stosskraft gewann, weil ein Vordringen 
nach dem Osten unmöglich war. Das östliche Ufer des NevHis war seit 
alter Zeit dicht besiedelt. Vgl. dazu die zahlreichen Züge des Ordens nach 
dieser Gegend bei Wigand und H. v. Wartberge, SRP 11. 
Man darf auch nicht vergessen, dass sich überhaupt der ganze Süd- 
osten des litauischen Wohnraumes seit ältester Zeit und besonders seit dem 
XIV. Jahrhundert unter einern ständigen Druck der in nördlicher und nord- 
westlicher Richtung vordringenden weissrussischen Volksrnassen befand. 
Auf die Bedeutung dieser Erscheinung für die Besiedlung der Wildnis 
in der Uznemun
 und im nördlichen Ostlitauen wollen wir hier nicht ein- 


, 


1) Der heutige Zuwachs beträgt 13,1 pro 1000. 


......
		

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			(288) 


- 120- 


gehen. Beiläufig sei nur darauf hingewiesen, dass in der Nordostecke der 
ehemaligen Wojewodschaft Wilna, wo jener Druck fehlte oder wenigstens 
viel schwächer war, das Litauerturn verhaltnismässig wenig VOn seinem ur- 
sprünglichen Volksboden an das weissrussische Element verloren hat. Über 
Gründe der weissrussischen Expansion nach Litauen vgl. die treffliche Be- 
merkung Jakubowskis, Karte S. 20. 


VIII. Zur Besiedelung des Memelgebiets. 
A. Die Zeit vor der Kolonisation. 
Den Nordzipfel fies Memelgebiets bildete im XIII. Jahrhundert die 
Landschaft Pilsaten. Uber deren Urbevölkerung sow}e die Volkszugehö- 
rigkeit ist oben unter den kurischen Landschaften Zemaitens das Nötige 
gesagt. Vgl. S. 188 ff. 


1. Schalauen. 
a. Aus d e h nun g. 
Die südliche Hälfte des Memellandes gehörte zu jener Zeit zur Land- 
schaft Schalauen. 
Diese "pars" - "Octava Scalowia, in qua Scalowite" - des Landes 
Preussen lag zu beiden Seiten der unteren Memel und berührte im NO li- 
tauisches Gebiet, Dusb. 51, 133 f. V
1. Voigt I 508 fund Toeppen 27. 
Zur Zeit der Eroberung durch den Orden besass das Land 4 Burgen: 
1. Rag an i t a, castrum 1276, Dusb. 133; Ragnitin, Rangnite Jer. 488 f. 
edificavit castrum Landeshute, quod... nunc dicitur communiter Raganita 
a f1uvio vicino 1289, Dusb. 151 = Ragnit, Stadt an der MemeI. - Der 
Fluss, von dem Ragnit seinen Namen erhielt, soll nach Lucas David R a n- 
go geheissen haben, Voigt I 171. Die frühere deutsche Namenform 
Ra n g n i t, so durchweg z. B. Weg. 672 f, 675 f, 685 passim, hat wohl 
ein sekundär eingefügtes n und geht auf pr. *R an glte (Rango + Suffix 
-He) oder *R a n g a nl t e (Rangana + Suffix -Tte) mit altem n zurück. 
Diese Form kommt Weg. 671 als Rang i t neben Rangnit zweimal vor. 
Rag a n i t a, bei Dusb., ist vielleicht einfach aus *R a n g H e korrumpiert, 
weil Jer. nur Rag ni ti n, Ra n g n it e kennt. Vollständig unklar ist die 
Bildung von H. Ragaint! ,Ragnit'. 
2. Ra mi g e, castrum 1276, Dusb. 133f. VgI. Jer. 489 =? - Die 
Burg lag jedenfalls an der anderen Seite der Memel gegenüber und nicht 
weit von Ragnit, denn Jer. loc. cit. sagt: "Alsus ouch bnldir Diterich, 
j... an des selbin tagis vrist, (d. h. nach der Zerstörung von Ragnit)/ mit 
sime here vur zuhant di Memelin uf andir sit". Ein am rechten Memelu- 
fer gegenüber Ragnit liegender Schlossberg wurde schon VOn Guise als die 
alte Ramige bezeichnet, Hollack 126. 
3. S are c k a, castrum de iIIa parte Scalowie, que tangit terram 
Lethowie, 1276 Dusb. 134 = Sereik-lallkiai ,Schreitlauken'. - In der 
Steuerliste VOn 1540: Schreygklauc, Karge 76. Sareibe in der Verschrei- 
bung von 1344 ("no bi dem huse Sareibe"), Beiträge 33, ist natürlich als 
Sareike zu lesen. Bei Dusb. steht demnach Sarecka für Sareika. 


r
		

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(289) 


r 


Mit dem Scharkaberg, Schlossberg an der Jüra bei Kalehnen (Hollack 
166) kann daher die Burg nicht identifiziert werden. Scheraky bei Toep- 
pen 27, dem sich zuletzt auch Hollack in seiner Broschüre "Haben die 
Polen und Litauer ein historisches Recht auf Altpreussen" (1919) an- 
schliesst, hat damit auch nichts zu tun, weil das Dorf in Wirklichkeit Se- 
rikai ( : li. .
erti ,füttern' + Suffix -ik-) heisst und sprachlich mit Sareck:J 
nicht verknüpfbar ist. 
4. S ass 0 w i a, castrum 1276 Dusb. 135 - ? - Heinrich, Beiträge 
32, vermutet mit Recht, dass di
 Burg sowie das später den Schalauern 
verliehene Feld Sassow an der Sesuvis, dem linken Nebenfluss der Jüra, 
gelegen haben muss. 
Sassupönen an der Inster, Toeppen 27, liegt zu weit südlich und 
konnte wegen der feindlichen Nadrauer auf der Inster per Schiff, wie Dusb. 
loc. cit. berichtet, nicht erreicht werden. Der einzige freie Wasserweg nach 
Schalauen war die Memel, weil die "Nadrowite commorantes longe a flu- 
vio Memel non poterant prohibere", Dusb. 133. Ausserdem wird die Burg 
Sassowia als letzte auf dem in der Ragniter Gegend angesetzten Vorstoss 
nach Schalauen zerstört und muss deshalb gegen die litauische Grenze hin 
gelegen haben. 
Es fällt auf, das alle 4 Burgen gerade auf einem varhältnismässig 
kleinen Raume zusammengedrängt sind. Aber die Karte von Hollack, auf 
welcher die vorgeschichtlichen Funde ebenfalls auf den Wilkischker Höhen- 
zug und die nahe Umgebung von Ragnit und Tilsit beschränkt sind, be- 
lehrt uns, dass dieses kleine Gebiet das einzige Kernstück von ganz Scha- 
lauen gewesen ist. 
Im Nordosten erstreckte sich unsere Landschaft allem Anschein nach 
bis an die Sesuvis und die Ezerüne, die beiden Zuflüsse der Jüra. Diese 
Grenze wird auch dadurch besonders wahrscheinlich gemacht, dass die Ze- 
maiten zu beiden Seiten der Jüra nur bis an diese Flüsse die Jagd in der 
Wildnis betrieben haben, CEW 220. 
Auch sonst trauen sich die Zemaiten mit dem . vorheinen und vor- 
grabeI!" der Wege nur bis an die Eierüne vor, loc. eil. 180. 
Uber die Hochwasserverhältnisse an der Mündung dieses Flusses wissen 
die Schalauer ebenfalls genau Bescheid. loc. cit. 134. 
Im Osten liegt das heutige Jurbarkas schon im karschauischen Gebiet 
(vgl. S. 213 f), aber die Gegend von Wischwill gehörte vermutlich noch 
zu Schalauen, weil der heutige litauische Name des Ortes sowie des Flüss- 
chens Viesvile gegenüber der preussische Form W a y s will e. Weg. 668 ff. 
viel später auftritt. 
Im Nordwesten trennten wohl die Sümpfe der Russmündung Scha- 
lauen von Pilsaten. Vgl. dazu die Verteilung der vorgeschichtlichen Fun- 
de auf der Karte von Hollack. 
An das Kurische Haff mag die Landschaft sozusagen nur theoretisch 
gereicht haben. Die grossen Moorflächen zwischen der Russ und dem 
Haff 1) waren, von einzelnen höher gelegenen Punkten abgesehen, noch 
bis in das XVII. Jahrhundert unbesiedelt, Sembritzki. Heydekrug 60. Nur 
die Fischer trieben hier ihr Wesen und die Pferde des Ragniter Komturs 
hatten dort ihre Weideplätze, Wig. 549. 


I) Aber vgl für die vorgeschichtliche Zeit Prussia 28, 358 ff. 


.........
		

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- 122 - 


Südlich von der Memel scheint Schalauen auch nur das den Burgen 
Tilsit und Ragnit benachbarte Ufergebiet umfasst zu haben. Diese geringe 
Ausdehnung wird auch durch Dusburgs Worte: "venirent (d. h. das Ordens- 
heer) in terram Scalowie, ipsam per incendium et rapinam pertransierunt a 
fine usque ad finem, in iIIa parte, que tangit terra m Prussie" bestätigt, Dusb. 
134. Eine mächtige, jedes vorgeschichtlichen Fundes entbehrende (Hollack) 
Waldwildnis, der sogenannte Grauden (vgl. S. 230 f) trennte die Wohnräume 
der Schalauer und der Nadrauer. Dusburg, loc. eit. 133, sagt ja ausdrück- 
lich, dass die letzteren ihre Sitze w ei t von der Memel entfernt hatten. 
Eine nähere Bestimmung der Grenzen Schalauens ist nicht mehr 
möglich. Die von Sembritzki, loc. eit. 3, angegebene Grenze: Russmün- 
dung-Woitkaten-Daubarren beruht nur auf einer schematischen Kombina- 
tion im engen Anschluss an die Hollacksche Karte. Die Behauptung von 
Ganss 12 f, dass die Landschaft im Süden bis zur Gilge, Ossa und Inster 
reichte, entbehrt ebenfalls jedes urkundlichen Nachweises. Diese Grenze 
ist stillschweigend aus Toeppens Karte entnommen, wo sie vom Verfasser 
allein nach seinem Gutdünken bezeichnet wurde. 


b. B es i e d lu n g. 
Nach der Eroberung Schalauens durch den Orden wanderten die 
"poeiores" des Landes "cum omni domo et familia sua" nach Litauen 
aus und das gemeine Volk unterwarf sich den neuen Machthabern, Dusb. 
135. Damit verliert die weitere Behauptung des Chronisten, loc. cit., dass 
"terra iIla fuit si n e hab i tat 0 re multis annis" ihren eigentlichen Sinn. 
Die Bevölkerung ist im Verhältnis zu dem kleinen Umfang der land- 
schaft nicht ganz gering gewesen. 
Die schalauische Kriegsschar, die die Burg Labiau angegriffen und 
zerstört hatte, zählte angeblich 400 "viros preelectos", Dusb. 134, und die 
Zahl der 1365 von K
stutis gefangen nach Litauen weggeführten Schalauer 
betrug, nach Wig. 549, 800 Menschen. Von diesen werden später ISO 
Mann zur Bewachung der Wildnisgegend gegenüber Ragnit von den Li- 
tauern verwandt. Wir haben keinen Grund, die Angaben des Chronisten 
zu bezweifeln, zumal 150 Krieger für eine Gesamtzahl von 800 Menschen 
recht viel ist. 
Aus dem Namen der nach Annal. Pepl. und Sambo 271,280 im Jahre 
1293 gegründeten Schalauerburg kann man keine Folgerungen über die 
Gesamtstärke der erhaltenen Bevölkerungsreste ziehen, wie es Heinrich, 
Beiträge 40 f tut. 
In den Jahren 1281-1383 haben im Tilsiter und Ragniter Gebiet 26 
landverschreibungen an ca. 32 Schalauer und 3 (wohl flüchtige) Litauer 
stattgefunden, Beiträge 30 ff. Am weitesten von den Burgen entfernt lie- 
gen die Felder Pie k i s k e n, heute Pleikischken n. von Plaschken, und 
S aso w, wohl an der unteren Sesuvis, loc. eil. 32 f. 
Die sogenannten Schadenbücher verzeichnen aus den Hackelwerken 
der beiden obigen Burgen rund 154 Schalauerfamilien, was je 5 Köpfe 
auf eine Familie gerechnet eine Gesamtzahl von 770 Personen ergibt. Die- 
se Schalauer hatten bei dem Einfall der Litauer im Frühjahr 1411 Schaden 
erlitten, loc, eil. 34 ff. Hieraus ist aber nicht zU schliessen, dass die Zahl 
der überlebenden Schalauer überhaupt nur so gross war. Es ist durchaus
		

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(291) 


wahrscheinlich, dass einzelne von den Burgen weit abgelegene Siedlungen 
von der feindlichen Kriegsschar während dieser kurzen blitzartigen Einfälle 
gar nicht berührt wurden. 
Bis zum Jahre 1540 fehlen uns ja jegliche Steuerlisten, welche hier 
Auskunft über die Gesamtzahl und die Zusammensetzung der Bevölkerung 
des ehemaligen Schalauens geben könnten. Um 1540 war aber der ur- 
sprüngliche völkische Charakter der Landschaft durch die Germanisation der 
Schalauer und die litauische Einwanderung schon ziemlich verwischt wor- 
den. Die Litauer waren bereits in die kernschalauischen Hackelwerke ein- 
gedrungen, loc. cit. 37 f, Karge 78. 
Die heutigen Ortschaften Benicken (frilher: Beinicken, Karge 76) s. 
von Ragnit und WeynOlhen 1 ) w. von Tilsit, haben sicherlich ihre Namen 
von den urkundlich uns bekannten Schalauern Bey ni k e (ca. 1385) und 
Wa y not h (1411), Weg. 691, Beiträge 35. Die diesbezüglichen Verschrei- 
bungen sind aber bis jetzt nicht bekannt geworden. 
Orauden, bei Lengwethen. hängt offenbar auch mit Pauel G r a w d e 
von Ragnit, Beiträge loc. cit., oder einem anderen Schalauer dieses Na- 
mens zusammen. 
Die Dorfnamen des ehemaligen Amtes Ragnit Olanda und Callen 
sind kein
 Flurnamen, wie Karge 75 meint, sondern stammen, falls sie 
nicht litauisch sind 2), von den ganz geläufigen preussischen PN GI an d e 
und C ale her, Trautmann PN 84, 48. 
Das Fehlen urkundlicher Überlieferung lässt allerdings vermuten, dass 
die betreffenden schalauischen Siedlungen klein gewesen sind. Die Ge- 
samtzahl der Schalauer mag daher zu Anfang des XV. Jahrhunderts kaum 
1000 Menschen überschritten haben. 
Erhalten haben sich c!ie Schalauer noch bis in die Mitte des XVI. 
Jahrhunderts, um nachher allmählich vollständig im deutschen und litaui- 
schen Element aufzug
hen. Vgl. Heinrich, loc. eil. 37 ff. Im Jahre 1551 
sollen, nach der Behauptung der herzoglichen Kanzlei, die Einwohner von 
Splitter "mehren theils... frembde Leute und neusassen (d. h. li tau i s ehe 
Einwanderer) und nicht von dem geschlechte der alten preuszen, wie sich 
woll nehnnen" sein, loc. eil. 81. 


c. Nationalität der Schal au er. 
Die Frage der Volkszugehörigkeit der Schalauer hat die Wissenschaft 
erst in der letzten Zeit endgültig beantwortet. 
I. J. 1921 erklärte Heinrich, Beiträge 26 ff, die Schalauer von neuem 
auf Dusburgs Berichte zurückgreifend und auf andere oben erwähnte ar- 
chivalische Materialien gestützt für Preussen. Dieser historischen Fest- 
stellung folgte 1921 eine sprachliche Untersuchung der schalauischen 
Orts- und Personennamen durch Trautmann, welche zum gleichen Ergeb- 
nis führte, Streitberg - Festgabe 355 H. 


1) Heinrich, Beiträge 32, verknüpft fälschlich das Feld Waynegine mit diesem ON. 
2) Vgl. den Flussnanamen Oilandd: 11. gilus .tlef' + listi ,kriechen'. Uas Dorf Oi- 
landiiai ,Gilanden' liegt an diesem Fluss. 


.-..
		

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- 124 - 


I 

 


Unabhängig von Heinrich, ohne deren erst 1927 gedruckte Arbeit zu 
kennen, vertrat Büga 1) dieselbe AIJsicht in seinen Vorlesungen wäh- 
rend Hochschulkurse zu Kaunas, im Frühlingssemester ] 921. Später leg- 
te er den Studenten eine eigenhändig gezeichnete Karte der Wohngebiete 
aller baltischen Völker vor. Veröffentlicht ist di
se Karte (umgearbeitet) 
zuerst in "Aisciq praeitis", Kaunas 1924 und LKZ 11, LXIX nimmt Büga 
die preussische Nationalität der Schalauer schon als erwiesen an. 
Diese neuerliche wissenschaftliche Feststellung ist allerdings für man- 
chen Historiker, besonders die älteren, immer eine Selbstverständlichkeit r 
gewesen. 
Voigt in seiner "Geschichte Preussens", Bd. I 508 ff (erschienen Kö- I 
nigsberg 1827) hielt die Schalauer sowie dIe Nadrauer und Sudauer ohne 
weiteres für preussisch. 
Der mit grossem Scharfsinn arbeitende und mit den Quellen gut ver- 
traute L. Weber konnte in seinem ]878 erschienen Werk "Preussen vor 
500 Jahren" 
. 115 nur zu dem Ergebnis kommen, "dass von ei.ner Iittaui- 
schen Nationalität im Ordenslande nicht die Rede sein kann". Uber Toep- 
pen spricht er das harte Urteil aus: "So zerfällt in nichts, was Toeppen 
über die autochthone Bevölkerung des preussischen Litauens sagt", loc. cit. 
Der Umstand, dass Weber, Preussen 126, die Nadrauer und Schalauer 
eine "szamaitische Sprache" sprechen lässt, "verdunkelt" seine vorherigen 
Behauptungen, wie Karge 7 meint, durchaus nicht. Der Verfasser war kein 
 
Sprachwissenschaftler und ausserdem nicht einmal als L&ie des Litauischen 
mächtig. Es ist naturgemäss, dass ihm daher moderne Kenntnisse über 
die Verwandtschaftsverhältnisse des Preussischen mit dem Litauischen sowie 
dessen Dialekten fehlen mussten. 
Warum hier Weber gerade zum Zemaitischen gegriffen hat, wird 
gleich klar, wenn wir die Ausführungen Bohlens bei Voigt I 713 ff beach- 
ten. Als einer der "engverbundenen Schwesterdialekte" des Altpreussischen 
wird von ihm "besonders das mehr verderbte, sogenannte Polnisch-Litthaui- 
sche oder Scharnaitische" hingestellt, loc. eit. 714. 
Diese "besondere" Verwandtschaft begriJndete Bohlen ebenfalls wohl 
mit der "Verstümmelung und Abnutzung" sowie der "Mischung von altem 
und neuem Sprachgut" des Preussischen selbst, loc. cit. 712, 717. 
Wie wenig die Historiker in diesen Dingen Bescheid wussten, mag 
noch ein weiteres Beispiel zeigen. Toeppen 33 zieht aus den Worten 
Kadlubeks: "PoIlexiani Getharum seu Prussorum genus" den Schluss, dass 
die Jatwinger "zu dem preussisch-litauischen Volkstamme" gehört hätten. 
Zur Bestätigung dessen führt er an, dass noch heute im alten Jatwinger- I 
lande eine litauische Mundart, nämlich die "zemaiti
che", weit verbreitet sei, 
loc. eil. 
Übrigens legt noch Vater, Sprache der alten Preussen, Braunschweig, 
1821 S. XXXIII, den Schalauern und Nadrauern eine zwischen dem Preussi- 
 
schen und Litauischen stehende Übergangsmundart bei. 
Vor ihm behauptete Hartknoch, Altes und neues Preussen S. B9, dass 
in den östlichen und südlichen Landschaften Preussens "diese (d. h. preus- 
sische) Sprache schon etwas mit der Litthauischen und Polnischen ver- 
mischt" gewesen sei. 


J) Karges Referat darüber ist schon nach Bügas Tode (1. XII, 1924) erschienen.
		

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			- 125 - 


(293) 


Das Gesagte beweist uns g-enügend, dass L. Weber in der Beurteilung 
der Sprache der Schalauer und Nadrauer seinen Vorgängern nur nachge- 
sprochen hatte, wobei er allerdings deren mit einiger Vorsicht geäusserte 
Ansichten nach seiner Art schroffer ausdrückte. Die preussische Nationalität 
jener bei den Stämme war damit für ihn nicht im geringsten erschüttert. 
Ferner hatte schon Horn in der Einleitung zu "Urkunden zur Ge- 
schichte des ehemaligen Hauptamts Insterburg" , Insterburg 1895, urkund- 
lich nachgewiesen, dass im altbesiedelten Gebiet westlich von Insterburg 
die ..Unterthänigen Landbewohner" Preussen waren (S. IX), während in 
die Wildnis "der grössere Theil der Colonisten von Osten her aus Litauen 
nach Westen zuströmte", loc. cit. XII. 
Die Lage der Dinge war von Horn richtig erkannt, wenn er loc. cit. 
weiter sagt: ..Soweit unsere Urkunden schweigen, können wir mit Sicher- 
heit annehmen, dass das ganze Hauptamt Insterburg, östlich von Deime, 
Pregel und Angerapp von littauischen Bauern, Scharwerkern und Losleuten, 
soweit überhaupt der Urwald damals gelichtet war, insbesondere an den 
Flüssen, voll besetzt worden ist, Leuten, welche hauptsächlich im Anfang 
des 16. Jahrhunderts aus Szameiten und Augsteten hier eingewandert sind". 
Zu einer loc. cit. angekOndigten ausführlichen Behandlung des "Vor- 
dringens der Littauer" ist der Verfasser seinerseits leider nicht mehr ge- 
kommen. 
Gleiche Ansichten äusserte später (1904 f) auch H. Plehn in seiner 
Abhandlung "Zur Geschichte der Agrarverfassung von Ost- und Westpreus- 
sen", abgedruckt in "Forschungen zur Brandenburgischen und Preussi- 
sehen Geschichte", Bde XVII und XVIII, besonders XVII SS. 50, 55 f, 125. 
Aber seltsamerweise haben hier gerade die beiden Fachhistoriker 
Toeppen und Lohmeyer wirklich versagt. 
Toeppen 34 f hatte. jedoch wie er selbst sagt, nicht ohne Vorgänger, 
hauptsächlich durch die Zustände des XVI. Jahrhunderts verführt und auch 
im Glauben Dusburg widerlegt zu haben, die Litauer in jenen Landschaf- 
ten als Ureinwohner bezeichnet. Lohmeyer, Geschichte 17 f, ist ihm offen- 
bar ohne eigene Nachforschungen gefolgt. 
Durch seine auf ON gestützten sprachlichen Ausführungen, AM (1882) 
XIX 651 ff, welche auf den ersten Blick sehr einfach und wirklich über- 
zeugend erscheinen, verhalf Bezzenberger dieser Ansicht zur allgemeinen 
Verbreitung. 
Aus dem Gesagten können wir jedoch ersehen. dass die Toeppen - Bez- 
zenbergersehe Theorie in den Forscherkreisen durchaus nicht alleinherrschend 
war. Sie fand aber in der breiteren Öffentlichkeit auch deswegen mehr Glau- 
ben als die andere, weil die Vertreter der letzteren sozusagen nur di mi- 
nores in der Gelehrtenwelt waren. 
Es ist also das Verdienst von Heinrich, dass sie sich von neuem auf 
die Seite von Weber - Horn - Plehn stellte und der alten Auffassung wieder 
Anerkennung verschaffte. 
Wirklich neu war nur das Namenmaterial von Trautmann. 


.......
		

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			(294) - 126 - 


B. Kurische und litauische Einwanderung. 


1. Vorbemerkungen. 
Kehren wir jetzt zu der Kernfrage dieses Abschnittes zurück. Das 
Memelgebiet hat ja, wie wir oben gesehen haben, niemals in seiner Ge- 
samtheit eine Wildnis wi
 etwa die von Südwestzemaiten gebildet. Der li- 
tauische und kurische Zuzug diente hier sozusagen nur zur Ergänzung der 
vorhandenen, wenn auch geringen Bevölkerung. Andererseits waren diese 
Zuwanderer zahlenmässig so überlegen, dass sie der Landschaft ein voll- 
kommen neues, eigenes Gepräge zu geben vermochten. 
Die Frage der Neubesiedlung des Memellandes wurde im weiteren 
Zusammenhang von Karge 67 ff behandelt. 
Wir werden uns in den folgenden Ausführungen nur auf die wichtig- 
sten Punkte dieser Frage und auf grundsätzliche Bemerkungen beschränken. 
Zuerst müssen wir scharf zwischen kur i s ehe r bzw. lettischer und 
1 i tau i sc her Einwanderung unterscheiden. Als Anziehungs- und Rieh- 
tungspunkt der Kuren ist M
mel zu bezeichnen. Für die Litauer war es 
die Komturei Ragnit, welche ihre Kolonisationstätigkeit auch weiter südlich 
vom Memelstrom ausübte. 


2. Einwanderung der Kuren. 
Der Beginn der kurischen Einwanderung aus Livland ist chronologisch 
nicht genau festzulegen. Sie muss jedoch spätestens Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts eingesetzt haben, weil um 1400 Kuren bereits in Samland erwähnt 
werden, Mortensen, Litauen 281 Anm. 1. 
Als in vollem Fluss befindlich lernen wir diese Bewegung zuerst aus 
den Beschwerden der Livländer bei dem Hochmeister seit 1409 kennen. 
Die urkundlichen Nachrichten hierüber (aus der Zeit 1409-1481) sind 
bei Diederichs, Magazin XVII, Heft I 49 H, zusammengestellt. Vgl. auch 
Bezzenberger, Nehrung 269 f. 
Die Livländer forderten die Herausgabe ihrer entlaufenen Zinsleute; 
dagegen genossen die "vrie luete, die nicht ezinshaftich noch sehuldich 
sin" volle Freizügigkeit, Diederichs, loe. cil. 49. 
Der Auswanderungstrieb scheint bei den Kuren recht stark gewesen zu 
sein. Denn der Memeler Komtur berichtet an den Hochmeister (vor 1422): 
."ouch so sprechen die andern Kuvern von Kuverlande, ist daz sache, daz 
man si nicht czur Memil wH czihen lassen, so wellen sie doch eynen an- 
.dem weg czihen, alz in daz landt ader under den bischoff oder wo sy mo- 
gen", loc. cit. 50. 
Die Einwanderung ging nach den obigen Berichten über den Strand 
von Palanga vor sich. 
Auch in ihrer neuen Heimat fühlten sich die Kuren als echte Fischer 
an das Haffufer sowie die Bernsteinküste des Samlandes gebunden. vgl. 
Tetzner 124 ff und Karte. Wie weit diese Kolonisation auch in das innere 
Gebiet vorgedrungen ist, lässt sich urkundlich nicht feststellen. Es ist nur 
bekannt, dass Herzog Albrecht 1544 verordnete. für Russ solle ein des li- 
tauischen und des Kurischen kundiger Pfarrer gesucht werden, Sembritzki, 
Heidekrug 13. Freilich liegt Russ auch nicht weit vom Haff entfernt. 


'"
		

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			- 127 - 


(295) 


Einige Schlüsse jedoch gestatten uns diejenigen ON, die sicher als 
kurisch (lettisch) anzusprechen sind. Die meisten gehen unzweifelhaft auf 
PN zurück, auch wenn wir statt des ku
.ischen PN nur das zugrundeliegende let- 
tische Etymon beibringen können. Ubrigens setze ich hier "kurisch" ohne 
weiteres gleich "lettisch", weil das schlecht überlieferte Namenmaterial eine 
so schwierige Unterscheidung nicht ermöglicht. 
1. Ab eIs a at h, Sembritzki, Memel 6 : le. äbele ,Apfelbaum' + le 
> safa ,Zaun'. 
2. Asp u r via i ,Aschpurwen' : le. purvs ,Sumpf, Bezzenberger, 
Sprache 134. - Im ersten Teil litauisch oder aus le. (mundartlich) az- H- 
tuanisiert. 
3. Au k s tu mal a s-Moor: H. auksfas ,hoch' + le. mala ,Ufer, 
Rand'. 
4. BI i e m atz e n s. 32. 
5. B ren z i g all e, Sembritzki, Memel 66 : le. Brencis ,Laurentius' 
+ le. gals ,Ende, Gesinde'. 
6. B ruk sv a ,Brukschwa-Wiesen' : le. bruksas ,Lagerholz, Schutt'. 
7. 0 a r z e p p ein, li. Dercek/iai: le. darva ,Teer' + le. cep/is 
,Ofen', Bielenstein, Grenzen 377. 
8. a) Da u t si e n Thoms, Sembritzki, Memel 180; b) 0 au t zi n 
Niclau : le. Daucls ,David' + Suffix -ln-, 
9. 0 a u tz el Simon, loc. eit. 180: le. Daucis, vg1. 8., + li. Suf- 
fix -el-. 
10. 0 a u tz kur, Sembritzki, Memel 180 : le. Daucis, vgl. 8., + Kure. 
11. Ga i ci ai ,Gaitzen'. Vgl. Bezzenberger loc. eit. 269. 
12. Her man 1 ö h I e n, li. Ermalenai: Hermann LeU PN, Sem- 
britzki, Heydekrug 336: le. liels ,gross'. 
13. John Snot e n, Sembritzki, Memel 190: le. znuots ,Schwie- 
gersohn'. 
14. K ass er ag e n, Sembritzki, Memel 178: memeler li. Kazragis 
PN : le. kaza ,Ziege' + le. rags ,Horn', Bezzenberger, Nehrung 268. 
15. Casper Pur w e, Sembritzki, Memel 88 : le. purvs ,Sumpf'. 
16. K eck e n Jakob, loc. cit. 192 : le, ke/as ,Mensch mit schiefen 
Zähnen'. 
17. K e k ga II e n, loc. eil. : vgl. 16 + le. gals ,Ende, Gesinde'. 
18. Ki 0 ki a i ,Kiaken' : le. käkis ,Dohle'. 
19. a) Ky c k e n Matz ,Matzkieken' , b) Ky c k e n Peter ,Wilkieten' 
le. I	
			

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			(296) 


]28 - 


25. Li au nie j a i ,Launen' : le. fauns ,böse'. 
26. L ö ll e kr a gen ,Loellen' : le. liels ,grass' + le. kragls ,hölzer- 
ner Dreifuss'. 
27. a) L a m ps at e n, b) La m s at e n ,Eglischken'. Vgl. Bielen- 
stein, Grenzen 279. 
28. Lu n km all e, Wiese bei Minge, Sembritzki, Heydekrug 13 
le. lunka ,Meeresbucht, niedrig gelegene Wiese' + le. mala .Ufer. Rand'. 
29. L Y ver i ai ,Liewern' : le. ITveris ,Herumtreiber'. 
30. Martin Gay I. Sembritzki, Memel 184: le. gailis .Hahn'. 
31. Martin Re g s t a, loc. cil. 52 : le. rieksts ,Haselnuss'. 
32. M atz b I i e den oder Bliematzen : Matz + le. Bllda PN (li. 
Blinda, vgl. Blinden Wittko. Sembritzki, Memel 175). 
33. Matz L ö h I e n, Sembritzki, Heydekrug 343 : le. liels ,grass'. 
34. Matz Mo d r i c k, Zins 5 ut, Sembritzki, Memel 97 : le. muodrs 
,munter' + Suffix -il<-. 
35. M e I (n) ami z e ,Holländische Mütze' : le. melns ,schwarz' + le. 
mezs ,Wald'. 
36. Me ll e n Haben, auf, Sembritzki, Heydekrug 13 : le. (mundart- 
lich) melis < melns ,schwarz'. 
37. Me I (n) rag a ,Mellneraggen' : le. melns ,schwarz' + rags .Horn, 
Haken', Bezzenberger, Nehrung 26
. 
38. M u i z e .Feilenhof' : le. muiza ,Gut'. 
39. M u i s zen in k e n. Sembritzki, Memel 202: le. muiza ,Guf, + 
li. Suffix -inink-. 
40. Ne m er z a ta und Ne tn e rz eta ,Nimmersatt' : Nemyra PN. CEW 
73. Vgl. Spr.: HI-fMepbl, Gut in Zemaiten + le. säta ,Zaun, Hof'. - Un- 
klar bleibt freilich das z im zweiten Teil des Namens. Falsch Sembritzki, 
Memel 6, Anm. 
41. Peter La tz e n, Sembritzki, Heydekrug 348 : s. 23. 
42. Philipp 0 a u t s c h ,Sturmen' : s. 8. 
43. PI ac k n e n. Forstrevier, Sembritzki, Memel 207 : le. plakans 
.flach, eben'. 
44. PI ü ci ai ,über hof'. - Wegen c kurisch (lettisch). 
45. PI u 0 cis ,Plazis - Teich' : le. pluocis ,moorige, sich bewegende 
Stelle'. 
46. Pr i e c im a i ,Prätzmen': le. prieca ,Glück', Sembritzki, Me- 
mel 13. 
47. Pr i e k u I e ,Prökuls' : Lucas Prekoll PN, Sembritzki. Heydekrug 
23. Vgl. Bielenstein, Grenzen 377. 
48. Pur mal i a i ,Purmallen' : le. purvs ,Sumpf' + le. mala ,Ufer.. 
Rand', Bezzenberger, Nehrung 268. 
49. Pur w e- Wiesen, Sembritzki, Memel 209: s. 48. 
50. Pu tz e n, loc. eil. : le. pDce ,Eule'. 
51. R 0 s t e s z i 11, Sembritzki, Memel 210 : le. ruoste ,Gurt, Rand 
(am Kleide)' + le. sils ,Forst, Heide'. 
52. Sie n g i ai ,Schlengen- Andres' : le. slerigis ,Faulenzer'.
		

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			- t 29 - 


(297) 


53. S t rag na i ,Stragna' : le. stragnis ,ein Sumpf, wo man einsinkt', 
Bezzenberger, Sprache 134 Anm. 2. 
54. S u weh ne n, 11. Suvernai: Szuwens PN, Sembritzki, Heydekrug 
13: le. suvens ,Ferkel', Bielenstein, loc. Clt. 
55. Sv e n c e 1 
 ,Schwenzeln', Bezzenberger, Nehrung 269. - Li- 
tauisch wäre *Svenkele zu erwarten. 
56. We t z Kepal Jacob ,Grikschen' : le. vecs ,alt' + li. kepalas 
,Brotlaib'. 
57. V 
 ver iS k i a i ,Wewerischken' : le. veveris ,Weber'. 
58. Z e i gi a i ,Szodeiken Jonell' : li. Zeigis PN. - Wegen z als ku- 
risch anzusprechen. 
59. Zeikel Da u t z e I ,Czutellen' : s. 9. 
60. Zag a ta i ,Szagaten' : Je. zagata ,Elster'. 
61. Zag a t pur via i ,Szagatpurwen' : le. zagata ,Elster', + le. purvs 
,Sumpf' . 
Bei manchen ON, wie z. 8. Au r i e t he n ,Mankuslauken', L y I iS- 
kiai ,Paaschken', Paug en, li. Lydimai, Paurai ,Pauern', ist nicht si- 
cher zu entscheiden, ob sie kurisch oder litauisch sind. 
Als kurisch-Iettisch dürfen nicht angesprochen werden: 
1. S a k u t h e n, Bezzenberger, Nehrung 269, H. Sakociai neben Sa- 
kOcial < Sakuociai: Sakuotis PN. - Die Bildung dieses im Litauischen 
ganz gewöhnlichen PN ist: li. sakai ,Harz' + Suffix -uot-. Vgl. Rumbuo- 
tis: Ii. rumba ,grosse Narbe'. 
2. Sc h u g s ta. Stenzei, Bielenstein, Grenzen 279. - Es ist ein be- 
kannter litauischer PN SiukSta : Ii. siukSteti ,rasseln'. Vgl. dazu li. SiukS- 
ciai ON. 
3. Sau rum, Sembritzki, Heydekrug 13, ist 11. siauruma ,enge Stel- 
le' und hat mit le. caurums ,Loch' nichts zu tUn. 
Was Karge 38 f abgesehen von den Zitaten aus Bezzenberger, Bielenstein 
und Sembritzki nach eigenem Urteil als kurische ON und PN anführt, ist 
zum grössten Teile nicht Imrisch. Er versuchte seine Behauptungen auch 
gar nicht zu begründen. Wir kommen unten darauf noch zurück. 
Ferner ist der Name der Kuren (Ii. kursys, kursis,- le. kursis) in fol 
gen den ON innerhalb der Grenzen des Memelgebietes enthalten: 
1. Im Kreise Memel: Kursiai ,Gross Kursehen', KUrSeliai ,Klein Kur- 
sehen', Kurslaukiai ,Kepal Klaus' und Kur sc h e n - A n d res. 
2. im Kreise Heydekrug: M atz Kuh ren ,Matziken', S te p- 
p e n kuh ren ,Stankischen' und Kur s c h u lau k s, Sembritzki, Hey- 
delcrug 343, 352, 13. 
Urkundlich sind die Kuren ausserdem in Ru s s, War u s s, W i n- 
denburg, Drawöhnen und Schmelz nachgewiesen,loc.cit.13,24 
Ansässig waren sie bzw. sind sie bis heute in B 0 m me I s v i t t e, 
Mellneraggen, Karkelbeck, Nimmersatt und auf der Kuri- 
schen Nehrung, Tetzner 127 ff. 
Überträgt man die Ortsbezeichnungen kurischer Herkunft sowie die 
ehemaligen und jetzigen Siedlungsplätze der Kuren auf die Karle, so ergibt 
sich folgendes Bild. V gl. die Karte S. 298. 


.......
		

/Pomorze_016_11_130_0001.djvu

			. 


(298) 


- 130 - 


Aus dieser Skizze ersehen wir, dass kurische ON südlich der Lini- 
Russ - Koadjuhten vollständig fehlen. Bis südlich von Prökuls ist das Ge- 
biet von ihnen ziemlich dicht und gleichmässig besät, doch darüber hine 
aus hat nur das Haffufer eine Kette kurischer Siedlungen aufzuweisen. 


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Werten wir diese Erscheinung für die Ausbreitung 
der kurischen Kolonisation aus, so ist dabei festzu- 
g tell e n, das s die sei n ihr erg r 0 s sen M ass e übe r die L i - 
nie Ru s 
 - S v 
 k sn a nie h t vor g e d run gen ist. Fe r ne r e r- 
gibt sich, dass die Einwanderung besonders den nörd- 
lichsten Zipfel di eses Gebiets betroffen ha ben muss. 
Die starke Besetzung des Strandes und des Haffufers war schon nach 
dem oben Gesagten vorauszusehen. 
Es sei hier auch bemerkt, dass die Karte sozusagen die absolute, an 
keinen bestimmten Zeitpunkt gebundene Ausbreitung der !	
			

/Pomorze_016_11_131_0001.djvu

			- 131 - 


(299) 


Die heutige Nachstellung der Vornamen in den auf PN beruhenden 
ON hat mit der Ausbreitung der kur ischen Siedlungen. wie es Bezzenber- 
ger. Nehrung 2b9. nach ihm Bielenstein. Grenzen 377. und zuletzt 
noch Karge 39 angenommen haben. nichts zu tun. In den älteren Quel- 
len. so z. B. in der Steuerliste von 1540. beobachtet man diese Erschei- 
nung nur selten. Sembrit
.ki. Heydekrug 23. Allgemein gebräuchlich wur- 
de die Nachstellung der Ubersichtlichkeit wegen erst in den Ortschaftsre- 
gistern aus der Zeit der Domänenämter (um 1721). Sembritzki. Memel 170. 
Die weitere Frage. aus ungefähr welcher Gegend des alten Livland 
unsere kurischen Einwanderer herstammen können. ist schon von Bezzen- 
berger. Sprache 133 ff. auf Grund sprachlicher Untersuchungen beantwor- 
tet. Die frühere Heimat der sogenannten "preussisehen Letten" ist danach 
unzweifelhaft Südwest - Kurland gewesen. 
Dazu stimmt. dass auch die Klagen wegen der Überläufer vornehm- 
lich aus dieser Gegend Altlivlands. aus Grobin und Goldingen. besonders 
laut wurden. Diederichs. loc. eit. 49 f. 
Die Ursachen der Bevölkerungsflucht sind in den wirtschaftlichen 
Verhältnissen der hörigen Bauernrnasse zu suchen. Diederiehs. loc. cit. 49,. 
bemerkt sehr richtig, dass die Überläufer "in dem gebiet von Memel gün- 
stigere lebensverhältnisse zu finden hofften und dort zum verdruss der 
kurländischen ordensgebietiger aufnahme erhielten". Die keineswegs be- 
neidenswerte Lage der lettischen Bauern erkennen wir eben daraus. dass 
sie auch ins Gebiet des Bischofs. nach Zemaiten oder überhaupt "wo sy 
mogen" zogen bzw. dazu entschlossen waren. Vgl. oben SS. 284. 294. 
Die Landesherrschaft griff sogar zu Repressalien, um ihre Zinsleute 
wieder in die Hand zu bekommen. Sie hielt mit Gewalt die Meme1er 
Briefboten (Kuren) zurück und holte ihre Läuflinge "etzwas unbeschei- 
dentlieh " wieder nach Kurland. Diederichs. loe. eil. 49 f. 
Dass die erste kurisch-lettische Einwanderung nach dem nördlichen 
Memelgebiet älter als die litauische ist, braucht hier gar nicht weiter aus- 
geführt zu werden. Aus dem Vorhergehenden wissen wir ja. dass die li- 
tauische Expansion sich erst nach 1410 voll auswirkte. wobei die Durchbre- 
chung des trennenden Wildnissaumes noch weitere Jahrzehnte später er- 
folgt ist. 
Damit wird aber nicht bestritten, dass einzelne litauische Familien 
schon in jener frühen Zeit nach dem Ordenslande übersiedelten. 


3. Litauische Kolonisation :in Preussen. 
a. A 11 gern ein e s. 
Die erste Kunde von einer Auswanderung von Zemaiten nach Preus- 
sen im wahren. Sinne dieses Wortes 1) haben wir aus dem Jahre 1406. 
Der Voigt von Zemaiten berichtet im Juni d. J. an den Ordensmarschall: 
"die lewthe vor uns sint gewest. di czu euch ken Prewszen czien wellen. 
dar hab wir in dirloubet und wisset. dar wir offenbar in allen landen ge- 
saith und dirloubet han einem iderman czu czien. wo her welle. ken 


1) Dazu rechnen wir die politischen Flüchtlinge der friiheren Zeit nIcht. Vgl. darüber 
Karge 67 ff. 


...
		

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			(300) 


- 132 - 



 


Prewszen adir ober di Nawese, sltnder ane unser wissen nicht, und ane 
unser kemerer wissen. Dorczu hab wir in allen landen den kernerern 
offen brife gegeben, das si di lewthe mit den brilen losen geen... 00- 
rumme lieber her marschalk, loset is euch am kleinen nicht schelen und 
thut in en wenig deste me hulfe, u f das ir me und v eIe mo c h- 
t e t c z u e u c h g e c zog e n, i r b leb e den n 0 c h gnu chi m 
lande czu Zamaythen", CEW 127. . 
Diese Politik wurde vom Orden in der Zeit begonen, wo er Zerr,aiten, 
nach seinen eigenen Worten loc. cit. 1036 "per quatuor annos... pacifice 
et quiete" im Besitz hatte. . 
Wir wissen leider nicht, wieviele Zemaiten nach dem Ordenslande 
ausgewandert sind und wo sie dort ihre neuen Wohnstälten fanden. Der 
Grundsatz: "uf das ir me und vele mochtet... geczogen" wurde auch spä- 
ter vom Orden unter gänzlich veränderten politischen Verhältnissen zielbe- 
wusst durch ein volles Jahrhundert hindurch befolgt. Das werden uns die 
folgenden Ausführungen erkennel} lassen. 
Noch vor dem Abfall der Zemaiten und dem offenen Ausbruch der 
Feindseligkeiten werden von litauischer Seite die ersten Klagen wegen ent- 
laufener Leute laut. 
In einem Briefe Vytautas' an den Hochmeister vom 19. April 1409 
lesen wir: "Auch wir danken euwir Erwirdikeit, das ir euwirn gebitigern 
allumbee wellit schreibin, wo man unsir luthe, die uns entloufen sint, dlrfu- 
re, das man sie ken der Licke (= Lyck)... zal schiehen", CEW 169. 
Zweimal wurden danach die Boten nach Lyck entsandt, um die 
Überläufer zu holen, aber alles war vergebens. Der Pfleger behauptete 
von der ganzen Sache überhaupt nichts zu wissen und erklärte, wenn ihm 
der Hochmeister oder sein Komtur "undirsagte, her weide nimandes von 
den... die do entloufin, durchlassin ken Preussen, adir im were keines do- 
van bevolin", loc. eit. 173. 
Es wurde hin und her verhandelt. Den vom Hochmeister zugesandten 
offenen Brief, welcher eine Erlaubnis zum selbständigen Suchen der Läuf- 
linge in Preussen enthielt, schickte Vytautas erbittert zurück, loc. eil. 177. Ob- 
wohl die Boten des Grossfürsten sogar selbst jene Leute gesehen hatten, 
wurden sie ihnen nicht ausgeliefert. Voll Entrüstung schreibt im sel- 
ben Jahre Vytautas darüber nochmals an den Hochmeister, wobei er einen 
weiteren, schon beinahe an das Komische grenzenden Vorfall aus Tilsit an- 
führt. Die Stelle im Briefe lautet: "und was mochte unser man in euwirm 
lande mit euwirm briffe suchen adir finden, went man (that) vor im die 
selbigen eigen vorbergen, als ouch heuwir geschach czu Tylsath. Unser 
man einir qwam czwer mit unserm brif und sein eigen sach czu fenster of 
in, und man loukenete sein vor im und wort nicht usgegeben", loc. eit. 192. 
Die Gren
komturei Ragnit scheint also schon von Anfang an das 
Hauptziel der Uberläufer gewesen zu sein. 
Hierher waren gleich nach 1410 auch" Wytowl hofgesinde und diner" 
entlaufen, loc. eil. 1058. 
Auf die Forderung Michael Küchmeisters den von Ragnil nach litau- 
en entflohenen Ordensbruder auszuliefern, antwortete der Grossfürst am 7. 
Januar 1416: "wir bitten uns nicht vordenken, went ir ist gar viI, di von 
uns in euwir land si nt entlouffen von euwirn und der euwirn vorfaren ge- 
czeiten, der uns nimmer kein wirt gesandt wider", loc. eit. 336.
		

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			i 


I 
_L 


- 133 - 


(301) 


Wegen der zur Zeit des" Tages" in Veliuona 1418 nach Ragnit entlau- 
fenen drei Russen schrieb der Orden meister ganz offen an Vytautas: sie 
seien vom dortigen Komtur "ufgenommen und gesichert noch alder ge- 
wohnheit", loc. cit. 438. Ausgeliefert wurden auch diese natürlich nicht. 
Vgl. den Schriftwechsel darüber, loc. cit. 441 f, 444 f. 
In der Behandlung der nicht mehr seltenen litauischen Flüchtlinge 
hatte sich also ein besonderer Brauch ausgebildet. 
)m Herbst 1422 war bei dem Komtur in Memel "ein redlichir beyor" 
aus Zemaiten erschienen und bat ihn "geleite czu gebin czur Memel, wi 
das her weip und kint, und sust andir frunde mit im weide brengin", loc. 
cit. 574. Dies wurde ihm auch gewährt; er sollte nur abwarten bis Vytau- 
tas den gegen die Livländer vorbereiteten Kriegszug antrat und dann mit 
den "sinen" kommen, loc. ciL 
Hier haben wir den ersten uns bekannten Fall, wo die Zemaiten in 
Memel um Aufnahme bitten. 
Anfang 1426 ersucht der Hauptmann von Zemaiten, K
sgaila, den 
Hochmeister wieder um Herau
gabe von 5 seiner im vorigen Jahre entlaufe- 
nen Leute. Derjenige von ihnen, welchen er zurückbekommen hatte, sei 
"assumens sibi alium" erneut entlaufen. Der Ordensmarschall wolle aber 
sie alle 6 nicht herausgeben, loc. cit. 715. 
Eine litauische Gesandtschaft an den Hochmeister i. J. 1443 brachte 
vor, dass sich ihre Landsleute bei dem Gro
sfürsten wegen ..entlouffen lew- 
te unde gesinde", welche "man en nicht widerkeren weide" beschweren 
und "clagen sunderlich uber den kompthur von Rangnith", BU1JX 620. 
Seit dieser Zeit verstummen die Klagen überhaupt nicht mehr, sie 
werden immer lauter und häufiger. Eine kurze Zusammenstellung hat Kar- 
ge 70 f gegeben. In der ganzen Sache spielt wieder der Hauskomtur von 
Ragnit eine besonders bedeutende Rolle. Memel tritt dabei viel weniger 
hervor, loc. eil. 
Hier haben wir einen Beweis dafür, dass der litauische Einwande- 
rungsstrom seinen gleich zu Anfang über Ragnit eingeschlagenen Weg 
auch in späterer Zeit immer noch beibehalten hat. Die Gegend von Me- 
mel, das natürliche Einfallslor für kurländische Auswanderer, wurde von 
den Litauern in der ersten Zeit offenbar nur selten benutzt. 
Dass der Orden die Einwanderer zuletzt schon als Landplage em- 
pfunden hätte, wie es Karge 71 zu vermuten scheint, davon kann keine 
Rede sein. Es ist weder aus den sogenannten Werbungen und Verhand- 
lungen noch aus dem diese Frag
, betreffenden Schriftwechsel ein einziger 
Fall bekannt, wo der Orden die Uberläufer wirklich anstandslos ausgelie- 
fert hätte. Die Herausgabe wurde ab und zu einmal auf starkes Drängen 
zugesagt, aber nicht erfüllt oder in die Länge gezogen. Man braucht hier- 
zu nur die betreffenden Urkunden einzusehen und man erkennt gleich die 
wahre Einstellung der massgeblichen Ordensbeamten. 
Wenn der Hochmeister in seiner Instruktion an die Ordensboten den 
Befehl gibt, vor dem Grossfürsten zu sagen, die Zuwanderung aus Litauen 
sei ihm "ganz entgegen", Karge loc. eit., so handelt es sich hier nur um ein 
Verhandlungsmanöver. Die wahre Meinung tritt zum Vorschein, wo die 
Gesandten sagen sollen, die Litauer mögen das Entlaufen lieber selbst ver- 
hindern, loc. cit. Selbst Karge, loc. cit., muss zugeben, dass der Orden die- 
sen Bevälkerungszuwachs "nicht immer im gleichen Masse ungern gese-
		

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- 134 - 


hen" habe. Die andauernden Klagen der Grossfürsten kann auch er nicht 
anders erklären. 
Und wie gerade die Besiedlung der Wildnis mit allen nur denkbaren 
Mitteln später unter dem ersten Herzog betrieben wurde, werden wir weiter 
unten sehen. 
Die Zuwanderer wurden vom Orden in der Wildnis angesiedelt. Die 
litauischen Kolonisten bekamen gewöhnlich ein Stück Wald oder Wüstenei 
zugewiesen und sollten dies roden und urbar machen. 


b. Hau p tarn t M e m e 1. 
Aus dem Hauptamt Memel, welches die späteren Kreise Memel und 
Heydekrug umfasste, sind leider überhaupt keine Landverschreibungen an 
bäuerliche Kolonisten vorhanden. Deshalb bleibt uns der Vorgang bei der 
Ansiedlung der Litauer hier ziemlich dunkel. 
Einiges ist aber auch aus den Verleihungen zu kölmischem und mag- 
deburgischem Recht, zusammengestellt bei Karge 44 H, zu entnehmen: 
1. Bei der Verleihung des Kruges zu Schmelz i. J. 1503 werden die 
Äcker des Gerigs und Hans Gybbeis (Giebisch) als angrenzend erwähnt, 
loc. cil. 44. Beide sind Litauer: Ger i g s = H. Gerikas PN um Gintaliske, 
Gy b bei s = li. Gibiesas, noch heute bei Memel bekannter PN : H. Giba 
PN + Suffix -ies- < wru. und po. -e sz. 
2. 1498 erhielt der Krüger von Russ Wiesen verschrieben, welche 
früher "des Sedeyken Tochter" gehört habe, loc. eil. Se dei k eist Ii. 
Zadeikis. 
3. Es wurden ferner folgende Krüge an Litauer verliehen: 1511 - 
S ta 11 k 0 Pudnick (li. Stankus, < wru. CTaHI	
			

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			- 135 - 


(303) 


dem Gebiet. welches in der unmittelbaren Nähe des Haupteinwanderungs- 
weges lag. 
Als bezeichnend für den Einfluss des Litauertums ist zu erwähnen. 
dass um 1524 das Heu schon nach "litauischen Fudern" abgeschätzt wur- 
de, Sembritzki, Heydekrug 13. 
Wir kom m e n h i erz u dem S chI u s s, das s die Li tau e r 
im Hau pt amt e M e m e I be re i t s um 1500 ur k und I ich a n- 
sä s si g s i n d. Z a h I e n m ä s si g war e n sie ver mut I ich s t ä r- 
k er im Süd e n als im No r den. 0 i e Ans i e d Iu n gis t 
w a h r sc h ein I ich sc h 0 n fr ü her er f 0 I g t. wen i g s t e n s te i l- 
w eis e, a b erB eIe g e da für feh I e n. 
Ein vollständiges Bild der Besiedlung des Hauptamtes erhalten wir 
erst aus der Steuerliste von 1540. Sembritzki, Heydekrug 20 ff, Karge 73. 
Die Landbevölkerung ist jetzt fast ausschliesslich litauisch. In dem 
auf den Kreis Heydekrug entfallenden Teil des Hauptamtes waren unter 
den 458 Zinserfamilien nur 38 Deutsche und diese beinahe sämtlich in 
den Fischerdörfern ansässig, Sembritzki loc. cil. 24. 
Ein grosser Teil der Siedlungen scheint noch ziemlich jungen Ur- 
sprungs zu sein. Denn die Namen der Wirte jener Steuerliste erscheinen spä- 
ter als Ortschaftsnamen, loc. cil. 23. Um 1500 oder vielmehr kurz danach 
ist eine neue starke litauische Einwanderungswelle anzunehmen, Karge 73. 
Der Zuzug blieb auch später nicht aus. Für das Jahr 1614 ist in 
dem sogenannten Wildniskreis, im S des Hauptamtes, ein Zuwachs der 
Zinserwlfte von rund 180 % zu konstatieren, Sembritzki, Heydekrug 25. 
Durch die natürliche Bevölkerungsvermehrung allein ist diese Erscheinung 
nicht zu erklären. 
1680 beträgt aber jener Zuwachs gegenÜber der Zahl von 1614 kaum 
20%, loc. cit. 27. 
Aus dem Vergleich dieser Zuwachsprozente - 180% in 74 Jahren 
gegenüber 20% in 66 Jahren - ersehen wir deutlich, dass der Zuwande.. 
rungsstrom im XVII. Jahrhundert bereits versiegt ist. 


c. Hau p t amt Rag n i 1. 
FÜr das Hauptamt Ragnit, welches auch den sö. der Linie Lompö- 
nen-Lauksargell liegenden Teil des heutigen Memelgebiets umfasste, ist die 
Ansiedlung von litauischen Kolonisten zuerst aus der Zeit des Komturs 
Konrad Nothaft (1486-1490) urkundlich bezeugt. Seit 1500 soll die Ein- 
wanderung auch hier stark zugenommen haben und dauerte noch bis in die 
zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts an, Karge 74 H. 


d. Hau p t amt T i I s i 1. 
Zu dem ehemaligen Hauptamt Tilsit gehörte im Memelgebiet die 
grössere Hälfte des heutigen Kreises Poge gen nw. von Lompönen-Lauk- 
sargen. Der Gang der Besiedlung muss auch hier ähnlich wie in den bei- 
den anderen Ämtern gewesen sein. 
Die Steuer- und Nachtgeldanlage von 1540 enthält jedoch noch viele 
Ortschaften, die eigentlich keine richtigen Namen haben. Als solche sind 


- 


-- 


J
		

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			(304) 


- 136 - 


zu betrachten, die aus Fluss- oder sonstigen ON mit Präpositionen wie zu, 
zum, zur, hi n t e r, am bestehen, z. B. Zur Heiden, Hinter Colmen, 
Am Giegen, zum Camom etc., Karge 77 f. 
Die Bezeichnungen dieser Art vermochten sich aber im Sprachge. 
brauch der litauischen Bevölkerung nicht durchzusetzen. Am G i e gen 
ergab Pagegiai ,Pogegen': li. pa- ,am' + li. Gege ,Fluss Jäge' und zum 
Ca mo m - Pakamoniai ,Pakamonen': li. pa- + /(amona ,Kamon' usw. 
Jene künstlichen Gebilde konnten sich also nicht einmal im amtli- 
chen Deutsch halten. 
Auf den langsameren Fortschritt der Besiedlung in diesem Hauptamte 
weisen ausserdem die erst im XVII. Jahrhundert erfolgten Gründungen 
der Krüge, Horn, Verwaltung 213. Zur Erklärung ist zu bemerken, dass 
das Tilsitsche besonders grosse Flächen eines für damals nur schwer urbar 
zu machenden Bodens aufzuweisen hatte. 


e. Hau pt amt Ins te rb ur g. 
Schliesslich noch einige Bemerkungen zum Hauptamte Insterburg. 
Aus seiner Besiedlungsgeschichte lässt sich prinzipiell Wichtiges für die 
Frage der litauischen Expansion nach Preussen überhaupt herausschälen. 
Ausführlich ist darüber neulich von O. Barkowski (Die Besiedlung des 
Hauptamtes Insterburg), Prussia 28, 159 ff, gehandelt. 
In den Jahren 1504j05 taucht im Amte das sogenannte Ma r der- 
gel d als eine Art Zins auf. Einen Grundzins gab es hier überhaupt noch 
nicht, loc. cit. 174. Auch später, bei der neuen Regelung des Scharwerks- 
dienstes und des Zinses (seit 1548), wird Mardergeld als besondere Leistung 
erwähnt, loc. cit. 195. Aus dem Jahre 1555 kennen wir dasselbe Marder- 
geld, in gleicher Höhe (I Mark), auch aus dem Hauptamte Memel, Sem- 
britzki, Heydekrug 88. 
Karge 76 vermutet, diese Zinsabgabe, wie auch das Marzilien- und 
Ochsengeld, sei ursprünglich landfremd und erst mit der litauischen Ein- 
wanderung in Preussen aufgetaucht. Mit Recht! 
KYHI-1'1Hble neH5I31-1 ,Mardergeld' war in Litauen eine besondere Zinsleis- 
tung der sogenannten t	
			

/Pomorze_016_11_137_0001.djvu

			- 137 - 


(305) 


Da alle diese Steuern im übrigen Preussen fehlen, ergibt sich fol- 
gendes: 
1. Bereits um 1500 müssen im Hauptamte Inster- 
bur g die er s t e n Ii tau i sc h e n Ein w a 11 der er, weg end 
 s 
1504 er w ä h n t e n M ar der gel des, auf ge tau eh t sei n. 
2. 0 i e I i tau i sc h e 11 K 0 Ion ist e n s t a m m t eng r ö s s t 
 n- 
t eil sau s Z e mai t e n. 
Die Neusassen wurden also vom Orden und später von der herzog- 
lichen Regierung ungefähr bei den ihnen früher in Litauen üblichen Zins- 
leistungen belassen. 


f. Ursachen der Einwanderung und Heimat 
der K 0 Ion ist e n. 
Warum drängten die Litauer nach Preussen? Die Antwort ist keines- 
wegs schwer. Die wirtschaftlich-sozialen Verhältnisse Zemaitens Anfang des 
XVI. Jahrhunderts haben breite Schichten bestimmter Bevölkerungsklassen 
zur Auswanderung gezwungen. 
In einem Brief v9m 1. Oktober 1522 wirft der König Sigismund 1. 
dem Hauptmann von Zemaiten vor, er unterdrücke das Land aufs schwer- 
ste, seine Beamten reisten in grosser Zahl mit Frau und Kindern in den 
Kreisen umher, richteten eigenmächtig, ohne Hinzuziehung der Amtsleute 
die königlichen Untertanen und legten ihnen grosse Strafen auf. Dieser 
und anderer Unterdrückungen wegen MHorie ßIOAI-1 HaWbl 3rI-1HYßH, meinte 
der König, LOb, Beilagen S. XXXVI. 
1527 schreibt der Monarch an die Amtleute von Zemaiten, aus den Be- 
richten seiner Revisoren über die iemaitischen Kreise habe er erfahren, 
dass B'b TblXb BOßOCTeX'b nOAaHHbIM'b HaWI-1M'b BeßHt	
			

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			(306) 


- 138 - 


co(5e Ha HI-1X'b noceAl-1, Allfl '1o(ro) H{'b Tafl 3eM'bllfl >KoMOHT'bCHafl, nOAAaHble 
HaWl-1, Belll-1HO c06e CTOCHHYlll-1 1-1 MHorie HeHOTopble 3 MeCTeLl,'b CBOI-1X'b npo'l'b 
CfI P03b1W'b1l1-1 1-1 3eM'b111-1 MHorie onycrtlll-1, loc. eit 
Die Ursachen der iemaitischen Auswanderung liegen hier klar vor 
uns. Willkür der königlichen Statthalter (Haupt- und Amtleute) und als 
deren Folge die übermässige Bedrückung der Bauernbevökerung hatte sie 
zum Verlassen der alten Heimat getrieben. 
Diese Misstände sind offenbar nicht neu gewesen. Die Worte aus 
dem Konzept einer Instruktion für die Ordensbotschaft vom 2. November 
1492 "woiden wol, sie von Ihrer herschaft zo geh aiden wurden (dass sie) 
nicht entlouffen dorfften", Karge 98 Anm. 281. deuten vielmehr auf das 
Gegenteil. In den 30-ger Jahren des XVI. Jahrhunderts muss aber die 
Misswirtschaft ihren Höhepunkt erreicht haben, worauf auch gleich radikale 
Abhilfe folgte. 
Aus dem bisher Gesagten ergibt sich für uns: 
1. Die litauischen Einwanderer waren grossenteils 
vorher in Zemaiten Kronbauern gewesen. 
2. D a ab erd i e Hau p t m ass e der K r 0 n g ü t e r i n der 
eh emali gen W i I d ni s lag, kam e n von d 0 r t die me ist e n 
K 0 Ion ist e n. 
3. 0 i e den e r s t e n S te u e r ver z eie h n iss end e r 4 p r e u s- 
sischen Hauptämter (um 1540) vorhergegangene be- 
sonders starke Einwanderung ist auf die Zeit vor 1529 
fes t z u leg e n. 
Den privaten Besitz hat diese Auswanderung offenbar weniger be- 
troffen. In den zahlreichen sogenannten "Bitten" des iemaitischen und li- 
tauischen Adels an Sigismund August während der Seimtagungen der Jah- 
re 1538-1569 begegnet uns jedenfalls keine einzige Klage über das Ent- 
laufen der Bauern nach Preussen, RlB XXX 11 und passim. Beschwerden 
je.doch über das Entweichen nach Livland und auf die Krongüter kommen 
vor. Vgl. SS. 284, 287. 
Die weiten Ländereien der Krone in der Nordwestecke der heutigetl 
Uznemun
, welche damals zu Zemaiten gehörte und von dort besieden 
wurde, haben natürlich einen Teil ihrer vorwiegend auf dem schmalen 
Grenzstreifen konzentrierten Bevölkerung an Preussen abgegeben. 
Selbstverständlich setzten sich die Kolonisten nicht aus Kronbauern 
allein zusammen, sondern darunter waren neben flüchtigen Einzelpersonen 
offenbar nicht wenige Kleinadlige, die von den grossen Herren (naHbi) in 
Zemaiten zu Zinsbauern herabgedrückt werden sollten. Vgl. oben SS. 259 f, 
270; Karge 76 und Barkowski, Prussia 28, 235 f. 
Auch eine sprachliche Eigentümlichkeit weist vielleicht auf Zemaiten hin. 
Soweit die Einwanderer ausser den Vornamen überhaupt schon Patro- 
nymika als Zunamen führen, sind diese fast ausschliesslich mit -aitis (in 
den Quellen auch: -eitis, -eit, -ait, -atis, -at) gebildet. Nur selten kommen 
die Formen auf -Unas (Quellen: -unas, -uhn, -un) vor. . 
Patronymika auf -aitis sind aber eine Besonderheit des Zemaitischen. 
Nur noch aus der Gegend von DieveniSkis im Wilnagebiet sind Namen- 
formen wie: Kazoic, Zamoic, Pilipaitis usw. bekannt, MLLG IV 175. 


-
		

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			- 139 - 


(307) 


Allgemeine Verbreitung hatten sie in Zemaiten seit Ende des XV. 
Jahrhunderts erlangt, um nach 200 jährigem Gebrauch wieder fast spurlos 
zu verschwinden. I) 

 Die Bildungen auf -anas sind dagegen ungefähr westlich der Linie 
Zagar
 -Sial1liai-GrinkiSkis-Girkalnis-Skirsnemun
 zu jener Zeit und 
auch später so gut wie vollständig unbekannt. Südöstlich von dieser Linie 
bis zum NevHis finden wir beide Suffixe nebeneinander im Gebrauch. Die 
jenseits des NevHis und überhaupt östlich der angegebenen Linie ehemals 
sehr gebräuchlichen Patronymika auf -onis sucht man in Preussich-Litauen 
vergebens. Vgl. dazu die in WA XIV abgedruckten Bestandbücher. 
Die geographische Verteilung dieser drei Suffixe stimmt also zu den 
historischen Ergebnissen. 
Die Bezeichnungen Zemaiten, iemaitisc/z sind in den vorhergehen- 
den Ausführungen in ihrer politischen und geographischen Bedeutung des 
XVI. Jahrhunderts und nicht im heutigen Sinne gebraucht. 
Wenn man von der Nordhälfte des Memelgebietes absieht, die sprach- 
lich als zemaitisch zu betrachten ist, muss das übrige Memelland südlich 
von Prökuls und überhaupt das ganze Preussische Litauen zum mittelli- 
tauischen Dialekt gezählt werden, 
Deswegen sta"!mt die Hauptmasse der litauischen Kolonisten wohl aus 
dem südöstlichen Zemaiten des XVI. Jahrhunderts, wo noch heutzutage 
mittellitauisch und nicht zemaitisch gesprochen wird. 
. Auch das stimmt zu den historischen Ergebnissen, denn im Südosten 
Zemaitens lagen viele grosse Krongüter. Vgl. die Karte von Jakubowski. 
Die Auffassung Barkowskis, Prussia 28, 192 f, wonach die Litauer aus 
religiösen Gründen nach Preussen ausgewandert seien, ist unhaltbar. 
Der Brief A. Culvensis' an die Königin von Polen, loc. eil., spricht 
nur von "multi Lithuani non vulgariter docti", welche wegen ihres Glau- 
bens "elegerunt sedes in Germaniam". Es handelt sich hier also um ein 
Häuflein gebildeter Bojarensöhne und nicht um breitere Bevölkerungs- 
schichten. 
Die Glaubensstreitigkeiten waren in Litauen damals eine Sache der hö- 
heren Gesellschaftskreise, die Bauernschaft hat daran nicht teilgenommen. 
Ausserdem hatte die Reformation hier zuerst unter dem Adel Eingang gefun- 
den und ihn bald fast vollständig ergriffen. Aus diesem Grunde ist schon 
theoretisch eine Glaubensverfolgung der Bauern, falls sich diese zur neuen 
Lehre bekannten, unmöglich, 
Der kaum christianisierte zemaitische Bauer, dessen Grossvater viel- 
leicht noch Heide war, hat sich von den Konfessionsunterschieden kein 
rechtes Bild machen können. Ohne jemals gebeichtet zu haben, noch das 
.. Vaterunser" beten zu können, beteuert er stolz seine Kirchentreue mit den 
Worten "Luterani non sumus: carnis die Veneris non comedimus", Ros- 
towski 164, 
Und dass der eingewanderte Litauer sogar noch am Katholizismus 
festhielt und für die neue Lehre nicht viel übrig hatte, dafür haben wir ei- 
nen direkten Beweis. 
 
Um 1551 berichtet der evangelische Pfarrer Mazvydas an den Herzog 
Albrecht: bei seiner Ankunft in Ragnit habe er "multos perstifera dodrina 


1) Eine Untersuchung fehlt, aber beim Lesen 
cmaitlscher Kirchenbiicher vom XVI 
bis zum XVII. Jahrhundert fällt jedem die Tatsache in die Augen.
		

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			y- 


(308) 


- 140 - 


Papistarum... obstinatos" gefunden, welche "non solum verbum Dei uocale 
et sacramenta contemnunt, uerum etiam quo diligentius curantur eo magis 
in caecitatem et obdurationem ruunt, papisticasque abominationes sequntur". 
Seine Pfarrkinder, "quibus Papisticae ceremoni,?e placent", fahren zu den 
katholischen Heiligenfesten sogar weit nach Zemaiten in die Kirche und 
"abominandam ibidem Idolatnam. complent". Auch ihre Kinder bringen sie 
nicht selten dorthin zur Taufe, TZ IV 427 H. 
Von einer Auswanderung aus Zemaiten wegen Glaubensverfolgung 
kann also bei den Bauernrnassen keine Rede sein. 


g. Sie d I u n g s pol i t i k der er s t e n Her z ö g e. 
Das Hauptverdienst an der Kolo'1isation der Grelizämter Preussens 
durch die Litauer gebührt Herzog Albrecht. VgI. Barkowski,loc. ciL 176 f. 
Dem starken Angebot an litauischen Kolonisten entsprach in Preus- 
sen eine ebenso grosse Nachfrage, den n d e u t s c he Sie die r war e n 
i n jen erZ e i t für die W i I d n i s n ich t z u b e kom m e n. 
Die erste Bestallung J. Peyns zum Amtshauptmann von Insterburg 
vom 24. Juni 1526 macht diesem "ain vleissig uffsehen" zur Pflicht, "do- 
mit sollich unnser ampt nach seinem besten unnd hochsten vormogen vor- 
mert unnd nicht geringert werdt", IU J4. Dass hier unter "vormert" offen- 
bar die Besiedlung gemeint ist, schliessen wir aus der Bestallungsurkunde 
für den Amtshauptmann Aulack von 1544. Die entsprechende Stelle lautet 
hier: "damit dasselbige (d. h. Amt), also vii immer moglichen mit be- 
seczung der huben unnd aller annder nuczungen gepessert unnd nicht 
geringert werde", loc. eiL 49. 
Also die Besetzung der Hufen, oder mit anderen Worten die Hinzu_ 
ziehung der Ansiedler, war eine der ersten Pflichten des Amtshauptmanns. 
Wie stark Herzog Albrecht daran interessiert war, ersehen wir am 
besten aus mehreren Verschreibungen für die litauischen Schulzen (1548- 
51), wo es ausdrücklich heisst, sie sollen unter Verlust der Freiheit für die 
Besetzung ihrer Dörfer sorgen, IU 53 ff. Die erste dieser Verschreibun- 
gen (vom 26. Oktober 1548) ist für der Schulzen Alex (= H. Aleksa < wru. 
Anet	
			

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			- 141 - 


(309} 


Einkünfte auch aus den Hauptämtern Ragnit (3.562 Mk) und Memel (2.000 
Mk), Horn, Verwaltung 258 f. Für Insterburg vgl. noch Barkowski, loc. 
cit. 238. 
Wir sahen also, dass der Bauer aus Zemaiten sehr gerne nach Preus- 
sen zog, weil sein Los hier leichter wurde. Andrerseits nahm man den 
Ankömmling nicht weniger gerne auf, denn man brauchte ihn zur Urbar- 
machung der Wildnis. 
Wenn Ganss 24 von "weitgehendstem Gastreht... spricht, so zieht er 
die Kolonisationstätigkeit der Herzöge auf das Niveau spiessbürgerlicher 
Gutmütigkeit herab.
		

/Pomorze_016_11_142_0001.djvu

			- Die ältere Hochmeisterchronik, bearbeitet von M. Toeppen, 
in SRP Bd. 111, 
AM - Altpreussische Monatsschrift. Königsberg, 1864 H. 
Annal. Pepl. - Annales Peplinenses, herausg. von M. Toeppen. in SRP_ 

 Bd. 1. -- -- 
Archiv - Archiv für slavische Philologie. BerHn, 1876 ff. 
ATh - Franciscani Thorunensis Annales Prussici, herausg. von E. 
Strehlke, in SRP Bd. 111. 
= Bü
a, Apie Hetuviq asmens vardus in "Lietuviq Tauta" Bd. 11. 
Vilnius, 1911. 
BA = Archivum Alboruthenicum Bd. I, Mensci, 1927. 
Beiträge = G. Mortensen geb. Heinrich, Beiträge zu den Nationalitäten- 
I und Siedlungsverhältnissen von Pr. Litauen. Berlin, 1927. 
... Bezzenberger, Bemerkungen zu dem Werke von A. Bielen- 
\ stein über die Geographie des Lettenlandes im Bulletin der 
r Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu Petersburg v. J. 
{:) r I 1894. J.- "' J JA.I'> ( , . 
Bonnel. Russisch-Hvländische Chronographie. Petersburg, 1862. --- 
Boniecki = A. Boniecki, Poczet Rod6w w Wielkiem Ksi
stwie Litewskim 
w XV i XVI wieku. Warschau, 1887. 
Bornbach = Auszüge aus der Übersicht der preussischen Geschichte von 
< Bornbach in SRP Bd. 11. 
= 1'. G. von Bunge, Liv-, Est- und Kurländisches Urkunden- 
buch. Reval, 1853 H. 
= Liv- Est- und Kurländisches Urkundenbuch. Begründet von 
F. G. von Bunge. Zweite Abteilung. Riga und Moskau, 
1900 ff. 
:3 Codex epistolaris XV. saeculi, herausg. von A. Levicki, Bd. I. 
Krakau, 1876. 
- , Codex epistolaris Vitoldi, herausg. von A. Prochaska. Kra- 
ka u, 1882. 
-= S. Czerski, Opis Zmudzkiei Dyecezyi. Wilna, 1830. 
Dogiel, Codex diplomaticus Regni Poloniae et Magni Duca- 
tus Utuaniae. Willla. 
Dubissa = J. B(uszynski), Dubissa, g16wna rzeka w dawnem Ksi
ztwie 
imujdzkiem. Wilna, 1871. 
- Petri de Dusburg Chronicon terrae prussiae, herausg. von 
M. Toeppen, in SRP Bd. I. 
- Narbutt, Dzieje narodu Iitewskiego. Wilna. 


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Abkürzungen. 
J 
,
 
a) Q u eil e nun d Li te rat u r.
		

/Pomorze_016_11_143_0001.djvu

			Elenchus = Elenchus omnium ecclesiarum et universi deri Provinciae 
Ecclesiasticae Lituanae pro AD. 1928. 
Forschungen zur Brandenburgischen und Preussischen Geschichte. Bde 
XVII, XVIII. 
= Finnisch-ugrische Forschungen. Helsingfors und Leipzig, 
1901 ff. 
- J. Ganss, Die völkischen Verhältnisse des Memellandes. Ber- 
lin, 1925. 
Ge rulli s ON = G. Gerullis, Die altpreussischen Ortsnamen. Berlin und 
\ Leipzig, 1922. 
Geschichte = Lohmeyer, Geschichte von Ost- und Westpreussen, 3. Aufla- 
ge. Gölha, 1908. 
Grenzen = Bielenstein, Grenzen des lettischen Volksstammes. Peters- 
'burg, 1892:" 
Grundriss = L. Arbusow, Grundriss der Geschichte Liv., Est- und Kur- 
lands, 4. Auflage. Riga, 1918. 
Hartknoch, Altes und neues Preussen. 
Heinrici Chronicon Livoniae, herausg. von G. H. Pertz. Hannover, 1874. 
Heydekrug = Sembritzki-Bittens, Geschichte des Kreises Heydekrug. Me- 
me I, 1920. 
Hist. Pol. = Joannis Dlugosii sev Longini... Historiae Polonicae libri XII. 
Bd. I. Leipzig, 1711. .. 
Hollack = E. Hollack, Vorgeschichtliche Ubersichtskarte von Ostpreus. 
sen. Mit Erläuterungen. Glogau -- Berlin, 1908. 
Haben die Polen und Litauer ein historisches Recht auf Alt- 
I preussen? Königsberg, 1919. 
v. Wartberge - Hermani de Wartberge Chronicon Livoniae, herausg. 
von E. Strehlke, in SRP Bd. II. 
= Indogermanische Forschungen. Strassburg, 1892 ff. 
- Urkunden zur Geschichte des ehern. Hauptamts Insterburg, 
herausg. von A. und P. Horn. Insterburg, 1895. 
Jakubowski, Mapa Wielkiego Ksif:stwa Litewskiego w polowie XVI wieku, 
I. cz
sc pölnocna, Mit Erläuterungen. Krakau, 1928. 
Jatwägen = A. Sjögren, Die Wohnsitze und die Verhältnisse der Jatwä- 
gen. Petersburg, 1858. 
= Di Kronike von Pruzinlant des Nicolaus von Jeroschin, her- 
ausg. von E. Strehlke, in SRP Bd. I. 
= Karge, Die Litauerfrage in Altpreussen in geschichtlicher Be- 
leuchtung. Königsberg, 1925. 
K
trzynski = W. K
trzynski, 0 dokumentach Mendoga kröla litewskiego. 
Krakau, 1907. 
= Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung. 1852 ff. 
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= Liber cancellariae Stanislai Ciolek, herausg. von J. Caro. 
Wien, 1871 ff. 
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- H. Mortensen, Litauen. Hamburg, 1926. 
- Totoraitis, Die Litauer unter dem König Mindowe, Freiburg, 
1905. -- 


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(312) 144 - 


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Opisan. = Onl-1caHie pYKonl-1CHaro oTA"tl1eHiSl BI-111eHCK0C1 ny611I-1'1HoC1 61-16- 
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Raczyriski - Kodex dyplomatyczny Litwy, herausg. von E. Raczyriski. 
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und K. Höhlbaum. Göttingen, 1876. 
= PyccKaSl 
CTOpl-1'1eCKaSl 61-1611ioTeKa. Bde XX, XXVII, XXX, 
XXXII1 (Litauische Metrik). 
Rimbertus, Vita Anscarii. Hannover, 1884. 
RLU - Russich-Livländlsche Urkunden, herausg. von K. E. Napiers- 
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Rostowski - Lit. Soc. Jesu Hist. Libri Decem auctore Stanislao Rostowski, 
recognoscente Joanne Martinow, ejusdem Societatis Presbyte- 
ris. Paris, 1877. 
- PeBI-13iSl nyUJ,'b. Wilna, 1867. 


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= Canonici Sambiensis epitome gestorum Prussiae, herausg. von 
M. Toeppen, in SRP Bd. I. 
= Sitzungsberichte der kurländischen Gesellschaft für Literatur 
und Kunst. Mitau. 
= Apxeorpa4>J-1'1eCKiC1 C60pHJ-1K'b AOKYMeHTOS'b OTHOCS'lUJ,J-1XCS'I K'b 
I1cTopiJ-1 C1>Sep03anaAHoC1 pYCI1. Wilna, 1867 f1. 
- Auszüge aus der Geschichte von C. Schütz in SRP Bd. 11. 
= Stownik Geograficzny kr6lestwa Polskiego, herausg. von F. 
Sulimirski, B. Chlebowski und W. Walewski. Warschau, 
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-= J. Gerullis, Senieji lietuvi4 skaitymai. Kaunas, 1927. 
= 
. Cnporl1c'b, reorpa4>I1'1ecKiC1 cnosapb ApesHeH }KOMOHTCKOH 
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Gött-ingen, 1888. 
= Scriptores Rerum Prussicarum. Leipzig, 1
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- S. Zajqczkowski, Studya nad dziejami Zmudzi wieku XIlI. 
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Suchenwirt- Auszüge aus der Werken von P. Suchen wirt in SRP Bd. 11. 
Sväbe, Latvju kultüras vesture. Riga, 1921 f. 
Tetzner -= F. Tetzner. Die Slawen in Deutschland. Braunschweig, 1902. 
Toeppen = M. Toeppen, Historisch-comparative Geographie von Preussen. 
..t. IV Gotha, 1858. 
Trautmann PN = R. Trautmann, Die altpreussischen Personennamen. Göt- 
tingen, 1 !!25. 
TZ = Tauta ir Zodis. Kaunas, 1923 ff. 
Vater, Die Sprache der alten Preussen. Braunschweig, 1821. 
Verwaltung= A. Horn, Die Verwaltung Ostpreussens. Königsberg, 1890. 
Voigt = J. Voigt, Geschichte Preussens. Königsberg, 1827 ff. 
WA = AKTbl J-13AaSaeMble Bl1neHCKOIO KOMMJ-1CcielO AnS'l pa360pa Apes- 
HI1X'b aKTOS'b. Wilna, 1865 H. 
Wanderung = H. Mortensen, Litauische Wanderung in "Nachrichten von 
der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen ". Philolo- 
gich -Historische Klasse. 1927, Heft 3. Berlin, 1928. 
- Die litauischen Wegeberichte, herausg. von T. Hirsch, in 
SRP Bd. 11. 
- Die Chronik Wigands von Marburg, herausg. von T. Hirsch, 
in SRP Bd. 11. 
= J. Wolff, Senatorowie i Dygnitarze Wielkiego Ksi
stwa Li- 
tewskiego. Krakau, 1883. 
= L. Kolankowski, Zygmunt August. Lemberg, 1913. 
= Krzywicki, imudi Starozytna. Warschau, 1913. 
-= MierzyiIski, Zrodla do mytologii litewskiej. Cz
sc IL War. 
I schau, 1896. 
= M. Wolonczewskis, iemajtiu Wiskupiste. Teil 1 und 11. ViI- 
'nius, 1848. 


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d. J. _ dieses Jahres. 
1. J., i. J. = im Jahre. 
le. = lettisch. 
H. = litauisch. 
mhd. = mittelhochdeutsch. 
n. = nördlich. 
nö. = nordöstlich. 
nw. = nordwestlich. 
ö. = östlich. 
ON = Ortsname(n). 
PN - Personenname(n). 
po. = polnisch. 


pr. = altpreussisch. 
s. = südlich. 
s. = siehe. 
s. d. =- siehe dieses. 
s. f. = siehe folgendes. 
sö. = sÜdöstlich. 
s. u. = siehe unter, unten. 
s. v. = siehe voriges. 
sw. = südwestlich. 
V gl., vgl. = vergleiche. 
v. J. = vom Jahre. 
wru. = weissrussisch.
		

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lebenslauf. 


Am 8. Juli (alten Stils) 1902 bin ich, Anton Salys, katholischer Kon- 
fession, als Sohn des Landwirts Konstantin Salys zu Reket
, Amtsbezirk Sa- 
lantai, in Litauen geboren. 
Meinen ersten Unterricht erhielt ich von 1912 bis 1915 in der Volks- 
schule von Salantai. Nach zweijähriger privater Vorbereitung bezog ich 
Herbst 1918 das humanistische Gymnasium zu TelSiai, wo ich im Juni 1923 
das Reifezeugnis erwarb, um zunächst von 1923 bis 1925 an der litauischen 
Landesuniversität zu Kaunas und seit Wintersemester 1925 bis 1929 weiter 
als Stipendiat des Litauischen Bildungsministeriums an der Leipziger Univer- 
sität BaI ti s t i k, Indogermanistik und Philosophie zu studieren. 
Während meiner Studienzeit hörte ich bei folgenden Dozenten und 
Professoren, in Kaunas bei: M. BirziSka, Biiga t, Brender, Jablonskis t, Senn, 
Sesemann, Strauch, Studerus. Tamosaitis, TUlPas, Volteris, Ycas; in Leipzig 
bei: Driesch, Dittrich, Gerullis, Heinze t, Hertel, Junker, Krueger, KH. Meyer, 
Trautmann. Allen meinen Universitätslehrern bin ich zu Dank verpflichtet, 
im besonderen den Herren Professoren Gerul!is, Junker und Geheimrat 
Sievers. Der erstere stand mir während der ganzen Arbeit mit seinem Rat 
stets hilfsbereit zur Seite. Von Herrn Professor Junker wurde ich in die 
Experimentalphonetik eingeführt und in einem Privatkurs bei Herrn Geheim- 
rat Sievers während des Wintersemesters 1925,26 habe ich sehr viel Wert- 
volles für die praktische Aufzeichnung der litauischen Mundarten gelernt. 
Mit tiefem Schmerz erinnere ich mich meiner inzwischen verstorbenen 
Lehrer Büga und Jablonskis. Sie führten mich in das Verständnis meiner 
Muttersprache ein und lehrten mich sie lieben. Ihre selbstlose Hingabe an 
die Wissenschaft unter Hintenansetzung persönlichen Wohlergehens soll 
mir ein leuchtendes Vorbild bleiben. 


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