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fiillfzigjäJlrige Stiftuugsfest 


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Der Rauscb der unvergesslichen Festtage ist vergangen 
und hat der nüchternen Wirklichkeit das Feld geräumt; das 
Joch der gewohnten Tätigkeit hat jeder Festteilnehmer 
wieder auf sich genommen, aber, wie wohl jeder emptindf't, 
getragen ,"on der Erinnerung an die genossenen glücklichen 
Stunden. ..Erinnerung bringt uns vel'lorene Freuden wieder." 
Wie das Bild eines teureu Freundes uns lphhafter an den- 
selben mahnt, so erstrebpn auch die l1achfolgenden Blätter 
ein gleiches Resultat. Die geliebten Commilitonen werden 
diese Blätter, die der Freund dem Freunde darbringt, will- 
kommen heissen. Geht doeh so manches" was wir gar 
gerne im Geiste festgehalten hätten, unwiederbringlich 
verloren, Überdeckt der Staub der Vergessenbeit doch bald, 
was wir für immer zu bpsitzen wähntpn. So rauschend 
auch unsere Festtage waren, so erhebend dieselben 
durch viele Scenen ernster 'Veihe auf die Teilnehmer 
wirkten, sie sollen uns mehr sein und bleiben: Gedcn k- 
tage, geweiht der treusten Freundschaft, wie sie seit mohr 
als hundert Semestcrn in unsrer teuern Masovia Genera- 
tionen fest und innig verband und umschlang. Unser 
Jubelfest übertrifft in der Tat alle Feste, wie ähnliche
		

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auch wohl andere studentische Verbindungen gefeiert haben, 
denn wir dürfen es nimmer vergossen, dass das Jubiläum 
unse)'or Masovia von den Sympathien oines grossen Gaues 
unserer hcimatlichcn Provinz getragen wurde, Sympathien, 
welcho ihren Au:>druck fanden in den lebhaftesten Aousse- 
rungen und vielseitigsten Aufmerksamkeiten aus aUcn ge- 
sellschaftlichen Kreisen. 
Wenn die Schilderung des Festes allo Reden bringt, 
welche an demselben gehaUcll wurdon, so geHchieht dies auf 
den 'V lInsch einor grossen Zahl von Philistern, womit zu- 
gleich allen Conullilitonen, welche an der Teilnahme ver- 
hindcrt waren, ein sicheror Einblick in den Gang des :FesteH 
geboten wird. 
Al bertina Rm Geburtstage Oiithcs 18RO. 


. 


C. Heinrich.
		

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. 


I
ine wÜrdige Feier des 50jiihrigel1 Stiftungsfestes des 
Corp;; Ma::;ovia Yeral1la
ste die Königsberger Philister, bereits 
am 3. Januar ] 879 zu einer Beratung zusammenzutreten. 
Die sphr zahlreich besuchte Yersamrulung legte ein voll- 
giltiges Zeugnis für da::; Interesse an dem bevorstehenden 
Jubelfeste ab. In RÜcksicht auf die jedenfalls nicht unbe- 
deutenden Kosten, welche durch die AusfÜhrung eine::; Über 
das gewöhnliehe J'liasz der grösseren Feste hinausgehenden 
Festprugralllms erwachsen mussten, erschien es der Yer- 
Sanlll1J ullg als d un
hau;; praktisch, sofort an alle Comlllili- 
tonen die Aufforderung ergehen zu las<:en, durch monatliche 
resp. vierteljiihrliche ßciträge ::;ieh die 'reilnahme an dem 
Feste zu erleichtern. Die Yersalllllllnng' erwählte demnach 
eine Finanzcolllmission gewissermaszen als proYisorisches 
Comit6 für das .Fest. Diese;; Comit6, aus Stadtgerichtsuirector 

ietzki, Oberlehrer Hcinrich, den Aerzten Dr. Hchn- 
macher und Dr. Hirschfeld unI} dem (iymnasiallehrer 
J ac 0 bi bestehend, erliess bereits alll 16. Januar 1879 einen 
Aufruf an siimmtliche Philister, indem es gleichzeitig den 
weitel'l'n Auftrag der Yersamllllung YOlll 3. Januar zur Aus- 
führung brachte, zur grüsseren El'lpichterung der Zahlungen, 
wie zu lebhafterer Agitation für das Fest neun Yertrauens- 
männer für Ost- und '"\estpreussel1 zu erwählen. 
Von dpr Ernennung eines Vertrauensmannes ausser- 
halb der Provinzen Preussen wurde abgesehel1, weil die 
Conllnilitonell Über das ganze deutsche Vaterland zerstreut 
wohnen und die 
'inanzeommis::;ion mit den einzelnen Com- 
militonen ebcnso schnell verkehren konnte, wie etwaige Ver- 
traucn::;männer. Es wurden zu Vertrauenslllännern ernannt: 


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1. Rechtsanwalt Nickell-Lyck für die Kreise: Oletzko, 
Lyck und Goldap. 
:!. Kreisrichter Kracek-Lötzon für die Kreise: Lötzcn, 
Ang-erburg, Johanni::;burg. 
3. Rechtsanwalt rtuttfeld-Ortelsburg flir die Kreise: 
Ortelsburg, Allenstein, Osterode, Neidenburg. 
4. Oberlehrer Dr. Heyer-Bmtcnstoin für dic Kreise: 
Friedland, Rastenburg, Heibberg. 
;). Kreisrichtel' Alexander - 1\lohrungen für das 
Ermland, Oberland und uf'n Kreis Elbing. 
6. Gymnasiallehrer Dr. Rohrer-Insterburg fÜr den 
Nüden Littauens. 
7. Kreisgeriehtsrath Pilehowski-Tilsit für den Xorden 
Littanens. 
8. Dr. Loch-Danzlg für den NOl'clcn Westprf'ussens. 
9. Rechtsanwalt Warda-Thurn für den Süden 'Vest- 
preussens. 
Das Circularschreiben, wic dic lebhafte und uankens- 
wl-'rtl1e Tiitigkeit einiger Yertranensmänner hatte den erfreu- 
lichsten Erfolg, so dass die Aussichten für das Fest dic besten 
waren und eine rege Beteiligung an demselben erwartet 
werden konnte. 
Am 17. October 1879 tratel1 die Königsberger Phi- 
lister zur 'Vahl eines definitiven :Festcomites aus der Reihe 
des Philisterinms zu::;anllnen. Zunächst legte die Finanz- 
commission den Rechcnschaftsbericl1t Ü.bm' ihre Tätigkeit 
vor, zu dcm sie bei ihrer 'Vahl verpflil'htet worden war. 
Die Versammlung beschloss sodann eine Zahl vun Yer- 
trauensmännern, wie es bei allen unsercn grösserell Festen 
Gebrauch gewesen war, zu ernennen und das Comit(. nicht 
nur aus Königsbergern, sondern auch aus auswärtigen Com- 
militonen zu:>anllllenZusetzen. Dem Corps blieb selbstver- 
ständlich die"\V ahl dreier Comitomitglieder überlassen. Fast 
alle Comlllilitonen nahmen die auf sie gefallene "\Vahl freudig 
an und betätigten hiedurch, auf welche Sympathien unser 
Jubelfest zu rechnen hatte. Das Comite bestand aus:
		

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PffllTCI' H ii b same n-'riegenhof, Profossor Cla ussen-Rasten- 
burg-, })ircctor Dcmbowski, Oberst.aatsnnwalt. S", ro, Re- 
gierungspräsident von Sal t zw edell- Danzig, Gch. Kriegsrat 
(i er," ais, Uutsbesitzer Bai du h n-Sodrest, Gch. Obcrmedi- 
l'inalrat und vortrag. Rat im Cultusministerium Dr. Ker- 
s a ndt-Rerlin, SllpcrintendcntSchellong-Oletzko, I""andge- 
l'idltsdircctor Nictzki, Dr. O:-w/lr Hacmann-\Viesbaden, 
Hechtsanwa1t l\iÜ 11 er-Schwatz, Rechtsanwalt Nickell-IJyck, 
TJan(lgerichtsrat Pilchowski-Tilsit., Oberlchrcr Heinrich, 
Dr. Schumachcr, .Dr. Hirschfeld, Rechtsanwalt Gutt- 
feld-Orte1sburg, Gymnasial-Lchrer Jacobi, Refercndar 
C z y gau. .Das Corps wählte aus seiner Mitto stud. med. 
{)scaJ' I:;p 0 de, stud jur. Fritz Pod s eh w at e k, stud theol. 
Paul Neumann. 
Das Festprogramm wurdo vom Königsberger Phili- 
stCriUlll vorUillflg dahin festgestcUt, (htss 
am 12. Juni, Abends 7 Uhr ein Rendcz-vous in der BÜrger- 
}{essource, 
um 1:3. " Vormittags 11 Uhr ]!'rÜhsdlOppen auf dur 
Corpskneipe, 
Nachmittags 2 Uhr of'ficiellc BegrÜssnng in 
der Aula der Universitiit, 
Nachmittags 4 Uhr Festdiner im Saalc dcs 
dcutschen Hauses, 
llm I L " Vormittags 11 Uhr FrÜhschoppcn auf dcr 
Corpskneipe, 
V ormittags 1
 Uhr das Photographieren, 
Nachmittags 5 Uhr Concert in einem noch 
näher zn bestimmcnden Garten, 
um I!J. " Vormittags 1 L Uhr ]i'rÜhschoppen auf dcr 
Corpskncipe, 
Nachmittags 2 Uhr eine solenne 
Abends 8 Uhr Festcommerce 
Saale der nÜrgcr-Ressource, 
;pn L ß. " Frühstück in der nürgcr - Ressource statt- 
finden sollte. 


Spazicrfahrt, 
im grosscn
		

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DllS Comite l'uUi"tituirte sich dahin, daHs He i ur i eh 
als V orsibr.ender die Correspondenz und die Kassengef;ehiifte 
Übernahm, Ja C 0 bi ZUlU l>rotokollführer ornannt wurde. 
Anfangs Doccmbor wurdo ein lithographiorter Aufruf, von 
allcn Vertrauensmännern und Comitomitgliodern unt.er- 
zeichnet, an alle l\[asurcn Übersandt., in dem in hcrzlie.hon 
Worten an jeden, der einst das blau-weiss-rote Band 
getragen, die Bitte erging, bei dom lang erHohnton I!'OHtO 
nicht zn fehlon, sondorn dureh persÜnlidw Teilnahmo die 
Festfreude scinor 
eitgenossen und damit allcr Masuren zu 
erhöhen. Die Arheiton flir die einzclnen FeHttage wurden 
an kloinere Subcomit(Js, die sich aus einzelnon Comitomit- 
gliedern zusammensetzten, vorteilt und somit bci treuer 
Hingobung zum Besten des Ganzon die einzelnen Kräfte 
an den passenden Ort gestellt. 
In 20 Comitcsit.zungen wurdcn die V orbereit.ungcn 
zum Feste get.roffen i eine lcbhafte COlTeRpondonz mit den 
auswärtigen Comit6mitgliodorn erÖfl'nct, an JI'ordinan d 
Gregorovius, den Stolz der J\fasovia, an Ajax Sdunidt 
in Philadelphia und an Dr. Oskar Saemann - Wiosbadon 
noch besondcro Einladungen erlassen. Alle drei ::;prach('n 
ihre Frcude Über diose Aufmorksamkcit aus, waren abor, 
wie schr das Herz sie auch in die alte Musenstadt untol' 
die Zahl der Jugendfrounde zog, loider nicht im Htando 
der ergangenen Auffordorung Folge zu loistcn. Grogo- 
rovius war durch eine wissenschaftliche Reise an don 
klassischeI] Boden Gricchonlands gefessclt, Aj ax Sc h m i d t 
und Saemann durch schwere Heimsuchungen, die sie und 
ihre Familicn getroffen habcn, verhindert, dom soit vielen 
Jahron gehegton Herzenswunsche zu folgen. 
Hatten dicse Ablehnungcn oinen Tropfon W ormut in 
die Freude, die der Arbeit zu einom solehcn J ubplfostc 
vorausgeht, gogossen, so wurde die Trauor noch erhöht 
durch den Tod treuer und lieber Gonossen, welche ihre 
'feilnahmc am Feste schon zugesagt nnd botätigt hatten. 
Am 13. December 1879 starb der Pfarrer Eduard Dubois, 


. 


.
		

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. 


einer unserer ältesten Philister, nach langjährigem Kranl,en- 
lager; sein lebhafter \Vunsch, das ,Juhelfcst mitxutcierll, sollte 
ihm versagt werden. Am 3. Miirz ] RRO schied ans unserer 
Mitte der Kreisphysikus Dr. Klcebcrg-Ostcrode, der noch 
acht 'l'ago vor seinem Tude die fcstgegriind(te Hotl'nung aus- 
spraeh, in den bcvorstehcndcn Junita
cn unter uns Xl! sein. 
l\Iitten in der blühendsten l\fanneshaft und im rÜstigsten 
Sl'hatfen wurde durch einen uncrwal'tct plöhllchcn Tod der 
])irigent (les Schwetxer ProgYl1lnasiul1ls Dr. Ot to J aco bi 
abgerufen. 'Vas er dcr l\fasovia gewesen, der Cl' mit 
volbter IIingcbung angehört hatte, crxählen die Annalen 
der Jahre 18ül-H8. 
,,'Vas der Mpllseh sieh lallll erlangen 
Mit dem 'Villen und dcr Kraft," 
davon ist Ja co bi ein wahrhaft crfl'Ü;chendes Beispiel ge- 
weSt'n, das die jÜngere Generation zur Nacheifcrung an- 
spornen diirftc. Den Blick dcn Idealen zugewandt, ein in 
treuster IJicbc zu jedcm Opfer bereiter :Frcl1nd, so steht Cl" 
vor unsrer Scele. Seinc sterbliche Hiille wurdo auf dem 
'l'raghcimcr Kirchhof der Erde Übcrgcben; die }Iasovia 
sl'hmiicktc den Sarg mit tlem blau-weiss-rotpll Rande; 
einige _Frcundc weihten ihm einen Lorbeerkranz, den Dem- 
bowski, scin friiherer Lehrer, im Namcn derselben unter 
ergreifendcn 'V orten in die Gruft WHlf. Mir ist mein 
Leben zcrrissen{ schrieb mir nach Ja co bis Heimgang' 
einer seiner Freunde. 'Vas auf die Nachricht von seincm 
Todc cin anderer Frcund sprach, wal' aUen aus der Seele 
ge:-;prochcll: Have, anima pia et candida! 
Die regste 'I'eilnahnH' und das aufrichtigste ]3edauem 
erregte ein schwerer Schicksalsschlag, der unseren altpn 
und wackeren Philister Sauerhering , ]ilostprkanlllll'r- 
Director in Hannover, getroffen hatte. In selten jl1gend- 
frischer Begeisterung spricht der alte Commilito seinc }i'rcude 
dariibcr aus, dass er den weiten \Veg nicht scheuen werde, 
um im Krcisc bewährter Jugcndfrcunde noch einmal seino 

tudienzcit in dem enggeschlossencn Rahmen wcniger Tagc 


.
		

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zu d lIl"chlehen. Um so härter traf a u('h uns die Schrcckens- 
IHll'hl'icht, dass der iUtest.c Holm unseres )i'l'l'\mdes, dl'l' als 
Capit.ain eillps Kauffahrteisehiil'es den stillen Ocean hefuhr, 
von seinem meuterisdwn Schifl'svolkc ühcrfallen und ii.bcr 
Bord geworfen war. Dieser schweren Hcim:mehung unge- 
achtet gab uni:;er Saul'rhering den nan, dem )i'I'Hte bci- 
zuwohncn, nicht auf. Wie schwer cs dem fern wohnenclcn 
ConHllilitu falll'n musstc, sein V orhabcn nicht ausflihren 
zu llinncn, wl'il schwel'c Krallldwit ihn ans Bett fesHclte, 
kiinncn wir bci der grosi:;cn Liebe und Anhänglichkeit 
des
iClben an das Corpi:; leicht ermessen. - Riistig und 
UIIVCr(lrosscn, das Gelingen des ji'estcs im Auge hchaltend,. 
arlJl'itetc die ji
ntreprisc wcitcr, und wcnn mit.unter auch 
die Debatten das gcwöhnlil'hc )i'ahrwasser eines sidwrn und 
ruhigl'n FortHchreitens zu verlassen drohten, so bcdurfte 
es nur des Hinweises iluf das hohe /,;iel, dem alle zustrebten, 
dass licbgcwol'llcne "\Viinsche und pcrsiinliehc Ansichten 
gernc aufgegeben wurden. Dicsc Debatten drchtpn sich 
zunwist um von ,'ersdÜcdencn Seiten dCll1 Comit6 zuge- 
stellte .Wiinsche in Bezug auf das Festprogramm. Oppo- 
i:;ition fand das projediertl' Diner. Der mehrstiindige Aufent- 
halt in cinem heissen Saalc und die unverhältnisi:;mässig 
hohpl1 Kosten bei cinpm fiir viele Commilitonen zweifd- 
haftpn Y crgniigen, bewoge n dic Entreprise, dom W ul1sc.hc 
gcrade des auswärtigen ])hilist.eriums PIÜsprechcnd, das 
Diner fallen zu lassen. Noch mehr "\Vidcrsprneh erhob 
sich dagcgclJ, dass das Concert am 11. J Ilni i:;tatt.tinden 
sollt<" und nicht der Fcstl'ommers, der wichtigste Teil des 
ganzcn. Festes. Das Comit6 crlanntc von vurnc herein die 
Motivo, welche dic Antragstcller leiteten, in diesem ]'ullkte 
das )i'cstprogranllll zu ändern, an, war aber trotz alles 
llcmiihens nicht im 
tandc, den 'l'ag elcs Conccrt.cs auf dcn 
13. resp. 15. Juni zu verlegen. Der 13. .1 uni fiel auf cinen 
Sonntag, zu welchcm Tage allc lÜcsigcn Mnsikcorps seit 
lang('n Jahren festbindende Engagements für üfl'cntliche 
Gärten habcn, und dcn 15. Juni konnte die Loge zum 


- 


.........
		

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'1'lIdtcnkopf und Phiinix uns nieht den Oarten iihcrlasHcn, 
wcil sie dcnselben aIn 15. jeden l\IonatH sclbst braucht. - 
Um nun den vcrsehiedcnen 'VÜn:-;dll'n (kr Commilitoncn 
alls Rtarlt und T,and Hcdmlmg zu tragen, wuruc das .Fest- . 
pl'Ogramm dctinitiv dahin festgcsh.llt: 
am 13. Juni, Abends 7 1 /2 Uhr: Rcndcz-\ouS in dem g'rossen 
Saale der Biil'g'cr-Hf'sslllll'ce; 
am 14.. Juni, Nadnuittags 2 Uhr: officielle Begriist-mllg in 
der Aula (Ier Univer
;itiit; 
Nadnnittags 5 Uhr: DoppI'I-Concl'l't in dpn 
vf'l'einigtf'n Gii.l'tCII der Logen zu den Drpi 
1\"011('11 und zum 'l'odtpnkopf und I'hrini:'.; 
all1 15. .Julli, V ol'mittags 1 ( Uhr: Phlltographicren bei 
Gottheil ; 
Nachmittags 2 Uhr: solennc 
pazierfahrt nach 
LuiHcnthal; 
Abpnds RUhr: ]('cst-(iol11lllerce im grussen 
8aal(' der Riil'ger-Hcsso\ll'l'C; 
am Iti. .Tuni, Nachmittags 2 Uhr: Dampfbllotfahrt mit den 
Angehiit'igen naeh Arnau; 
am (7. ,I 1111 i : N.whfpiCL' in der Biil'gel'-HessoUl'ce. 
Friihsehoppcn auf der Corpskneipe lkllevuc. 
Dic Il'tzte ClIlIlit.csitzung, an weldll'r auch acht. aus- 
wiirtige Cumitcmitglicdel' teilnahmen, fimd :Lm IB. ,rluli Htatt. 


I. 
Das Rendez-vous (13. Juni). 
AnhängJiehkcit an das Alte und lkwiihrte hal1Cn dip 
l\lasllren alkr (h-rH'rationen Htets betiitigt. r
il1igc Tage 
vor dem 30jii.hl'igf'll Stiftungsfpst.e erschien ein dI'll A 11- 
wl'scnden unbekannter Philister, Redol' Alb'l'gott alls Liibau, 
auf der damaligpl1 COl'pskncipc bei SehuJlHl,chl'r, an die 
(11'111 Kartpw.;piel, gemÜthvllllf'Jll Km'ippn oder philosophischf'n 
Bct.raehtungen hingf'gdJf'nen :studiosen dil' l'wig denkwÜr- 
digen Worte ridtff'nd: "Commilitonen, die }'estwoehe be- 
ginnt." Es ist seitdem ohno 'Vallken in dcr lIIaHovia vor
		

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den Stiftungsfesten damn testgchulten worden, dass dor 
Bcg-inn der :l!'eHtwoehe auch der Beginn eles .b'estes sei. 'Vie 
Holltc es diesmal andcrs gewcsen sein! Schon um 7.J uni zeigtcn 
, drei von dem Duehe der Corpskncipc im frischen :M:orgcnwindo 
tlattel'lldc Fahnen in unHeren geliebtell Farben dcn Commili- 
toncn au: "Dic Fcstwochc beginnt !" Dass die Hiiume des All>Ol'- 
tinums, wie auch der Fcehtbudcn wiihrend diesCl" Zeit keino 
ulau-wcjss-rotcn :I\lÜtzen salH'n, ist ebenso sclbstverHtändlieh, 
als dass die l\lasuren täglich un Zahl waehscnd in Bellevuc 
dpn Bienen glci('h aus- ul1d einschwärmten, die Kehlen 
netzend mit dem braunen Saft, dcn Schiefferdecker in 
J\marth zum Heile der )Ipnschheit im AUgellleinpn HllIl 
zllln Seg-eJl einer durstigcn Stmlcntcnlwhlo im Bcsondercn 
so wUllllerlmr zu fauriciercn woiss. Die Corpskneipo 
pr:tIlgtf' in fostlichem Sdnnue]c und manch altes Huupt 
erkannte den V{eehHel der Zeit und ihrer Anfordcrnngen 
['peht deutlich, wenn er sieh dor IJrullnersl'lH'Jl Kneipt, 
erinnerte. Der Dunuerstag brachte die crHtcn auswärt.ig'pn 
I'hilistpr; je niihcr die Ft.sttage riickten, dcst.u zahlrei('hcr 
pn tstiogen .i iing'crc und iiJtere ('om])} il i toncn den ZÜg'en, 
dic sic unH aus allen lTiml1ldsgegel1llen znführten. ln 
eorpure war uas Corps zum Empfange RiibsamcnH uuf 
dCI1l LJst.bahnhof ersd1ipncn, und als dpr Zug- hiPlt, bcgriisHte 
dcn V cteranen ein donnerndes Hoch; in glänzender Elfui- 
l)age wurdo d01"soll)(' von den bpiden Senioren in sein 
Austc.ig('(Juarti('r gf'leitct. KleineI'o DC'[mtutionon aus den 
Heihen dpr ad.iven 1\Iasuren warpn zu jedem Zuge am 
Bahnhufe zum Empfangc d('r Philister bereit. Neben dcm 
hlundlol'kigcn jung-en Rcfl'rendal'ius und dem nod1 ni('ht 
dpm I'cdantiHmus vetfullenen OymnaHiallehrcr, wclehe 
uf'rejts in der Hcimah;stadt ausgetlaggt hat.tcn, cntsticg dem 
Coupc munch wÜrdiger l'farrherr aus Masuren, wie auch 
manch wettergcbrällnteH Gesicht eines JÜngers dcr Agronumie 
und muneh dem Actenstullb glÜeklich entflohener Jurist. 
}Jcr pinc sehwang si('h noch mit jugendli('her Oowandthpit 
aUH dem 'Vaggun, die cmpfangcndcn Masuren mit festem
		

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Hänuedruck begriisscnd, wiihrel1d die Behiibigkeit ues anderen 
zwar dic Sdmelligkeit der Bewcgung, aber nicht den hel'z- 
lichen Druck der entgegengestreckten Commilitonenhand 
hinderte. Von Nicmandcm aber wurden dic Studiosen 
freundlicher bl'grüsst, als vun den schelmisch licbenswiirdigcn 
Augen der Töchter unserer Philister, welche es bei den 
Herren Vätern durchgesetzt hatten, dass auch sie bei diesem 
:Festc crschcinen durften; dass die gute Gattin und bravo 
1Ifutter l1icht fehlte, ist selbstverständlich. .:\1anch CoupÜ 
umschloss nur einc stattliche Familie, die mit ihren Sachen 
und Sächclchen alle Hände der Btudcnton in freundlichster 
Vl eise zu belasten verstand. So hiindigtc ein Kreis- 
schlllinspcl'tor, ehemals ein wih'diger Rcdactcllr uer Bier- 
zeitlll1g, dem einen die geliebte l)feifc mit den blau-weiss- 
roten Quasten, UPlU andern seinen Sonntagshut, dem dritten 
seinen Sonlll1erÜberzieher, dem vicrten bis achten das Hand- 
gepiick seiner Gattin, dem neunten endlich die Gattin selbst 
ein. Er selbst ordnete das Ganze zu einem stattlichen Zuge: 
die viel'cckige Studentenmütze auf einem Ohr, uen Wallen- 
steinbart sPlbstbewnsst streichend, zog Cl' voran; mit wür- 
digem Pastorel1schritt führte cl' die :"0 sdmell al1nectirton 
l1eUl'n Glieder seiner Fantilie im Gänsemarsch untm' dem 
hellsten Jubel des Publicums zum Ausgange des Pcrrons. 
Schon am Sonnabend don 12. Juni fand sich Abends 
auf der COl'pskneipc cinc grossc Anzahl Philister zu- 
sammon, und bei den Kliingen oincr J\Iilitiircapolle wuruo 
mandl frÜhlichcs Wioderschcn gefeiert, manch fl'isl'hes 
Lipd gesung'on, maJlI'hcr Salamander gcricbl'n. 
Das Rendez-volls UlllI mit ihm das eigentlil'ho ji'est uegann 
den la. Juni, Sonntag Abend, in dl'r BÜrger-RossoUJ'cc, welche 
iiberhaupt zum stiindig-cn :Fcstort uestimmt war. Der g-l'osse 
Saal war durch den 'l'apczierer Herrn Bllsscni IlS aufs 
Gesdunal'k\'oHste tlecol'iert wOl'llen. Von der !Jccke herah 
hingon Tanneng-nirlatlllen Ullll cinc 
l'osse 
long-e ulau- 
weisS-I'oter ji'ahncn und S('hildcl' g'cwiihrtl'n oinen fl'stJidlPn 
Anhlick. Die ueidl'lI altl'1l BanllL'r des COI'PS hatten auf
		

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der W cstsei te des Saalcs ihren Platz g'efullllen, geheuzte 
I:;dtliigcr UlllL'rl'inkhÜrnenvarcn in harmonisehcn Gruppirungcn 
hie UllI] da angebraeht. Die Ostseite zeigte eine Bühne; die 
_Ecken des Saales waren durch hoehstämmige Gewächse, 
LOl'hel'bäume, Palmen etc. ausgefüllt. An der Nordseite 
war ein Gabentisch hergerichtet, auf dem und um den die 
Oeschenke, welehe das Corps erhalten hutte, geordnet waren. 
Die Activen dedicierten einen Corpsschrank, im antihu 
Stil aus Eichenholz gearbeitet, mit dem Cirkel CvM! 
u ud der hlschrift: "Ihrer lieben :MaHuvia zunl 50jährigen 
Stiftungsfeste die Activcn. Albertina, 14. VI. 1880." ver- 
schcn. Dcr Schrank ist dazu bestimmt, die SchriftstÜc1.c, 
Banner, :Fahncn und den sOllstigCll wertvollen Besitz 
des Corps aufzunehmen. - Eine 1Veinkanne mit SiLbor- 
beschlag und silbernem Deckel und vier ::;ilberne Pocale mit 
eingraviertem Wappen Überrei('hte Uuttfcld; die Dcdication 
buhte: "Die Philistcr der Kreise Ortelsburg, Neidenburg, 
Allenstein, Osterode ihrer lieben lVIasovia zum 50jährigeu 
Stiftungsfeste." Zwei.l 'aradeschläger mit verguldeten Glucken 
in Lederscheiden, mit der Inschrift: "H. :\Iüller s. 1. Cvl\I! 
zum 50jährigen Stiftungsfeste den 14. Juni 1880," ,Üc 
zwei blau-weiss-rote Sehiirpen legte unsor brave ::\Hiller, 
RedlbmuwaLt in Schweb:, auf den Gabentiseh. Eine Copicr- 
prel:ise und einCopierbul'h uedicierte das YL Semm;tm'; dieselho 
tl'ug die Inschrift: "Ihrer lieben :Masovia zur freundlichen li
r- 
inllemng an das 50jiihrige Stiftungsfest ILas VI. Semcstcl': 
Kahllert, Kuck, v. Groddcck." Die l'egste Anerkennung' 
t:ulIlen zwci wcitcrc Dedicationen. Zuniichst ertl'eutc Friin- 
kill Clara ::;ubulewski, die Schwester dm; ersten Seniors, 
das Corvs mit einem kiinstJerisch gemalten :Fahncn wappen, 
lllll/!,'lJbcn vun einem guldenen EidlCnkranz; die Inschrift 
lautet: "Dem Curps l\lasovia zu I-;einem 50jiihrigell Stiftullg's- 
feste CJara So bulcwski." Der freulldJi('hen Uebel'in uudl 
hier noch hl'l'zliehster Dank! - GLeich ert'reulidl WHr ein 
Ueschenk eines .li't'1'1I1111l':-; un:-;erüs Corvs, des Herl'll l\furitz 
Ha:-;e II \\ ink 01: ein Hegulatul' aus N ussbauJlJ, mit feiul'n
		

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S('hnitzereien geziert, dl'r Cirlwl all!; getricbcncm SilL er und 
ein silhl'I'nCS 
chihl mit uer Aufschrift: ,,1\1 lIritz Ila!;pn- 
winkel s. 1. Masovia zur l
rinncJ'Ung S. S. HO.« Auch hier- 
fÜr besten Dank. - Das .Ji'esh:omitu fügtc diesen Dedil'a- 
tioncn die Photographion der Cl'sten Senioren des Corps 
RÜbsamel1 uml Augm;t l\fÜllcr, wic der bciden im 
li'elrlzug 1870/71 für das Vaterland gestorlwnen jÜngeren 
:Ji'reundc Walthcr Kcrsandt und Otto Hl'lTmann in 
grossem Cabil1et.format ausgeführt, hinzu. Der Dc('orateur 
des Saales el1ltete dl'n Hcifall aller ]1'cstgenosscn, die "piin];:t- 
lieh und zahlreidl< - so JlCisst es stereot} p bei 111'1' Be- 
schreibul1g aller .Feste - erschienen. 
1Velche S('enen des Wicdcrschns! mn frcudig" be- 
wegtes Lebcn üherall. Es war cin herzerhebender Au- 
bl idr, wenn .J ugendfreunde, die seit vielen Decennicn 
gptrcl1nt waren, sich hier trafen. Allenthalben ti'cudige 
Hufe, ungctrübter ]!'rohsinn; frcilich auch mandl!' Ent- 
tiiusehung, dcnn nicht alle waren erschienen, auf derl'n 
Wiederschell gerechnet war. Der Toll hat beinahe (lie 
Hmfte aBer Cummilitoncn dahingeratn. Der Ernst aber 
trat balll hinter der aUg-emcinen Freulle zuriick. 
Da sitzt ein berÜhmter JÜngeI' dcs Aesculap; ihm naht 
ein ptarrherr aus der Dallziger Gegend; beide sind Coiitanen; 
»Yater Krause, einen Halben.« "Ich komme nach, aber wel' bist 
Du?« "Das sag' ich Dir nicht.« Und so sib:en sie neben- 
einander, wuhl länger als einc Stunde, unll der gute Pfarrhcrr 
aus Oliva stPlIt noch VOl' einem Rätscl. Da Cl'barmt si('h 
pndlieh cin Dritter und lösst ihm dasselbe; da folgt denn 
Umarmung und Bruderkuss. - Glcich am Eingang zum 
Saale hatten sic'h die hÖl'hsten Semester wohnli('h cin- 
gm'ichtet. Hier sassen 24 würdige Miinncr, die mehr 
als 2000 Semestel' hin tor sich hatten; das Haar war 
ergraut, die Uesil'htszüge verwittert, der Gang nur noch 
bellüchtig UUlI langsam, aber das Herz war jung ge- 
blil'ben und sl'hlug heute doppelt schnell. Von hicr aus 
ertönte aus dem l\IulHle eines l\fcdieinalrats ein pol-
		

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nischcs Lied, dessen Reti'aill die chrw iil'lligen Veteranen 
jubelnd mitsangen. Dio AbcndzÜge brachten dcr 
Fest- 
gcnusscn immer mehl' hinzu. "\Vie sie so in den Saal 
tratün die wÜrdigen Herren, die sich los gcnJaeht hatten 
vom Amt und ])flicht und der :Familie und die stattliche, 
frendig erregte BrÜdersehaar sahen, dtt fuhr es wie mit 
cincm Zaubcrschlage ihnen ins Herz und vergessen waren 
die Strapazen der weiten Reise, vergessen dic Anforde- 
rungen dcs Lebens j jetzt waren sie wieder jUl1ge Burschen, 
frische Studentcn, flotte J\1:asuren. Da sehreiten dUl'l'h die 
)[ittelpforten zwei gewichtige Persönlichkeiten herein; untor 
IBO Kilo ma('hts kpinür; der eine rügiert als Cunsul eine 
märl,ische Staut, der andere schwingt den Bakel auf den 
JWckell widerspänstigel' Schulbuben. Jubelnd wenlen sie 
begrÜsstl, freudig' ans Bruderherz gedrÜckt und vorsorglich 
dic festesten StÜhle fÜr sie ausgesucht. Die allgemeil1e 
fi'ohe StimHlung wurde noch durch die alten Studenten- 
lieder erhöht; mächtig ertönte das Bundeslied: Wild flutct. 
der Sce, und das erste J\1:asurenlied, welehes A ugus t .M Üller 
zum erl:iten Stiftungsfeste 1831 gedichtet, an das sich so 
manches in fi'Üheren Jahren gern gesul1gene Burschen- 
lied reihte. 
Der erste 
enior des Corps, Sobolewski, rieb, indem 
er mit herzlil'hen Worten die Commilitonel1 willkolllmen 
hiess, auf das Gelingcn unsercs grosson Brudm-festcs oinen 
SalamalHler, worauf Hcinricb, nach Mitteilung einiger 
Jlutwcndiger lllstructionen fÜr das Fest, ein poetisches .,1)1'0- 
gramm fÜr das 50jährigo Stiftungsfest des Corps Masovia" 
zunächst verlas und dalln verteilte. Der V crfm;ser dieser 
höchst gelungenen Dichtung ist der stud. phil. ReinholU 
S ch mid t, dem an 	
			

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			1 
:/ 


17 


" 


erbat der zeitige l"uchsmajor, Rtud. med. Ernst Kühn e, 
zum Reden gereizt, das 'Vort und sprach, wie folgt: 
1!'Üchse! 
"In einem Liede, worin die verflossene Studienzeit be- 
sungen wil'll, findcl1 sieh auch um Schlusse einer StrolJhe 
die vielsagenden "\V ortc: 0 selig, U selig', Studcnt nOl'h zu 
sein!< 'Venn wir auch von unSCl'm StaniJ.punkte übcr eine 
verflosscne Btudienzeit nieht reden kÖnnel1, su glaube ieh 
d(wh, dasR wir in der nur kurzen Zeit unserer akmlemisdlCll 
Laufbahn den Heiz der Btudienzeit zur Gen iige erkanl1t 
haben, 11m die Wahrheit. dieser Worte gegen etwaigen 

weifel vl'l'teiiJ.igen zu kÖnnen. \Vir kÖnnen zwar nur 
eine Parallele zwischen ullserm jetzigen und dem auf dcm 
Pennal verbmchtcn Leben ziehen, sehen aber auch schon 
,dabei eincn Unterschied, der sich in gruKsem l\iasze geltend 
machte. }lanl'her von Euch wird ja unter den hier ver- 
Rammelten, uns immerhin lieben PhilistCl'n seinen chemaligen 
(luiilgeist wiederschen, iJ.('n er jetzt nicht mehr hat; manl'her 
von EÜl'h wird. ja vielleicbt auch einmal solch ein Quiilgeist 
werdcn und ehen boi den seincr Obhut anvertrauten JÜng- 
lingen ptlichtgemiiss die 
ns Allen doch so lieb gewescnen 
Uehertretungen, als da sind: Bier trinken vom ]i'uss und 
Uigarrcnl'auchen streng bestrafcn, wie er so manl'hes 1\fal 
dafür bestraft worden ist ul1d in I.'olge dessen auf liingCl'e 

cit keine l,'reude des Schullebens einzusehen vcrmochte. 
Hcutc kann EUl'h das nicht mebr jJllssiren; Ihr kÖnnt 
morg'cns, mittags und abends auf die Kneipe kommcn, um 
dioscl1 schUnen Lm:\tern zu frÖhnen, und je uner Ihr kommt, 
desto besser ist es; Ihr und wir AUe kÖnnen mit vullem Recht 
singen: 0 selig, 0 selig, Ntnd.ent nuch zu sein!« die wir 
ulmo Kummer und Borgen frei wie die Viigel in der Luft 
lehen. 
N()(
h mchl' aber werden wir von Jer 'Vahrhcit dieser 
\Vorte iibcrzeugt, wcnn wir dic hocherfrculichc Anzahl der 
vcrs:tlUllll'lten Philister ansehcn und uns den Zweck ihl'cs 
El'scheinens YOl' Augen führcn. Sie sind gekulllmen, um 
2
		

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			1
 


sich wielleI', wcnn auch nur fiir wcnigc 'rage, in die 
eit 
ihrer Activitiit ili der J\fasovia, wo sic am mcistt'n die 
Sclig-keit ihres Studicnlebens empfiulllen, zlIrUckzuycrsctzen, 
um im Vereine mit den jungen Generationen naeh altem 
Brauche ihre Gläser zu leeren, die alll'nlings llicht mehr 
vun Lübeni('htschem, sondern vun lmirisc.hem Biere schäumen. 
}\ichse, beuenket wob l , dass es für alle eine frohc, ja selige 
Erinnerung sein muss, Student, specicll aber J\IasUl' gewesen 
zu sein, die, weder Kosten nuch UnbelJuClnlichkcitcn schenend, 
Sorgen lind Kummer vergessend, herbeigccilt sirH1, um bei 
dem ,Jubelteste dpr Mm;ovia in dieser Erinnel'llng- schwelgen 
zu können. .FUchsc, ,iel, ja sehr viel liegt es I\n Euch, diesc 
Erinnerung lchhafter zu gestalten; tut also, was eures Amtes 
ist; zeigt, dass der alte Kern in der Masovia no eh nicht 
gesehwuJ\llen ist, sowubl was ZUI'ht und On11ll1'1g', als auch 
besllndcrs das 1'1in]{en anbetrifft, dcnn Ihu';n ist his jetzt 
jeder MasIP.' gruss gewesen und soll es auch fern Cl' l1uch 
sein, nicht aber il1sufern, dass er sieh so oft wic mög-lidl 
betrinl\t, sundern insofern, dass Cl' imnwr tri nkt, ohne sieh 
jcmals zu betrinkcl1. Bril1gt einen jeden dahin, dass er be- 
geistert mit dem Dichter sagt: "Es ist duch su'n Htudio ein 
glUck1icher Mann, 0 finge erst hellt meine Studienzcit an!« 
Und Ihr habt eure Pflicht crfüllt. Jedem wird das J,'est 
dann angenehm verlaufen; befricdig-t wil'd jeder nach dem- 
selbcn in seine lIeimath zUl'Üdkchreu, lange noch in der 
EriuuCluug an dasselbe leben Ul1l1 b"i sich mehr als cin 
1\1a1 die Worte wiedcrhulen: »() selig, 0 sl'lig, Student nuch 
zu sein!« Darauf hin nun aber, dass dieses 1\ nes gesehehe, 
fordel'c ieh Ew'h auf; mit mir Pinen Salamander in Ocstalt 
unserer Gallzen zu reiben. 1I 
Wie lauge hier gezecht wurde, verschweigt dcI' Hericht- 
CI'stattel'. Nur su viel steht unbezweifdt fm;t, uass die 
ältesten Philister mit dem krassesten Fuchs Strich hielten 
ohm' Ermattung und Nchwäehe und crst, als Helills den 
Sunnellwag'on sdlOn hoch emporgeführt, dcn Heimweg an- 
trah'n.
		

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			19 


II. 


Officielle Begrüssung in der Aula. der Universität (14. Juni). 


I- 


Der t1igJiehe FrÜhsl'hoppen wurde auf der Corpskncipe 
cing'enommen, auf weh'her aUl'h die sogenannte »Fangcom- 
miRRiou« ihre Pflicht gewissenhaft zu erfÜllen sich bemÜhte, 
tlic Commilitonen anzuregen, einen Gcdenksprueh in das 
Album einzutragen lind es nicht zu vers1iumen, sieh zu 
den bestimmten Stunden zur Aufnahme bei dem Photo- 
graphen, Herrn Gottheil, zu gestellen. Dcr Werktiitigkeit 
dieser Commission, Spode, Neumann, l
odschwatek, 
unter welt'hell sich bcsondcrs der letztcre durch Um- und 
l
insieht hervortat, ist es zu verdanken, dass das Portrait 
jedes Festtcilnehmers auf dem Bilde abcontmfeit ist. Das 
Album zu fÜllen, fanden die lieben Bri.iller ni('ht immer 

eit und es ist erst nachträglichen BemÜhungcn gelungen, 
dasselbe so zu vervollständigen, dass es dem Lithographen 
zugestellt werden kunnte. 
Die offkielle Begribsung fand auf dem 
'echtsaale der 
Albcrtina statt; die Aula selbst wird zu solehen und iilm- 
lichen Aeten von dem Senate nicht mehr bewilligt. Der 
Versammlung'sort war in entsprechel1der Weise dUl'('h Uuir- 
landen decoriert, die RednertribÜne von hohen 'l'opfgcwächsen 
HIngeben und mit einem aus Kornblumen und weisscn 
und rothel1 Rosen gebildeten Cv:M:! geziert. 
Die Zahl der ]j'estteilnehmer betrug hier 240, die in 
IInfeisenform sich um die Rednertribüne plaeierten. 
Heinri(' h erÖffnete den Festact mit folgenden Worten: 
»Geliebte Commilituncn! Im Auftrage und im Namen 
des Comites heisse it'h Euch hier aufs herzlichstc will- 
kommen. Wir haben uns zu einem Fest.- und 'Veiheacte 
versammelt. Was unser Herz erfÜllt ul1d unser Ocmiit 
bcwcgt, dcm wird Ausdrnek geben unser geliebte Com- 
milito Claussen, das zweitälteste Mitglied des Festeomites, 
welehen ich freundlich ersuche, hier an meine Stelle zu 
treten.« 


2*
		

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			20 


Claussen's Rede lautet wörtlich: 
Commilitonen ! 
)/Wenn :r.fenschen auseinallllergehn, so sagen sie: Auf 
Wiedersehn !« Und wenn sie dann getrennt und fprn von 
einander sind, dann lassen sie die EindrÜcke des Lebens 
auf sich wirken: die guten, die den Lebensmut lind llie 
Thatkraft zu jedem löblichen Werke crhöhf'n; die sehlim- 
men, die zuerst wie leichte Schatten iiber das GemÜt hin- 
fliegen, dann verdichtet sieh senken und allmiihlich jelle 
freie GemÜtsregUJlg erdrÜcken. Nun fühlt der l\fenseh sich 
unbehaglieh und sueht Erlösung und Befreiung' von Dnll'k 
und Beengung bei der Erinnerung, der die .Phanhlsie ihren 

piegel vorhält mit all den erfreuenden Bildern alter, liebel' 
Gestalten, dass er mit ihnen kost lind fabulicrt, als stÜnden 
FJie lebendig vor ihm. 'Vel1n dann der rauhe Ruf der 
Wirklichkeit diese Schattenbilder zerstreut, dann winl die 
Sehnsucht wach, und die Sehnsucht bekommt FlÜgel, dasR 
die l\fensehen übcr ThaI und HÜgel zu einander eilen, 
sich zu sehen, sich zn griissen, sich zu geniessen, So haben 
aueh wir empfunden und gethan, als wir "or langen, 
langen J alu'en VOll der Albertina auswanderten ins LalHl 
der Philister, dort Heruerge zu such('n und eine Stelle Zll 
finden, wo wir die Werkstiitte unserer Cultlll'arbeit auf- 
schlagen könnten. Und wir haben sic gefunden, und dip 
Jahre schlichen Über uns hin, eintönig, fahl, bpeJlgend; und 
als wir ps fÜnfundzwanzig Jahre lang getragen, da hielt PS 
uns nicht länger, und wir eilten hierher und sahen uns 
wieder im A Ilditorium maAimum des alten Hauses am 
Dom, im Kneiphöfschen Remter, auf dem hohen }'lllssufpl' 
bei Al'llau. Dlt verlebten wir drei 'rage voll fi'iseher 
Lebenslust, und als wir uns die HiilHle znm Absehif'd 
n'ichtcn, da war keim'r dm' iUtcL'en so verwcgen zu sagen: 
»Nach neuen fünfundzwanzig Jahren sind wi., wil'(kr hicd« 
und nur uie jiingHtf'n und kriiftigsten hatten den Mut, es 
zu hofft'n. Unu nun sind wiL' doeh wieder hit.l', uml sind 
gpkoJllmen, die Spcle Zll balh'n in eiL\I'lLl Strom von J!'I'elllle, 


- 


---
		

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			. 


'" 


IIIIIIII 



1 


uml dip alte LidJO, dio alte Treue, zu leson in don Augon 
dpr alt('n COlllmilitonell! '''Tir hab('n lango gelebt, ahCl' wir 
sind nicht alt geworden: donn jung ist unsere Liebe zu 
den l\lenschen geblieben, lebcndig unser Anteil an jeder 
freien Bewegung des aIlgcmeill('n GeistL'
lebens, ganz und 
\'011 kiinnen wir uns auch heute noch begeistel1l fÜr dio 
idealo Verldärung der 'Virldichkoit durch grosse GC'dankell, 
Ilul"l'h grosse, reine TatC'n. Und da uns der Himmel, dem 
wir nicht innig geJlug danken kÖnnen, kriiftige Jlcbens- 
friseho nnd Oosundhpit des Ocistes geschenkt hat, so 
miichten wir fast Sehleiermacher's UelÜbde orneuel1l: Wir 
geloben uns ewigo Jugend!" 
Aber schon habf'1l wir Umschau gehaltpn in unserlll 
Kreise und yermissen so mailehen, der vor uns gewirkt, 
l11anchpn mit dem wir gemeinsam gearbeitet, manchen, dpr 
in unsere ]
'usstapfen gl'treten. 'V 0 sind sie llin, die Giga 
und 	
			

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			22. 


Vergangenheit, in das 
eitalter 
aturnB, das goldlle, zu 
jenf'm Eden, dlU:; uns vcrloren; ob wir vorauseilten an das 
Ende der Tage, wo allen Rätseln ihr£' Lösung werden soll: 
nur auf Augenblicke können wir uns der Illusion hin- 
geben, dass unser Sehnen nach Gesammtbeglückung der 
Menschheit, unser Verlangen nach allcs durehdringcndcr 
:Erkellntnis, jemals Erfüllung hoffen dürfe. Denn dic Gegen- 
wart verspottet und verhöhnt unsere Ideale, und am glÜck- 
lichsten noch der, welcher am Ende seines Lebens sagen 
darf: seine Tage seien nicht ohne Sonnenblicke gewesen, 
das Erforschlichc babe Cl' erforscht und das Unerforscbliche 
still zn verchren gelernt. :Entsagen und verzichten, das 
ist die Weisheit des Alters! - Dies habe ich meinen Altprs- 
genossen sagen wollen, den J\Iännern im grauen Haar mit 
den durchfnrchten Gesichtern. 
»Der Jugend giebt die Hoffnung Schwung, dem Alter 
die Erinnerung.« Was erwartet die Jugend von ihrem 
Sprecher? "\Ver von der Jugend redet - jeder Gedankc, 
jedes Wort, muss hier seinen poetischen Resonanzboden 
hahen - der redet von Sonnenschcin und Lerchenschlag 
von :Frühlingsäther und Blüthenduft. Alle Jugend gefiillt 
in ihrer unbewussten Anmut, sie gefällt, wie der Gesang 
des Vogels, wie das Lied, das sich unwillkürlich von dem 
Gemüte des Volkes ablöst. Wer auf die Jugend schaut, 
der schaut auf einen Gartml im Blüthenschnee, weiss 
und roth und duftig; und wenn auch nicht alle diese 
BlÜthen :Frucht ansetzen - was ficht es die leichtlebige 
Jugend an, weiss sie doch, dass die Aeste, dpr Stamm diese 
Ij'ÜlIe von .FrÜchten nicht tragcn könnten, und lJat sie doch 
obenein von Goethe gehört: 
 Was man in der Jugend 
wÜnscht, hat man im Alter die :Fülle.« Erinnere sie sich 
aber auch des alten Askräischen Sängers und seinf's Hexa- 
meters: 
T'i7
 ä(!f.Ti7
 I.()l!wm {fEul rr(!orru(!oll'hv UhJxav. 
»Vor die Tugend haben die Oötter einen Strom von 
Schwciss hingeleitet« - und nicht minder des wackern 


C> 


.. 


....
		

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			.)., 
_i) 


deutsehen 'V ortes: »'Vas Du ererbt von Deinen ViiteL'l1 
hast, erwirb es, um es zu hesitzpn !(, Und dieses Erbe der 
V iiter ist wahrlich g-ross und schön! - Die .T ugend ist, 
was wir selber gewesen; sic ist, was wh' so gern wieder 
sein möcl1tpn: fÜe bcsitzt noch jene naive Einheit von Natur 
und Geist, von Wirklichkeit und \Vahdwit, die uns ycr- 
loreu gegangen. Es ist dieselbe Einheit, die uns entgegen- 
rauseht aus dem 'Vald, entgegenbliiht auf der ]<'lur; für 
die Jugen,l spenden Natur und Leben die }?Üllc ihrer 
Formen und Farben, den ganzen Reiz ihrer TÖlle und Düftc. 
l\rag sie in dipsem Rcichthum sich wohlgemut tummeln, 
mag Hie aus dem Vollen geniessen, Ilamit sie im Alter eine 
rciehe Erinnerung habe; aber ycrg-esse sie nimmer den 
rulH'llllPl1 Pol in der l
rschcinungen Flncht! 
Und nun grÜsso il'h die l\Iänner, denen noch die 
dunkle Loekc die 
tirn beHchattet. Sie vermitteln die Jugl'lld 
mit (km Alter. Hauen sie auch keine so lang-e Reihc von 
Erinnerungpn hinter sieh, wie das Alter, so hat sie dafür 
auch die ArhC'it in ihrem Hpruf und die }i'rcude am 
chatl('n 
hcwahrt "01' phantastischcm Nchwiirlllen, idealem Träulllen, 
zif'llOSf'111 NelUlPn und Ndnvelgen: denn schon haben si£' er- 
kannt, dass die Ding-c ihr 
Iaass und ihre Zahl haben, und 
dass dC'r Mensch das 11aaHs allpr Dinge sei. AUl'h an ihlll'n 
ist das Lehen nicht leichtbiup'Üssend yorÜbergeg-angcJl, 
sondC'rn es hat nHlnl'hC' tiefe Fun'he dUl'\'h ihl' Gemiit ge- 
zogen; abpr es entHI'hiidigt sie reichlieh die unvergleiehliehe 
(Jriissp der Zeit. Wenn die Wirkliehkeit durch freudige 
nationalp Thätigkeit kpimkriiftig und ti'tlehthar gemacht ist, 
dann bilden sich wie von selbst Ideale, die in die Zukunft 
grpifi'n und Hm dC'r ersten hesten PeJ'slinliehkeit, in der dcr 
Genius der Indivillualität 11acht gewonnen hat, ihre Ver- 
wirklidlUng hoHen dÜrfen. 'Vo aber die Freude an dcr 
negenwart verkiimmert ist, mÜ!;!;pu sieh (la nicht Ideale 
einstellen, welche auf dip Vergangenheit zurÜckweisen, und 
welche unwahr sind, weil ihre Verwirklichung die unmög- 
JidlC UmliChr der Ueschichte yoraussetzt't DIllI wcnu
		

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			24 


ihnen doeh einmal dio Heimsuchung kommt, mi1gcn sie an 
Cicero denken. wie er nach dem Tode seiner 'L'ullia tiefbe- 
kÜmmert war und seine Freunde ihn trÖgteten: nÜichtige 
Reiche seien zmfallen; eil1st blühende ::)tiidte lägen in 
Triimmern, und er wolle sein kleines häusliches l"eid be- 
jammern? Auch Perikles seien blühendc Sühne gestorben; 
aber er habo seinen Schmerz bemeistert. - Darauf er- 
widert Cicero: Perikles habe das lcichter gelingen könncn: 
Denn wenn er zur Akropolis aufg'esehaut und den l'ropy- 
läcl1, wo Pallas Athenc hoC'hmgend mit Lanze ullIL Hchild 
seinc Vaterstndt schirmte, oder hinab auf den Piriieus mit 
seinem wogenden "'\Iastenwald athenischer 'frieren; dunn 
habe er vor der aufstrebenden Grösse seines Vaterlandcs 
gestanden. Und gTOSS wie damals ist heute dio Uegenwart, 
dass wir mit Huttcn, dem ruhelosen Kämpfer, ansruti'n 
möchten: ,,0 Jahrhundert, wie bist du so schön! Es ist 
eine Lust zu leben!« - 
l\fallche von diesen l\Iiinnel'll sind vor zehn JahrC'n 
ausgezogen zum Waffentanz auf blutigem ])lan und haben 
uns aus dem fi'mnden Lande heimgebracht ruhmstrahlendeJ] 
Sieg, haben dem Klang des deutschen Namens die wf'iten 
Lande der l
rde geöffnet, haben uns nationak Einheit und 
Grössc, die lange, lango ersehnten, geschaffen; die Xation 
hat ihncn die duftigsten Kränzc gewundeu; ihn- Timten 
gehiiren dcr Gcschichte an. Dreizehntausendsiebenhllllllert 
.Jiinglinge stndiprten damals auf elen deutschen Universi- 
täten; zweitausendsiebenhundert von ihnen nahmC'n mit der 
'Vaffe in der Hand an dcm .\1'eldzug teil, mehr als J\I'un- 
hundert im Dienst der l\fenschenliebc als Krankentriiger und 
Felddiaeonen. 1
inhundertelf 
öhne dcr Albertina schlossen 
sich den mobilen Regimentern an, dreiundzwanzig von 
ihncn gehörten dem Corps "l\Tasovia" an. Nicht alle sind 
heimgekehrt; bei manehcn ging KÖl'ner's Ahnung: Sollt' 
ich einst im Siegerhcimzug fehlen, in EI1'Üllungj zwei von 
ihnen hatten das blau-wciss-rote 13and getragen. 
!eh gcdenke hier der schönen li'OJ'lll, in welcher ]i'rank- 


...
		

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			- ..., 


25 


c 


reieh einst seine gefallenen Tapferen ehrtc. W11l'S hei der 
Pamde, wars beim Zapfenstreich, cin Sergeant trat. Yor, 
schautc sich im Kreisc um und fragte: ),'V 0 ist Latüur 
d'Auvergne, der tapferste dcr Grcnadiere?« Darauf ant- 
wortetc cin zweiter mit gehaltener Stimme: BI' ist ge- 
fallen auf dem :Felde dcr Ehre!« Ein Trol11nwlwirhel s('hloss 
den feierlichen Act. 
Iag so beim Constitutionsfest des 
Corps eIer erste Scnior ull1f>chaui'lld fragcn : "WO sind 
'VaLther Kersandt und Otto Hermann ?« und der 
zweite Senior antwort.en: »Sie sind gefallen auf delll Felde 
der Ehre!« - ',Sit yobis tcrra levis! Non Olnnis l11oritur, 
lJui mortem pro patria oppetit,« 
Und nun für uns alle, die wir Zöglinge der ]\Iusen, 
Sühne dcr . .Albertina«, sind! »Dass wir UllS in ihr zcr- 
streuen, darlUll ist dic 'V £'lt so gross.« - Und "cnn wir 
uns nun in der Zerstreuung hegcgnC'n, haben wir l,f'in 
Erkennungszeid1Cn, keine Losung, kein Fcldg-es('hrei? 0 
doch! Als unscre Namen in das Alhum dieser Hoch- 
schule eingetragen wUl'l]en, und als Mutter »Alhertina< 
Ilns in ihre Pamilie aufnahm; da flüsterte sie jedC'm von 
uns cin 'V ort zu, und wir nahmcn das ,,, ort mit. uns, lind 
das 'Vort gewal1n Inhalt und gewann Bedeutung und be- 
kam J\la('ht Übel' uns "rie es gelautet? - Ihr erraters 
s('hon! - .Glauben wir aueh nieht mehr an eine über- 
sinnliche 'Velt für sich existiprcnder Hcgrifli', wie I'latun 
I'inst; so verzichten wir doeh nielllab darauf, jene ]\J nster- 
bilder aller 'V cscn, die V pl'l1unft und Sinnli('hl\C'it versiilllwnd, 
mit .Recht als 1r1eaL bf'zciehnet. wel'llf'n, in uns zu erzeugen, 
(Ien gÜtUil'hen Schein einer aus den 'i'icfen des Ueistes ge- 
horenen Idl'alitiit Über alles 'Virkliche zu hreitf'l1 und den 
(
uen alles Idealen in der l\JellschC'nbl'\H;t zu niihren und 
in alle Gebiete dcs IJebens hinÜbel'zul..itcll." . LdC'alitiit< 
hicss dieses 'V ort. Sie ist dazll bestilllmt, don \ on den 
Kämpfen des Lebens ermatteten 	
			

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			26 


Oedanken naehhiing-en, gedcnken wir dankhar dpr ßTUl5l5en 
]\{eish'r, y.n dcren Fiissen wir hier als Schüler gesessen, 
wt'khe die mächtigen Gedallkenquadern aus dem GestC'in 
des Geistes geschlagen und uns gegeben haben, davon Y.ll 
y.chren, um zu loben. Josef von Arimathia lebte in dunklem 
Gmbeskprkpr vierzig Jahre ohne SpC'ise und Trank allein 
von dem JJichte, welches von jenem heiligen Kelche aus- 
strahlte. Denn der Mensch lebt nicht vom Brote allein; 
und der Geist ists, der Leben giebt. Diese Huldigung 
unsrer ahna mater Albertina! - Ihr lebcnskriiftiges 1md 
lC'hensfrisches Kind ist lLnsre »}\Iasoyja«. Die Leidpnschaft 
freilich flieht, aber die Liebe muss bleiben!« Wir lipben 
noeh heute diese schönen Farben, dieses Blau-weiss-rut, das 
wir einst an Brust und Stirn getragen. Diese Farben 
haben uns einst die Glut der Liebe und das .Ff'uer des 
l\futs, Stiirke in Treue und Beharren, Reinheit des Sinnes, 
Klarheit des Geistes bedeutet. Das Corps »1\lasovia« wird 
diese Farben rein halten; es wird die Traditionen seiner 
Väter und V orl"ordern dem kommenden Geschlecht nnver- 
fiilscht bewahren. 
Und nun fassen wir unser Empfinden und Dcnkf'n 
in dem 'V lll1sche zusammen "Albertina et l\fasovia vivant, 
tl Ol'eant, ('l'eseant!« lind lassen alles austönen in dem Huf: 
}lasovia hoch! und noelllnall5 hoch! llnd abpr hoch!" _ 
Der Eindruck dieser Rede war ein iiberwiiltigender, 
dem die Commilitoncn den freudigsten Am;clruck gaben, in- 
dem sie Hich um den }i'cstredner drängten und ihm durch 
lautes Zlljau('hzen und herzlichsten IHindedruck zu erkenJwn 
gabcu, wie vory.iiglich es ihm gelungen war, deli (Jcfühlen 
der ]i'estgenosscn "Vorte zu leihen. - 
Darauf erbat und erhielt das 'V ort der Commilito Hlld- 
nick, Superintendent in J<'reistadt: 
Commilitonen! 
Von nah und fcrn sind wir hier zUl5amllllmgekommen 
Oreise mit weisscm Haar, Männer in dOl' BlÜte ihre'r 
Kraft und ti'il5che, frohc J iinglinge, - llm die fiinfzigjährige
		

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			., 



7 


, 


J ubclfei£'r unf1ercr ahmt mater Masovia festlil'h zu hcgehen. 
\Vas wir einst in gehobener Stimmung sangen: 
.>Eill!;t wenlell wir uns wieder!;el1n 
Und fe!;ter stelm 
Und unsel'll Bund I'l'llpurl'll, 
das geht heute im eigentli('hen I:-;inne des W OltS in [';1'- 
füllung - bis auf das ,fcstcr st.ehn«. Denn viele VOll 
uns sind ihres Ganges schon mÜde geworol'n und mÜssen 
gestehen: .Meine Beine tlmn mir weh, wenn ich des 
Abends schlafen gch.,( Doch heute fühlen wir alle Jug£'nd- 
lust und Jugendkraft durl'h unsere Adl'l'll rieseln. - 
Aber auch das andere "rod, das wir einst beim Landes- 
vat.er jubelnd gesungen und morgrn beim :Fest-Conllners 
wieder anstimmen werden: 
So lange wir um; kennen 
'Vollen wir uns Brüder nennen< 
möge jetzt unter uns zur 'Vahrheit wcrden. 
Im Auftrage des Comites schlage il'h ];
u('h darum den 
allgemeinen Duz-Comment vor und bitt£' Euch um Eure 
Zustimmung dazu durch den Ruf: HUlTah !« 
Dass der Aufforderung mit Einst.immigkeit nachge- 
kommen wurde, zeigt.e das kräftigste :Hurrah«. - 
Die Königsberger Philister Überreichten hierauf durch 
den Landgerichtsdirector N i etzki cin kostbares Rann er, dessen 
Vorderseite auf weissl'm Seirlengrunde hochg'ostickt das 
Wappen des CorlJs mit dem \Vahlspruch »virtus contemnit 
mortf'm«, dessen HÜckseite die blau-weiss-l'otC'n Varben 
zeigt. Hervorgegangen ist dieses ausgezeichnete Werl{ 
aus der rÜhmlichst bekannten Fabrik von niete 1 in 
Leipzig. Die "\Vorte, mit welchen Niehki seines Amtes 
wartcte und welehc den lebhaftesten Beifall erntctcn, sind 
folgende: 


,. 


1tleine lieben BrÜder vom Corps! 
Ich habe den ehrenvollen Auftrag, im Namen der 
Kiinigsberger Philister dem Corps ein Angehinde zu Üher- 
roichen, bestimmt, ihre treue, Ilngcschwächte Anhänglichkeit 


.
		

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			28 


an die Farhen darznthun, nnter (knrn sie derein!o;t zum 
sehiinen Bruderuunde vereinigt waren. 
Weun heute nach 50jiihrigem B('stehen dirses Bundes 
seine ältrsten und jÜngsten 
Mitglieder einig sillll in An- 
hiinglichkeit und Liebe zu dcmsclben, so ist dies ein un- 
umstiisslieher Beweis für die Vortrl'jJ'lil'hl,eit der l'rincipiel1, 
al1f wrldwn er beruht. 
'ViI' fragen uns: wie geht es zu, dass die in unserer 
Burschenzl'it gelmÜpften Freundsehaftshando so daurrud 
und unzerreissbar sincl, (lass splhst einc sohr lange Trcnnung 
von cinem damals ins Herz gcschlossencn }?reunde ni!'ht 
die mindeste Entfremdung von ihm hpl'Vorzuhringen ver- 
moehte, dass wir ibn heute ebenso warm lind innig ans 
Herz drÜeken als Hir .Jahrcn, dass selbst die GC'gcnsiitze, 
wC'\eho sich durch dip grossen wdtgcsI'hichtlidH'n l<
r- 
eignisse der abgewichenen 50 Jahn' naturgcmäss in po- 
litiseher, rdigiÜser und sOl'ialer Beziehung hpraushilden 
JIlussten, keinen nal'htciligcJl l
inf1uss auf IInsen-n Pl'Oulld- 
schaftslmnd auszuÜben vermol'hton? 
Die Antwort auf diose Frag'l' ist einfach. 
l
s Ü.;t richtig, dass das jugendliche UemÜth an sieh, 
nudl unlwriihrt von don Fessoln, wl'lehe das spätt-re l,phen 
11 ur allzufriiho dem idpalpn A IItHchwung anlegt, sich ofl'en, 
\'011 lind ganz der Jhcundschaft crschliesst, weil ihm jedes 
sdhstige J nterosse und jedp kere 
'orm noeh vollständig 
fremd ist. Abl'i" Wal-; dem )lasLlren von jeher besonders 
eigon war, das ist: die un wandelbarp Treue zu don BrÜdorn, 
gepaart mit JIingchung, A ufllpfcl'lIl1g und ::)elustverUiugllulIg, 
die Liebe zu allelll :-;chiillen, (i utell und Edlen, reine un- 
fwfleckte Ehre, wahrer nlanneslllut, unabhiingig'e (;psinllung, 
ehrliches LW beirrtes Eintreten fiir die 'Vahrhcii und das 
Recht. 
Dies waren lind Hinc[ dio J>rillcipien, auf woklll'n UUser 
Bund bOl'uht, ihnpn dalll,oll wir das ullgeschwiil'hte }i'ort- 
be:::;tehclI IIl1d 
'ortbHihcll dosl:;olbell. :::;ie haben in dom 



 


,
		

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			""111 


29 



 


Blau-'Weil515-Rot unserer ,Farben cinen deutlichen, sehi)llcn 
Ausdruck gefunden. 
Dml uns am heutigen Tagc besomlcrs nahc liegenden 
'W unsche, dass das Corps auch ferner treu bleiben möge 
jenen Principien, glaubten wir niC'ht besser Ausdruck geb(']l 
zu können, als dadurl'h, dass wir Eueh die goJiebten 
l?:uben in Gestalt eines Banners iibergeben. Indem ich 
dil's hiemit time, bitte ich Euch, lj('hen Brüder: Bleibt 
treu diesen Farben, seid l
uch ihrer wahren Bedeutung' 
stets bewusst, bewahrt die alte Burschcntreuc und don 
alten biedern Bllrsehcnsinn, dann "ird unser '\V unsch in 
Erfüllung gehen, welcher lautet und stets lauten wird: 
Crescat vivat tloreat l\1a.suvia!" 
Der erstc Scnior übernahm das .Banner und ,I ankte, 
wic fulgt: 
"Im Namen dps Curps empfange ich von EUl'h, Ihr 
liebC'n IGinigsherger Philish.r, dieses .Banner, wel('hes Ilu' 
uns als ein ZciC'hen Eurer heu bewaln'ten Liebe zum blau- 
weiss-roten Bande verehrt habt. Es suU uns dasselbe steh
 
eine }Iahnung sein, den Principien, die Ihr in der l\Iasovia 
hoehgch[llten haht, [lu('h fernerhin getreu zn bleibcn. Imlller 
wird es d:u: llemühen des Corps sein, dieses Banne" gleieh- 
sam als das Sinnbild der Ehrc des Curps hoch und heilig 
zu haltpn, su dass Ihr pinst mit Genugtuung an ,liese 
Stunde zurückdenken diilft. In dil'sem Sinno spr('ehe kh 
Euch, lieben Philistcrn, im N[lnll'u des Corps 111lSl'ren auf- 
ril'htigsten und innigsten Da111, aus und fordere alle An- 
wes"lllkn [lnt
 mit mil' auf das ewige Blühpu und U,'(kihl'n 
dl'r 
IaSU\ ia ein kriiftiges ,Hul'h auszubringeu." Freudig 
stimmten Alle ein. 
Hiprauf erhielt Commilito l'ian1.a, 
rl'dil'inalrat in 
Marienwerder, das '\Vort und VClÜS fulg'OlHlen Bl'ief unseres 
F"I'dinallll Gl'l'g'orovi HS: 
Lil.be Commilitonen dei' Landsmannschaft ))asovia! 
'V ('nn ieh nieht ebl'n en;t aus "l'm IJande 1/ onH'I'S 
von AtlH'n hl'l' iih!')' UlIlll auf' ",citpn Unl\\'('gen nach I>eutsch-
		

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			30 


land zurÜckgckehl't wii1'e, so wiirde es mich getl'if'ben haben, 
dic tC'ure Hpimat OstJJreussclI wiederzusehcn, um mit Eudl 
auf althekanllten ::-;tättPII das J IIbiliium unsrer V crbillc1l1l1p; 
zu feiern. So aber verzeiht, dass ich, statt selbst zu komml'lI, 
Euch nur meine OrÜsse sende. 
Zuerst gTÜ::;se il'h EUl'h herzlif'h, liebe StlldiC'llgcnossen 
ans dl'n Jahren HmR -4], so viele Ihr hellte Eueh froh 
zusammcngefunuen habt lind miteiwu\(ler der sehiinen 
,JugelHlzl'it gC'denkt, nun da .Eueh das Immpfi.t1'[jIlte Lchell 
in Ehren alterll liess. Alls unserer K,eihe von damals fl'ltlt 
scholl maneher gute Freund: wir aber, die wir lIns noeh 
in rÜst.iger ]Üaft lIes NonlIenliehts ('rf1'elll>lI, gedenJcen heut!' 
der geschiedenen Ud'iihrtell Ullsel'er Jugend mit liebl'llt!"r 


I'innC'1'Ung. 
Ich grÜsse :Eudl aUe, vel'samnll'Ue CommiJitoncn, alterndC', 
in l\Ianneshaft erstarkte und jugl'ndlil'h blühende. Obgleich 
mir, der ich spit langer Zeit von der Hl'imat entfernt bin, 
die meisten unter Eueh HIli Namen und Person unbel,:u1Il1 
sind, verbindet uns dueh dip gleidw Festesfreude lind das 
Bewusstsein dcr Zusanunengchürigkeit dlll'eh dieselbe heil1lat- 
liehe Landsmannschaft. 
Im Besonderl'n beglückwünlSche ich die aufstI'ebcnde 
.J IIgend unter Eucb. Ihr jungen Preunde, seid eingcdenk, 
dass es die Alten sind, die an der neuen Grössl' des Vater- 
lallllPs mitgewirkt haben, in deren Glanz Ihr selbst nach 
imnH'r hliheren Zielen zu ril1gen habt. Strebt mutig fort, 
dass ihr werdet tätige Bürgc1' des grossen Vaterlandes und 
ganze l\länller in fceier, sehliner und edlpr l\fenschlil'bkeit. 

s ist nun ein halbes Säculum. dass nnscre Vel'bill- 
(lung dauert, zu dercn Stiftern auch mein ältester Brudcr 
gehlirt hat, der schon seit Jahren von uns geschieden ist. 
So ist sie bercits ein gC'schichtlichcs Glied der Universität 
l'rcllsscns selbst. In ihr stellt sie als Vl'rein unter dem 
Schutz dcr l\Iusen einen nicht geringen 'l'eil des geistigen 
Lehens geradc jcncr Landschaften l)reussens dar, die der 


-
		

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Deuti>che Ritterurden einst uem SlaventuJIl entrissen hat. 
Nuch dauel'll durt auf griincn HÜhen die stulzen Burgen als 
Denlnniiler siegreicher deutscher Kraft. 
l'lüge so unsre Yerbindung von J ubiliiulll zu J ubiliiulll 
gHiddich fortbestehen, sidl selbst an der Bill1ung upr Zeiten 
vCljÜngcnd und veredelnd, dass sie in unsrer teuern Hei- 
mat eine immer frische Pttanzsehule der 'Vissensehaft 
und aller edo1n 
itte sei, und ein 
clunuck der ruhmvollen 
Hochschule Köni
sberg. aus dpr, wie von einem Lou!'ht- 
turm herab, der Geist unsres Kant seine crlll'llendt'ß 
Htralen weit iibcr die kleine Heimat hinaus in ferne Liinuer 
und V ülker gesenuet hat. 
l
uch in Bundestreue zugehörig 
Pcrdinand Grcguruvius, 
ehemaliger Sen iol' der Maf;ov ia. 


l\Iiinehen, am 10. Juni 1880. 


- 


Zum Schlusse der Festversammlung wurde den Com- 
milit.ollen eine }'estselll'ift Überreieht, eine
'urtset.zung' dpr 
Geschichte des Corps l\iasO\ ia fÜr die Jahre lH75-RO. 
Uanz besuJlllcre Aufmerksamkeit war auf das .Mitglieder- 
verzeichniss gerichtet; auch war als Anhang derso1ben, viel- 
faehen ViÜnschen aus den Reihen des Philisterimns cnt- 
spreehend, der Comment des Corps beigefügt. 
Der Eindruck, den die Festvcrsammlung auf jcdcn 
Teilnehmer machte, bm;till1111te den Cuuuuilito Rechts3ll\\alt 
'V ard fi iu Thol'll, eine Angelegenhcit pceuniÜren 1nhalts 
hier nicht zur Sprache zu bringen, wic er es eigentlich be- 
absiehtigt hatte. Der Verfass('r diescr Irest.schrift, der delll 
von Wo- ard a zu stellenden Antra
 mit vollst.er 
ympathio 
crgeL)('n ist, kann cs sieh an uieser 
telle nicht versagen, 
denselben hier vorzutragen und den Commititoncn an,; 
[ferz zu lcgen. indem er dcr Hofl'nung lebt, dass, wie der 
Antrag in jener Feststunde uen freudigsten Anklang gefunden 
hiitte, auch jet
t noch 1101' Beifall delllselben n:ieht vorsagt 
wenlen wird. W a l'Ila\; Antrag lautete: »Jeder Masurcn-
		

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			"" 


- 


32 


philister zahlt fÜr die ihm zugesteJItl'n 
emesterberil'hte 
jährlich () J\lark an die Corpskassc.« Zur l\[oti\'ierung dieses 
Antrags dicnc 1 1 'olgendes: Die Semesterberichte, welchc 
jedenfalls der grossen Ueberzahl der Philister sehr angenehm 
sind, weil sic dieselben mit dem l...eben des Corps in V 1'1'- 
bindung setzen, vcrursachen nicht unbedentl'nde Koskn. 
Diese Kusten kann das Corps wol trag'cn, aber an diese 
Aufmerksamkeit den lieben Philistern gl'genüber reiht sich 
so muneIlP andere. Bei Verlobungen, Hochzeitcn und andel"Cn 
]i'estlichkeitcn von Philistern erSl'heint nil'ht nur ein herz- 
lil'hes Gratulationsschreibeu, sOlidem für Ilic liebe Masuren- 
schwester ein ];:ostbarcr 
trauss in blau-wciss-ruten lHüten. 

ur Wahrheit ist es ferner durch das jetzigc Corps ge- 
worden, was wir in wehmütiger Stimmung oft gmmugcn: 
,'-l1nd tragt Ihr mich im; Grab hinein, 
So schmiiekt den Sarg, Masuren, mein, 
Mit einem Baude blau-weis-rol" 
Deli Sarg eines jeden vCl'storbenen Bruders sl'hmückt, 
uls (leI' letztp Ausdrucl,- des Dankes und der brüderlichen 
AncrlwIlnnng' für seine Licbc uwl Treue zu den alten 
.Farben ein Lurl>eerkranz mit ciner blau-weiss-rutcn 
l'hleifl'. 
Lasset, Ihr Freunde, Im-ine sichere Hoffnung nieht zu 
Schanden wcrdpIl und übpl'sPlldel an jedpm Neujahr der 
COI'I'
li:asse ohigen Beitrag. 


..\ 


III. 
Das Concert. 
Wiewol dip l\IasO\'ilt mit dcn zu ihren Ji'm:;h-n arrangier- 
tell OarofelleonePl'fpn nicht g'prade cIfl'eulil'he l
lfuhrungC'n 
gemul'ht hat, weil dieselben - mit einer Ausnahme - ent- 
w('dpr ganz vCl'I'egnetcn oder wenigstens durch Hegen er- 
lwhlil'h gestlirt wurden, beschloss das Comite, besonders 
auf den 'Vunsl'h des Corps, demwl'h ein GartOlll'Ul1l'Cl't zu 
verallstaltl'll. Ist ein Concert doch 1Iueh bci einl'nl gTiissl'rC'n 
SOlllmerfeste in einem l i 'estprogranlllll' kaulll auszulassl'n, weil 
es allt'in die Miiglichkeit bietet, mit dCIl It'estan'1Ingp)lJC'nts 
vor Jas gro:-;se PublikulII zu tretell.
		

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			33 


I 
j 


Vem Comitll war es gelul1gen, die bcidel1 Gärten der 
Logen zu den drei Kronen und zum Tudtmkopf und l>hönix 
zu erhalten, welche alle andern Gärten der Stadt durch 
ihre günstige Lage, ihren grossen Umfang ul1d die 
chön- 
heit ihrcr Anlagen übertreffen. Terrassenförmig sich vom 
8chlossteiche erhebend, bieten sie mit ihren dichten Baum- 
gruppen, ihren Boskets und Blumenstücken dem Dekorateur 
vollauf Gelegenheit zum Festschmucke. Es ist allseitig an- 
crkunnt worden, dass dem Dekorateur Herrn Bus sen i us 
für seine ge!,;chmackvollen Arrangements das vollste Lob 
gespendet werden konnte. - Der Zugang zu den Gärten war 
nur durch die Loge zu den drei Kronen offellgehalten. An 
der Uodestenstrasse, in welcher die Dreikronenloge liegt, 
erhob sich ein Purtal mit Guirlanden umwunden und mit 
blau-weiss-rotcn Fahnen und Schildern reich geschmüekt, 
über dem Portal zeigtc ein Transparent den Albertus. An 
dieses Portal schloss sich eine Doppelreihe von MastelIen, 
die unter einander mit Guirlanden verbunden, und mit 
'Vimpcln oder Fahnen beflaggt waren. Dieser Gang mün- 
dete auf ein doppeltes Bogenportal am Eingange zum Garten 
der Dreikronenlogc, welches den festlichsten Schmuck in 
rcichem Arrangement zeigte und in seinem oberen Teile 
ein blau.-weiss-rotes 'Vappenschild in Transparentmalerei 
einschloss. Der Durchgang von einem GaIicn zum anderen 
war ebenfalls durch ein mächtiges Doppelportal vcrmittelt. 
Ein Bogen überspannte dcn Gartenweg J zu dessen bei den 
Seiten sieh zierliche Pfeiler erhoben. Das ganze Portal lief 
in drei Spitzen aus, welche mit blau-wcissen und blau- 
weiss-roten Bal1nern dckoriert waren; in der Mitte des Por- 
tals übel' dem Durchgang prangte das Wappcn des Corps 
in Transparentmalerei. Die Gärten selbst waren mit einer 
Unzahl von Fahnen, Wimpeln, Flaggen und Schildern in 
dcn Farben der Masovia und alten Baltia geziert. An dem 
schünstcn Punkte der Giirten, in der Nähe des Spring- 
brunnens der Dreikruncnloge, war das neue Banner auf- 
gerichtet, das die Bewunderung vieler Besucher erregte. 
S
		

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			34 


Mehrere tausend farbige IJampions, Sterne, Sonnen, 
Halbmonde und Kreuze, wie 10000 Fliimmchen, zu den 
vel"Hchiedem,ten Gruppen zusammengestellt, sollten am Abend 
die Gärten erleuchten, ein grossartiges Wasser- und Lanrl- 
feucrwerk die Ff'sttpilnehmer und Oästc erfreuen; zum 
Schluss des Feuerwerks ein mächtiger Zirkel des Curps 
in blau-weiss-roten :Farbell über dem in riesigen Dimen- 
sionen transparcnt ausgeführten Wappen vom jenseitigen 
Ufer abgebrannt werden. Alle diese Arrangements waren 
der kundigen Hand des wohlrenummierten Fcuerwcrkers 
HelTn S ch u lz Übertragen worden. 
.Für jeden Oartpn wal' eil1 ]\[uHikeorps engagiert worden, 
und zwar concertierte in der Dreikronenloge die Kapelle 
des 41. und im Nachbargarten die des 43. Infimterie- 
regiments. Bei der Auswahl der Concertstücke erfreute 
sich das ComitÖ der freundliehen Hilfe des Herrn l\IwÜk- 
diI'Cctor B pr necke 1', der in liebenswürdigem Entgegen- 
kommen zur Verschönerung des ConcerteR unser Bundes- 
lied »Wild flutet der See« fÜr grosses Orehester gesetzt hatte
 
das als der Ausgang eines StudentenliederpotpoulTiH das 
Concm{ schliessen sollte. Wir kÖnnen nieht umhin. dem 
verehrten Herrn, einem Schüler de
 Dichters unseres Bundes- 
liedes, auch an dieser Stelle unsern herzlichsten Dank aus- 
zudrücken. 
Schon vor der auf 4 Uhr angesetzten Eröffnul1g der 
Gärten han{e vor dem Portale cine grosse Menge einge- 
ladencr Gäste des Eintritts, so dass nach Eröffnung derselben 
die beiden Gärten sich schnell fÜllten. Die 
ahl der Gäste 
erschien anfänglich zu gross für den Raum, aber als Rich 
erst das cingeladplle PublicUlll in die beiden Gärten und 
Colonnaden und später zum Souper in dic Säle verteilt 
hatte, fand jeder, soweit es überlmupt bei einem RO grossen 
Concerte möglich ist, seinen Platz. Von einem Uissver- 
hiUtnis in Betrefi' der Zahl der Eingeladenen zu der GrÖRse 
der Gärten zu sprechen, ist nicht richtig, zumal darauf ge- 
rechnet werden musstc, dass dic junge "\Velt in den breiten 


...
		

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			35 



 


Gängen promenieren würde. - Die Stimmung der Festteil- 
nehmer wie der Gäste, die. uns durch ihr Erscheinen cr- 
freut und bcehrt hatten - unter ihnen auch die Spitzen der 
Militär- und Civilbchörden - war eine lcbhaft heitere und 
animierte; überall freundliche Gesichter, lachende Augen 
frÖhliche GC8präche. Da8 Herz mU88te jedcm aufgehen vor 
Freude, wenn man die flotten Studiosen, besonders die Entrc- 
preneurs und die ihnen beigegebencn Ordner in studenti- 
schem Wichs am Eingange des Gartens die Honneurs 
machen sah. Doch das UnglÜck nahte mit Riesenschritten. 
Am Firmament türmten sich 'V olken auf und überzogen 
sehnell den ganzen Himmel. Um 8 Uhr unterbrach ein 
starker Regenguss da8 Concert; l\fassenflucht aus den Gärten 
trat ein, die Colonnadl'n und Säle fiilltcn sich; aber noch 
gab man nicht alle Hoffnung auf. "\Varen die Gärten auch 
gclichtet, es gab doch l1üch genug Personen, selbst auch 
junge Damen, welehe unter aufgespannten Hegenschirmen 
in der herrlichen Luft auf den Terrassen, an den Schloss- 
teichufern, durch die sich um Rasenplätze, Blumenstücke 
und Springbrunnen windenden Gänge und unter den ur- 
alten, himmelanstrebenden und wolkenverdeckenden Bäumen 
lustwandelten. Aber diesmal erwies das bekannte 'Vort 
»fortes fortuna adjuvat.< seine"\V ahrheit nicht. Gegen 9 Uhr 
überströmten solche Wassermassen die Gärten, dass an einen 
Aufenthalt im Freicn nicht mehr gedacht werden konnte. 
Auf Tisehen und Stühlen schwamm das \Vasser; von der 
brillanten llhuninatiön bekam man nur dic wirklich gross- 
artigcn Vorbereitul1gen zu sehen; die Lampions lagen in 
diehten Reihen zu 'l'ausenden ab aufgelöste Papicrleichen am 
Boden; die CJellämpchen an den Illuminationsfiguren wullten 
nicht brennen. Im Nu waren die Plätze in kleine 'l'eiche, 
die Gänge in Ströme, die Terrassen in Cascaden verwandelt. 
Die Logen öffneten in freundlichster 'Veise ihre säl1lmtlichen 
Räumlichkeiten dem Publicum und noch lange musste das- 
selbe hier verharren, wcil die übcrflutcten Strassen einel1 
Heimgang zu Fuss nicht gcstatteten und die Zahl der 
3* 



 


I 
JII
		

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			r 


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36 


Droschken zu gering war, um den Anforderungen zu ge- 
nügen. So war das sehöne Concelt nicht etwa verregnct, 
sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu Wasser geworden. 
Der einzige Trost, den wir fÜr dieses Ungemach hattcn, 
war das Beileid, wekhes uns von allen Seiten entgegenge- 
bracht wurde, und der GC'danke, dass wir dem gTossen 
Publicum gezeigt hatten, was unsere Absicht gewesen. 
Indcss ein altes Burschenherz darf nimmermehr ver- 
zagen. Gegen des Schicksals :J\lächte anzukämpfen, ist stets 
ein vergebliches Bemühen gewesen, und so wiire es in der 
TImt ein trauriges Zeichen für die Feststimmung gewesen, 
wenn das verregnete Concert auch den Humor hätte ver- 
derben können. Die Concertkneipe, zu der jeder geladenc 
Gast, wenn er einem der Comitcmitglieder persönlich vor- 
gestellt wal', Zutritt hatte, zeigte einen frischen und lebendigen 
Zug. Wohl 600 Commilitunen und Gäste waren um acht 
lange Tafeln, an welchen je zwei Masuren präsidierten, ver- 
sammelt und erfreuten sich an dcm lebhaften, gemÜtliehen 
Treiben einer studentischen Kneipe. Nach der J\fclodie: 
"V um hohen Olymp herab" ertönte das erste Lied: "Wie 
sitzen wir so fröhlich hcut beisammen nach alter wackrer 
Burschenart", ein Lied, wckhes von einem alten Burschen 
dem Comite zur Verfiigung gestellt war. Hierauf begrüsste 
der zweite Senior Schel
lg die Gäste: 
'Verthe Commilitonen und Gäste! 
Ich begrüsse Sie im Namen des Corps und seiner 
alten Herren und spreche Ihnen zugleich den wiirmstcn 
Dank aus für das lebhafte Intercsse, welches Sie unserm 
Jubelfeste entgegenbrachten. Jupiter pluvius in seiIlCm über- 
grossen Zorn wollte leidcI', dass das Gartenfest, das so schön 
begonnen, seinen programmmässigen Abschluss nicht finden 
sollte. Um so mehr sind wir crfrcut, Sie hier, wo bei den 
Gaben des Gambrinus Regen und Sturm vergessen sein 
möge, so zahlreich versammelt zu schn. Uanz besonders 
angenehm berührt es uns, dass die Couleur, deren Schick- 
salc vun Altcrs hel' mit den unsrigen ellg verfluchten gewesen 


.. 


-
		

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			37 


"- 


sind, da.ss die Littuania ihre Theilnahme an unserm l1'reuden- 
feste auch heute nicht versagt hat. Mögen diese freund- 
schaftlichen Jkziehungen stets fort.bC'stchn! 
Alle Masuren aber fordere ich auf, dC'n werthen Gästen 
unsere Achtung auszudrÜcken, indem wir auf Ihr 'V ohl 
cinen Salamander in Gestalt unserer Reste rC'iben. 
Diesen Gruss erwiderte der Senior der Littuania, Hen' 
stud. phiL Kissner, in freundlicher 'V eise, indem er auf 
die provinzielle Zusammengehörigkeit der bei den Yerbin- 
dUllgen hinwies und daraus den Schluss ziehen zu dtiJfen 
meinte, dass diese Eintracht festen Bestand haben werde 
für alle Zeiten; mit dem 'Vunschc, dass dem Oorp
 }\Iasovia 
eine mehr als tausendjährige Jubdfeier beschieden sein 
möge, rieb er mit seincn Couleurbrüdern, die in recht 
grosseI' Anzahl erschienen ,,-an'n, einen urkräftgen Sala- 
mander. Ein l
ied folgte dem anderen. Die Stimmung er- 
höhte sich Yon :-;tnnde zu Stunde und als der Fuchsmajor 
den FÜchsen die Schuld zu:-;ehob, dass der Himmel uns 
hC'ute so schnöde behandelt, weil diC' FÜchse bei ihren Opfer- 
spendC'1l für Bacehlls, Uambl'inus und Venus - den J upiter 
Pluvius vernachliissigt hätten, der ihnen und dem ganzen 
Corps dafÜr zÜrne, crsehallte jubclndor Beifall von allen 
Seiten. - 
Ro rauschten die St.unden dahin unter Gesang und 
Redelust, und wenn alle WÜnsche, die an jenem _A_bende 
für das Heil der l\Iasovia ausgeslJl'ochen wurden, in Er- 
füllung gingen, so wiire diesel be in der Tat sehr zu be- 
neiden. Die Sonne stand schon hoch am Himmel, als die 
crmüdete Ent.reprise mit den letzton Gästen dic Stätte froher 
Stunden verliess. 


IV. 
Ausfahrt nach Juditten (15. Juni). 
J llpiter l
luvius W1U' durch die Rede des Fuchsmajors 
vcrsöhnt worden. Ein wolkenloser Himmel breitete sieh
		

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über der Rcsidenz am Pregel aus und blieb von nun an 
dem Feste gÜnstig. V 01' der Universität versammelten sich 
um 2 Uhr Nachmittags alle Maf:;uren. Vorher schon hattcn 
sieh die Reiter, neun an Zahl, in geschmackvollem 'Viehs 
- blaue Pikesehe, weisse Reitbof:;e in eleganten hohen 
Stulpstiefeln, blauer . Stürmer, Stulphandschuhe, eine blau- 
wciss-rote tJchärpe um die Schultcl', den klirrenden Schläger 
an der Seite - nach der Stensbcckschen Reitbahn be- 
geben, die dort bereit gehaltenen Rosse bestiegen und. 
erschienen nun pÜnktlich in geordneter Auf.,>tellung am 
Platzc. Die Umfahrt nahm cincn höchst solennen Verlauf, 
doch verzögerte die grosse Zahl dcr Wagen und die Schwierig- 
keit des :Arrangements die Abfahrt um beinahe eine Stunde. 
Dcr Zug war" der grossartigste, welellOn Künigsberg je ge- 
sehen hat. Er nahm seinen Wcg, nachdem er die Univer- 
sität umfahren hatte, über df'n Paradeplatz, dmch die Junker- 
strasse, :Französische St.rasse, Schiefcn Berg, Hossgarten, "\Vall- 
strassc, Königsstrasse, }!'ranzösische Strasse, ,Tullkerstrasse, 
Pril1zessinstrasse, Danziger Keller, 1Vindgasse, Schuhgassc, 
Kneiphöfsche IJanggassee, Fleischbänkenstrasse, über dC'n Hof 
des alten Albertinnms, Brodbällkenstrasse, durch die Kneip- 
hü£-;cheLallggasse und über den Gcsecusplatz nach dem Stein- 
damm, diesen entlang, über die Hufen nach Louiscnthal. Unter 
den schmetternden IGängen zwcicr 111 usikcorps set.zte sich 
der Zug in Bewegung. Voran ritten zwei Jockeys in rot- 
seidenen Jacken mit roten Kappen, blaucn Schärpen und 
weissledernen Beinkleidern, auf der linken Aehf:;cl farbige 
Schleifcn. Dann folgte der ersto :l\imdkwagen, gesehniack- 
voll durch blau-weisf:;-rote Decorationen in einen carrus 
navalis verwandelt, mit bf'kriinzten Fahnenstangen geziert, 
von denen klci.ne blau-weiss-rotc Wimpel wchtcn, während 
die Rückwand des Getiihrts unser Wappen zeigte. Dicsem 
von vicr starken Rossen gezogenen 'Vagl'nschiff folgten 
f:;ieben berittene Studcnton, um das npuf' }
estbanner ge- 
sdmartj voran Pohl llnd de la Chaux, in der Mitte der 
BanncrtrÜger v. Groddeck, zu dessen Seiten R. Sclnnid t
		

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			., 


39 


und Nickel] mit gezogen eIl Hiebern, zum Sehluss Leh- 
mann und Axt 1. In zwei vierspännigen Extraposten, 
auf dercn Dock je cin galonnierter Jiiger Platz geuommen 
hatte) folgten die Studentenentreprise und die Senioren, und 
hieran schlos:,;en sich 45 zweispännige Equipagen. E:,; 
folgte ('in zweiter Musikwagen, ebenso geschmÜckt wie der 
erste. Ihm folgtcn zwei berittene Studenten Kahnert und 
L. Schmidt und wieder 45 zweispännige Equipagen, in 
Summa 94 Gefährte. Den öchlllSS machten zwei Jockeys. 
Der Zug, welcher um der Musik willen nur im l)arade- 
schritt durch die Stadt fahren konnte, war so lang, dass 
als die ersten Wagen nach der Fahrt über den Hof des 
alten AllJertinums wieder nach der Kneiphöfschen Lang- 
gasse kamen, die letzten Wagen noch nicht in die :Fleisch- 
bänkenstrasse eingefahren waren, so dass die ersten Wagen 
den zehn letzten vorüberfuhren. - Die Festteilnehmer 
hatten zumeist paarweise in den 'Vagen Platz genommen. 
Die ältl'sten Mitglieder hatten sich von der Fahrt nicht 
ausgeschlossen, alle pietätvoll geschmÜckt mit der blau- 
weiss-roten Mütze uder minde:stens mit dem Farbenband; auf 
ihren UeHichtel'll, in dl'nen das Leben manche Furche ge- 
zogen, lag j('tzt der verjüngende Sunnenschein der Er- 
innerung und der FeHtfreude. Dazwischen die aufstrebende 
Jugcnd, beglÜckt, mit den Vätern, dm AngehÖrigen weit- 
znrÜddiegender Stndclltellgenerationen lLm dasselbe Banner 
geschaart, das schöne Erinnerungsfest begehen zu können. 
Dem Stifter Rü 11 samen saS8en mit gezogenem Sehläger 
zwei Burschen gegenÜber; auch der :Fuchsmajor Kühne, 
desHl'n Hanpt der Dreimaster mit blau-weiss-roten Federn 
sehmÜekte und Uln dessen BrlLst sich ein mächtiges 'rrinkhorn 
wand, erfreute sich der Auszcichnung, von zwei Renommier- 
füchsen begleitet zu werden. 
Besondero Aufmerksamkeit elTegte ein nicht ganz junger 
Philister, der sich seine Studentenpfeife mitgebracht und 
ruhig schmauchend dem mit gezogenem Schläger ihm 
gegcnÜbersitzcndell Fuchs winkte, wenn er es für gut hielt, 


-
		

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			40 


den Beifallsrufen der Mel1ge seinen Dank darzubringen. 
In einer der letzten Equipagen sass gravitätisch im Fonds 
in Gesellschaft zweier seiner Herren, die den RÜcksitz ein- 
genommen hatten, der CorpRhund Roland, ein schöner 
schwarzer Neufundländer, dessen vorschriftsmässiger Maul- 
korb mit blau-weiss-roten Schleifen geziert war. Seine 
beiden Collegen, der Bernhardiner Cäsar und der kleine 
:l\Iops SeImurr , hatten sich leider von der Partie ausge- 
schlossen. - Einc dicht gedriingte Menschenmenge auf 
den Strassen und an den 
'enstern folgte mit sichtlicher 
Teilnahme dem glänzenden Schauspiel; von schönen Händen 
flogen Blumensträusse auf die Reiter und die Insassen der 
Wagen herab; froher Zuruf ertönte allenthalben und die 
glänzenden Augen holder Frauen und lieblicher Mädchen 
winkten manch' freundlichen Gruss. Auch vielfacher be- 
sonderer Aufmcrksamkcit hatten wir uns zu erfreuen. Der 
Secretär des geheimen Archivs, Herr August 'Vittieh, 
ein liebcr Freund vieler lIlasuren, hatte dem Carzer des 
alten Albertinums ein Festkleid angelegt. Das mittlere Fenster 
trug einen grossen, dasselbe vollstiindig deckendcn Schild 
in blau-weiss-rot; die beiden Fenster zur Seite je drei 
kleine Schilde: Borussen (weiss-schwarz-weiss), Balten (blal1- 
weiss-blau), Schotten (blan-schwarz-hlau) an dem einen 
und an dem andern Fenster: Littauer (grün-weiss-rot), 
Normannen (hellblau-gold-schwarz) lind die neueren Baltcn 
(weis
-hellblau-schwarz-weiss), als die Farben der aIten 
Künigsberger Landsmannschaftcn, deren Mitglieder einst- 
mals da oben Mu
:,;o fanden, Übcr die Beschwerden des 
Studiums, des Fechtbodens und der Kneipe nachzudC'nken. 
Ein miichtiges Schild mit der Aufschrift »zur schlechtm 
Herberge« war zwischen den Fenstern des zweiten und 
dritten Stockes befestigt und der Kranz um 9C'n steinernen 
Alhcrtus prangte in unseren Farben, Auf dcm Gesecus- 
platze crcdenzte HC'IT Bernhard Ehlers, Inhaber der 
wohlrenommirtel1 Weinhalldlung von C. B. Ehlers, den 
unter der Hitze des 'ragcs lcidenden Conunilitonen in 


J. 


... 


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			41 


J. 


gigantischen Römern einen Ehrentrnnk köstlichen Rüdes- 
heimers. Auf dem Rossgarten und Steindamm begrüssten 
dcn Festzug einige Häuser in blau-weiss-rotem Flaggen- 
schmuck. FÜr diese liebenswürdigen Beweise frcundlicher 
Gesinnung nochmals den herzlichsten Dank! 
Als der Zug die Hufen passiert hatte, wurde der Pm'ade- 
schritt in einen scharfen Trab verwandelt, der besonders 
den Reitern die erwünschte Gelegenheit hot, sich in ihrer 
ganzen Geschicklichkeit zu zeigen. Der Ringchaussee folgen(1, 
die zu benutzen die Festungshaudirectioll freundlichst ge- 

tattet hatte, gelangte der Zug nach 5 Uhr in Louisenthal 
an, von dem Besitzer des herrliclwn Purkps, Herru 
Schmidtke, in alter Anhiinglichkeit am Eingange erwartet. 
An blumengeschmückten Tischen, die im Halbkreis auf- 
gestellt waren, wurde der Kaffee eingenommen, und dm'eh 
den cdlen Gerstensaft die durstigen Kehlen orquickt. Der 
Aufenthalt in Loui:,;enthal, dem schönstm Orte in der Um- 
gegend Königsbergs, kounte leider nur zwei kurze Stunden 
währen. Nach 7 1 /2 Uhr langte der Zug in tadelloser Ord- 
nung untcr fröhlichen l\iusikkliingen Über den Steindamlll 
lind KönigKgarten den \Veg nehmend vor dpr Bürger- 
Ressollrce an. Hatte der Zug schon bei dem jetzigen 
Arrangemcnt sich des besten Lobes zu elfl'euen gehabt, 
so wäre die Grm;sartigkeit desselben IJl'rleutend vermehrt 
worden, wenn die Absicht des Comites hätte durchgeführt 
werden können, die 1\Iusi]' beritten zu lllachen. Das Comito 
hatte sich zu diesem Zwecke an die Hegimentscomman- 
doure des hiesigen Feld-Artillerie-Regiments No. 1 und des 
KÜrassier-Regiments Graf Wr3l1gel mit der Bitte gewandt, 
die Mitglieder der 'l'rompetereorps, in Wallen stein tracht 
gckleidet, beritten an dem Zuge teihll'hmen lassen zu 
wollen. Die Herren Commandel1re boider Hegimcntel' 
hatten auch ihrerseits bereitwillig dicse Oenrhmigl1ng dazu 
erteilt, diese Genehmigung aber von der Zm,timlllung des 
königlichen General-Commandos abhiingig gemacht. Das 
königl General-Commando erklärte »zu :,;einem Bedauern 


.
		

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			42 


ausser Stande zu sein, diese Zustimmul1gserklärung ab- 
zugeben, da eine derartige Verwendung von Militär-Dienst- 
pfenlen sich mit den geltenden Principien nicht vereinigen 
lasse«. Auf den Rat des Comites wandte sich nUll das 
Corps als solches an seine kaiserlichC' und königliche Hoheit 
den Kronprinzen als Rector magnificentissimus der Alber- 
tina, indem es, die Berechtigung des von dem kÖnigl. 
General-Commalldu crteilten abschlÜgigen Bescheids rÜck- 
haltlos anerkennend, dennoch meinte, dass wohl kl'ine 
Regel ohne Ausnahme sei und hervorhob, dass in Brcslau 
und Bonn bei ähnlichen Gelegenheiten die 1IiilitiirbehÖrde 
die erbetene Genehmigung nicl1t versagt habe. 
»Zürnen .Euer kaiser!. und kÖnig!. Hol1eit llns des- 
halb nicht, wC'nn wir zu dC'1ll letzten und eim:igen 
Mittel grei.fen, von welchem wir uns Erfolg ver- 
sprechen dÜrfen; das lebhafte Interesse, welches Euer 
kaiserl. und königl, Hoheit stets den Universitäten 
und ihren Vl'rbindungen zugewendet und welches 
ja auch 110('h im vorigen Jahre hier einen so er- 
hebendl'n Ausdruck gefunden hat, lässt uns hoffen, 
dass wir Vel'zeihung erhaltcn, wenn wir hied urch 
Allergehorsamst bitten, Euer kaiserl. und königl. 
Hoheit woUen AUergnädigst das von uns dem königl. 
General-Commando vorgetragene Gesuch der Unter- 
stÜtzung für wÜrdig erachten und danach in Gnaden 
die geeigneten lIIassnahmen t.reffen.« 
Auf dies Gesuch erhielt das Corps den Allerhöcl1:,;ten 
Bescheid: 
»dass Seine kaiscrl. und königL Hoheit zu HÖchst- 
ihrem Bedauern nicht in der Lage sind, auf Aufhebung 
oder Abiinderung des im dienstlichen Interesse von 
dem königl. Gencral-Commallllo in dieser Angelegen- 
heit erteiltcn abschlägigen Bescheides einen Einfluss 
ausüben zu könncn.«
		

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			. 


,. 



 


43 


V. 
Der Commerce. 


. 
Glf'ich nach der RÜekkeltr aus Louisenthltl. begann im 
g-roRsell Saale der BÜrger-ReRsource die Authihrung eines 
TheaterstÜcke:" l\fa
uren im Career«. Der Zutritt zu der 
Aufführung war allen Familienangehörigen dor Masuren 
gestattet, dic von der Einlachmg RO l'pichlichon Gebrauch 
gemacht hatten, dass der Saal bei unserer Ankunft aus 
LouisentllaI fast bis auf den letzten Platz gefüllt war. Mit 
lebhafter ]l'eude erfüllte uns die Anwesenheit der statt- 
lichen Zahl yon Damen, die teilweise aUR (kn fernsten 
'Vinkcln unserer Heimat hergeeilt waren, um ihn' Sympa- 
thien für die 
fasovia zu bplmnden. 
Die agierenden Aet.eurs und Actriceu, die StudioRen 
Schulze, Hassenstein, Beckhel'I'n, Kemke und v. Grod- 
deI' k, führten ihre Rollen mit Geschick und Gewandthf'it 
durch; mUlH'ntlich erwarb sich v. Groddeck, dcr einen 
der Flasche allzu sehr ergebenell Schreiber darRteIlte, dnrch 
seine drastilSche Komik deu Beifall des wrsammelten 
Publicums. Dt'r \Vahrhcit gemäss aber muss zugestanden 
werden, daRs der Verfasser durch dieses Stüd( nicht den 
Erwartungen entsprach, die man nach frÜheren Leistungen 
an ihn zu stellen berechtigt war. 
Nachdem ein Souper eingenommen war, begann um 
12 Uhr der Festcommerce. Wie bci aUen grüsscrcn Pest- 
('ommercen hatte die MaHovia sich auch diesmal der An- 
wesenheit vieler Damen zu erfreuf'n. Gegen vierhundert 
Vertreterinnen des schönen Gcschlechtes, auf der BÜhne, 
den Galerien und im Saalo velteilt, wohnten der erheben- 
den Feier bei und verliellC'n durch ihre Anwesenheit dem 
Fest eine besondere Weihe. Der Comll1en'e wurde in 
kalten "\Veinhowlen geft'iert und znr :Ehre des Tages eine 
Cigarre »Plor de Masovia« herumgereicht. Nach dem 
Gaudeamus« hielt der erste Senior Sobolewski folgende 
Ansprachc:
		

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Commilitonen ! 
Von nah und fern seid ihr erschienen, nm in Gemein- 
schaft mit uns ein Jubelfest zu feiern, wie es für einen 
. 
Masuren kaum herrlicher gedacht werden kann. Gilt es 
doch das fünfzigjährige Bestehen unserer teuern Masovia, 
derm] Band uns Alle in }'reundschaft und Brüderlichkeit 
umschlingt, heute festlich zu begehen. Der Bund, zu dem 
sie uns vereinigt, ist kein vorübergehender, kein solcher, 
der nur für die kurze Dauer des akademischen Lebens ge- 
schlossen ist und sieh später von selbst löst, sondern er 
ist ein Bunl1 fürs ganze Leben. Das beweist uns die 
grosse Anzahl der Teilnehmer an l1em heutigen Feste, 
Sie sind erschienen, die vor fünfzig Jahren den Grund- 
stein zu dem Bau legtcn, der sich seitdem, stctig wachsend, 
erweitert hat und jetzt stolz und mächtig dasteht. Als ein!' 
ptlPgestätte echt deutschen Studententums, strenger Ehren- 
haftigkeit, brüderlicher Innigkeit und Freundestreue, riefen 
sie die l\fasovia, ins Leben und I1cnselben Pl'incipien treu 
zu bleiben ist stets rlas Bestreben der späteren Gcne- 
rationcn gewesen. 
Sie alle sehen wir heut in unsrer Mitte, die einst mit 
Stolz das blau-weiss-rote Band getragcn haben; nicht 
Berufsgeschiifte haben sie von der Teilnahme an dem 
heutigen :Feste zurückzuhalten vermuC'ht, nicht hat vorge- 
schrittenes Alter sie VOll den BesC'hwerlichkeiten einer weiten 
Reisc zurückschrecken können, um selbst zu sehen, üb der 
Geist, der sie einst beseelte, auch jetzt noch in der l\fasovia 
heITscht. Freude strahlt aus den Augen allcl'; _Freude 
darÜber, ihren heissesten Wunsch, Rm fÜnfzigjährigen Stif- 
tungsfeste teilnehmen zu künnen, erfüllt zu sehcn; Preude 
darÜber, manch lang entbehrten, treuen Jugendfreund ans 
treuc Herz zu drücken und mit ihm in der Erinnerung 
an die froh verlebten J ahrc dcr vcrflussenen Studentenzeit 
zu schwelgen. 
Und wir Activen, habcn wir nicht erst recht Ver- 
anlassung, mit Stolz unu Freude an dicsem !i'este teilzu- 


.
		

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nehmon? Als Jünglingen, in der schönsten Zeit unseres 
Lebens, ist es uns vergönnt, mit den Männern mitzujubeln, 
die uns unsere Masovia als eine Stiitte dcr Ehrcnhaftigkeit 
und des Frohsinns schufon und erhielten. Als eine solche 
ist sie uns übergeben, und unser grösstes Bestreben muss 
es sein, sie so den kommenden Geschlechtern zu überliefern. 
Ihr, liebe Philister, dürft, glaube ich, mit Genugthuung 
auf Euer Werk horabblicken. Fünfzig Jahre sind vcr- 
gangen, 50 Active zählt das Corps, und dass es so lange 
bestanden und so lange Stürme und Hindernisse, dic sich 
ihm in den Weg stellten, überwunden hat, ist uns ein 
Beweis dafür, dass es ein Bau ist, fest und solid, dessen 
Bestehen noch für lange Zeiten gesichert ist. Und so 
fordere ich Euch denn auf, auf dus ewige Blühen und 
Gedeihen der Masovia oinon Salamander, in Gestalt unserer 
Ganzen, zu reiben. Masovia vivat crescat floreat in aeternum! 
Gleich darauf verlas Heinrich folgenden Gruss von 
Ajax Schmidt: »Am 15. Juni, zur vierten Nachmittags- 
stunde, wenn drüben in Europa der Zeiger bereits auf die 
elfte Stunde weist, steht ein alter Masure am atlantischen 
Gestade upd bIingt ein einsames Trankopfer dar. Das erste 
Glas giesst er ins l\ieer. l\iöge der Golfstrom ein Atom 
hinüber ans alte Vaterland tragen - Gruss von cinem 
seiner verschollenen, dankbaren Söhne. 
Das zweite Glas bringt er den alten Freunden der 
Heimat, den Todton wie den Lebenden. 
Das dIitte Glas gilt der l\Iasovia - vivat, crescat, floreat! 
"Dort steht dor alte Zochor, 
Trinkt neue Lebonsglut, 
Und wirft den heil'gell Bochor 
Hinunter in die :Flut." 
Es wurdo dann das von dem Referendltrius C z y g a n 
gedichtete Festlied gesungen: 
Mol.: Vom hoh'n Olymp herab u. s. w. 
Ein uonnerml Hoch sei Dir, Masovia, heutp 
Yon Deinen Sühnen dargebracht,
		

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Ein lloch, daR jubelnd dringet in die Weite, 
Die Herzen höher sclllagen macht. 
Hoch lebe ]\'[asovia in feiStlichcm Glanz, 
Strahlf'nd in goldenem Lorbeerkranz! 


Was uns're Väter einst geschworen hahen: 
"Dir treu zu sein Lis in den Tod," 
Sie hieltcn's, wenn auch Stürme rings Ulngaben 
Df'in stolzes Banner Llau-weiss-rot! 
Wir streben begeistert den VäteI1l nach. 
Stets ])ich zu schirmen vor TTngemaeh. 


Drum wie in .Tugcndkraft vor fünfzig Jahren 
Stehst Unf'rSdliittClt Du noch heut; 
l
in starker li'els im l\ieerc der Gef
lhl'cn, 
gin lIÜtm" deutscher ]\Iiinnlichkeit. 
Troue, Lieh', Unschulcl wob um uns ein RalHl, 
SchÜtzet es, BrÜder, mit Herz und Hand! 


Die alte Treue halt' uns stets umschlungen! 
Die Liebe kett' uns an den Freund! 
Die Unschuld wen1' von Tücke nie bezwungen! 
Dann sind untrennbar wir vereint. 
Heil Dir l\iasovia! in Freude und Leid 
Dauerst Du fort dann in Ewigkeit! 


Und perlt im Aug' Dir eine bittre Thriine, 
Denkst Deiner Tollten Du mit Schmerz, 
So fasse Trost! denn wisse, Df'inc Söhne, 
Sie leben in der BrÜdor Horz. 
Trauernd wÜnschen wir ]<'riede hinah 
In unsrer Brüder stilles GraL. 


Doch wenn auch wir zur Ruhe einst getragen, 
Dem Sarg geseJunückt mit Llau-weiss-rot, 
So wird von uns ein Jf'del' mül>sen sagen: 
"EI' war getreu bis in den 'Tod 
Dem Eide, den Cl' als JÜngling einst schwur, 
Immer zu sein ein bravor Masur!" 


r 


Darauf erhob sich uer Philister Pianka zu folgender 
Hode:
		

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Commilitionen! 
Und zu Euch, Ihr Coätane:n aus dem ersten Decennium 
df's Bestehens der LaIH]mannsC'haft Masovia, wende ich mich 
zuerst. "\Velche Freude war und ist es für uns, nach W- 
und mellljäbriger Trennung uns unter dem blau-weiss-roten 
Banner in diesen 'ragen zu begrüssen und wiederzusehen. 
Welche ]1'reude! Wir damals bl Übende .Jünglinge, heute 
das Haar gebleicht und das Antlitz von Furchen durch- 
zogen! Freilich vermisscn wir mancllPn braven Burschen 
jener Zeit, mancher wird vom Rasen bedeckt, und ich füge 
zu den Namen, welche der verehrte Festredner von gestern 
genannt hat, noch hinzu: Adolph Bergenroth, Hahll- 
rieder, Conschell, Bodien, N ikolaiski, 1IIoldähnke. 
Gf'denken wir dieser in Pietät! Aber auch von den Le- 
benden ff'hlen noch so manche. Gewiss nur wichtige 
Hindernisse konnten sie zurückhalten, sie sil1rl in Gedanken 
unter uns, haben aber viel, sehr viel versäumt. - 
Nun Ihr, die Ihr die folgcnden 40 Jahre dem Bunde 
angehört babt, Euch haben wir viel zu danken! Ihr 
habt die Landsmannschaft resp. das Corps beschirmt vor 
allen Fährlichkeiten bis auf die neueHte Zeit und den Geist 
des Bundes treu zu erhalten gesucht. EuC'h haben wir es 
überhaupt zu danken, dass wir dicses solten schöne Fest 
feiern können. Auch von Euren Zeitgenossen sind viele 
zur Ruhü eingegangen. Auch Ihr werdet dieser in 
Pietät gedenken. Und Du, studiosa juventus, die Du ge- 
genwärtig das active Corps ausmachst! Mit prüfendem 
Blicke habt Ihr jungen Burschen uns bemooste Häupter 
angeschaut, uno nun gesehn, was der Zahn der Zeit ver- 
mag. Aber wahrlich ieh sage EUl'h, haltct Euch stramm! 
Euch kann das grosse GlÜck zu Teil werden, das volle 
Säcularfest der Musovia zu feiern. \Venn Ihr dann ebenso 
und noch mehr gealtert wie wir und mit gleich gefurchtem 
Antlitze dasitzen wf'rdet, um das hundertjährige Stiftungs- 
fest der Masovia zu feiern, werdet Ihr ein Rauschen ver- 
llehmeu durch die LÜfte, geisterhaft aber vernehmlich, von 


J-.- 


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allen Manen hcimgegangener l\fasuren, und es wird zu 
:Euren Ohren dringen geisterl1aft der aUe Wahh;pruch: vÜ'at, 
cre:>l'at, floreat Ma:>ovia! 
Ich trinke auf das Wohl des jetzigen Corps, mit dem 
Wunsche, dass es jedem einzelnen Mitgliede desselben ver- 
gönnt sein möge das volle Säcularfest der Masovia zu feiern! 
Naeh dem Bunde:>liede »Wild fluthet der See« toastete 
Superintcndent Schellong-Uletzko auf die active Masovia: 
l\fasuren! 
Verstattet mir ein kurzes Wort im Namen der ehe- 
mals activen Corpsbrüder. 
Wie ist unser Herz so voll der Freude über die fest- 
liche Verbrüderllng, die wir heute begehen! Wir fühlen 
uns zurÜl'kversetzt in jene glücldicl1en Zeiten unseres 
ehemaligen Burschenlebens, wo wir, wie jetzt die jüngere 
Generation, damals auC'h, unbeengt dureh des Lebens Ernst 
und Härte, uns sorglos ganz den Muson weihen durften. 
Von dieser beglüekemlen Erinnerung unzertrennlich ist 
das blau-weiss-rote Band, das uns umsl'hlungeu und uns 
mit denen verbunden, die uns licbe Freunde geworden und 
geblieben sind. DarUIn durchglÜhen uns Dankgefiilile für 
unsere liebe l\{asovia. Aber nicht bloss jene fröhlichen, 
einer freundschaftlichen Geselligkeit gewidmeten Stunden 
sind's, die wir ihr verdankcn, auch nicht blo:>s die erfrischende 
Erinnerung daran, nein, es ist mehr, es ist ein Gewinn für 
unsre ganze spiitere Lebensriehtung, den wir von der l\lasovia 
empfangen haben. Das Dichterwort: »Es bildet ein Charakter 
sich im Stromo der WeU!« fühlten wir in etwas auch an 
uns bewahrheitet, wenn wir, der Vereinsamung der Studier- 
stube entrissen, uns in der civitas Masovia jenem Strömen 
und Ringen der Geister hingaben, das mit einer jedcn sich 
selbst regiCl'enden Gemeinschaft verbunden ist. Da gewann 
der Einzelne an Selbstbeherrschung zum Wohle des Ganzen, 
da erstarkte er an l\lannhaftigkeit im Geisteskampfe für jede 
erstrebte Yerbesserullg, da wuchs er an Gemeinsinn, mit 
Allcll darin eins, das Wohl der Gesammtheit zu heben, der
		

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			--. 


49 


Masovia Ehre zu schützen, ihren Glanz zu erhöhen. Und 
schiedcn wir aus ihrer Mitte vielleicht mit dem Wunsche, 
es möchtc dasjenige, was uns zu bcsscrn l1icht gelungen, 
durch spätcre Generationen vervollkommnet werden, - 
schen wir das nicht zu unserer Freude mfüllt? Rege- 
neriert st('ht die 
lasoyia yur uns. Auch f'chwierige, ja 
gefahrvolle l\)rioden in den verflossenen 100 Semestern sind 
glücklich überwundf'n. Die :Formen der älteren Burschen- 
zeit finden wir zum grossen Teil zwar nicht mehl' vor, 
aber mit Zuversicht blickcn wir auf das junge Geschlecht, 
uas unsere alte hlau-weiss-rote Fahne in rühmlichem Glanze 
trägt und späteren Generationen entgegenträgt. 
Ja, Ihr jungen Burschen, in ucren 
Iitte wir uns so 
wohl fiihlcn, wir sagen Euch unsern warmen 
fannesdank 
fÜr Eure treue Wacht am altehrwürdigen Banncr! An 
Euch haftet scine fernere Zukunft, auf Euch rechnen wir 
getrost. Aus voll('m Herzen bringen wir Euch dies Glas 
mit dem Rufe: 
Die junge, die sich immer verjüngendc 1tfasovia 
lebc huch, hoch, hoch! 


Es folgte der Gesang des zweitcn, von dem krassen 
Fuchs Elmenthaler gedichteten Festliedes: 


Md.: Frisch auf. Kameraden, aufs Pferd ete. 
J-Iprbpi, Ihr Masllrf'n, nun allzumal, 
Hel'hpi aus dps Vaterlands Gauen, 
Um heute im festlich gesehm.Üekten S
al 
Euch neu mit 1\1asovia zu trauen, 
Die heute strahlet in giÜdenem Kranz 
Und Euch sich schmücket mit herrlichem Glanz! 


Sie pranget noch heut' in so stolzer Kraft 
Wie vor fünfzig vel'flossenpn J ahl'en; 
Drum müge ]\[assovia's BrUderschaft 
Um's alte Banner sich sclmaren: 
Hoch auf Du Banner hlau-weiss-rot! 
])iJ: schwüren wir Lieb' und Treu' bis zum Tod! 
4
		

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			1)0 


Wir schwören zu halten den hciligen Eid, 
.Wie trcu unsrc Väter es thaten! 
Drum blühst Du, Uasovia, zur Lust uns unll }<'reud'. 
Kannst fremder Hilfe entraten. 
Steh' mutig nur ein für Ehrp uUll Recht, 
So wurzelst Du fest wie der Eichen Geschlecht! 


FÜr Ehrc, für Recht, fÜr Unschuld uml Treu' 
Hast stcts Du, :M.asovia, gerungcn; 
Drum hast Du, in alter SHirke stets neu, 
Selbst mächtige Gegner bezwungen, 
0, lass es bleiben, wie stets es war, 
So blÜhest und grÜnest Du immerdar. 
Und perlen im Auge auch Thränen Dir 
Bei der toten Söhne Gedenken: 
Sei stolz! sie gereichten stets Dir zur Zier, 
Nie brauchtest den Blick Du zu senken. 
Auch uns, ob grau unser Haar, ob uraun, 
Sollst brav und getreu Du stets ilulPn gleich sphaun, 
o schau', wie ldihn Dein Banner wC'ht, 
IVI:asovia, Du traute, Du hehrc! 
So fest Deiner Söhne Bund hC'ute 
kht, 
'Vie Felsen im toscnllen Mp('fc! 
Klingt an drulIl, Brüder, voll Stolz und Frcud': 
Hoch lcbe Masovia in Ewig}wit. 
Superintendcnt Siemienowski -Lyek gedachtc der 
verstorbenen Commilitonen mit fÖ]gendcn VI orten: 
Wie eil1 Prühlingstag, getaucht in lauter Licht und 
Freude, hat dies J ubelt'est seine Thore geöffnet, zu welchen 
wir in gehobener Stimmung eingezogen. Denn es ist ge- 
weihter Boden, auf dem unsere 
'üsse stehen. Hier ragt 
das Heiligtum auf, wo unser geistiges Strcben seine VI eihen 
empfangen; hier ist die St.ättc unseres edelsten J llgend- 
traumes, dessen Erinnerungen mit Zaubermacht unscre 
Seele durchziehen; hier steht der stolze Bau, dessen schönes 
und sinnreiches \Vahrzeichen das lJlau-weiss-rote Band ist; 
der Bau, weleIwr ein halbes .J ahrhundert der Pflege ort 
selbstloser li'reundschaft und Charakter bildendcr Gemcin- 
schaft gewesen. Ein reicher grosser Kranz, dun:htluehten
		

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			[ 


- 


51 


mit frischen Lebensblüten, mit vollen reifen Aehren und 
welkendem Laube: so stehen wir hier - ein feiernder 
Chur von Jiinglingen, :M:ännern und Greisen, umwoben von 
der Güte unseres Gottes, ein lebendiger Dankp8alm für die 
erfahrenen Segnungen und für die Behütung bis in diese 
Stunde! Aber in unsere Feierklänge mischt sich die Klage 
um Alle, welche einst mit uns unter dem einen Panier 
dieselben 1,Vege gezogen, und deren Gebeine jetzt in ihrcn 
Kammern ruhen. Edle Menschen, treue Freunde, bewährt 
in dcr Arbeit und in dem Kampfe des Lebcns - tragen sie 
die Krone des 1] eberwinders, und der Glaube weht auch 
ihnen das Auferstehllngskleid. Uns aber ergreift es mit 
tiefer 'Vehmut, wenn das Bild ihres Scheidens vor unser 
Auge tritt. Hier ist dem Greise nach einem wechselvollen 
Leben der Stab aus der müden Hand gcfallen; dort ist der 
"Jüngling, der Stolz des Vaters, das Herzblatt der Mutter, 
inmitten seiner Entwürfe für die Zukunft aus dem blÜhen- 
den Lebon gerissen; hier sind die höchsten Güter des 
Lebens der Preis gewesen, um welchen die Heldcn für 
König und Vaterland sterbcnd gerungen; dort ist der 
Vater, der Hort seines Hauses, der FÜhrcr seiner Kinder, 
aus den Armen des Weibes und der Kinder vom Tode 
hinweggefÜhrt. Noch bluten die 1,Vunden, noch weint das 
Auge. 'ViI' aber legen auf ihr Grab den Immortellenkranz 
der li'reundschaft und weiben ihnen und ihrem Gedächt- 
nisse dies stille Glas. Requieseant in pace! 
Im Ansehlu8s bieran überreichte das Comit6 dem 
Corps ein Geschenk der Schwester unscrs Rm 30. April 
1837 auf dur MensUl' gefallenen Bruders Otto Bertram. 
Am Tage vor seinem Tude hatte er von 8einen .Freunden 
Saleckor, Käther und Meitzen eine Pfeife dediziert 
erhalten, sie aber nicht mehr benutzen können; heute 
geht dieselbe in den Besitz der Masovia Über. 
"Was einst dem Bruder teuer und wert, 
Sei nun der lieben Ma80via verehrt. 
Sollten jene Füchse am Leben noch sein, 
.Wenn auch mit Wehmut, es sollte mich fl'eun." 
4.
		

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			52 


:Möge dic traute :Masovia dies lange bewahrte An- 
denken freundlich entgegen nehmen. 
Wilhelmine Bertram. 
FÜr die besten Festlieder hatte das Comit(. Ehren- 
preise ausgesetzt, welche den Dichtern der vorgedruckten 
Lieder, Czygan und Elmenthaler, zugesprochen und 
ihnen während des Commerses mit anerkennendcn Worten 
eingehändigt wurdcn. Erstcrcr erhielt ein geschliffenes 
Seidel mit reichem Silberbeschlag und dem gemalten 
Wappen auf dem Deckel mit der Inschrift: ".PoCtae lau- 
reato«; Elmenthaler ein Bierscrvice, bestehend aus einer 
l3ierkanne nebst vier Gläsern; die Bierkanne trug die 
Inschrift: "Heil dem Sänger!« Der junge Dichter hat einige 
Tage l1achher dem Comite nachfulgenden poetischen Dank 
eingereicht: 
Damit dereinst der krasse Fuehs erfahre, 
Wie gut auf einsam still!'r Pfarre 
Mit flottem Skat die Zeit sich kÜrze; 
Hat's Comite in Anbetracht, 
Dass, sehon von Alters hergpnracht, 
Zum Lax gehÜrt des Bierps .WÜrze, 
Ihm Kann' und Gläser dediziert 
Mit Skatenhlumen ausstaffiert: 


. 


Hopfen, der den Rierstoff giebt, 
Schmückt der Kanne Deckel, 
Karten wie der Bursch sie liebt, 
Deutsche, ihren Teller; 
Deutsche Karten siehst du auch 
An der Kanne prangen 
Uml der ganzen Kanne Rund 
Hopfen hält umfangen. 
"Heil dem Sänger" tönt ihr Glas, 
Klingst du an, dir wider; 
Unu Masovia's Zirkel solu.ieb 
Drauf der Künstler nieder. 


. 


Jahreszahl und Datum mahnet, 
Fuchsiein, dich der Stunde, 
Als zuerst, mit Wein gefüllt,
		

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			53 


. 
I 


Du sie führt'st zum l\huule. - 
StOSHt nun mit den Gläsern an! 
Wie das klingt und tiinet! 
"Raus den Alten" dieses ruft, 
"HüehC'r, Peter" jenes höhnet, 
"Kann nicht besser" s' dritte klagt, 
"Mein letzter futsch" ruft bang das vierte, 
Wie ein matter Spieler tlmt, 
Der bedienend lang sich zierte. - 
Seht nun das Geschenk Euch an! 
Stark und doch 80 zierlich! 
Seht! wie schäumt das Bier so hell 
In der Kanne, wie verführhch! 
Fiillet schnell die Gläser voll! 
'rrinkt sie aus in flottem Zuge! 
Und, ihr Lüfte, tragt dies Wort 
Fort in raschem FInge: 
,.Heil :Masovia! Heil blüh' dir 
Noch in spätsten Jahren! 
Treue will der krasse Fuchs 
Dir als Greis noch wahren! 
Dein Geschenk soll folgen ihm 
Auf Llie stille Pfane! 
Stirbt er, BrÜder, legt es dann 
Zn ihm auf die Bahre!" 
Der :Frauen und Jungfrauen gedachte Kotowski in 
folgender Rede: 
Wenn wir in diesen Tagen sehen, Commilitonen, wie 
die alten Häuser sieh jung baden Ül dem Qudl der Erinne- 
rung, wie sie hinabtauchen in den Strudel der 
'e
tfreude, 
uml oft die ältesten gerade als die rÜstigsten Taucher sich 
bewähren, so überrascht uns das nicht. 'Venn dem Fuchs- 
major mit seinem Humor auch der alte Professor nicht 
Stand hält, sondern die anzüglichsten Bemerkungen mit 
verständnissvollem Kopfnicken aufnimmt und seine unge- 
gründete Voreingenommenheit gegen Flor de 
Iasovia und 
Bier vom Fass allem Anschein nach ablegt - so freuen 
wir uns darüber, - aber das Gegenteil wÜrde uns befrem- 
den. Vf 0 wäre auch jemand so tischblütig, dass dip Rtrahlen 
der Liebe, der innigsten BrÜderlichkoit ihn nicht zu erwär- 



 


-
		

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			54 


men vermöchten - und so trockel1, dass er dem feuchten 
Genius eines 50jährigen Stiftungsfestes widerstehen könnte. 
Das alles beweist nichts: klein dürfte darum unter 	
			

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			55 


Drum blüllC' rÜstig weiter fort 
Trotz deiner fünfzig Jahre. 
'Vir rufen hier vereint' am Ort 
Und Audere in der Fm:ne 
Ein: Crescat, Vivat, Floreat! 
J edwedem RÜckschritt pereat! 
Das freie .Wort, es lebe! 



 


Auf manchen Vater kOlUmt der Sohn, 
Und mancher Neffe folgt rlem Ohm; 
Sie alle herzlich 7.U eml)fangen, 
Sei stets dein imH'rstes Verlangen, 
Erhalt' sie rÜstig bis zum Tod 
Mit Gerstensaft und geist'gem Brüd 
Zu aller Mensehen FreUlle. 


Wird ihnen auch kein Lorbeerreis 
Als Selllnnck ums Haupt geflochten, 
Dann sei auch stolz, wer ohne Preis 
Der Freunde Dank erfochten. 
Ihm winkt als Siegeskrone 
Der Palmenzweig zum Lohne 
Da (h"oben in den lichten Hüh'n. 


Und ihr, die ihr so glücklich seid, 
Dpr Sonne Licht zu schauen, 
Bleiht brav um} recht, seid stets bereit 
Auf Gott dpn Herrn zu bauen, 
Er hält ja Eure Fahn' allein 
Von Schimpf und jedem Makel rein 
Für jetzt und ewige Zeiten. 


. 


Commilitunen! 


Eiu Stachel wär's fÜr edlere Gemüter 
FÜr solche Gunst nieht wÜrd'gen Dank zu 7.011en; 
Drum ripf auch ich der Dichtkunst heilige Hüter, 
Ich rief Ilie 
1usell, flehte zu Apollen, 
Allein der Dichtung Kranz. ich fürcht', nie ulüht er 
A-Llf n1f'inem Haupt, die Gütter grolkn, 
So fiihlt' ich baltl, ich müss' ps mir versagen, 
Masovias Dank in Reimen aU7.utragen.
		

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			56 


Bis aato hatt' ich Verse nie geschrieben, 
Vergeb'ne MÜh' urum, etwas auszuklügeln; 
Von nagencler Verzweiflung umgetrieben 
Irrt' ich in Feldem, Wiildem, Hügeln, 
Als wollt', ein Dreiss'ger! ich noch einmal lieben; 
Doch meinem Pegasus gebrachs an .Flügeln. 
Die :MÜh',
 die ich mir gab, war heidenmiissig, 
Allein Octaven sinu zu reimgcfrässig. 


Sind's nicht Octaven, gut, so sind's Terzinen! 
Doch auch mit iliesen kann ich nicht aufwarten, 
Das einzige, womit Masuren diellfHl, 
Sind: hohe, tiefe und uurchzogne Quarten. 


Aber doch nicht den Damen! höre ich rufen. Das 
gcht in der That nicht, ebensowenig wic mit dem Dichtcn! 
Und bedarf es denn dessen? Sollte nicht ein schlichtes, 
gut gemeintes Wort eine gute Statt finden. Sichcrlich! 
Und somit denn Dank Ihnen aUen, meine verehrten Damen, 
für Ihr Erscheinen, innigsten Dank für die Teilnahme, die 
Sie uns heute beweisen und je bewiesen haben. Ihr aber, 
Commilitonen, ergreift Eure Gläser und stimmt ein in den 
Ruf: Die verehrten Damen, sie leben hoch! hoch! ho{'h! 
Auch der Fuchsmajor durfte es beim Commerce 
nicht an sich fehlen lassen. Auf dem Tische stehend, 
gestiitzt auf den Hieber, redete er also: 
Füchse! :Ein seltenes :Ereigniss ist es, wenn der 
50ste Geburtstag einer Dame von einer nach Hundcrtcn 
zählenuen Anzahl von Herrcn: Grcisen,l\ränncrn und Jüng- 
lingcn durch ein Trinkgelage gefeicrt wird. Uneingeweiht 
mÜsste man natürlich darÜber staunen, wenn man os 
härte, und man würue sich dieses Problem zu lösen bc- 
mÜh'n. Zu welchen Erwägungen würde man aber dabei 
wohl kommen? Der erste und ja ganz sehlauo Gedanke 
wiiro dann jcdenfalls der: »die Herrcn stehen in gewissor 
Beziehung zu der Damo!« Doch wio darf man die so Be- 
ziehung wohl doutcn? Solltcn es etwa Verehrer der Dame sein? 
- :Ein grosses Wunder ist es zwar nicht, dass eine DanH' 


.
		

/Pomorze_027_11_059_0001.djvu

			57 


auch mehrere Ven'; rer hat, und es wÜrde viellcicht auch 
dem \Vun::;che mancher Dame entsprechen, - doch eine der- 
artige ]\Ienge ist wohl etwas Unglanhliches. Ahgesehen 
aber auch von diesem Bedcnken wird man doch wohl nicht 
annehmen können, dass die Vorehrung eine so selbstlose sei, 
dass unter den Verehrern nicht nnr keine Eifersucht zu 
Tage tritt, sondern dass sie vielmehr in harmonischer Ein- 
tracht an einer Tafel sitzend auf das Wohl ihrer Verehrten 
die Gläser leeren. 


J\Iit den Verehrel'll ist es also nichts, müsste man 
sich sagen, Sollten es nun etwa alles SÖhne der Dame 
sein? - Duch dic::;es ist noch unglaublicher als das, dass 
es Verehrer sind. Man erziihlt allcrdings von den alten 
Heiden, dass bei ihncn ein hoch angesehener l\!anl1, Aegyptus 
mit Namcn, sein Ansehen noch dadurch erhöhte, dass er 
50 Söhne hatte. Dieses sind abcr nur 50 und nicht etwa 
250, wie es hier der Fall ist. Diese Vermutung kann 
also auch nicht richtig sein. 
Weiter wÜrde man Imn vioUeicht kommen, wenn 
lUan diese beiden Annahmen vereinigen und sagen wiirde, 
dass es Söhne und V crehrcr dieser Dame sind. Durch 
diese Annahme könnte man sich wenigstens das harlUonische 
Beisammensein erklären; denn es kommt ja oft genug 
vor, dass man durch die Kinder die Gunst der li
ltern zu 
erlangen sucht und sie auch oft erreicht. Und so könnte 
es ja auch gekommen sein, dass hier alle Verchrer mit 
den Söhnen der Ersehnten an ihrem Geburtstage zusammen 
trafen, um dcnselhcn in wÜrdiger Wrise zu feiern. Ausser- 
dem aher ist es ja nicht selten der .Fall, dass der Geburts- 
tng gerade df'r 'l'ag ist, an dem man zu einem EntschluKse 
gelangt, einrn neuen Lebensabschnitt heginIll'n will, und 
so könnte ja auch an diesem 'l'age die bc\Vusste Dame ihre 
Wahl trd'fen wollen und ist ja danll auch nichts na- 
tÜrlicher, als dass alle V crehrC'r erschienen sind, denn 
Kchwerlich "iirde wohl ihre Wahl nuf den fallen, der e::;
		

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			58 


nicht einmal der Mühe für wert erachtete, zu diesem 
Aktus zu erscheinen. 
Mit die
er Annahme könnte man sich nun allenfalls 
beruhigen, da mun sich, wie schon vorher gesagt, dadurch 
dieses seltone Ereignis
 wenigstens einigermasscn erklären 
künnto; im Grossen und Ganzon aber würde man sich 
doch wohl sagen, uass diesos seltcne Ereigniss nie ein- 
treffe. Nichts dcstowoniger i
t es eingetroffen; wir alle 
sind os, die wir als Söhne den 51. Geburtstag unserer all- 
verehrton Mutter Masovia fciorn. Gerade was am wenigsten 
anzunehmen war, ist das Richtige. Weder ein Aegyptus 
mit fiO F;iilmen noch oin Danaus mit 50 Töchtern kann 
sich diesol' Familie zur Soite stellen. 
Euch abor, die Ihr dio jÜngsten Söhne der l\Iutter 
l\Iasovia scid, die Ihr die meiste Aussicht habt auch noch 
don 101. Oeburtstaf! dcrselbon zu foiern, fordero ich auf, 
auf das W 0111 derselben, dass ihro Lebonskraft nie erlöschen 
möge, ihre .Familie immer grüsser und grüsser werde, kurz 
auf ein 


Vivat, crescat, floreat Masovia in aeternum 
oinon 
alamandor zu reiben. 
Der Landosvater wurdo mit feierlichem Ernste executiert. 
Untor sechszehn ])riiRidierendon: den Senioren Sobolowski 
und Schellong, ferner Riibsamen, Pianka, Czygan- 
Nicolaiken, Ruhnau, Hoffmann-Rudolstadt, Schellong- 
Olotzko, Nietzki, l\Iiiller-Schwetz, Pilchowski-Tilsit, 
Kob-Lyck, Deutsch, Kapp, Loch-Danzig, Roinbacher 
fand der Commerce um 3 Uhr sein Ende. Die Dan1f'n 
hatten beinahe vollziihlig bis zu dieser spiiton Stunde aus- 
geharrt, ergriffon von dem Ernst dor li'eier. Die BrÜder 
hielt aber ein wahrhaft ideales Wiekbolder Bier bis um 
die Riobonte Morgenstundo zusammen. 
Zur vollständigen Schilderung des :Fcst-Commerses gehört 
auch die Erwähnung der telegraphischon Festgriisse. Wir er- 
hielten solcho von Bandow-Marienwerder, Pagio-Tuchel, 
Nehbel-Noumünster in Holstein (»die herzlichsten Glück-
		

/Pomorze_027_11_061_0001.djvu

			., 


59 


wünsche aus dem meel'Umschlungenen Lande«). 8artorius- 
Leipzig, Fritz Bergenroth-Posen (»Verhindert persönlich 
zu erscheinen, rnfc ich aus der Ferne: schmollis den Commili- 
tonen, vivat l\fm;ovia<
, Zaettrü-Ems, Sehulz-Kulm (<	
			

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			60 


'Vilhelmine Vigouroux.« - Aus Wien rief der Prosector 
an der dortigen Universität, Professor Dr. Zuckerkandl, 
ehemals Bursch eines heute nicht mehr bestehenden Corps, 
der l\fasovia, von deren Jubeltest er durch unsern Loch- 
Danzig gehört hatte, ein »vivat, floreat, crescat« zu. 


VI. 
Fahrt nach Arnau. 


Zu einem }'mnilienfeste im schönsten Sinne des Wortes 
gestaltete sich der 1'ag in ArmHl. Um 2 Uhr verliessen 
drei Dampfböte »Schnell«, »Vorwärts« und Kneiphof« mit 
mehr als 700 Passagieren besetzt und aufs reichste mit 
.Flaggcn. Wimpeln und Guirhmden geschmückt., vom l\fün- 
chcnhof aus dic Stadt. Die 'l'cill1ehmer der Fahrt hatten 
als Legitimation eine Karte mit dem Wappen des Oorps 
erhalten. Die Frl1ge: »wer sol schifmeister sin?« die in 
solchen Fällen schon unsere AJtvordcrn beschäftigte, als 
sie Kaum aus den Biirenhäuten geschlüpft waren (vgl. Dcr 
Nibelunge Not, ed. Lachmann, i3üü, 4), wurde durch die 
Ernennung von Pilchowski-'l'ilsit, Jacobi und Po- 
tschwateck erledigt, die ihres Amtes Pflichten mit voUendeter 
Liebenswürdigkeit erfüllten. Unter den schmetterndcn Fan- 
faren zweier MusikchÜre und dem Klange mUl1tcrer Studen- 
tenlieder ging die }'ahrt schnell von Statten. In Arnau 
von Heinrich empfangen, marschierte man in gcordnetem 
Jl;uge nach dem Park, um zunächst unter dcn uralten 
Eidwn und Buchpn durch Mocca ncbst köstlieIlPm Ge- 
bäck von der Entmprise erquickt zu werden. Alsdann 
führte Rübsamen an der Hand der Frau Oberlehrer 
Heinrich eine Polonaise auf, der sich wohl 300 Paare 
ansehlo!:!sen. Auf der Höhe des Parke!:! bat Rübsamen, 
um ihn einen Kreis zu schliesscu. Als dies l,reschehn, 
sprach er folgcnde herzgewinnenden Worte: U nscr Schiller 
sagt: »Da wo das Strenge mit dem Zarten, wo Starkes sich 
und ?lIilrlcs paarten, da giebt es eincn guten Klang!« Diesen
		

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			- 


" 


I 
I 


""I 


61 


Worten stimmen wir, meine verehrten Damen, heute gewiss 
von ganzem Herzen bei, da Sie durch Ihre Teilnahme die 
Freude unseres Festes erhöhen und verschönern. 
Gott hat den Frauen den allerdings oft recht schweren 
aber auch schönen Bend' gegeben, das Rauhe zu mildern, 
das Unebene auszugleichen, das Streitende zu versöhnen. 
Er hat sie zu Wächtern der Zucht. und Sitte bestellt, ihre 
Liebe aber ist es, die dem Leben des Mannes erst seinen 
Glanz und Wert verleiht, und es verschönert, darum 
sagt Luther mit Recht: »nichts Schöl10res auf Erden als 
Frauenlieb', wem's kann werden!« 
Das haben wir Alle in mannigfacher 'Veise erfahren. 
Wer gedächte l1icht mit der innigsten Dankbarkeit und 
Rührung der J
iebe der l\Iutter, die unsere ersten Schritte 
bewachte und leitete; wer könnte und möchte das ver- 
gessen, dem die Liebe der Gattin in Freud' und Leid zur 
Seite stand und die MÜhen und Sorgen des Lebens er- 
leichterte; und war es denl1 nicht die schönste und seligste 
Zeit. des Lebens, als Herz sich zum Herzen gefunden und 
die junge Liebe in ihrer reichsten Blüte stand! Selbst das 
alte welke Herz schHigt in dcr I
rinnerung daran wärmer 
und jugendlich. Darum aber sil1gen wir alten und jungen 
Bursche auch: »Stosst an, Fraue111ipb' lebe, hurrah hoch! 
wer des '" eibes weiblichen Sinn nicht ehrt, der ist des 
Namens Bursche nicht wert!« 
Darum folgen wir gerne der Aufforderung: . Ehret die 
Frauen, sie flechten und weben himmlische .Freuden in's 
irdischc Lcben.« 
Und so erlaube ich mir denll im Namen unserer 
Verbindung Ihnen, meine verehrten Damen, unsern herz- 
lichsten Dank zu sagen für Ihrc Gegenwart und Teilnahme, 
und mögen Sie es freundlich aufnehmen, wenn ich mir 
erlaube zu dem Dank noch herzliche 'Vünsche auszu- 
sprechen: 
MÖgen Sie, hoehverehrte MÜtter unserer Jugcnd, stets 
Freude haben an Ihrcn wackern Siihnen; mögen Sic, ver-
		

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			62 


C'hrte Frauen, an der Seite Ihres Oatten in seiner Treue 
und Liebe stets das GlÜck Ihres Lebens finden; Sie aber, 
meine jungen Damen, was soll ich Ihnen wün:,;chen ( Ich 
glaube für unsere Jugend, und ich hoffe auch für Sie, wÜrc 
es das SchÖnste, wenn Sie mit Ihrer Liebc einen wackern 
lIIa:,;uren beglücktcn! 
Möge Ihnen allen, mcine verehrten Damen, die Erin- 
npl'lmg an dieses Fest stets eine angenehme und frohe sein, 
mögen Sic dem blau-wciss-roten Bande stets freundlich 
geRinnt bleiben. 
Wir aber, Commilitonen, wollen unsern Dank und 
unsere 'Vünsche zusammenfassen in dem Rufe: Die ver- 
ehrten Damen hoch! 
'Vährencl die älteren Tcilnehmer an der Fahrt sich 
nun in kleineren Kreisen zusammenthaten, alter Zeiten ge- 
dm'hten und die .Freuden dcr vergangenen Tage in mun- 
teren Gespriichen noeh einmal durchlehten; zog es dio 
Jugend auf die verschicdcnen TanzplÜtze. Sehnen verging 
Stunde um 
tunde; schneller als man vermutete, kam der 
Abend und mit ihm die Zcit des Feucrwerks, wclches zum 
grössten Teile gerettet war und hier abgebrannt wurde. 
Das Gaudeamus wurde :im Fusse dcr Anhöhe angestimmt 
und durch Kanonenschläge das Zeichen zur Abfahrt gegeben 
Ulücklich und wohlbehalten langten die drei Dampfer gegen 
zwölf Uhr in der Stadt wieder an. - \Vas diesen Tag, der 
von manehen Festteilnehmern für df'n angenehmsten ge- 
halten wurde, besonders auszeil'hnete, war zunächst der 
feine Takt unserer jungen Burschen, der von allen Seiten 
aufs lobendste hervorgehoben wurde. Kein Missklang störte 
die frohe Stimmung. Und doch war es der vierte _Festtag. 
Dann aber bekundete die Anwesenheit vieler 
'amilien, 
welche zu Wagen nach Arnau herausgekommen waren, die 
Teilnahme, die auch weitere Kreise für unsere 
Iasovia 
hegen, und die ungeschwiicht sich crhalten möge für allc 
Zeiten. Alle crfüllte das Gefühl dcr innigstcn Einheit und 
AUe empfanden, wic die 1\fasovia im Laufe der Zeiten ihro
		

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Verbindungen weit über den Kreis ihrer engeren Zm:am- 
mcngehÜrigkeit ausgebreitet hat. Darin liegt die grosse 
Bedeutung dieses Tages für unsere Verbindung, dl1ss sie 
nicht nur diejenigen hier versammelte, die ihre Farben 
getragen, sondrrn viele liebe Menschen, die ihr sonst nl1 he 
stehen und ihr das lebhafteste Interes
e schenken. Deshalb 
ist dipse Znsammengehörigkeit l1icht nur erfreulich für die 
Gegenwart, sondern es knüpfen sich al1 dieselbe dio 
schönsten Hoffnungen für die Zukunft, dass jeder Musen- 
sohn, der der masurischen Heimat entstammt, auch in der 
Masovia eine zweite, gleich treue Heimat finden werde. 


VII. 
Der Katertag. 
Die Hntreprise hatte wohlweislich den Beginn des 
Katcrfrühstücks auf 12 Uhr festgesetzt, um den Festteil- 
nrhmern Zeit zu lassen, sich gründlich auszuschlat'pn. Um 
die festgesetzte 
tunde nahtpn die :Freunde aber auch in 
Schwärmen und labtpn den angegrifi'enrll Magen an den 
erquickcnden ::ipeisen und Getränken, welche das wohl- 
besetzte Buffet in reichster Auswahl uarbot. Nachdem die 
erstcn Opfer dl1rgebracht waren, salllmeltr
 sich die noch 
rel'ht. stattliche Zahl der Festgenossell in der Garteneolonnado. 
Hier gedal'hte RÜbsamen in liebenswÜrdiger 1Veise der 13e- 
mÜlmngen der Entreprise: 
Ich bin auch einmal jung und ein flotter 
tudent 
gewesen: es ist schun lange her, aber wie natiirlich richte 
auch ich heute meine Bliclw auf jene Zeit. Wisst Ihr, was 
mir damals das Unangenehmste war? Ihr meinet vielleicht 
»Schulden machen«. Na, das hielt sich noch, darÜber kam 
mall mit leichtem Sinne hinweg. Das Unangenehmste war: 
das Bezahlen der Schulden; sie wunlen bezahlt, aber mei- 
stens mit recht schwerem HerZOll. Nun bin ich ein alter 
Philister und halte an den Spruch fest: »'Ver Sphulden 
bezahlt, der ue::;::;ert sein Haub«. Dirson 
prul'h cmpfehle
		

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			. 



 


64 


ich Euch auch zur Beherzigung. Auch Ihr habt Schulden. 
Ich meine nicht Eure fI-eldsdmlden, die kÜmmern mich 
nicht. Die l\lasovia hat auch Ehrenschulden, und an diese 
will ich Euch mahnen. 
Wir haben nämlich in unserer Verbindung gottbe- 
gnadigte Dichter, Lieblinge der l\Iusen, deren Lieder von 
uns mit Begeisterung gesungen werden, poetae laureati, 
deren audJ in diesen Tagen mit dankbarer Anerkennung 
gedacht ist. Wir haben abcr auch in unserer l\Iitte einen 
Historiographen, der erfÜllt von hingebender Liebe zu 
unserem Corps die Ge8clJichte desselbcn mit Aut()pferung 
von Zeit und Kraft und mit solcher Oewandtheit schreibt, 
dass man sagen kann: Clio führt ihm selbst den Griffel. 
Es ist bereits das dritte Heft dieser Geschichte erschicnen. 
Gf'bÜhrt dem wackeren GeschichtsschTf'iber nicht unser 
hf'rzlichster Dank?! 
Das eben um so mehr, weil er nicht nur die Geschichte 
unseres Oorps ge:schrieben, sondern auch geholfen hat sie 
zu machen. Seit mehr denn 20 J aluen hat er stets den 
wärmsten, thätigcn Anteil an den Ereignissen im COl])S 
genommen, er stand an der Spitze der die Festlichkeiten 
vorbereitenden und ausführendpn OomitlJs und ist, wie wir 
Alle wissen, mit seinen treuen Adjutanten dic Seele auch 
dieses Festes. Sind wir ihm l1icht auch dafür Dank 
schuldig?! Indem wir denselben hier aussprechen, gedenken 
wir nicht unsere Schuld zu bezahlen, wir wollpn sie aber 
anerkennen und ihm einen für alle Zeiten giltigen Wechsel 
auf die Hochschätzung und Liebe des Corps ausstellen. 
Dieses thun wir, indem wir rufen: unser Bruder 
Heinrich hoch!!! 
Für die Entreprise ergreift Heinrich das Wort: 
"Ich bin tief gerührt durch die warmen Worte der 
Anerkennung, welche unser Rübsamen gesprochen und 
welche Euern Beifall gefunden. "\Vas ich gethan habe, 
habe ich herzlich gerne gethan; aber der beste Wille hätte 
nichts leisten können, wenn mich nicht gestützt hätten die
		

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lieben Adjuvanten und Adj utantcn. Ich weiss sehr wohl, 
dass eine Eins immer nur eine Eins bleibt, dass selbst pin- 
mal eins nur eins ist, und dass in der unmittelbarstcn 
Nachbarschaft der Eins die Null steht. Diese Abschweifung 
in die Arithmetik will sagen, dass ich mit meiner Kraft 
allein nichts hätte wirken können, sondern, dass auch hier, 
wie Überhaupt im Lpbcn, nur aus der Kräfte schön ver- 
eintem Streben erfreuliche Resultate sich ergeben haben. 
'ViI' Alle, die wir dem Comit(. angehiirpn, haben in bester 
Harmonie zusammen gearbeitet und dem höchsten Gdingen 
unsrer Jubolfeier zugestrebt; wir sind l1icht mÜde geworden, 
sundern unsre Lust an der Arbeit ist gewachsen, je näher 
wir dem Feste kamen. Wenn Ihr, geliebte Freunde, unsern 
BemUhungen Euern Beifall schenkt, übertragt ilm von meiner 
Person auf allc :lUitglieder des Oomit6s und rufet mit mir: 
Es lebe das Comit6!» 
Die fidele und animierte Stimmung benutzte der Bier- 
zeitul1gsredacteur Schmidt, um sieh für die Bierzeitung 
Silcntium zu erbitten. Die verlesenen poetischen und 
prosai:-;chen Abhandlungen fanden einen. so ungeteilten Bei- 
fall und versetzten dip Commilitunen in eine solche Heiter- 
keit, dass es dem Leser oft. schwer fiel, sich vernehmbar 
zu mal'hen. Dem VV unsehe aller entspreehend sind einige 
Elaborate als Probe beigefügt. 
Das Mittagessen rief wieder nach dem Saale zurÜck, 
der zur würdigen Decoration dieses Schlussactes einen 
Carton mit Überleb('nsgrossen Figuren, Kommen und Scheiden 
darstellend, und einen :Fries erhalten hatte, welcher in 
humoristischer "\Veise die bekannte Thiermetamorphose: 
Spitz - Affe - Kater behandelte. RÜbsamens Wohl, 
von Heinrich ausgebracht, fand freudigste Zustimmung 
und veranlasste unseren braven Stifter zn folgender 
Antwort: 
Ich bin ein alter l\Iann, das brauche ich Euch nicht 
zu sagen, das seht Ihr mir wohl Rn; alte Leute aber 
sehwatzen gerne, besonders von vergangeJ1Cn Zeiten: Rie 
Ö
		

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			ti6 


sind ja die gebornen laudatores temp0l"is acti. Nun, wir 
feiern ja heute die Vergang-enhl'it, darUlll erlaubt mir, dass 
ich Euch in die Vergangenheit zurÜckführe, nicht hlos 5U, 
sondern einige Jabre mehr, in die Zeit, in welcher gleich- 
SlUll der (;rund zu nnserer Verbindung gelegt wurde, zu 
dem Jahrf' 1827, da die meisten von Euch noch nieht 
geburen waren. 
Es war zu Ostern dieses .Jahres auf der Albertina 
ein bewegtes Treiben. Es hatten sich niimlich zwei Par- 
toien gebildet, die eine. kleinf're, Zll der auch ich die Bhrc 
hatte zu gehören, war die vClfassungstrcue, - so klUm 
ich sie wol nennen, - denn sie hielt fest an der studenti- 
schen VeIfassung, dem COlllment, während die andf're, dic 
gri)ssere, zu Gunsten eines sehr beliebten Oommilitonen, 
ein Loch in dieselbe machte; da fehlte f'S df'nn nicht an 
Reibungpn, und die Dummen wurden nicht alle. Das half 
aber nichts. Nun legte Rieb der wohlweisc Senat ins 
littol, 
nahm gcgen uns Partei, drohte mit Carccr und Consilium; 
aber vergebens, wir blif'hen fest. In f'iner Sitzung des 
Senates brach ein Herr Geheimrat erzÜrnt in die .Worte 
aus: »0 diese halsstarrigen Masuren, sind sie df'nn nicht 
zu bändigen!!« Masuren wurden wir genannt, weil ein 
grosser Teil von uns ans dem gelobten 
fa.sunmlandc 
stammte, während, wie noch heut zu Tage, viele sich an 
sie anschlossen, die zwar nicht durch gemeinsames Stamm- 
land, aber durch gleichc Gesinnung und Am.;ichten mit 
ihnen vel'bunckn waren. Halsstarrige Masureu nanlltp man 
uns, das aeccptierten wir als ein Epithcton ornans, ja wir 
waren und blieben halsstarrig und beugten lIen Nacken 
nicht vor den blitzendf'n Schliigeru, noch vor dem Drohen 
nml Zürnen eines h(lI'hweiSl'n Senates; wir hielten mit der 
Ziihigkeit des }[mmrenstammes fest an U eberzeugung und 
Rl'cht. Im Laufe der Zeit wurdf' der äussere Friede auf 
der Albertina hergestellt, es waren Einzplne abgegangen 
oder abgegangen worden. abf'r die inneren Gegensätze 
blieben, und die halsstarrigen Gesinnungsgcnossen hielten 


-
		

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			67 


zusammen. Im Sommer 1

9 sahen WLr uns genötigt, 
wegen der in dcrselben herrsl'hl'llllen Aristokratie aus der 
allgemeinen Burschenschaft au
zutreten als Corps 1\iasovia; 
im folgenden Jahre fand auf kurze Zeit eine Vereinigung 
statt, dann erfolgte der zweite Austritt, ,'on uem das 
Bcstehen unseres Corps gcwühnli('h und auch heute ge- 
rl'chnet wird. Aber schon bei dl'm ersten Austritt wählte 
ich mit Rücksicht auf unsere HalHstarrigkeit unsere drei 
]i'arben, das Blau der Treue der U ebf'rzeugung, das Rot 
der Liebe zu Rf'cht lmd vVahrlwit, das Weiss der Reinheit 
der Ehre und des Charakters. lias ist die herrliche, ich 
müchte sagen heilige Bedeutung unserer Trikolore. Du 
Rollst nicht blos singen: »wer die Wahrheit kennet und 
saget sie nicht, das ist fürwahr ein erbiirmlichcr 'Vicht!« 
Du sollst nicht blos rühmen: >wer die Folgen ängstlieh 
zuvor erwägt, der beugt sich, wo dip Gefahr sich regt!« 
handle auch stets treu Deiner TJeberzeugung, halte fest an 
Wahrheit und Rccht, wache über die Reinheit Deilwr Ehre 
und Deines Charakters! Das ist die Verpflichtung, die 
jedem auferlegt wird, den das blau-weiss-rote Band schmÜckt; 
dm; ist rlie Mahnung, die jeden abziehenden Burschen be- 
gleitet in das Philisterium; das ist die Erinnerung, an der 
dcr Mann sich kräftigct, den Nacken nicht zu beugen, 
sondern halsstarrig zu sein, auch wenn es im Leben, sei 
es von oben, sei es von unt£'n, wettert und stÜrmet. 'Venn 
wir nun heute auf dic Vergangenheit zurückschauen, so 
hebt sich freudiger die Brust, schliigt stolzer das Herz, 
wcil in allen entschwundenen Jahren dieser halsstalTige 
Sinn als ein Erbe von dcn Viitcrn auf die Söhne, von den 
Sühnen auf die Enkel gekommen und gerade dadurch das 
Gedeihen unseres Corps gesichert nnd seine Ehre unbe- 
fleckt erhalten ist, indem er alles Gemeine und Schwan- 
kende zUl'ückweiset, alles Faule ohne weiteres ausst.iisst. 
Ja wir sind halsstarrige l\Iasuren, und wollen halsstarrige 
)Iasuren bleiben, wollen diesen Sinn als ein teUl'es V er- 
miichtniss den kommenden Geschlechtern hinterlassen, und 
5* 


I 
1
		

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			68 


wenn wieder 50 Jahre dahingerauseht Rind, unlL auch wol 
von manchen unter Euch das 100jährige Stiftungsfest ge- 
feiert wird, dann mÖgen die jungen Masuren ebenso hals- 
stanig erlul'den werden wie ihre Väter waren! 
Das ist mein W lUIsch, das ist meine Hoffnung, und 
das wünschen und hoffen wir Alle und rufen darum von 
ganzem Herzen: "Hoch die IwlRstanigen Masuren!« 
Hoffmann - Rudolstadt toastete noch einmal auf die 
Entreprise, die an alles gedacht habe, dpr er aber empfehlen 
mÖchte, sich für kÜnftige Fälle noch mit Brustcaramellen 
gcgen die Heiserkeit zu versehen. - Ruhnau trug ein 
von ihm verfasstes launiges Gedicht in plattdeutsl'her 
Sprache vor, welches er zu dem Burschentage in Lands- 
berg am 2. Juni 11;80 der Bierzeitung' eingesandt hatte. 
Dem W UIIRche eines unserer bravsten Philister, weleIH'r 
der Pumpkasse 100 :Mark üborwiesen hatte mit der Bitte: 
»den I\Ianen einer echten lVfasurentoehter, die Zeit ihres 
Lebens fiir blau-weiss-rot geschwärmt, der es aber nicht 
mehr beschieden war, dem jetzigen Feste beizuwohnen, ein 
stilles Glas zu weihen,« kamen die versammelten Commili- 
tonen in wehmiitiger Stimmung nach. 
Das Banner, das Über dem Haupte un8eres Rith- 
samen hing, feierte derselbe mit begeisternden Worten: 
Was ist das für ein Banner, unter welchem wir uns 
so zahlreich zusammen gefunden haben, Junge und Alte, 
krasse :FÜchse lind bemooste Häupter, l\Iänner in den ver- 
Hchiedensten Lebensstellungen und auch wol von ver- 
schiedenen Lebensansichton ? Bs ist unser altes, lieues, jetzt 
in erneutem Glanzc prangendus 1\Lumrenbanner, unter dp.sspn 
:::SchaUen wir so manche frohe Stunde verlebt haben und 
nun verleben. 
Als ich es damals entfaltete, dachte ich wol nicht 
daran, dass mir die :Freudc zu 'l'eil werden würde, es im 
109. :::Semester zu begrüssen. Aber wir Alle begriissen es 
ja mit herzlicher Freude, wehet uns doch aUR seinen Falten 
ein frischer, fruher {}cist entgegen, der durch die VOll ihm
		

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			69 


. 
geweckten Erinnerungen uns mit jugendlicher Begeistcrung 
erfüllt, uns über die J\Iisere des Philisterlebens erhebt und 
uns von Herzen froh spin lässt. 
Aber wir begrüssen das Banner nicht nur mit lheude, 
sondern auch mit Stolz j hat es doch in den 50 Jahren 
nie an solchen gefehlt, die eR auch in StÜrmen und Kämpfen 
hoch hielten, es schützten mit tapfrer Hand und seine Ehre 
bewahrten; können wir doch singen: »dm droben Über dem 
Sternenzelt, der ist es, der unsere Fahne hält!« 
Und nicht nur mit Freude und Stolz, sondern auch 
mit Liebe und Verehrllng blicken wir auf dasselbe; sind 
seine Farben doch das Symbol des Geistes, der in unserem 
Brudcrkrpise hprrscht, dcr Treue, der Liebe und der Ehre; 
darmn wollen wir es feiern mit eil1em kräftigen Hurrah. 
Unserem lieben Banncr Hurrah, Hurrah, HlU'l'ah 1\fasovia! 
Das SemesterreilJPn beschloss das )Iittagsmahl. In 
launigen und ernstf'll \V ortcn wurden die Wünsche für 
das \V ohl der 1\1asovia ausgesprochel1. R ü 11 sam en schloss 
mit dem lOH. Semester die Rl'ihe ab. - Dem Mittagessen 
folgte die AuffÜhrung dl'
 KaterRtÜck's: »Ein Don Juan 
aus l\fasul'l'n,<, eine kÜhne Parodie auf l\1ozarts Don J uan, 
wdche zwerchfellcrschÜttornd auf die Zuhörer wirkte. Die 
Acteun, und Actricen waren: 
Fritz Sunnonsehoin, Stllllent aus 
Künigsuerg, auf ller Ih'ricnreise 
in S]J1l1lien .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 
LOI)Ore110 - spin Wicltsicl'......... 
Der Comthur ...................... 
Donna Bianea, Reitle Tochtor, . . . . . . . 
Elvira, Künigsherger Biermamsoll. . . 
Cerberus Pudelkopf - PoLizist..... 
Octavio, ::;panischor Student......... 
:!'t1asettu, ein Rmwr . . . . . . . . . . . . . . . .. v. (J r 0 S s. 
Zf'rline, sl'inu Frau................. Ebel. 
Studonten. Bauern. 
Sie alle wurden aufs lobhafteste durch Hervorruf, 
die Damen durch Blumensträusse von wahrhaft gigantischel1 
Dimonsionen ausgezeichnet. 


R. Schmidt. 
Denzer. 
Hoffmann. 
Steppuhn 
ue la Chaux. 
Lange 
Lohmann.
		

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			70 


Eine Umfahrt der Mitwirkenden im Costü.l11 auf dem 
SchlosHtcich erregte die Heit<'rkeit des in dcn Gärten Yer- 
sammelten Publicums in hohem Masse. -. Die V ortriige, 
welchl' alsdann von der Gartenbühne gehalten wurden, 
boten die reichste Abwechselung; wie "im Casino jl1gte ein 
Witz df'n andern«; Declamationen, gyml1astiHche U ebungen, 
Rätsel wechselten in bunter Reihe. Groddeck war uner- 
müdlich und unerschöpflich und erntete allseitigen Deifall. 
Stobbe (Jurr) führte f'ine Kartoffclkomödie höchst gelungen 
durch. Auch einige Philister, besonders 1\lendthal und 
Huhnau, trugen zur allgemeinen Heiterkeit durch den 
Vortrag launiger Lieder bei. Das Quartett, welches sich bis 
dahin in allzubescheidener WeiHc zurückgehaltel1 hatte, trat 
mit wahrhaft überraschenden Leistungen lWl'\'or und sang 
in Anbetracht der fünf :Festtage so vortrefflich, dass ein 
.Philister im Ernste meinte, die Entreprise hätte das Leipzigcr 
Doppelquartett engagiert. So nahte der Abend und mit 
ihm der Rchluss des .Festes, den Heinrich mit folgenden 
Worten aussprach: 
Unsere .r ubelfeier ist beellllet. Die Reihen der COl11- 
militonen lichten sieL, aber wie das Ohr die Töne, welche 
das Herz ergriffen, festhält , auch wel1n sie schon ver- 
klungen sind; so wird auch in uns Allen, die wir dieses 
herrliche, unvergessliche Fest mit genossen haben, die 
Erinnerung daran lehendig bleiben für alle I':uklluft. rn 
dieser BrÜmerung liegt ein erhebender Trost fiir mandw 
Beschwerde des Lebem;, für manche Sorge des Amtes und 
BerufeH. Und diesen Trost verdanken wir unsrer lieben 
}Iasovia, in der wir treue Freuniesherzen gcfundf'l1. Des- 
halb möge auch das letzte Wort, das hier gesprochen wird, 
und mit dem ich officiell df'n Hehlnss des Festes verkÜnde, 
der Dank gegen sie sein, den wir einkleiden in den Huf: 
:Masovia vivat, crcscat, flol'eat in aetel'llum! Hoch! 
hoeh! ho('h! 
Darauf erhob sich die ganze Versl1mmlnng, sang 
stehend und unbedecktoll Hauptes das Btmdeslipu Uld Ver-
		

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			71 



 


lies:> das lh'stloeal, mll von der Corpslmeipe die der Heimat 
Zueilenden zu entlassen. 
Durch die Hartungschc Zeitung sprach das Festcomito 
den Logen :m dl'n droi Krol1cn und zum Todtenkopf und 
Phlinix, den Besitzern der Equipa
en, wie allen frmmdlich 
gesinnten Fördcrcrn des Festes liffcntlich den wärmstcn 
Dank aus. 


Zur Ergänzung des Philister-Yprzeichnisses diene die 
Nachricht, dass in demselben übergang"on worden ist: 
Ernst 'fbiel aus Königsberg, 1837- 40, 'fheolog. 
1842-45 stml. med., jetzt Dr. med. und SanitiihmÜh in 
Zeitz. 


.. 


Die Festteilnehmer, von dOlH'n mmge am persönlichon 
En,cheinen verhindert wurden, waren folgende: 
1. RÜbsamen, Friedrich, Ost. 2ß. pastor emeritus in 
'l'iegenhof. 
2. Skrodzki, August, Ust. 2ß. pastor emeritus in Olet.zko. 
3. Schiefferdecker, Heinrich, l\Iich. 27. Renlschul- 
Uirector in Kiinigsbcrg. 
1. l\Ii cb alic k, Eberhard, Ost. 
8. Pfarrer in Pomehrcndorf. 
5. Schadcbrodt, Ludwig, Ost. 2R Pfarrer in ßischofs- 
werder. 
6. Dewischoit, Friedrich, Ost. 2H. Gymnasial-Profcssor 
a. D. in Gnmbinnon. 
7. Bandisch, Carl, l\1ich. 29. 
B. Bcrgenroth, Fritz, l\Ii('h. 
in Posen. 
U. C'zwalina, Julius, )1ieh. 29. Gymnasial-Professor in 
Danzig. 
lU. Gurt.zitza, Orlalldo, Mich. 29. Uymnasial-l)rofcssor 
in Lyck. 
L1. Borowski, Ernst, l\Iich. 29. ::;eminar-Director in 
Marienburg. 


Pfarrer in Utkrwangen. 
29. Ober - Regierungsrat
		

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			72 


12. Thi el, Friedrich, Mich.29. pastor emeritus in KÖnigsberg. 
13. Schwartz, Ludwig, Ost. 30. Gerichtsdirector a. D. 
in Allenstein. 
14. Rutkowski, Carl, Mich. 30. Pfarrer in Aweyden. 
15. t Du bois, Eduard,l\fich. 30. pastor emeritus in Trempen. 
16. Dr. Lentz, Friedrich, l\Iich. 30. Gymnasialprofessor 
a. D. in KÖnigsberg. 
17. Schrage, Carl, Ost. 31. Pfarrer in Willenberg. 
IR Hoffmann. Otto, Ost. 31. Pfarrer in Brandenburg. 
19. Pahlkc, Joh., Mich. 31. Landgerichtsdirectorin Elbing. 
20. Grohnert, Gustav, Mich. 31. Amtsgerichtsrat in Labiau. 
21. So m m er, Jhicdrich, Mich. 31. Prediger il1 Bartenstein. 
22. Merlecker, 'Vilhelm, Mich. 31. Superintendent in 
Fischhausen. 
23. Dembowski, Hf'inrich, Ost. 32. Director des KönigL 
"\Vaisenhauses in IGinigsberg. 
24. Stechern, J ulius, Ost. 32. pastor emeritus in Königsberg. 
25. Hcinrici, August, Ost. 32. COllsistorialratinGumbinnon. 
26. v. 11alottka, Paul, Mich. 32. Pfarrer in Passenheim. 
27. Rhein, Carl, Mich. 32. Pfarrer in Eckertsberg. 
28. Uzypulowski, Leopold, Mich. 32. Pfarrer in Arys. 
29. Sand, Jh'iI'drich, Ost. 33. Pfarrer in Eisenberg. 
30. Ur. 1\1 al e ti u s, H einr., Ost. 33. Kreisphysicus in PilIkallen. 
31. EIgnowski, Jhauz, Ost. 33. Pfarrer in Soldau. 
32. Nch 11 lz, J olmnn, Ost, 33. Rector in Pissanitzen. 
33. Rousselle, .Friedr., Mich. 3:t I>farrer in Riesenburg. 
34, Brandstäter, :Franz, Mich. 33. Gymnasialprofessor 
in Danzig. 
35. Preuss, Jacob, Mich. BB. l>farrer in Mensguth. 
:W. B 0 ru tto, Heinrich, Ost. i34. Pfarrer in Gr. 
tÜrlac-k. 
37. Naro, Otto, )fich. 34. Oberstaatsanwalt in KÜnigsberg. 
38. Hoffmann, Jhanz, Mich, 34. Landgerichtsrat in Danzig. 
39. 
auerhering, JJcojlold, 1\Iicb. 34. Klosterkammer- 
dil'ector in Hannover. 
10. Treibe, Adolf, l\lich. :34. J>farrer in Allenburg, 
41. Steppuhn, J!'ricdl'ich, Ost. 35. Geheimer Oberrech- 
llungsrat in Potsdam.
		

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			73 


.. 


42. Gutowski, Adolf, Ost. 35. Pfarrer in Usdau. 
43. Vi T annowius, Constantin, Ost. 35. Pfarrer in Putzig. 
44. Tyrol, Christoph, :l\Iich. 35. Rcgiernngs- und Schul- 
rat in Danzig. 
45. Meitzen, Friedrich, O
t. 36. Justizrat iu Allenstein. 
46. Kohtz. Franz, Ost. 36. Pfarrer in Oletzko. 
47. Rudnick, Carl, Ost. 37. Superintendent in b'reistadt. 
48. Brinkmann, Adolf, ORt. 37. Pfarrer in Gawaiten. 
49. Czygan) Otto, Ost. 37. Pfarrer in Nikolaiken. 
50. Biermann, FriC'drich, Ost. 37. Pfhrrer in IJangheim. 
51. Kah, J!'ritz, J\Iich. 37. Oekonolllie-COlllll1issarius in 
Königsberg. 
52. Bergenroth, Julius, Ost. 38. GYlllnasialoberlehrer 
a. D. in Thorn. 
53, Schrage, Hermann, Ost. 38. Pfarrer in Ostrokollf'n. 
54. l)iallklt, Julius, O
t. 38. Geheimer Hegierungs- und 
Medieinalrat in Marienwerder. 
55. Gervais, Gustav, Ost. 38, 'Virld. Geheimer Kriegsrat 
a. D. in IGinigsberg. 
56. Garzke, :EmU, Ost. 38. Referendarim
 a. D. u. Uerichts- 
seeretär in JGinigsbcrg. 
57. Gawlick, Otto, Ost. 38. Provinzialsehulratin IGinigsberg. 
58. Ur. Gregorovius, Ferdinand, l\lil'h, 3H, in m.inchcn. 
59. Dr. Lehmann, August, Ost. 39. Arzt in Ragllit. 
60. Schrage, J ohalln,l\1il'h. ;J9. AmtsgerichtsratillNicolaiken. 
61. Rhode, Jul., Mi('h. 39. Amtsgerieht,;rat in HaRten burg. 
62. v. Saltzwf'df'll, Wilhdm, Mich. 39. Regierungsprä- 
sident in Danzig. 
6;J. Dodillct, 
]:iodrieh, l\Iieh. :m. Uberregierullgsrat iu 
Oumbinnen. 
64. Poctsch, August, 
lil'h. 40. Justizrat in Krotusl'hin. 
65. 
tobbe, "\Vilhdm, Mich. -10. Uutsbf'sitzer und Lalld- 
sdlaftsrat auf Hogallicken. 
66. Olleeh, Julius, Mich. 40. Gutsbesitzcr auf Lontzig. 
67. Passarge, Carl, Mich. 40. Bauinspedor in Elbing. 
68. Salomon, Carl, Mich. 40. Pfarrer in Enzulmen. 
69. Niederstettor, Mich. 40. Pulizeirata.D. inHeiligenbeil
		

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			74 


70. Hoffmann, Heinrich: l\Iich. 40. Gymnasialprofossor 
a. D. in Rudolstadt. 
71. Thesing, Julius, Ost. 41. Justizrat in Stallupönel1. 
72. Dr. Sotteck, Ado]f
 Ost. 41. Arzt in Königsberg. 
73. Koblitz, Heinrich, Ost. 41. Justizrat in Ortelsburg. 
74. Ruhnau, Joseph, l\Edl. 41. Gutsbesitzer und Kreis- 
baumeister in Pr. Eylau. 
75. Pisanski, Julius, :Mich. 41. Gutsbesitzer auf Doliewen. 
76. Balduhn, Ernst, 1\1ich. 41. Gutsbesitzer auf Sodrest. 
77. Stengel, Ednard, ::\lich. 41. Pfarrer in Szabienen. 
78. Neumann, Ludwig, Mich. 41. Amtsgerichtsrat in 
J ohanl1is burg. 
79. Mendthal, Ludwig, Ost. 12. Justizrat in KÜnigsberg. 
80. Dr. Kersal1dt, Ludwig, Mich. 41. Geh. Ober-Med.-Rat 
u. vortrag. Rat im Cultusministerium in Berlin. 
81. Krieger, Ferdinand, Mich. 12. Justizrat in Tilsit. 
82. Schutz, Johann, ::\1ich. 41. Gutsbesitzer auf Kukowcn. 
83. Vogt, Hf'inrich, Mich. -1-2. Geheimer Regierungs- und 
Baurat in Berlin. 
81 -r Dr. Kleeberg, August, Mich. 42. Kreispbysicus in 
Ostürode. 
85. S chroeter, Friedrich, Mich. 42. Obertelcgraphen- 
inspector in Bromberg. 
86. Thiel, Franz, Ost. 43. Glltsbesitzer auf Moritzhnf. 
87. ]) odillet, f'arl, Mich. 4:3. Oberförster in 'l'zulkinncn. 
88. Micks, Julius, Ost. 44. Eisenbahndirector in Edllrt. 
89. Tolki, Theodor, Ost. 44. Rechtsanwalt in Neidonburg. 
HO. Dr. Poschmann, Juh., Ost. 44. Arzt in 'Vormuitt. 
91. 1I1asch ke, Heinrich, J\'Iieh. 44. Rechtsanwalt in Lyck. 
92. N ietzki, Albert, :M:ich. 44. TJandgerichtsdirector in 
Königsberg. 
Hit Schellong, IJouis, Mich. 44. Superintendent in Oletzko. 
94. Dr. Tietz, Leopuld, Mich. 44. Schulinspector in Berlin. 
95. Dr. Glaser, Eduard, Mich. 44. Kreisphysicus in Danzig. 
n6. Dr. Saemann, Oskar, Ost. 46. Arzt in 'Viesbadell. 
97. v. Popowski, Adolf, Mich. 45. Pfarrer in Rosinsko. 
98. Thomuseit, l!'r., Mich.45. Landgerichtsl'atin Allel1stein.
		

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			75 


.. 


9U. Schroeter, Cunst., Mich. 45. Amtsgerichtsrat in Breslau. 
100. Dr. Rosenstock, Jacob, Ost. 46. Arzt in König8berp;. 
101. Küsel, Heinrich, Ost. ,16. Pfarrer in Darkehmell. 
102. Siemienowski, Ludwig, Mich. 46. Superintendent 
in Lyck. 
10:). Weitzenmiller, Adalbert, Mich, 41i. Landgerichts- 
rat in Elbing. 
10.!, Hil bert, Otto, 08t. 47. Amtsgerichtsrat in König8berg. 
105. Dr. Hilbert, Anton, Ost. ,17. Arzt in Königsberg. 
106. Arbeit, .Franz, Ost. 47. Pfarrer in Wilhelmsberg. 
107. Schimmelpfennig, Wilholm, Ost. 47. Oborlandes- 
gerichtsrat in KÜnigRberg. 
108. Schlick, Adulf, Ost. 47. Rechtsanwalt in Ragnit. 
109. Braun, Otto, Ost. 47. BÜrgermeister in KÖlligsberg. 
110. Böttcher, Robert, Ost. 47. Pfarrer in Wilkischken. 
111. I)rengel, }1,]:iedrich, l\Iich.47. Rechtsanwalt in Insterburg. 
112. Clericus, Lndwig, Mich. 47. Secretär des KUl1st- 
Gewerhf'vf'reins in l\fagJeburg. 
113. Lipski, Robert, :M:ich.47. LandgerichtsratinKünigberg. 
114. Stöckel, Ernst, Ost. 48. Rochtsanwalt il1 Instf'rburg. 
115. Schumacher, Albert., l\lich. 48. Amtsgerichtsrat in 
Graudcl1z. 
116. Dr. l\Iensch, Uustav, Mich. 48. Oberlehrer in Darmstadt. 
117. Ulkan, Ludwig, Ost. 50. Standesbeamter in Berlin. 
118. Dr. Kob, Philipp, Ost. 50. Arzt in Stolp, 
l1R Dr. von Kaczorowski, Theophil, Ost. 50. Arzt in Pusen. 
120. Müller, Hermann, Ost.. 50. Rcchtsanwalt in Schwct.z. 
121. Marcinowski, Johannos, !-bch. 50. Landessyndicus 
i 11 Breslau. 
1
2. Jordan, Adolt
 Mich. 50. Provinzialsteuersel'reätr in 
Königsberg. 
1
3. \Vendland, Alexalllll'r, Ost. 51. Eisenbahndirectur 
in Königsberg. 
124, Sakowski, "\Vilhelm, Ost. 51. Obersteuell
ontruleur 
in Eydtkuhncn. 
125. Dr. 0 ocrig, Ost. 51. Arzt in NeiJenburg. 
126. Nickell, Juliu8, Mich. 51. Rechtsanwalt in Lyck.
		

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			76 


1
7. Y ogt, Rudolf, Uich. 51. Landgerieht:>director in 
In sterb urg. 
12t;. 1\Iich ow, Hl'rm., Ost. 52. Bürgermeister in Finsterwalde. 
129. Bcllgardt, L., Ost. 52. Amtsgerichtsrat in König:>bcrg. 
130. Dr. N adrowski, Julius, Ost. 52. Kreisphysicus in 
Rosen berg. 
131. Stengel, Leopold, }Iich. 52, Pfarrer in Krallpisehlren. 
132. TriLukait, Theophil, Mich. 52. Pfarrer in Schmodittell. 
133. Dr. 1\[arc, Alcxalldcr, }Iich. 52. Arzt in Elgersburg. 
134. Ku L, Conrad, l\1ich. 53. Lalldgerichtsrat in Lyck. 
135. Warda, Hllg'O, l\[ieh. 53. Rechtsanwalt in l'hurn. 
136. Kacz eruw ski, Friedrich, Mich. 53. Amtsgerichtsrat 
in PillkaUen. 
137. Doerks, Heinrich, Ost. 54-. Amtsgerichtsratin Olctzko. 
138. Pilehowski, Edmml, Ost. 54. Lallllg"(.riehtsrat in Tilsit. 
139. Buchsteinor, C.,Ost. 54. Amtsgerichtsrat in Allgerhurg. 
140. Sakowski, Rudolf, Mich. 54. Hauptmann in Metz. 
I.n. Vigouroux, Gustav, )lich. 54. Kreisschulinsl'cctor 
in \Vartcllburg. 
142 Heinrich, Hl'l'l1wnn, Mich. 54. Rectur in Noutcich. 
143. Krossa, "\Valdemur, Ost. 55. Landrat in Hagnit. 
144. Skrodzki, "\V., Ost, 55. Seminurdireetor in Krellzburg. 
145. Dr. Pilchowski, Ernst, Ost. 55, Arzt in Berlin. 
14li. Dewischeit, 
 alter, Mich. 55. Kreisschulinsl'ector 
in CUhll. 
14 7. Dr. Tri b u ka i t, Otto, Mich. M. Krf'isphysicus in Olf'tzko. 
148. Schumann, 1-1., Ost. 56. Amtsgerichtsrat Ül AUonstein. 
149. Bolte. Gustav, Ost, 56. Oberförster in Luhiathtliess. 
150. Hasford, C., "lieh. 56. Gutsbesitzer auf Raudischkcn. 
151. von Dressler,Oskar,Mich, 56. J..anuratillHeiligollboiL 
152. Gudowius, Julius, }Iieh. 56. Oberförster in Ohlau. 
153. Hensel, Vietor, Mich. 56. l)fan'('l' in Wielib:ken. 
154. n lodku w ski, A., Mich. Mi. Amtsgeriehtsrat in Danzig. 
155. von 
'reyhold, Ferd., Ost. 57. Pfarrerinl\Iühlhausen. 
156. Krause, Hel'mann. Ost. 57. Pful'rpr in Oliva. 
157. Dr. Lunitz, Adulf, )fieh. 57. Arzt in Känigsberg. 
158. Caspari , Herm"Mich. 57. GutsbesitzeraufRogowszisna.
		

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			77 


159. Heinrich, Carl, J\Iich. 57. Oberlehrer in Königsberg. 
l(iO. Drenker, Emil, Ost.!)8. Redacteur in Berlin. 
161. Dr. Glede, Rudolf, Ost. 58. Arzt in Bartmstein. 
162. Dr. !Iahlke, Hans, Ost. 1)8, Stabsarzt in Saarlouis. 
] 6d, Lud wig, J ulim;, Ost. 58. Pfarrer in 1\Iarienwcrder. 
164. Dr. Schumachl'r, Gust, 1\fich.58. Arzt in Königsberg. 
165, Hoffmann, Adolf, l\Iich. 58. Pfarrer in Hafüstrom. 
166. Czygan, August, l\hch. 58. Hauptmann in Cassel. 
167. Dr. Steppuhn, Georg, Ost. 59. Arzt in Dt. Eylau. 
168. Dr. Sehultz, _Franz, Ost. 5H. Oberlehrer in Culm. 
](j9. Schellong, H., Ost. 59. KreisschulinspectorinNüustadt. 
170. Dr. Boettcher, Carl, )fich. 59. Healschuhlirector in 
DÜsseldOl'f. 
171. Gortzi tza, Rudolf, Mich. 59. Gymnasiallehrer inElbing. 
172. Schellong, Berllhard, Mich. 59. ])farrer in Engelstf'ill. 
173. Dr. Deutsch, 'fheodor, Ost. 60. Arzt in Elbing. 
174. Gerlach, William, Mich. 60. Gut:,;besitzcr auf Pünkin. 
175. Kracük, Robm't, Mich. (iO. Landrichter in Lyek, 
] 76. Dr. Loch, Eduard, Ost. 61. Oberlehrer in Bartenstein. 
177. Dr. Günther, Gustav, Ost. 61. Arzt in Graudcnz. 
17R Pilchowski, Juliu:>, Mich. li1. Pfarrer in Rogf'hnen. 
179. Flach. [i;mil, Mich. 61. Landwirt in Buddern. 
180. Eloessür, SaulUC'l, Ost. 62. BuC'hhalter in Bel'lin. 
181. Myckert, August, Ost. 62. Pfarrer in Rihben. 
1132. Dr. Hirsch feld, Heinr., Mich. ()2. Arzt in Könip;sberg'. 
183. Dr. Heyür, Frauz, Ost. 63. Oberlehrer in Gebweiler. 
184-. Strehl, Paul, Ost. u3, Pfitl'1'er in Outtenfdd. 
lR5. G raeter, August, Ost. li:
. Ohel'lPhrer in Rastenburp:. 
186. AlexHuder, 1\Ioritz, Ost. (j3. I
alJdl'ichtl'I' in Braunsberg. 
187. Hehl', Gustav, 
Ii('h. 63. Gutsbcsitzcl' auf Ouneyh'n. 
] 88. Dr. Hon n cmeyer, 0., :Mich. 63. KreisphYf,Ücus in Ragnit. 
189. Schumann, Eduard, Ost. 64. Realsdmllehrer in Danzig. 
190. Gortzitza, Otto, Ost. 64. Gymnasiallehn'r in Strasburg. 
191. 
Iariak, l\IOl'itz, Mich. li4. Bl'amh'r hei einer Gcneral- 
Agentur in )Iagdeburg. 
1 H2. Kapp, Aug'" l\lich, 64. Gymuasiallchrer in Bartenstein. 
19:\. Dr. lhu:l' h, Hl'rnumn, Ost. 65. Arzt in Oletzko. 


.......
		

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			78 


194. Olleeh, Ferdinand, Ost. 65. AmtRrichter in Stallupünen. 
195. Kob, Henll., l\Iich. ß5. Kreisschulinspector in Osterode. 
] 96. Zaettl'{J, L,. Ost. 66. Prcmier-Lieutcnant in KönigRbcrg. 
197. Hilger, August, ORt. 66. RealschuHrhrer in Danzig. 
198. J aco bi, Ant., Ost. (iß. GymnasiaHebrer in KÖnigRberg. 
199. Raulien, .Eugen, Mich. 66. Prorcctor in Stallupünen. 
200. Mittelsteiner, Hans
 :llich. (W. Gutsbesitzer auf 
\Vessolowen. 

U1. Dr. Rohrer, GURtav. Mich. 66. Kreisschulinspector in 
Ortelsburg. 
202. Blaurock, Wil hel m, Mich. 66. Postsccrctiir Ül Berlin. 
20
. Leidreiter, Hans, l\lich. 6ß. Steuercontroleur in 
Eydtkuhnl>n. 
204. K otowRki, A., Ost. 66. Gymnasialkhrer in Künigsherg. 
205. U ar d in, Emil, Ost. 6!i. Amtsrichter in N eidm burg. 
206. Dr. Silberstein , Alb., Mich. 66. Amtsrichter in Russ. 
207. Dr. Loch, Rudolf, Ost. 67. Arzt in Danzig. 
20R Hasford, William, 
'Tich. 67. Gutsbesitzer aufWalllhof. 

09. Guttfcld, Caspar, l\1i('h. li7. Rechtsanwalt in Ortelsburg. 
210. I wa novius, Eduanl, Ost. 68. AmtRJ'ichterin Ortelsburg. 
211. Hirsch fel d, Auton, l\Ii('h.68. Buchhalter in Kiinigsbprg. 
212. Schumann, Richard. Ost. 69. Amtsrichter in Osterode. 
213. von Wilmsdorff, Kurt, Mich.. 69. Postsecrctiir in 
Eydtkulmcn. 
2]4. Rohrer, Emil, Ost. 70. Assessor in AHensteil1. 
215. Prel1zel, Adolf, Ost. 70. Assessor in Lyck. 
2] 6. Eb el, Max. Ost. 70. Refcrcndarius in Berlill. 
217. Rutkowski, Heinrich, Mich. 70. Ptim'ür in Alt-Ukta. 
218. Dr. Lutz, Emil, Midi. 70. Assistent bei der Uni- 
ven
itäts-nibliothek in Giittingen. 
219. Kopka, Samuel, Mich. 70. Oberlehrer in KÖnigsberg. 
220. Cl udi us,Ottomar,Ost. 7]. Rmlschullehrer in Künigsberg. 
221. Denzor, Gustav, Ost. 71. Rpferendarius in Kiinigsberg. 
222. Reinbacher, Robert, Mich. 71. Assessor in Tilsit. 
223. Dr. Unterbcrger,Reinhold,Ost. 72. Arzt in Königsberg. 
224. Tomuschat, Heinrich, Mich. 72. Referendarius in 
Königsberg.
		

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			79 


225. Hoffmal1n, Hcrmann, Ost. 73, stud theol. 
226. Brinkmann, Carl, Ost. 73. RefrrendariuR in Stettin. 
227. Kraft, Emil, Ost. 73. Buchhalter in Königsberg. 
228. Prang, Carl, Mich. 73. Schulamtscandidat. 
229. Schrage, Gcorg, Mich. 73. SchulamtsC'andidat. 
230. Lehmann, l\fax,l\Hch. 73. Referendarius in KönigRberg. 
231. Latte, Isaac, 
Iich. 73. cand. ll1cd. 
232. Brandstiitter, Fritz, l\fich. 73. Privatlehrer. 
233. Czwalina, Richard, ORt. 74. cand. phil. 
234. Czygan, Herm" :Mich. 74-. Referendarius in Königsberg. 
235. Beckherrn, Richard, Mich, 73. calld. phil. 
2
113. Altendorf, Hermann, Mich. 74. Referendarius Ul 
Königsberg. 
237. Stobbe, Georg, Ost. 75. cand. hist. 
2:m. Jacquet, Philipp. Ost. 75. cand. jur. 
239. Schmid t, Reinhold, Ost. 76. stnd. phil. 
240. Höning, Georg, Ost. 76. Prorcctor in Oletzko. 
241. Uettkall t, Rudolf, ORt. 76. cal1d med. 
242. I)lenio, Otto, Ost. 7ß. cand. med. 
243. Podsch watek, Fritz, Mich. 76. stud. jur. 
24'\'. Lcmke, Eugen, Mich. 76. Referendaliu
 in Bartenstcin. 
245. Spodc, Oskar, Mich. 76. cand. med. 
246. B (' h rell d, Herm., l\Iich. 76. Referendarius in Bartcn
tein. 
24-7. Mollmltn n, Otto, Mich. 76. Htnd. math. 
248. Specovius, Richard, Mich. 7ö. Referenuarius 111 
Königsberg. 
249. l\farquardt, Georg, Ost. 77. Rtud. hist. 
250. Wirth, Otto, Ost. 77. stud jur. 
251. von Groddeck, Walther, l\Iieh. 77. stnd, jur. 
252. Kahnel't, Emil, J\Iich. 77. stud. jur. 
253. ue la Chaux, Gustav, Ost. 78. stnd. jur. 
254. 'Vattmann, 1>aul, Ost. 7H. stud. mcd. 
255. Schcffler, Albert, Ost. 78. stud. phil. 
256. SobolewHki, Ernst, ORt. 78, stud. mcd. 
257. Kuck, Louis, Ost. 78. stud. jur. 
258. l\ieyhöffer. Ednard, Ost. 7K stlld. med. 
259. Scheumann, .Fritz, 11ich. 78. stud. jur.
		

/Pomorze_027_11_082_0001.djvu

			RO 


260. Kurth, Otto, Mich. 78. stud ll1cd. 
261. Mi ssfelder, Ell1il, l\fich. 78. stud. thf'ol. 
262. Pohl, Eldor, ]\[ich. 7R. stud. jur. 
263. Schulze, Walthcr, Mich. 78. stud. jur. 
264. Neumann, Paul, Mich. 78. stud. theol. 
265. Neull1ann, l\fax, Mich, 78. stud. med. 
2üü. Kohtz, Moritz, l\fich. 78. stud, jur. 
267. .l\fartens, August, Mich. 78. stud. phil. 
2ü8. Kühne, Erm;t, Ost. 79. stud. mctl. 
2()9. Schcllung, Otto, Ost. 79. stud. mod. 
270. Schmidt, Loo, Mich. 79. stud. jur. 
271. StoLLe, Ham;, Mich. 90. stud. math. 
272. l\fi clitz, Oskar, Mich. 79. stlld. jur. 
273. Ebel, Hans, l\fich. 79. stud. theol. 
274-. Bogdan: Carl, l\fich. 79. stud. theol. 
275. Hassenstein, Walther, Mich. 79. stud. med. 
276. I,ohmann, Gm:tav, Mich. 79. stud. med. 
277. Lange, Albert, :Mich. 79. stud. theol. 
278. von Gross, Heinrich, Mich. 79. st.ud. phil. 
279. Axt, Arthur, Mich. 79. stud. jur. 
280. Kossack, Ottu, Ost. 80. stud. thonl. 
281. Elmenthalcr, Otto, Ost. 80. stud. theul. 
282. Recse, Konrad, Ost. HO. stud. med. 
28H. Kl'mke, Johannes, Ost. 80. stud. phil. 
284. Rumey, Paul, Ost. 80. stud. jur. 
285. Axt, Carl, Ost. 80. stud. med. 
286. Nickeil, Rudolf, Ost. 80. stud. med. 
287. Myckert, Carl, Ost. 80. stud. theol. 
288. Stoppuhn, ßel'llhard, Ost. RO. stuu. ll1ed.
		

/Pomorze_027_11_083_0001.djvu

			I 
I 


Aus der Bierzeitung. 


Redacteure : 
Reinhold Sehmidt, 
'Valther VOll Groddeck. 


Lied von den Masuren. 
Unter den Neunen, die ich künde 
Zum Bierzeitungs-Angebinde, 
Füglieh sei den Senioren 
Hier der erste Platz erkoren. 


t\chcllong ist es und der Zobel, 
l\1ediciner Beid' sehr nobel, 
'Veh' dem Äel'msten, dessen Haut 
Ihnen einst wird anvertraut. 


Kuck und Kahnert sind die Nächsten, 
Alle Beid' bereits im sechsten 
Der Semester, doch zur Zeit 
Zum Examen nicht bereit. 


Dann kommt 'V irth, genannt auch Hchmunzel, 
Hat im Antlitz lauter Runzel, 
Denn von Schmissen, massellweisen, 
Sieht 01' aus ,,,ie ein Reibeisen. 


Korth, von dem man sonst nichts hÖrt, 
Ist vun Spode jetzt bethört, 
Denn man weiss, dass er und Put 
l\1anchelSmal sieb kÜssen tlmt. 


6 



 


-'
		

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			82 


Kommt sodann der lange Reese, 
Isst sehr gern Limburger Käse, 
Scheu mann drauf, dcr dicke Ap', 
De la CbauJ..., der kleine Knab'. 


De la Chaux, zart wie ein 
pätzchen, 
Hat ein ros'ges Kinderfrätzchen, 
Essel1 tImt er mehr wie gern, 
Doch hält vom Trinken er sich fern. 


Neben ihm das l
üchsIein Stobbe, 
Dick und fett wie eine Robbe, 
1\IeistentheiIs ein Thunichtgut, 
Aber irl,lmer wohlgemut. 


Dann v. Groddeck und v. Uruss, 
Und deI" Leichnam Plenio 's: 
Plenio spiessbürgerlich, 
Doch die Andcrn addich. 


Hier sieht man zwei Theologen, 
Alle Beide sehr verwogen, 
Nohel sind sie Heide sehr: 
Der Lange und der l\fiHsfeldel'. 


[st der ein!' ein belcannter, 
Liederlicher, sehr charmanter, 
Meist bezechter Vagabund, 
Der viel Bier vertragen kunnt, 


Ist der Andre ein nicht minder 
Renommirter "\Vitzeschinder, 
Der erzählt viel sinn'ge Schwänke, 
Aber selten mit Pointe. 


Neben ihm lehnt hingegossen 
Moor, der soviel Schweiss vergossen, 
Als er losgegang-en war, 
Und seitdem lllacht er sich rar.
		

/Pomorze_027_11_085_0001.djvu

			83 


Schulzc, kleines Ungeheuer, 
Nimm in Acht dich jetzt vor Eier- 
Orog, Liqueur und Bier zumal, 
's nutzt der Suff nicht allemal. 


Doch vor allen Andern brüstet 
Sich :Fips Scheffler, denn 's gelüstet 
]Im, zn lieben alle Frau 'n, 
Die beglückt, entzückt ihn :>chau 'n. 


Wie ein lJild aus alter Zeit 
J\1011ma nll, der Leim Billard :>chreit, 
Stirn und Nase zieht er kraus, 
1Venn er einen Ball liess allS. 


Bogdan wäre gern geritten, 
Wenn's die Andern nur gelitten, 
Doch da die's verstanden nicht, 
:Musst' er leisten schon Verzicht. 


Humey dcr ist sein Begleiter, 
\V oUte anfangs auch sein Rciter; 
Weil das Corps war zimperlich, 
Schämt es sein Cl' Waden sich. 


Ne um an n I, genannt auch Pastor, 
Hasst die sogenannten Laster, 
Doch da:> Saufcn nimmt er aus, 
Ob er gleich von hier zu Haus'. 


Nf'lllnann IJ, des Neumanns Bruder: 
Ist ein still verschmitztes Luder, 
Weil zu schweigen er verstand, 
\V urde "Moltke" er genannt. 


Schliesslich noch, der witzig ist, 
Kommt Podsch",atek, ein Jurist, 
Liebt das Bairisch und die Fleck, 
Doch vom jus weiss er ein Dreck. 


I 


6*
		

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			84 


Und mit diesem noblen Worte 
Soll besenlossen sein die Honle, 
Zwar hab' ich nicht AU' genannt, 
Doch die Anuern sind bekannt. 


Carl der Kühne (1857-1861). 
Vereint zum frÖhlichen Gelag-e 
Nach langer, froh verlebter .Ferienzeit 
Sitzt an des Wiedersehens T:Jge 
lIfasovias Scham', zum Zechen stets bereit, 
An wohlgefüUtcr Tafel; Heiterkeit 
Herrscht rings im Kreise uns'rer Brüder, 
Es schallen kräftig die :Masnl'cnlicdcr, 
Trinken und Reden kürzen leicht die Zeit. 


So sitzen plaudernd auf der Kneip' sie da. 
Natürlich lieben sie es zu parlieren 
V or allem von .Mensuren, orientieren 
Sich über's Paukverhältnis der l\fasovia. 


Und wie sie noch darÜber sprechen, 
Da öffnet sich die 
'hÜr, es tritt herein 
Ein 
fann - man ahnt's, im Lanzenbrechen 
Einst sehr geübt; dass wacker er gekämpft 
Verräth der kräft'gc Wuchs; sein starlwr Arm 
War wohl ein Schrl'cken fÜr der Feinde Schwarm 
Er setzt sich, trinkt bedächtig - nur gedämpft 
Geht durch das Zimmer leises Summen - 
Er spricht - und alle rings verstummen; 
Denn er erzählt den krassen Füchsen, 
Wie seine Gegner er einst t.hät verwieIJsen, 
U ud sieht im Kreis sich tri umphierend um.
		

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			85 


Und so]]t' ein krasses FÜchslf'in sich's getrau'n 
Nach der Mensuren Zahl zu fragen, 
So heisst's: ,,1\1an konnte etwas schlagen! 
An 36 hab' ich stramm verhau'n." 


Fragt aber ihn ein Corpsbunwh nach der Zahl, 
Der drei Semester schon studiert; 
Da hat er L2 schon subtrahiert 
Und gab sie an auf 24 
Ial. 


Doch sieh, mein Held lässt mit sich handeln, 
Denn fragt ein fünfsemestriger :!\lasur, 
So wusst' er schndl die Zahl zu wandeln, 
War losgegangen 12 mal nur. 
Erkundigt sich jedoch ein altes Haus: 
,
Sag, Karlehen, wieviel mal bist losgewesen ?" 
Spricbt er: "Man lmnn's im Paukbuch lesen." 
Dort steht's: ein halbes l\Ial! da war die Freude aus. 


Ich will Euch aber noch erzählen, 
Wie es dabei gegangpn ist: 
Man kam, thät 
ucunrlanten wählen 
Und Unparteiischen. Der Bandagist 
Hat seines Amtes Pflichten gut erfüllt, 
Die Augen, Hals und Magen eingehüllt. 
Man stellte stramm sich geg'pnüber, 
Es tönte: »Auf Mensnr« und - »Los«, 
Ausliegen lauernd lange beide Hieber, 
Und 10 Minuten lang kein Tropfen floss. 
Der Gegner aber kannte keinen Spass 
Und hieb mit fnrchtbarer Conrage 
Dem Cmkhen grad in die Visage 
Und schlug ihm ab den Flügel VOl1 der Nas'. 
Man wollte Carldlen nun auch nähen, 
Doch sieh! das Stückchen Nas' war fort. 
Nach allen Seiten timt man um sich sehen. 
Da hört man plötzlich an 'nem fernen Ort
		

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			86 


Was niesen - l1Ull ging man dem Tone nach, 
Da hat die Nase Carlchens man gefunden 
Und al1genäht -- und kräftiglieh verbunden. 
Dies war die Schlacht, von der so oft er sprach. 


Die Entdeckung des Kometen Schimmel und die 
Bestimmung seiner sehr excentrischen Bahnen durch die 
Astronomen der Masovia. 
Schon seit längerer Zeit bemerkten die Astronomen der 
Cv1\f. an den blauen Himmel versenkt einen Kometcn, so 
sehr derselbe auch seine Existenz dadurch verdunkelte, dass 
es sich bald in Dunst und Nebel hüllte, bald so blau er- 
schien, dass er vom blauen Himmelsgrunde nicht unter- 
schieden werden konnte. Ferner bewegte derselbe sich in 
so excentrischen, von Curven noch unberechneten Grades be- 
. grenzten Bahnen umI wurde sein Lauf, in f1'olge der At- 
traction von Feuchtigkeit und dadurch veränderter Masse, 
::;0 schwankend und ul1sicher für die Berechnung, dass die- 
selbe in der That cil10 schwierige Aufgabe war. - Die 
Astronomen Ka.h und Schrag'e, welcher Letztere neben 
seiner angeblichen Thätig-keit, aus alten Chroniken die 
'Wahrheit hervorzuklauben, sich nächtling's damit be::;chäftigte, 
schwärmenden Gestirnen auf ihren ::;chwanl{enden Bahnen 
zu folgen, jenen beiden Astronomen - sage ich - gcbÜhrt 
der Ruhm der Lösung jener Aufgabe und e::; ü"t erfreulich, 
dass dor Fleiss und die Beständigkeit, mit df'r sie den 
Bahnen des schwärmenden Schimmel folgten, nicht nutzlos 
gewesen und dass es ihnen gelungen, mit Aufopferung 
mancher R acht, dieselbe wie folgt zu bestimmen: 
Der Comet - IIT- auch 
chwärlllestcrn genannt _ 
Schimmel gehärt zur Art der kurzge::;chwänzten, von bald 
dÜnnen, bald dichten Dunsthüllen - je nach der Feuchtigkeit, 
die er angezogen hat - umgebonen Cometen. 
eine jiihrliche 
Wiederkehr ist mit Bestimmtheit fÜr die Zeit vom 13-1ü. Juni 


J
		

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			R7 


constatirt. An diPRen Tilgen erscheint er 11m masurischen 
Himmel bereits um 12 Uhr l\Iittags in anfangs billssem, 
sich aber immer mehr und mehr riithendem Licht. Ausser- 
dem hat er auch noch wöchentliehe Perioden, und zwar an 
jedem :Freitag, wenn auch hier nicht immer mit Sicherheit 
nuf sein Erseheinen gerechnet werden kann. Er geht an 
diesem Tage gewöhnlich um U Uhr Abends auf, manchmal 
frÜher, manchmal splitcr, am nordöstlichen Horizont des 
Schlossteichs. Daselbst bleibt er bis er den Punkt von 
12 Ganzen Rectascension und 6 Ganzen Dedination 
(_ ,)Ganzen« sind stets >Grade« zu ergänzen) erreicht 
hat. Dann schi esst er mit der Schnelliglwit von 5000 Bier- 
meilen in der Bil'rsecundü im Meridian der Scblosstcichs- 
brÜcke nördlich dem Centralgestirn zu Ul
d wÜrde dieses 
in kÜrzester Zeit erreichen, wenn sein Weg nicht so dicht 
Rn der Gruppe der .neuen Polsterne« - masurisch-astro- 
nomisch Pölski-nowo oder Nöwo-polski) vorbeiginge, Hier 
erleidet er meist eine Verzögerung und Ablenkung, die sich 
auf 2-3 Ganze herechnet. Hat or diese Versäumnis über- 
wunden, dann gelangt er in den Centralstern, woselbst 
ein 'Vendepunkt sein<,r Bahn liegt; denn von hier ans wird 
sein Lauf entweder ein siÜllicIwr oder anf<1ngs südlicher, 
dann östlidlPr, je nachdem die Sterngrnppe »Bauer« oder die 
'Vanderstf'rne (Pnssage) eine grössere Attraction auf ihn 
ausiiben. Vb er aber auch die eine oder die andere Rich- 
tung veI1'olgt, "on da ab ist sein Lauf, wenn auch aller- 
dings vielen Schwanlmngen unterworfen, so doch sicher 
nach Norden und nach höheJ'cn Regionen gerichtet, und zwar 
nach dem Nebel-Fleck »Hecht«. Die Zeit, wann er hier 
anlangt, ist dann gewÖhnlich 4-5 Uhr Morgens. Von hier 
ab aher konnte er nicht weiter verfolgt werden, weil er sich 
im Nebelgrau des Morgens verlor. 



- 


..J
		

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			88 


Oletzko's Philisteriulli. 
BetrÜbt sass ich und dachf der Zeit, 
Wo ich, zu Scherz und Ulk bereit, 
Für die l\lasovia, dass sie lachte, 
Artikel der Bierzeitung machte. 
Da kam ein Weibsbild sonderbar, 
Mit ros'ger Wang' und krausem Haar, 
Gewänder etwas kühn geschürzt, 
Und's Kinn mit Grübchen schön gewürzt; 
Schlug lachend auf die Schulter mir: 
»Kennst Du mich nicht, mich des Satyr 
Und lust'ger Thalia Bastardkind? 
Ich war Dir doch stets hold gesinnt 
Dereinst als lust'gem Redacteur! 
Das 50jähr'ge ist jetzt da, 
Flugs machen wir ein Poema, 
Besingen wir, das wär nicht dumm, 
Oletzko's Philisterium.« 


Stadt. 
Der Schellong ist ein Oberpriester, 
Als solcher mal1chmal ecklich ist er, 
Zumal den Bart kann er nieht leiden, 
Wer pred'g-en will, muss ihn abschneiden. 
Auch schuf er den gemischten Chor, 
Drin singt man nach und singt auch vor. 


Der Kohtz ist ein unschuld'ger Mann, 
Ji:umal wenn er erzählen kann 
Vom Condit und vom Lehrer List, 
Auch ist er ein sehr gliiub'ger Christ. 
Das haben Kob und Busch gefunden 
Und ihm sehr oft was aufgebunden. 


Der Doerks, wie wol er Oberrat, 
Ein legitimes Weib nicht hat; 
Doch scheint ihn dies nicht zu verdriessen, 


L 


"""'"---
		

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			89 


Er weiss die Zeit sich zu versüssen, 
Er lebt als Junggesell sehr schöne, 
'V cnn auch mit etwas krumme Reene. 


Der Tribukeit, dpn lässt nicht ruh'n, 
Des dicken Doktor Busches Thun, 
In Bier und Grog und auch in Wein 
Muss er ihm stets al pari sein, 
Ob er ap'thekert nebenbei, 
Dies hier zu sagen steht nicht frei. 


Dem Berent zwar das Glück nicht lacht, 
Doch ist er nuch nicht ganz verzagt, 
Da 's ihm in Df'uh;chland nicht gelungen, 
Ist er in Russland eingedrungen, 
Doch hält auch dort er daran fest: 
Das Trinken ist das allerbest'. 


Der Busch seit er nichts schuldig ist, 
Spielt oft sich auf als Moralist, 
W CIln nicht der dicke Bauch ihm blieb, 
Als Zeichen, dass ihm immer lieb 
Das Essen und das Trinken wiir, 
Ihn zu erkennen wär oft schwer. 


Der Hoenillg der ist Prorecteur, 
'frinkt gerne viel, noch häuf'ger mehr, 
l\Iacht in c\f>n Kncipcn a]]p 1\1al 
Teils mehr, teils wenigf'r 
;candal, 
Und mit dem hohcn l\Iagistmt 
Stcht er auf stetem Kriegcspfad. 
Land. 
Der Schulz, im Kreis ein grossf's Daus, 
Sieht von Statur sehr hager aus, 
Er gleicht darin dem guten Hahn, 
Der auch nicht fütt wird, saget man. 
Neuheiten hört er gerne sehr 
Und übertreibt sie dann noch mehr.
		

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Pisanski ist in seinem Reich 
FÜrst und Pascha beid's zugleich, 
'" pr seinem Willen sich l1icht füget, 
Dcn das Kurländ'sche Wetter krieget, 
Er haut ihm nach gewohnter Art 
Gleich die gewohnt<, Schnurr'sche Quart. 


Dcr Hensel ist ein würdger Pfarr, 
Der Kinder hat er eine Scham', 
Am I..eibe ist er nicht sehr schmächtig, 
Doch ist im Trinken er bedächtig, 
1'hut sich auf seiner Pti'Ül1d' behagen, 
Sonst ist von ihm nicht viel zu sagen. 


CaspaTi eine Frau noch fehlt, 
Doch muss dieselbe haben Geld, 
Denn Kinder hat er comme il faut 
Auch sine matrimonio. 
Sonst ist als OcliHenhändler auch 
Auf Märkten meist er im Gebrauch. 


Ein kluger Kopp' das ist der B elll', 
Statt Andrer glaubt er's selberer, 
Den Frauen schneid't er gern die Cour, 
Teils zum Yergnügen, teils auch nur, 
\Veil er in seinem Innern denkt, 
Dass er die Blick' so auf sich lenkt. 


Mnemotechnische Abhandlung über Masuren 
und seine Bewohner. 
(Die gesperrten Xamel1 sind Namen VOll Philistern.) 
Unser alte::; Masurenland wird in zwei Teile geteilt, 
das Wendland und das Mendthal, welches vom Rhein 
gebildet wird. Die Bodenbeschaffenheit ist wie fast überall 
teils eine fruchtbare - denn wir haben Schwarzen äcker, 
- teils aber nicht, da mall auch viel Sand bei unH findet,
		

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was ja das C'harakteristische von Masmen ist. Doch auch 
dieser Boden trägt seine Frucht, da es bei uns keine \Vinter, 
wol aber Lenz, Sommer und Herbst giebt. Im 1'hal 
und aufBerg-en, wechseln Wald, Feld und Seee in buntem 
Durcheinander ab und erfreum sowol dio Bewohner, als 
ernähren sie dieselben. - Nicht nm J.cipzig hat sein 
RosenthaI, auch wir können UllS in MaSUI'l'llS Roscl1hail1 
oder im LilienthaI von des Tages Arbeit. erholen, und 
kiinnen. wenl1 auch nicht gerade auf den Fnchsherg, so doch 
auf den Hirschberg und den Schmiedeberg wandern. 
o ja, Masuren hat seinen Roi t z. Der 'Vildstand J\1asurens ist 
ausgezeichnet: nicht nur Hirsch, Fuchs, Lux, BC'hr und 
Zohel findet der frohe Jägersmann, er kann auch ab und 
zu sein Hühnchen schiessen, denn zum Hahn gesellt sich 
da::; niedliche Stepphuhn und deI' schnelle BrachvogeL 
Ja, auch fÜr Fischereiliebhaber ist gesorgt, und man findet 
in l\lasurens Seeen neben herrlichen Bressen und Barschel1 
den l..östlichen Hecht und in don Flüssen df'n lieben KrC'hs, 
der dann hier im Doerfert'schcn Haus fÜr schweres Geld 
zu kaufen ist. 
Masurens Einwohner sind aus verschiedenen Nationali- 
täten zusammengewüdelt; nicht Dcutsch'e uml Preuss'en, 
auch Sachse, Hesseu, l\leissner sind vorhanden, ja 
::;ogar Tyrol und l\läckelnburg ist vertretC'n, und der 
Pommer kanl1 auch nicht fehlen, denn wir habC'n 1\:01 berg. 
Doch woher sie audl stammen, es sind Alles Leute von 
Kraft ul1d l\1asovia hat in seinC'ulVliinul'l'll, als da sind 
Hamann, Ke1lermann, Saemunu, Riemann, Neumann, 
8tadelman n, Bierman n, Sch Of'nemann, Sch uen eman n, 
'l'eichmann, Kossmalln, Pclkmann, HoulIlann, B£'rg- 
man n, Hoff-, Leh-, 1\1011-, Watt-, Neu-, Schcu- und 
andern \Iännern eine ganz berleutenrlC' 1\1 a eh t. Nun ist 
das nicht ein kräftiges Geschled1t, das eilH'n Brinkmanl1, 
den erfolgreichen Gegner Lepp's d. GI'. aufzuweisen hat? 
Der Masur ist ein Mann von Fleiss; er lebt meistens 
vom Ackerland. Der Bauer bestellt seine Ländereien. die, 
wenn sie auch oft mit Kiesel uud Steiller und Üppig
		

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			92 


wucherndem Rum ey angefüllt sind, wie 's auch manches 
Radrfeld giebt, im Ganzen Guttfeld geheissen werden 
könnclJ. Nur selten missrät. eine Erndte, und hoffentlich 
kehren die l\1.issfelder nicht zu oft bei uns ein. - Der 
masursche Landwirt macht einen guten Tisch, denn er 
hat seinen Ko eh. Dann ist, wie bekannt, jetzt die Zucker- 
fabrikation im besten Gang, und in 'lasuren suUell einige 
Fabriken eingerichtct werdelI, da man in letzter Zeit viel 
von RÜbsamen hat sprechen hören. Auch wird viel 
Butter und Käse fabriciert und fast jeder Landwirt hat 
jetzt seine Meierin uder seilIen Meier, Nach vollbrachter 
Tagesarbeit reitet er seine Pferde in die Traenk, dann 
geht's zu Bier und zu Bett. Haus und Huf bewacht, um 
einen Provinzialismus zu gebrauchen, der Küther. 
111 den I::Jtärlten l\Jasurens ist der Handwcdmrstand 
am verbreitetsten. Da giebt es natürlich Sl1humacher, 
Glaser, Schreiner, Färber, die den Blaurock machen, 
Ziegler, Fleischer, Gärtner, Böttcher, Bäcker, 
Schiefferdecker und MÜller, von denen mancher sein 
Spef'ialfach hat, wie der vVeitzenmüller. Seltsmnor Weise 
ist sogar ein Griitzmacher aufzufinden; wahrscheinlich 
hat derselbe sich etablirt, weil hin und wieder ein l\lasur 
zum Pappen genöthigt ist. - Da auch ein Hufnagel 
vorhanden, wird auch ein Sc h mi d t zu finden sein. Hat der 
Handwerker seinen Feierabend gemacht, so geht er ins Gäl't- 
ehen, setzt sich unkr seinen Rosensto ck oder Eichel baum, 
kost mit seinem Nachbar, natürlich Fakultäten-Simpelci, 
und reisst mit df'n vorÜbergehenden Mädchen manchen 
Ulk-an. Freilich giebt es im guten l\Immren auch einen 
Borchmann, doch soll derselbe seit Einrichtung einer 
Pumpkasse keine guten Geschiifte mehr machen. 
Zum Landesschutz ist der Krieger da, der sowol zu 
Fuss, als auch als Reu tel' dient. Das wären somit der 
Nähr- und Wehrstand. - Vom Lehrstand ist mir nur ein 
Ka n tel' hekannt. - Gerichtsbarkeit ist auch vorhanden, 
ich erinnere nur an Hitzigrath. Auf dem Landf' ist die 
uberste Behörde der Schulze. - In der Goldwähmng ist
		

/Pomorze_027_11_095_0001.djvu

			93 


man mit der Zeit mitgegangen, nur findet sich noch mit- 
unter ein Elmenthaler; zwar wird Silbergeld geprägt, da 
I\1asovia einen ganzen Silberstein hat, der vom emsigen 
Bergmann aus der Erde gehoben wird, doch begnügt man 
sich meist mit kleiner MÜnze, mit Nickel. - Gezecht wird 
kolossal, der Biermann schleift den Stoff herbei, man 
zieht den Haeber, jetzt Spritzkrahn genannt, und sauft 
wie ein Loch. Stramme Kerls, hin und wieder einer 
Patzig, nach und nach verzieht sich Einer nach dem 
Andern, es wird Stiller; schlaftrunken schaut man nach 
dem verlö8chenden Stern; man geht nach Haus, öffnet 
schwer mit semem Diettrich die ThÜr, legt sich ins Bett 
und schläft sich aus. Des Morgens stärkt man sich mit 
einem Sauerhering und trinlit weiter. Der :\Iasur huldigt 
niimlich neben delll einzigen Gott noch dem Altergott 
llal:chus. Noch sei bemerkt, dass es in Masuren zwei 1'änze 
gicbt, den Haidukatanz und den Löwendanz. "Vas aber 
das sonderbari:ite ist, ist, dass die l\'Iasovia nie aussterben 
kunn, denn sie hut einen Schwiegersohn, den Tochter- 
mann. 
Nachdem ich so das Hauptsiichlichste von den :Masuren 
erzählt, sei es mir erlaubt, von meinem GasteU herunter 
zu klettern. 


Die Redaction hat sich behufs würdiger Ausstattung 
der Bierzeitung zum 50jährigen Stiftungsfest u. A. auch 
an den rühmliehst bekannten Herrn "\Vippchen in Bernau 
mit der Bitte um U ebCl'sendung eines Beitrags gewandt 
und hält eR für angemessen, diese Correspondenz theilweise 
zur Kenntniss der verehrten .Festteilnehmer zu bringen. 
Herrn Wippchen-Bernau. 
Obgleich Sie so freundlich waren, uns auf unsere Bitte 
hin einen Beitrag. zu dm" Bierzeitung des 50jährigen Stif- 
tungsfestes des Corps Masovia umgehend zu übersenden, 
so befinden wir uns doch in der prekären Lage, selbst auf
		

/Pomorze_027_11_096_0001.djvu

			M 


die Gefahr hin, Sie ernstlich zu erzÜrnen, Ihnen Ihr Elaborat 
nebst der unbezahlten, freilich schon von Ihnen quittiprtr'n 
H onorarliq uidation zurückzuschicken. 
Sie werden doch unmöglich annehmen, dass die zu 
dem Feste anwesenden Masuren, welche ja Alle in Künig8- 
berg studiert haben, Ihnen Olaubl'll I:>chenken können, wenn 
Sie von einer Seeschlacht berichtcn, die zwÜ;chen Studenten 
und Riffpiraten auf dem Schlossteich geschlagen sein ::;oll. 
"Vie es uns scheint, sind Sie leider nur im Stande, aben- 
tcuerliche Kriegsscenen zu schilllern. während wir auf etwas 
ganz Anderes gerechnet haben. Lndem wir Sie um eineIl 
druckreifen Bericht ersuchen, der zu einer Bierzeitung 
einigernmassell passt, grÜssen wir Sie 


ergebenst 
Die Redaction. 
Auf diesen un::;ern Brief erhielten wir folgende Antwort: 
Bernau, den 15. Juni 1880. 
Sie sind in einem bedauerlichen Holzwege befangen, 
wenn Sie glauben, dass ich mich nur mit der schriftlichen 
Porträtierung eines ausgebrochencn l\1ars in meinen lHUI:>8Ü- 
minuten aufreiben könnte. 
Ihr gf'schätzter Brief, der jedem Andern ein Hiobsboto 
gewesen wäre, Iiess mich - verzeihen Sie das harte Wort - 
kalt. [eh verhielt mich ganz gelu8l:>en, weder vergoss ich 
Geliichtel', noch hielt ich mir den Bauch vor 'l'hränen. _ 
Habe ich wirklich den Schlossteich in noch schlechteren 
Geruch gesetzt, dass man sich im Sommer die Nasen mit 
Watte zuhalten muss, so gebe ich Ihnen unbesehens Recht 
und wünsche, dass das Geschehene in die Lethe gerathen 
möge. 
Da Sie mir die Horen sehr kurz bemessen haben, so 
bin ich in die Alternative gekommen, entweder moineu 
Bericht Über das Knie zu schreiben, oder die alte Salztonne 
meiner Manuscripte aufzuwärmen, - ultra tmtium nomo 
obligatur! - 
Sie werden bcgreifen, dass mir unter einelll solchen modus 
vivendi die Näg'el unter den Suhlen brennen und mir da::;
		

/Pomorze_027_11_097_0001.djvu

			95 


Blaue vor den Augen tanzt. - Ausserdem war ich in der 
jüngsten "\V oche sehr verstimmt, denn ich habe in Ihrer 
Cerevislotterie nichts gewonnen, ubschon ich, um sicher zu 
gehen, zwei Loose ä 1 Mark gekauft hatte. Ich wollte eben 
ein Mal Fortuna - verzeihen Sie das hartc Wort - bei 
den Füllhörnern packen. Aber ich bin ein rechter Pech- 
pilz, niemals fällt mir das kleinste Schwein in den 8chooss; 
das ist sicher wic d!ts Amen beim Bäcker. 
Mehr Vergnügen hat mir schon ihr V orfeiCl.abend ver- 
ursacht, den ich als blinder Gast von der Damentribüne 
herunter belauscht habe. Mir trat das puchende Herz in 
die Augen, wenn sich die alten Häuser entgegenstürzten 
und illl'e 
chneehäupter unter die Fuchshaare mischten, 
wenn langc getrennt gewesene Freunde Thränen des Wiedcr- 
sehens trockneten und gemeinsame Bilder dCl" Vergangen- 
heit, durch Spiegel der Gegcnwart reflectiert, wie Sphären- 
musik in ihr inneres Auge klangen. 
Weitere Worte übel' diese BegrÜsslmgsfeierlichkeit zu 
Papier zu bringen, wäre kein Ding der Möglichkeit, denD 
bereits bei dem 12. Schoppen wurde mir die Nase so 
schwer. dass ich kaum mehr das "V ort "Exterritorialität" 
dialektisch rein heraushören konnte; beim 18. lallte mein 
Auge nur noch undeutlich "Eulalia", und beim 24. sah 
meine Zunge nichts mehr, als die dunkeln Umrisse der 
mich begleitenden Trüger. - Dieser von mir theuer bezahlte 
Äffe metamorphosierte sich am andern Morgen in einen ganz 
gewöhnlichen Kater und zauste meine Stirnlocke derart aus- 
einander, dai:is ich ihn bei dem Schwanze ergriff und ver- 
geblich versuchte, aus meiI1Cl" Kehle zu entfernen. Leider 
gelang mir dies zu spät, so dass ich von dem ganzen Kon- 
zert nur den letzh'n Kanonenschlag sah und bei der auf 
den erhcbcnden Anblick des "GaudcaInus" folgenden Kneipe 
meinen gequälten l\lagen mit Selterwasser für eine Brut 
von Infusorien zu präparieren verurteilt war. 
Erst bei dem A ufz ug vcrliess mich meine Stimmung, 
die herunterhängende Unterlippe wurde zum Lächeln, der 
Alpdruck auf dem Kupfe vertlüchtete sich, die Sch" ere
		

/Pomorze_027_11_098_0001.djvu

			-. 
 


96 


des Gliedes entzog sich meinen Gefühlsorganen - ich wurde 
aUmälich wieder zu einem denkenden Beobachter. 
Und so sab ich denn mit einem Haarsträuben, wie 
sich in einem der Reiter die Pegasusnatur durch seine an- 
geborene Aengst1ichkeit Bahn brach, wie er immer höber 
und böher flog, bis er plötzlich - auf der Erde lag und 
seine Ikarussporen im Staube wälzte. Wäre ich nicht geistes- 
gegenwärtig den nachfolgendf'll Zügeln in die Pferde ge- 
fallen, so hätten die Hufe der folgenden 'Vagen dem 
Gefallenen die Beine zu Klopsfleisch gebrochen: so kam 
der GestÜrzte mit gelber Hose davon. 
Um mich dem Üblichen Danke zu entziehen, reiste ich 
mit dem Gefühl eines Samariters nach Bernau, wo ich be- 
reits Ihr Schreiben auf mich wartend vorfand. Da der 
Brietlmsten gleich abgehen soHte, so warf ich schnell meine 
vorstehenden Erlebnisse anf dag Papier; dann büeiUe ich seImell 
meinen ventre-ä-tel'l'e, froh dass ich noch zeitig auf den Bahnhof 
kam, um diesen llrief in das schon zum dritten Male klin- 
gelnde Dampfross zu wCJfen. Hoffentlich kommt Cl' zum 
Nachtage, zu dem ich Ihnen allen einen gesegneten Kater 
wÜnsche, noch zur Zeit. 


Ergebenst 
Wippchen. 
P. S. Da ich augenblicklich in grosser Verlcgf'l1heit 
bin, so bitte ich Sie um ein Darlehn von höchstens 30, 
mindestens 40 Mark aus Ihrer Pumpkasse. 


D. O. 


'1 


Druckfehler. 
S. 36. Z. 13 von unten 1. Sehellong 81. Sehelling. 
S. 52, Z. 16 von untcn I. Skatcmblemen 81. I::;katcnblumen. 
S. 52, Z. 2 von unten 1. Füchslein 81. FuchsIein. 
U ntcr den Festteilnehmern sind durch ein Versehen ausgelassen: 
289. Claussen. Carl, Ostern 31, Professor in Hastenburg. 
290. Berent, l<'ritz, Michaelis 57, Pal'ticulier in Oletzko. 
291. Himal'ski. Julius, Ustern ü9, Pfarrer in Stradaunell. 


Biblioteka Gl6wna UMK 
1111111111111111111111111111111111111111111111111111111 
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			Biblioteka Gtowna UMK 
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